Brauchen Kinder die Oma oder kann man mit der Mutter des Ex-Partners Schluss machen? Teil 2


Wir hatten neulich hier einen sehr bewegenden Gastbeitrag einer Mutter, die sich fragte, ob sie nach einer sehr schmerzhaften Trennung und dem Tod des Ex-Partners die Beziehung zu seiner Mutter für die Kinder erhalten müsste. Zumal sich die Oma alles andere als fair verhielt. 

Hintergrund in aller Kürze:

Die Beziehung zum Vater der Mädchen (6 und 7) war von Gewalt geprägt – die Oma hat ihren Sohn immer in Schutz genommen und die Mutter diskreditiert.

Mit Hilfe einer Nachbarin und des Jugendamtes kam eine Trennung zustande, danach beging der Vater im Zusammenhang mit Drogenkonsum Selbstmord – was seine Mutter der Schwiegertochter anlastet, weil sie sich getrennt hat.

Die Mutter wollte den Kindern eigentlich nicht den Kontakt zur Oma versperren, aber diese war übergriffig und respektierte nicht ihre Wünsche, postete z.B. öffentlich Bilder von den Mädchen auf Facebook, holte die Jüngste ohne Absprache aus dem Kindergarten, wollte mit ihr ohne Einverständnis der Mutter in den Urlaub fahren…

Hier könnt ihr die ganze damalige Geschichte lesen.  Die meisten von euch haben der Mutter in vielen Kommentaren Mut zugeredet und dahin plädiert, das sie sich selbstbewußt von der Oma emanzipiert – gerade für die Kinder. 

Nun haben wir ein Update in dieser Geschichte, ab hier schreibt wieder unsere anonyme Mama:

Ich habe zunächst den Kontakt zu Oma durch den Anwalt eingeschränkt auf alle 4-8 Wochen an einem Tag am Wochenende für 4 Std. Sie muss sich an gewisse Forderungen halten. Z.B. darf sie keinen Kontakt mehr selber zu den Kindern herstellen, mich nicht mehr in Konflikte mit meinen Töchtern verwickeln, und keinen Einfluss darauf nehmen ob meine Tochter trauert oder nicht. Sie darf nicht mit den Kindern zum Friedhof.

Bei der Psychologin wurde bei meiner Großen ADS diagnostiziert.

Ich habe beim Jugendamt einen Antrag auf eine Familienhilfe gestellt, da es mir in dieser Zeit sehr schlecht ging. Ich habe gemerkt, dass meine Depression zurück kam. Der Konflikt mit der Oma und der immense Druck in der Schule, das Nicht-Konzentrieren-Können meiner Tochter auch zuhause bei den Hausaufgaben lasteten auf mir.

Ich wollte meiner Tochter keine Medikamente geben und bin zum Glück stark geblieben. Ich habe sie wegen der großen Defizite in der Schule zurückstufen lassen. Ich habe viel im Internet recherchiert noch während der Diagnostik, um Wege zu finden, ihre Probleme auch ohne Medikamente in den Griff zu bekommen. Ich bin dann auf die ADS Ernährung gestoßen und habe in den Sommerferien angefangen, ihre bzw. unsere Ernährung umzustellen. Sie mochte z.B. noch nie Fisch, also habe ihr ein hochwertiges Omega 3 in Form von kapseln besorgt, Zucker gestrichen und nur noch frisch gekocht (viel Brainfood). Als Süßigkeiten Ersatz darf sie Nüsse und Beeren, die ich ihr auch als zusätzlichen Snack jeden Morgen in die Brotdose packe essen. Sie merkt wie gut es ihr tut und verzichtet freiwillig auf Süßigkeiten.

Bis heute haben wir nur positives Feedback aus der Schule. Sie hat sich sehr gut in ihre neue Klasse integriert und ist mit Freude dabei, liest mir Kinderbücher vor, was letztes Jahr unvorstellbar war, da sie selbst die einzelnen Buchstaben immer wieder vertauscht hat, weil sie sich einfach nicht konzentrieren konnte.

Meine Kleine nimmt die Besuchskontakte gerne an und ist bis jetzt zu jedem Termin mit Oma gefahren. Meine Große ist immer noch enttäuscht, dass Oma sie damals als Lügnerin hingestellt hat. Ich habe ihr gesagt, dass sie vielleicht doch nochmal mit fahren solle, um Oma die Möglichkeit zu geben sich zu entschuldigen. Sie ist dann auch einmal mitgefahren, aber es kam keine Entschuldigung und seitdem möchte sie nicht mehr.

Oma hält sich nicht an Abmachungen.

Ich habe Oma Bescheid gesagt, wie die Situation mit der Großen ist… dass sie ADS hat und ich ihr keine Medikamente geben möchte, sondern erst alle anderen Möglichkeiten versuche und ich habe ihr auch gesagt, dass sie der Kleinen bitte keine Süßigkeiten mehr mit nach Hause geben soll.

Beim zweiten Besuchstermin war dies allerdings schon wieder vergessen und die Kleine kam mit Bonbons und einem Riesenlutscher nach Hause. Auch hatten Oma, Opa, Tante und Onkel versucht meine Tochter zu überreden, mich doch noch mal zu fragen, ob sie dort übernachten könne…  und sie mit Versprechungen um den Finger gewickelt. Zum Beispiel, sie würde bei Oma im Kinderzimmer eine neue Schlafcouch und einen eigenen TV bekommen. Meine Maus hat sich direkt schlecht gefühlt, weil ich sie nach dem Anwalt darüber aufgeklärt habe, dass sie Oma gern alle paar Wochen für ein paar Stunden besuchen kann, ich aber Übernachtungen nicht mehr dulde.

Anschließend habe ich dann von Oma eine Nachricht bekommen wie schlimm die Situation für meine Tochter wäre, weil ich den Kontakt so einschränken würde, eigentlich darf sie mich noch nicht mal anschreiben.

Seitdem möchte die Kleine auch nicht mehr hin.

Ich ziehe hier den Schlussstrich weil meine Kraft auch langsam am Ende ist.

Was mir hilft? Mittlerweile versteht mich meine Familienhilfe und das Jugendamt, sie haben angeboten nur zu vermitteln, wenn ich es möchte. Ich bin sehr froh über meine Familienhilfe, die auch meine Kinder super finden und direkt ins Herz geschlossen haben!

Ich möchte anderen Müttern Mut machen die vielleicht in ähnlichen Situationen stecken wie ich damals in der Beziehung mit dem Vater von meinen beiden ersten Töchtern, oder die auch eine narzisstische Großmutter haben oder ein Kind mit ADS….

So schwer wie der Ausweg auch aussehen mag…

…ist er nicht, die wenigsten Menschen setzen ihre Drohungen in die Tat um!

Das Wichtigste ist nur, das Vertrauen in sich selbst und in seine Kinder nicht zu verlieren. Kein Mensch auf der Welt hat es verdient, sich schlecht behandeln und demütigen zu lassen. Denkt an eure Kinder und an euch selbst. Euren Kindern geht es am besten wenn ihr glücklich seid und sie geben euch so viel Kraft!

Liebe anonyme Mama, vielen lieben Dank, dass du dir die Zeit nimmst, anderen deine Geschichte zu erzählen und ihnen Mut zu machen. Ich bin ganz sicher, dass sich viele davon inspiriert fühlen. Du bist eine starke Frau, und ihr habt zusammen es verdient, glücklich zu sein – auch ohne Oma. 

Liebe Grüße,

Béa

 

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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