Elternsein ist eine Führungsaufgabe – meine 10 Prinzipien


Ich lese viel in Sachen Elternschaft, und noch vielmehr beobachte ich. Ich sehe, wie manche Eltern schlichtweg vor ihrem Nachwuchs Angst haben – das fängt morgens mit der Wahl des „richtigen“ Müslis an, im „richtigen“ Schüsselchen – bis hin zum leisen Schleichen aus dem Zimmer, wenn der Nachwuchs nach Stunden des Einlullens endlich eingeschlafen ist… Ich bekomme aber auch mit, dass in anderen Familien aus purer Verzweiflung Säuglinge nach Ferber-Methoden schreien gelassen werden und manche es nicht für schlimm erachten, wenn „mal die Hand ausrutscht“.

Was ist da los?

Tja, ich meine, dass genau das los ist, was Millionen von Angestellten in der Arbeitswelt auch erleben:

Schlechte Chefs am Werk!

Entweder wachsweich – sie lassen sich auf der Nase herumtanzen – oder zu autoritär und meistens schlecht drauf.

So geht es nicht!

Elternsein ist eine Führungsaufgabe. Wer seine Mini-Mannschaft liebevoll führt, macht das richtig.

Für das „liebevolle Führen“ habe ich – als Mutter und als Chef (ich habe schon mal ein Unternehmen mit 360 Mitarbeiter geführt) – ganze 10 Prinzipien. Und die möchte ich euch darlegen anhand des Themas „Was tun, wenn mich das Kind haut?“. Denn gerade dieses Thema hat diese Woche einige Diskussionen in der Elternblogger-Szene angeregt. Nicht umsonst hat meine Bloggerfreundin Tina von Einer Schreit Immer erklärt, warum es sie wirklich stört, wenn ihr Kind sie haut. 

Und um das auch gleich auf den Punkt zu bringen: Auch mich hat keiner zu hauen! Weder Kind, Mann, Mitarbeiter oder sonst wer. Höchstens mein Kampfsporttrainer, aber das gleicht sich schon aus. Wenn jemand Anstalten macht, mich zu hauen, mache ich klar, dass dies keine Option ist und dass ich mich wehren würde. Auch bei einem Kind würde ich klar und deutlich NEIN sagen: „Stopp!“ ist ein gutes Wort – das lernen sogar Kinder in Selbstverteidigungskursen. Ausgestreckte Hand.

Wenn das Hauen bereits passiert ist, würde ich nicht zurück hauen – sondern versuchen, das Kind körperlich so zu überwältigen, dass ein weiteres Schlagen, Treten oder sonstige Aggression nicht mehr möglich ist. Und dann durch Kommunikation den Konflikt lösen. Siehe auch meine 10 Prinzipien fürs liebevolle Führen als Mutter oder Vater:

1. Bedürfnisse verstehen – Wahrnehmen, Zuhören, Nachfragen

Auch ich bin ein großer Fan von Beziehung, aber nicht anstelle von, sondern als Basis für eine gute Erziehung. Wenn mein Kind aggressiv ist, dann geht es darum zu verstehen, was es gerade braucht: Hat es Hunger? (Ja, das ist bei Carina in 90% der Aggressionsfällen so, sie ist der „Hangry“-Typ, also Angry wenn sie Hunger hat. Bis heute noch. Selbst ihr Freund gibt ihr keine Widerworte wenn er nicht sicher Kekse in der Tasche hat.) Oder hat das Kind einen anderen Konflikt mit sich auszumachen? Im Falle des Hauens würde ich durch gutes Zureden, wenn sich das Kind beruhigt hat, herausfinden, was ihm gerade Kummer bereitet und die Aggression ausgelöst hat.

Wie auch immer: Besser ist, diesen Grundsatz dauerhaft zu leben und nicht erst damit anzufangen, wenn sich die Aggression zeigt. Aber hey! Besser spät als nie.

2. Beispiel ist alles – sie machen alles nach

Kinder kopieren unser Verhalten. Aber nicht nur unseres – sondern auch das der älteren Kinder in KiTa und Schule, oder auch das der Helden in Büchern und TV. Wenn im Elternhaus keine Gewalt herrscht, wie es bei uns immer der Fall gewesen ist, habe ich durch Gespräch oder Beobachtung schnell herausgefunden, wer die Rollenvorbilder waren…

3. Mit Humor und guter Laune geht alles einfacher

Ihr wisst ja, das ist ganz großes Thema bei mir. Ich bin überzeugt, dass sogar die Bildung unserer Kinder besser wäre, wenn die Laune im System nicht so mies wäre… Im Falle der Aggression ist es nicht einfach, weil so ernst. Aber wer die Nerven zu einem Ablekungsmanöver hat, hat bereits gewonnen. Es lohnt sich, einen richtig albernen Satz parat zu haben: „Schau mal, ein siebeköpfiger Affe mit Blaubeereis!“ Häh? Ja. Selbst wenn sich der kleine Aggressor damit erst recht verarscht fühlt, seine Energie ist in dem Moment weg – und ich vielleicht schon einige Schritte weiter, in Sicherheit.

4. Grenzen setzen und Nein sagen sind Teil des Jobs

Kinder sind überfordert mit zu viel Optionen – und nicht alles, was sie wollen ist gut und wertvoll für sie. Es ist nötig und wichtig, dass sie auch eine Leitplanke haben, damit sie sich in den richtigen Bahnen entwickeln können. Beim Hauen ist es ganz klar: „Nein! Ich will das nicht!“ – sagt selbst Susanne Mierau, Expertin für Attachement Parenting.

5. Entscheiden und Entscheidungen klar kommunizieren

Siehe auch Punkt 4. Führen heißt: Entscheidungen treffen. Und erklären, warum. Kurz, knapp, präzise. Ihr wisst, ich bin absolut gegen Bestrafung und solche Ideen wie Auszeit.  Aber wenn ein Kind gerade in Hau-Laune ist, kann es sein, dass es die Konsequenz hat, dass wir Pläne auch ändern müssen – zum Beispiel für einen bestimmten Besuch oder eine andere Aktivität. Es sei denn, ich bekomme ein handfestes Versprechen, dass das unerwünschte Verhalten aufhört. Dazu mehr beim nächsten Punkt.

7. Vertrauen und Zutrauen – auch in die Allerkleinsten

Ich habe gern Vertrauen in Menschen und habe oft die Erfahrung gemacht, dass dies eine Resonanzbeziehung ist. Je mehr ich vertraue und zutraue, desto mehr wollen sich kleine und große Menschen diesem Vertrauen würdig zeigen. Deswegen würde ich auch im Falle eines Aggressions-Ausrutschers darauf setzen. Wenn das Kind zur Einsicht gekommen ist, dass das Hauen nicht OK war und es nicht wiederholen möchte, würde ich das auch so glauben. Dann glaubt es das Kind selbst umso mehr.

8. Fehler zulassen und zugeben

Ja, Menschen machen Fehler – und daraus lernen wir! Gerade ganz kleine Kinder sind bei jeder Form von auffälligem Verhalten eigentlich im „Jugend Forscht“-Prozess. Deswegen ist es gut, ihnen da zu helfen. Und am meisten hilft man ihnen, wenn sie erleben, dass auch Mama oder Papa mal einen Fehler machen, und sich dafür entschuldigen können.

9. Offenheit und Transparenz sind sehr hilfreich

Wie soll ein Kind lernen, seine Gefühle einzuordnen, zu verbalisieren und zu reflektieren, wenn die Eltern eine stete Fassade von „Contenace“ wahren? Ja, auch mich machen Dinge aggressiv (Steuererklärung! Das Finanzamt!!!) und auch ich hätte Lust, machmal zu hauen, wenn mich etwas oder jemand ganz doll nervt. Aber ich tue es nicht. Und genau das können wir in den bestimmten Momenten auch unseren Kindern vorleben: Über die Aggression sprechen – und sie nicht umsetzen.

10. Mit anderen Führungskräften kooperieren

Nicht vergessen, ihr seid nicht allein! Euer Partner – oder wenn ihr alleinerziehend seid – ein Freundin, Oma oder Opa, oder sogar ein Nachbar können Gold wert sein, um die Situation zu besprechen. Sogar mit dem Kind zusammen. Probiert das aus. Ich bin damit sehr gut gefahren. Gerade mein Mann Oliver ist ein exzellenter Ausdiskutierer: Geduld ohne Ende, sehr reflektiert, sehr gut im Argumentieren (der Mann hat Politik studiert, auch wenn er danach Unternehmer geworden ist). Je älter Carina wurde desto eher hat sie sich klar gemacht, dass sie manches an unerwünschtem Verhalten lieber lässt, als stundenlange Diskussionen in Kauf zu nehmen…

Und, was meint ihr? Habt ihr auch Grundsätze? Wie nehmt ihr euere Führungsfunktion wahr?

Liebe Grüße,

Béa

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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2 Kommentare

Suse
Antworten 4. August 2017

Dem ist nichts hinzuzufügen.
Meine Devise: ich setzte keine Grenzen, sondern zeige die vorhandenen auf. Als allererstes meine Grenze.
Z.B. nicht schlagen/geschlagen werden. Oder ich komme noch einmal nach dem Gutenachtsagen. Dann ist Elternzeit.

Elli_w
Antworten 5. August 2017

Der Gedanke "Jugend forscht" hat mich zum Lächeln gebracht, denn genau das erlebe ich zurzeit bei meinem 2,5 jährigen. Und es hat auch was von Mama forscht - denn auch ich muss erforschen, wie ich mich in gewissen Situationen verhalte und das dann reflektieren. Sehr spannend für alle Beteiligten! Das "Stopp" und das dazugehörige Handzeichen habe ich (lange im Kampfsport und als Jugendtrainerin aktiv) auch früh eingeführt und kann es tatsächlich nur empfehlen. Das macht immer klar: Es ist kein Spaß (mehr), ich will das nicht und beende die Situation. Kinder sollten das meiner Meinung nach früh lernen, um sich selbst zu schützen, ob es um körperliche Gewalt oder auch um vermeintliche "Spiele" geht. LG

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