Den Fluch der Depression vererben? – Gastbeitrag von Darksun


Unsere Darksun, die ab und zu hier als Gastautorin über ihr Leben mit Depressionen und Kindern schreibt, weil sie aufklären möchte, hat uns wieder mit einigen wertvollen Gedanken versorgt: 

Die Last, den Fluch der Depression zu vererben

Jeder kennt das Märchen „Dornröschen“. Die besten Wünsche der guten Feen und der Fluch der bösen Fee. Ein hilfloses Baby wird verflucht und Eltern, denen nichts anderes übrig bleibt als Vorkehrungen zu treffen, um der Verwünschung zu entgehen. Aber am Ende nützt es ja doch nichts. Es tritt ein, was eintreffen muss…

Sich als Mutter aber gleichzeitig als die böse Fee zu fühlen und trotzdem zu versuchen, die Kinder vor dem Fluch zu bewahren, ist eine schwere Last.

Ich habe meinen Kindern die Depression vererbt, das ist mein Fluch.

Seit ich 18 Jahre alt bin, weiß ich von meiner Krankheit. Erst viele Jahre später stellte es sich heraus: Sie ist chronisch.

Niemand hat mir damals gesagt, dass ich meinen Kindern diese Veranlagung mitgeben würde. Und selbst wenn, dann hätte ich mich für die Kinder entschieden, in der Hoffnung, ihnen bleibt der Ausbruch dieser Krankheit erspart.

Aber das Leben ist kein Märchen und meine zwei Söhne hat der Fluch dann doch getroffen.

Depressive Episoden, jeweils mit 8 und 16 Jahren.
Und obwohl ich selbst schon so lange erkrankt bin, war es für mich ein Schock. Natürlich wusste ich, welche Hilfen ich suchen musste und was ich tun musste, damit es besser werden kann. Aber ich konnte es ihnen nicht abnehmen. Das ist wohl für jede Mutter das Schwerste: zwar helfen, wo man kann, aber es nicht verhindern können. Es den Kindern nicht abnehmen können.

Meine eigene Depression zwang und zwingt mich in die Gedankenspirale:

„Was bist du für eine Mutter, die den Kindern so eine Krankheit mitgibt? Du bist SCHULD, dass sie so leiden müssen!“

Ja, ich fühle und fühlte mich schuldig, auch wenn es den Kindern jetzt besser geht und sie derzeit gesund sind. Aber es bleibt die Angst vor der nächsten Episode, die da vielleicht irgendwo lauert.
Ich schäme mich dafür, dass ich es meinen Kindern nicht ersparen konnte und ich fühle mich hilflos wenn die Kinder mit ansehen müssen, wenn es mir schlecht geht.

‚Löst es  bei den Kindern eine neue Episode aus, wenn es mir selbst gerade nicht gut geht? Die Kinder brauchen Stabilität! Kann ich eine gute Mutter sein, wenn ich doch selbst erkrankt bin?‘

An schlechten Tagen kreisen meine Gedanken sehr oft darum, ob ich eine gute Mutter sein kann.
An sehr schlechten Tagen bin ich überzeugt davon, dass ich es nicht bin.
An guten Tagen sehe ich, wie sehr meine Kinder mich lieben, trotz allem.

An sehr guten Tagen weiß ich einfach:

Die Veranlagung haben meine Kinder zwar geerbt. Aber sie haben eine Mutter, die sie sehr liebt und die immer für sie da ist. Eine Mutter die achtsam ist und genau hinsieht. Eine Mutter, die bereit ist Berge  für sie zu versetzen, auch wenn es ihr gerade selbst nicht gut geht. Ich bin, durch meine eigene Krankheit, sensibilisiert und kann schon kleine Warnzeichen erkennen und Hilfe suchen.

Jedes „Mama, wir haben dich so lieb!“ zeigt mir, dass der Fluch zwar auf uns lastet, aber wir uns nicht von ihm besiegen lassen.

Liebe Grüße,

Darksun

Wer von euch kennt diese Gefühle? Kennt ihr sie vielleicht auch von anderen Krankheiten?

P.S. von Béa: Oft gibt es das Problem, dass Eltern eine Depression bei ihren Kindern nicht erkennen oder nicht wahrhaben wollen. Dazu hatten wir hier auch schon mal einen Beitrag. Und ich habe das in der eigenen Familie erlebt, dass nur jemand, der selbst Depressionen hatte, bei einem jungen Mädchen fähig war das Problem mit der Antriebsschwäche zu erkennen und es entsprechend zu werten – während sich die Eltern dachten: „Ach, die ist einfach nur faul und desorientiert.“ Eltern, die das kennen, werden die Krankheit eher aufspüren.

Und ja, ihr Lieben, deswegen kommen hier so viele Beiträge dazu: Weil auch ich es wichtig finde, dass Depressionen als Krankheit enttabuisiert gehören!

Titelbild: Photo by rawpixel.com on Unsplash

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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