Kinderfotos im Netz und Social Media – was ist richtig?


Auf der re:ublica am 6. Mai 2015 bekam die Diskussion eine prominente Bühne mit ehrenvollen Diskutanten:  Patricia alias Dasnuf, Jette alias Supermom, Anna alias Berlinmittemom und Jessika alias Herz und Liebe äußern sich zu den Thema. Und einige von euch haben mich habt mich gefragt, wie ich das sehe…

Das Problem gab es bei mir nicht. Als meine Tochter klein war, gab es diese Verbreitungsmöglichkeiten nicht. Seit sie älter ist, kann ich sie fragen ob sie ein Foto veröffentlicht haben möchte oder nicht, und sie kann selbst entscheiden – inzwischen als volljähiger, vollmündiger (und auch vollmundiger 😉 Mensch. Das Titelbild ist von ihr – und persönlich freigegeben. Vor einigen Jahren verkündete sie sogar locker: „Mama, Privatsphäre ist so was von Neunziger!“ Erstaunlich nun, dass sie eher nur auf Whatapps ist und kaum facebookt, nichts twittert und Instagram eher nur flüchtige Blicke würdigt. Alles nur, weil sie „keine Zeit für sowas hat“ – Masterstudiengang in Architektur ist anspruchsvoll. Allerdings hat sie genau im Blick, wo andere sie taggen und über sie schreiben, inklusive ihre Mama. So weit, so gut mit uns. Erwachsene Zustände.

Aber wie soll man heute als Mutter oder Vater von kleinen Kindern entscheiden, was richtig und falsch sein wird, wenn das Kind nicht jetzt sonder später erst entscheidungsfähig wird? Wie soll man wissen, ob das Kind sich dann dessen schämen wird, wie es gezeigt wurde – oder ob es sich grämen wird, dass von allen anderen etwas im Netz zu sehen ist, nur von sich selbst nicht?

Das Internet ist ein öffentlicher Raum

Für unsere digitale Gesellschaft ist das Netz zum Lebensraum mutiert und Social Media sind wir die Straßen oder ein Marktplatz. Das ist ein ÖFFENTLICHER Raum. Mit dieser Analogie im Kopf können wir auch an das Thema rangehen und so den Umgang auch mit den Kinderfotos regeln:

1. Vernünftig anziehen und benehmen

2. Rücksichtsvoll mit anderen umgehen

3. Gefahrgegenden meiden

4. Auf den Verkehr achten

5. Im Zweifel auf Abstand gehen

6. Kleine Kinder brauchen eine erwachsene Aufsichtsperson

Better safe than sorry – aber „safe“ heißt nicht „nix machen“, es heißt „vorsichtig machen“

Daher: Ich bin nicht dafür, dass man gar keine Kinderbilder publiziert, wen man selbst jemand ist, der sich zeigt. (Im Gegenzug: Warum sollte jemand, der selbst kaun einem Pieps von sich gibt, seine Kinderbilder zeigen?)
Aber ich bin dafür, dass man jedes Mal gründlich überlegt, ob diese Foto auch „straßentauglich ist“. Das heißt für mich im Besonderen:

1. Ordentlich anziehen, auch im Sommer. Nackte Kinder haben nichts im Netz verloren. Gar nichts. Auch nicht, wenn sie eine Badehose an haben. Denkt dran: Das Netz ist die Straße, nicht ein geschützter Spielplatz.

2. Lächerlichmachen ist tabu: An dieser Stelle ein Apell an alle, die beschmierte Kindermünder „süß“ finden, vor allem mit brauner Schokocreme…. lasst es lieber. Es sieht einfach nur Sch*** aus.

3. Kinder anderer Leute sind Kinder anderer Leute. Nichts veröffentlichen, was nicht abgesprochen ist. Immer schön vorher fragen. Ich habe übrigens mit der Tollabox viele Kinderfotos gemacht und werde weiterhin mit Kindern Blogbeiträge erstellen. Dafür liegt mir eine Einverständniserklärung der Eltern stets vor – und als Firma habe ich stets eine ganz andere juristische Handhabe, wenn irgendetwas mit den Bildern sein soll.

4. Immer vom Schlimmsten ausgehen: Könnte dieses Bild anders interpretiert werden? Dann lieber nicht zeigen. Einem Freund von mir, der ein fotografisch klasse Badewannenbild mit seinem Sohn und seinen aus dem Wasser hervorlugenden athletischen Beinen postete, musste ich mal in Handumdrehen sagen: Möööp. Bitte löschen. Schade um das schöne Bild – aber das könnten Idioten anders auslegen.

5. Kindern früh einbinden, ihnen erklären, wer ihre Bilder sehen kann, und auch schauen, ob sie das gut finden oder ob sie beschämt sind. Diese Form der Empathie kann man auch als Mama oder Papa lernen. Auch die eigene Verunsicherung kann man zur Sprache bingen – solche Denkprozesse regen an. Ein guter Familiendiskurs ist das schönste Geschenk, was man seinen Kindern machen kann.

6. Immer auf die Botschaft achten: Zeigen wir das Kind, bloss weil es niedlich/hübsch aussieht bzw. degradieren wir es zum Lachobjekt? Oder zeigen wir ein Foto, weil das Kind etwas besonderes kann, eine bestimmte Stufe im Leben erreicht hat, es an einem wichtigen Schrit in unserem Leben gerade teilnimmt? Was ist der Sinn hinter dem Posten eines Bildes? Ist das ein Sinn, das auch zu einem späteren Zeitpunkt besteht?

Wie bei allen Themen, gibt hier auch der gesunde Menschenverstand. Wir sind umgeben von Medien, nur in der Auseinandersetzung mit ihnen gelingt es uns, zu verstehen, was richtig oder falsch ist. Und auf dieser Expeditionen können und müssen wir unsere Kinder mitnehmen – oder sie uns, je nachdem.

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Béa Beste
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Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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4 Kommentare

Eva Dorothee
Antworten 8. Juni 2015

Hallo Bea!
Habe auch noch was zum Thema gebloggt: http://www.mamaclever.de/2015/05/was-man-ueber-baby-und-kinderfotos-im-netz-wissen-sollte/

    beabeste
    Antworten 8. Juni 2015

    Klasse, das binde ich noch ein! Lieben Dank für den Link!

petral
Antworten 7. Oktober 2015

Hey du,
ich bin gerade auf deinen tollen Blog gestossen und da er mir so gut gefällt bin ich auch gleich mal Leserin geworden. Liebe Grüße, Petra von Papier und Tintenwelten für Klein und Gross

PS. Wenn du nur etwas für etwas im für junge Erwachsene und Erwachsene suchst schau mal HIER

Janine
Antworten 23. Februar 2016

Ein schon älterer Beitrag, aber absolut aktuell wie ich finde!

Oftmals trifft man gerade im social media Bereich auf Extreme: entweder keine Kinderinfos oder zuviele. Dabei denke auch ich, dass es einen Mittelweg gibt. Wer Fotos mit Bedacht auswählt und die Zielgruppe einschränkt findet einen guten Weg etwas vom gemeinsamen Familienleben preiszugeben ohne die Privatspähre des Nachwuchses zu stören. Wir posten ja schließlich auch Bilder von unseren Freunden, Männern oder Tieren ;)

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