„Schlaf Kindchen schlaf, die Mama ist am Arsch…“ – Gastbeitrag über Schlaf und Kinder


Schlaf und Kinder: Ooooh, das ist ein ganz heißes Eisen! Und keine geringere als die liebe Marlene, die ich hier schon mal interviewt habe, faßt das mit bloßen Händen an: Mit einem Gastbeitrag bei mir!
Ich fühle mich geehrt und … kichere die ganze Zeit schon vor mich hin! Viel Spaß!

Schlaf und Kinder: Lest doch einfach

Über kaum ein Thema wird im Internet wohl so viel gestritten, wie über Schlaf in der Kindererziehung – Überraschung: Auch ich habe eine Meinung dazu. Falls sich nun freudige Erregung bei Ihnen einstellt, weil Sie meinen ich hätte ein Patentrezept für Sie, dann hören Sie jetzt lieber auf zu lesen. Ernsthaft: Schalten Sie Ihr Internet-Übertragungs-Dings aus und rennen Sie ein paar Mal wild fuchtelnd um den nächsten Busch. Davon haben Sie mehr. Denn, ich habe keine Ahnung, was diese ganze Schlafens-Sache betrifft. Meine Kinder sind zwei und vier und ja, sie schlafen. Also manchmal, weil der Körper sein Tribut fordert. Das Problem ist auch nicht der Schlaf an sich, sondern hauptsächlich das wann und wie.

Es gab Zeiten, da fand ich das Thema Schlaf und Kinder total simpel.

Man nehme das Kind, lege es in sein Bett, singe ein Liedchen und schwuppdiwupp heia popeia.

Das war, bevor ich Mutter wurde.

Schon wenige Tage nach der Geburt meines ersten Kindes hatte ich das dringende Bedürfnis mein jüngeres Ich kräftig zu ohrfeigen. Fakt ist nämlich: Säuglinge schlafen zwar viel, aber natürlich nicht in ihrem Bett. Nein, auch nicht in dem liebevoll dekorierten Stubenwagen mit atmungsaktiver arschteurer Matratze. Sie schlafen auf Mama! Ok, manchmal auch auf Papa oder einem anderen menschlichen Wesen. Das aber nur, wenn sie sehr satt sind – Sonst auf Mama! Wenn möglich mit Brustwarze im Mund, falls ein kleines Hüngerchen kommt. Auf Mamas eigene Schlaf-, Ess- oder Klobedürfnisse kann dabei natürlich nur wenig bis gar keine Rücksicht genommen werden. Aber das waren noch die guten Zeiten.

Werden aus Babies erst mal Kleinkinder, muss man ja höllisch aufpassen, wann sie schlafen.  Zu dem Thema gab es auch schonmal einen super Tweet (ähm, räusper…).

Jedenfalls, sollte so ein Kleinkind ausserhalb der Mittagsschlafszeit (etwa um 17 Uhr im Auto) mal einschlafen und sei es nur für fünf Minuten, dann verzögert sich der Nachtschlaf um etwa 3-6 Stunden. Kleinkinder sind in der Lage Energie aus so einem schlecht getimeten Powernap zu ziehen, von der Erwachsene auch nach fünf Litern Kaffee intravenös nur träumen zu können. Autofahrten am Nachmittag müssen also stets von lautem Gesang und Getrommel begleitet werden. Oberste Priorität ist es, das Kind vom Einschlafen abzuhalten. Da müssen die eigenen Peinlichkeitsgrenzen (wenn überhaupt noch vorhanden) schonmal stark ausgedehnt werden. Entgeisterte Blicke anderer Autofahrer sollten Sie nicht von Ihrer Mission abhalten.

Wenn dann erstmal (endlich) der Abend gekommen ist und Sie der Meinung sind, das Kind müsse jetzt schlafen, fängt der Kampf erst an. Ich läute diese erste Runde gegen 19 Uhr ein. Zähne müssen geputzt, Schlafanzüge angezogen und Popos gewickelt werden. Dieses Procedere erfordert in der Regel schon 8.000 Worte in allen Tonlagen meinerseits, sowie meine ganze körperliche Kraft. Erschöpft (also ich) liegen wir dann irgendwann endlich im Bett. Ja, doch… Sie lesen richtig: WIR liegen. Sollten die Kinder nämlich jemals erfahren, dass es noch ein Leben nach dem Beginn ihrer Nachtruhe gibt, bin ich geliefert. Also muss ich so tun, als würde ich auch schlafen – Zugegeben, das fällt mir nicht schwer. Um 19 Uhr bin ich bereits so müde, wie Studenten Sonntagsmorgens um neun. Da liegen wir also. Jetzt wird’s spannend. Was soll ich singen, erzählen oder vorlesen? Ich muss wohl nicht dazu sagen, dass es mir völlig bims ist. Den Kindern leider nicht. Selbstverständlich hat jeder der beiden eine andere Vorstellung des Mama-Unterhaltungsprogramms. Es muss also erstmal gekämpft werden. Und nein, nicht im übertragenen Sinne.

Die Kinder kämpfen also so lange, bis einer heult. Meistens ich.

Letztendlich einigt man sich dann doch wieder auf „Die Affen rasen durch den Wald“, gesungen von Mama in Endlosschleife. Das geht dann ca. 45 Minuten lang. Natürlich nicht ohne Unterbrechungen: Durst, Pipi, das Kuscheltier ist rausgefallen, Mamas Auge muss angepiekst werden, die Windel kratzt, ich bin noch gar nicht müde, haben Käfer Ohren?, mir ist warm/kalt/ungemütlich, kann ich puzzeln?…

Irgendwann, nach tausenden Affen, die durch den Wald gerast sind, schlafen sie dann. Jetzt heisst es leise, leise, leise das Kinderzimmer verlassen. Ein falscher Tritt auf eine knarzende Diele kann dazu führen, dass das ganze Prozedere von vorne beginnen muss.

Protipp: Robben Sie bäuchlings aus dem Raum.

Wenn das alles geschafft ist, fängt endlich die freie Zeit an. Diese 20 Minuten wollen klug genutzt werden. Oft spielt die Spülmaschine dabei eine entscheidende Rolle.

Sie denken: Na gut, jetzt schlafen so Kinder ja mindestens mal zehn Stunden.

Ich denke: Sie sind sehr süss! Wenige Stunden später erklingt in der Regel schon der erste MAMA-Ruf. Die Kinder haben mein Fehlen in ihrem Bett bemerkt. Sie wollen ins elterliche Bett umsiedeln. Sie wollen dort auf Mama schlafen. Sie wollen nicht wissen, was Mama davon hält. So „schlafen“ wir dann bis zum nächsten Morgen. Handelt es sich um einen Tag, an dem wir morgens nicht aufstehen müssen, endet die Nacht gegen 5.50 Uhr. Sollten wir jedoch irgendwo hin müssen, muss man die Kinder gegen 7.30 Uhr energisch wachrütteln, schlafend anziehen und befrühstücken.

Jetzt fragen Sie sich (insbesondere, wenn Sie keine Kinder haben), warum tut die Frau sich das an? Warum steckt sie die Kinder nicht einfach abends in ihre Betten und verlässt den Raum? Warum spricht sie kein Machtwort? Ich sag es Ihnen: Ich gebe den Kindern gerne diese Geborgenheit. Die Gewissheit, immer in meine Arme kommen zu dürfen, egal wann. Und ich habe jetzt schon das Gefühl, dass dies rückblickend die schönste Zeit meines Lebens sein wird.

Lieben Dank Marlene für diese Gedanken! 

…und? Wie ist es euch mit dem Thema Schlaf und Kinder ergangen?

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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21 Kommentare

Reizzentrum
Antworten 28. Juli 2016

Kleine Kinder und Schlaf...

1) Kinder erkennen, wenn Eltern in "der Stimmung" sind. Ob es an dern Kerzen liegt, dem leckeren Essen für die Großen oder an dem - an diesem Abend besonders - liebevollen Umgang. Die kriegen es mit, wenn Mama und Papa in kuscheliger Stimmung sind und ja, an diesem Abend werden Sie nicht schlafen können/wollen, haben Angst/Bauchweh oder was ihnen sonst noch einfällt um die kuschelige Stimmung derart zu zerstören, dass Mama und Papa irgendwann nur noch SCHLAFEN wollen.

2) Immer wieder schön ist auch das gemeinsame Einkaufen mit Kinderwagen/Karre: Die ganze Zeit wird gefeiert, gejuchzt und man lässt sich unterhalten. Dann - das Ende ist nah, man sieht schon fast die Haustür - fällt das Kind in den Schlaf. Die Eltern schauen sich an: Man freut sich auf ein wenig (Mittags)ruhe und die Möglichkeit wenigstens die Einkäufe in Ruhe zu verstauen. Hahahaha - weit gefehlt. Nachdem man gerade die Einkäufe in die Küche getragen hat, hört man den schrillen Schrei der Einsamkeit aus dem Garten. Das Kind hat es in 5 Minuten geschafft sich komplett zu regenerieren (Zen-Meditation?) und hat nun wieder volle Energie.

Bin ich froh, dass meine Kinder mittlerweile volljährig sind. Diese traumatischen Erlebnisse werde ich aber immer bei mir tragen.

Lea
Antworten 28. Juli 2016

D A N K E
Genau so isses.
Und ich möchte mich herzlich bei allen Müttern und Vätern entschuldigen, denen ich vor der Geburt unserer Tochter kluge Ratschläge erteilt habe...
Ich hatte ja keine Ahnung!

A Bullerbü Life
Antworten 28. Juli 2016

Danke für diesen Text, er ist nicht nur großartig geschrieben, er beschreibt so ziemlich genau das, was auch wir hier bei uns kennen.
Schön, dass es anderen genauso geht!

Katrin
Antworten 28. Juli 2016

Super Beitrag :D Habe gerade köstlich gelacht :)
Robben Sie bäuchlings aus dem Raum ... sollte ich vllt mal versuchen ;)
Genau so läuft es hier auch immer ab.. schön, dass es anderswo nicht anders aussieht :)

Groß M mit klein m
Antworten 28. Juli 2016

22.51 Uhr, Mäuschen 15 Monate wird in den Schlaf gestillt, braucht es mehr Worte?

    Andrea
    Antworten 12. August 2016

    Noch nicht, frage Dich wenn Mäuschen älter ist😂
    Genieße es solange es klappt! 😘😘😘

Heike
Antworten 28. Juli 2016

"Jetzt fragen Sie sich (insbesondere, wenn Sie keine Kinder haben), warum tut die Frau sich das an? Warum steckt sie die Kinder nicht einfach abends in ihre Betten und verlässt den Raum? Warum spricht sie kein Machtwort?" Das ist wahr. Manche Dinge versteht man wirlich erst, wenn man selber Mutter ist! Es ist die Zeit der Kleinen Kinder. Ich hoffe, mit 16 wollen sie nicht mehr bei mir schlafen.😀 Aber dann kann Mama wieder nicht schlafen, weil die Kinder irgendwo unterwegs sind. 😪 Kann man als Mama überhaupt nochmal irgendwann beruhigt schlafen???

S.B.
Antworten 28. Juli 2016

"Schlaf schön, träum' was Schönes, hast Du genug Decke?", pflege ich immer zu sagen. "'Danke' und 'Auf Wiedersehn' reicht aber meistens aus."

Dann küsse ich die kleine Große mit Liebe. Mit Liebe* wacht sie dann wieder auf.

Doreen
Antworten 29. Juli 2016

Wie wahr wie wahr! Danke für den Beitrag! Ich bin beruhigt das es nicht nur mir so geht!!!!
Den Nagel auf den Kopf getroffen!

Heike
Antworten 29. Juli 2016

Mein Favorit: während des Vorlesens einschlafen und im Halbschlaf noch bemerken, dass ich Quatsch rede. Und dann "Mama! Aufwachen!" Und ja, auch die Zehnjährige will hin und wieder noch vorgelesen bekommen ;-)
Habe fünf Mäuse zwischen 6 und 14.

Doreen B.
Antworten 29. Juli 2016

Mit Nr.4 noch am Stillbusen und im Co-Bedding kann ich nur sagen: Stimmt! So! Ich kann aber auch sagen: Die lieben Kleinen werden größter und schaffen das mit dem Schlafen irgendwann. Wann? So mit 5 - meine Erfahrung.

Birdy
Antworten 29. Juli 2016

Da scheinen wir mit unserer Älteren (5) ja das grosse Los gezogen zu haben. Wenn sie im Auto einschläft, dann lassen wir sie schlafen. Entweder, wir können sie später einfach ins Bett tragen oder sie wacht halt wieder auf und geht etwas später ins Bett. Und ja, das kann dann auch mal elf werden. Na und? Ich möchte ja auch nicht im Bett liegen, wenn ich noch nicht müde bin. Wir haben keine festen Schlafzeiten, unsere Kinder gehen mit uns ins Bett und stehen mit uns auf. Oft selbstständig ("Mama, bin müde, ich geh schlafen...") Mal früher, mal später. Das funktioniert, wecken muss ich eigentlich nur, wenn wir mal aussergewöhnlich früh aus dem Haus wollen. Und war die Nacht mal etwas kürzer, dann sei ihr das Nachmittagsschläfchen gegönnt. Ich bin froh, klappt das so gut und unkompliziert. Allerdings habe ich die wage Vermutung, unsere Jüngste wird's uns nicht so einfach machen... :-)

Kathi82
Antworten 29. Juli 2016

Schlaf Kindchen Schlaf... nebenbei wird am Kind gerüttelt geschüttelt was das Zeug hält! Man wartet schon sehnsüchtig darauf das die schmerzenden Geräusche vom stillen aufhören!Mit Kind an der brust wandert man schließlich durchs Bett, weil immer kurz bevor man es schafft sich aus dem sog des Kindes zu befreien ,neu wieder losgenuckelt wird . Hat man es doch geschafft sich dem sauge Bedürfnis zu entziehen ,Wird die Taktik ausgeklügelt wie verlasse ich am ruhigsten und auf dem kürzesten Wege erst das Bett und dann das Schlafzimmer . Mit langsamen ,nicht ruckartigen !! bewegungen geht es in Richtung fassende...Auf Zehenspitzen in richtung Tür ... leise wird die Türklinke gedrückt und die Tür geöffnet ! Wenn ich ganz grosse Glück habe dann ist essen gerade ruhig und wenn ich Pech habe steht in dem Moment die Katze vor mir und Mautzt weil sie Futter haben möchte... Damit fangen wir noch einmal von vorne an. Als stillende Mutti hat man irgendwann dann das Gefühl man ist ein dauernuckel

W.G.
Antworten 30. Juli 2016

Kann jedes Wort nur unterstreichen. Hast du etwa heimlich bei uns reingeschaut 😉

renate
Antworten 12. August 2016

sein kind als jüngeres Ich zu bezeichnen lässt mich erschauern. mit anfang 40 wird das kind dann zögernd ins erwachsenalter entlassen und freut sich aufs erben.

    Suse
    Antworten 12. August 2016

    Marlene hat doch nicht ihr Kind als ihr jüngeres Ich bezeichnet, sondern sich selbst in früheren Jahren, also noch vor dem Muttersein gemeint.

    Nadine
    Antworten 12. August 2016

    Missverständnis. Sie meint tatsächlich ihr jüngeres Ich und nicht ihr Kind.

Andrea Fernández
Antworten 12. August 2016

Ich habe mich beim lesen halb tot gelacht. Genauso ist es mir in den letzten 3 Jahren ergangen und das mit nur einem Kind. Bald kommt das zweite und ich habe keine Ahnung was mich erwartet. Ich hoffe nur das ich das überlebe. Und ja, wie in dem Bericht erwähnt, ich will meinen Kindern die Geborgenheit bieten und ja, so streng es auch ist und man glaubt demnächst zu sterben auf grund endloser Übermüdung, bin ich überzeugt, daß es ein Teil der schönsten Zeit meines Lebens war.(wenn ich es überlebe! 😂)

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