Die Frau, die Sternenkinder vor ihrer letzten Reise fotografiert: Tanja von Rohden


Sie ist eine Fotografin, die von Sternenkindern ein letztes Andenken für Familien bewahrt: Als ihre Nichte mit 8 Monaten am plötzlichen Kindestod starb, hatte sie es in Arm. Tanja von Rohden ist mit ihrer Familie durch diesen unglaublichen Schmerz gegangen, und als sie die Aktion DEIN Sternenkind entdeckt hat, wußte sie: „Ich pack‘ das. Ich weiß, wie es sich anfühlt, ein totes Kind zu berühren.“ Sie hat aber auch erfahren, wie viele Menschen im Umfeld der Familie nicht mit dem Thema umgehen können – aus Beklemmtkeit, Kommunikationsunvermögen oder schiere Angst vor dem Thema – und hat beschlossen, als Fotografin für den Verein zu arbeiten.

Ich habe sie für euch interviewt – und möchte mit diesem Beitrag mehr Bewusstsein für das Thema Sternenkinder und Umgang mit den Eltern schaffen. Hier kommt Tanja von Rohden zu Wort:

Du bist Fotografin. Erzähle mir bitte kurz davon, wie du diesen Beruf ergriffen hast?

Ich fotografiere schon seit frühester Jugend, allerdings nur als Hobby. Gelernt habe ich in der Bank, wo ich auch heute noch in Teilzeit arbeite. Aber die Fotografie hat mich nie losgelassen. Nach der Geburt unseres Sohnes vor 16 Jahren hat sich das Ganze nochmal intensiviert und vor ca 4 Jahren fing ich an, erste Shootings für Freunde und Bekannte zu machen. Als ich vor 3 Jahren diese newborn Bilder entdeckte, hat es mich gleich gepackt – DAS wollte ich machen.. Nach den ersten „Versuchen“ habe ich schnell gemerkt, das ist es, wofür mein Herz schlägt.

Wie hast du bzw. hat dich die Aktion DEIN Sternenkind gefunden?

Ich bin vor über einem Jahr bei facebook auf die Seite DEIN Sternenkind gestoßen. Mich hat das emotional sehr berührt und ich habe mich nach kurzer Bedenkzeit dort angemeldet. Wir Fotografen dort sind alle ehrenamtlich unterwegs und schenken den betroffenen Eltern Erinnerungsbilder an die einzigen gemeinsamen Stunden, die sie mit ihrem Kind verbringen dürfen. Ein großer Punkt war auch: Mich besuchen viele Eltern mit ihren Neugeborenen Kindern um den Zauber der ersten Zeit festzuhalten. Diese Freude, diese Liebe und das Glück in dieser Zeit ist kaum zu überbieten. Mir ist es so wichtig den Eltern, die dieses Glück nicht teilen können, etwas zurück zu geben. Auch eine Erinnerung an die (wenn auch nur sehr kurze) Zeit zu schaffen.

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(Foto: Tanja von Rohden)

Wie gehst du emotional mit dem Thema um? Was macht es in dir und was macht es mit dir?

Das ist die am meisten gestellte Frage, wenn ich von DEIN Sternenkind berichte. Ich weiß, wie wichtig unsere Arbeit und von welch unschätzbaren Wert diese ist. Das hilft mir sehr. Klar, ich nehme die Gedanken mit nach Hause, das Gefühl wie es ist das Sternenkind berührt zu haben.. Die Trauer, die die Eltern haben und den Schmerz, den sie fühlen. Als Mutter kann man das nicht ausblenden. Doch mit dem Wissen, was ich mit meinem Einsatz bewirke.. dass ich die so wichtigen Stunden festhalten kann… damit schaffe ich das.

Wie schon gesagt, ich habe das Gefühl ein bisschen „zurück geben“ zu können. Durch meine Arbeit für DEIN Sternenkind wird mir immer wieder vor Augen geführt, wie schnell sich das Leben ändern kann.. Es ist eine sehr große Herzensangelegenheit für mich und ich setze mich sehr dafür ein, dieses Thema bekannter zu machen. Durch die vielen positiven Rückmeldungen fühle ich mich gestärkt und weiß, dass es der richtige Weg ist.

Es gibt auch Menschen, die Vorbehalte haben. Was ist eigentlich das Problem?

Das Problem ist, dass der Tod in unserer Gesellschaft immer noch ein Tabuthema ist, gerade, wenn es Kinder betrifft. Da wird eher geschwiegen und gedacht oder sogar gesagt: „Ach – beim nächsten Mal klappt es schon“. Wenn diese Menschen dann noch hören, dass von dem verstorbenen Baby Fotos gemacht werden, sind diese oft richtig schockiert.

Woran liegt das aus deiner Sicht?

Viele finden den Gedanken abstoßend. Ende letzten Jahres wurde ein großer Artikel in den Kieler Nachrichten veröffentlicht, den ich bei facebook geteilt haben. Ich habe innerhalb von 2 Tagen weit mehr als 100 persönliche Nachrichten bekommen und beantwortet. In drei Nachrichten wurde ich regelrecht beschimpft. Mir wurde Sensationslust vorgeworfen, das totale Unverständnis entgegen gebracht. Ich bin den Menschen gar nicht böse.. Ich glaube, sie waren nie in der Situation und können dies somit auch nicht objektiv beurteilen. Eine Erinnerung an das gemeinsame Kind zu haben, die sich nicht nur im Kopf befindet ist für viele so wichtig. Es gibt nur diese eine Chance, diese festzuhalten.. Bevor der kleine Engel seine letzte große Reise antritt.

Was liegt dir noch am Herzen?

Mir liegt sehr am Herzen, dass wir gemeinsam weiterhin daran arbeiten, dieses Tabuthema zu brechen.. DEIN Sternenkind bekannt zu machen. Mir ist wichtig, dass betroffenen Eltern wissen, dass sie uns kostenfrei anfordern können (über die Seite www.dein-sternenkind.eu ) , das Klinikpersonal auf uns aufmerksam macht. Wir sind schon auf einem guten Weg, das freut mich sehr.

Vielen Dank, liebe Tanja, für dieses Interview – und für dein ganzes Engagement!

Ihr Lieben, von Tanja selbst gibt es einen wunderbaren Bericht: Noah, das kleine Sternenkind. 

Und hier auch: Der Bericht einer Mutter, die ihr Kind kurz nach der Geburt verloren hat, hat hier viele ergriffen. Da geht es auch darum, wie Menschen mit dem Thema umgehen… Hier könnt ihr mehr lesen!

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11 Kommentare

Ilona S.
Antworten 23. Februar 2016

Wir habe am 26.01.1991 unseren Sohn Fabian im alter von nur 3 1/2 Wochen, durch den Kindstot verloren. Und jedes Jahr vom Geburtstag bis zum Todestag kommen die Erinnerungen wieder, als wäre es erst gestern gewesen. Schade das wir damals nichts von den Sternenkindern gehört haben. Wenn kleine Himmelserben in ihrer Unschuld Sterben, so büst man sie nicht ein. Sie werden nur dort ob vom Vater aufgehoben.

Vero Havre
Antworten 23. Februar 2016

Ich finde das sehr engagiert und eine wunderbare mitmenschliche Geste. Ich kann mir sehr gut vorstellen, wie dankbar die Eltern nach einiger Zeit sein werden, noch ein Foto ihres Kindes zu haben.

Suse
Antworten 23. Februar 2016

Ich hätte gerne solche Erinnerungen. Alleine schon, um sie den Geschwisterkindern zeigen zu können.
Die Bilder im Kopf bleiben. Immer.

Ari
Antworten 23. Februar 2016

Ich denke, dass das in unserer Gesellschaft gar nicht mehr so abstoßend ist.
Viele lassen schon Fotos vom nicht mehr lebendigen Kind machen und zeigen diese auch stolz im Freundeskreis rum. Ich kenne eine und keiner von uns fand es abstoßend. Es war sogar schön, weil wir Freunde ja auch die Schwangerschaft miterleben durften, die Bewegungen... und auch das Sterben.
Und am Ende hatte der kleine Schatz uns verzaubert und tut dies durch die Fotos weiterhin...

Traumtänzerin
Antworten 23. Februar 2016

Ich finde es gut was sie macht. Erinnerungen schenken... helfen Trauer zu verarbeiten...
Postmortale Fotografie war lange lange üblich und es ist schade, dass es jetzt so mit Füßen getreten wird.

silke koroch
Antworten 23. Februar 2016

Warum soll so etwas ein Tabuthema sein?Ich finde es schön,dass es Menschen gibt,die so\lche schönen Erinnerungen mit fotos für uns schaffen,leider gab es das zu meiner Zeit noch nicht.

Peggy Kirschke
Antworten 24. Februar 2016

Ich finde eure Arbeit sehr wichtig,ihr gebt den betroffenen Eltern etwas zum anfassen und ansehen von ihrem Engelchen.Dieser Verlust ist der allerschlimmste den es geben kann.Auch in euren schönen Bildern bleibt der kleine Schatz für immer💖💚....danke das ihr für die Sterneneltern da seid💋.

Hermi
Antworten 24. Februar 2016

Danke für die schöne Arbeit. Mein kleiner Sohn ging mit 4,5 Jahren und ich habe ihn mit Familie und Freunden hinüberbegleitet und auch viele Fotos von ihm gemacht. Eines davon hängt für alle sichtbar in meiner Wohnung. Ein lächelnder entschlafener Engel. Danke für die Unterstützung, die Sie anderen Familien damit geben... dass Sie Bilder von ihren Kindern machen. So bleiben sie unvergessen ... H.H.

mille mlynska
Antworten 27. Februar 2016

Hallo eure arbeit ist sehr wichtig und finde
Eur gewinnspiel shr schon und würde mich über den gewinn freuen d meins kaputt ist

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