Vereinbarkeit ist eine Lüge. Eine Notlüge für gut ausgebildete Mütter. Gastbeitrag von Judith von Stadtmama.at


Tja, was ich (Béa) als junge Studentin mit nur einem Kind recht easy schaukeln konnte, ist leider keine Selbstverständlichkeit. Judith von Stadtmama.at hat sich umgehört und für uns einen Gastbeitrag über die vielbesungene Vereinbarkeit geschrieben – natürlich mit Schwerpunkt Österreich, aber vieles lässt sich auch in Deutschland beobachten:

Kinder und mein Job? Das Baby schaukeln wir schon!  Das Märchen von der Vereinbarkeit haben Mütter schon vielfach gehört, bevor sie Kinder bekommen. Und glauben daran. Die wenigstens schaffen es wirklich, viele schicken sich dabei selbst ins Burnout.

Anja vom Blog www.gaensebluemchensonnenschein.com schreibt rund ein Jahr nach ihrem Widereinstieg in einen neuen Job, eine neue Position und Herausforderung: “Und ein Jahr später? Ich hadere noch immer ein wenig mit der Vereinbarkeit, Kind, Job, Blog, Me-Time, Liebe…. irgendwie sind vierundzwanzig Stunden nicht genug pro Tag. Es ist viel Arbeit, sich auch um sich und die Familie gleichermaßen zu kümmern und einen guten Job zu machen.“

Das Scheitern der Vereinbarkeit

Es ist Kombination aus vielen Faktoren, die den Müttern nach dem Wiedereinstieg an die Kraftressourcen geht. Sie haben hohe Erwartungen an sich selbst und die Gesellschaft hat sie sowieso. Sie sind gute und fleißige Angestellte, weil sie alles dafür tun, das gleiche oder mehr zu leisten wie ihre KollegInnen ohne Kinder. Da Mütter häufig im Teilzeit-Angestelltenverhältnissen arbeiten, erledigen sie außerdem häufig den Umfang eines Vollzeitjobs in Teilzeit.

Warum ich so etwas behaupte? Ich habe es nach unserer ersten Tochter genau so gemacht und es oft genug bei anderen Müttern gesehen. Ich habe damals viel und hart gearbeitet, nicht gemeckert, wenn ich gemerkt habe, es wird zu viel und am Ende war ich nur noch müde, antriebslos und wollte kündigen. „Bloß nicht auffallen, das kannst du so gut wie alle anderen. Nicht ‚nein’ sagen, wie schaut denn das aus!“ Eine Team-Kollegin hat mich damals quasi gerettet. „Bevor du kündigst schauen wir, ob du Projekt wechseln kannst!“ Ich war froh, mit ihr darüber gesprochen zu haben, aber es hat mich viel Überwindung gekostet mir einzugestehen, dass man als Mutter eben nicht immer im gleichen Maß abliefern kann wie alle anderen.

Vereinbarkeit ist immer noch ein Frauenthema

Vereinbarkeit ist etwas, von dem die meisten Mütter vorher glauben, dass sie das schon schaukeln, aber spätestens nach dem Wiedereinstieg treibt es viele Mütter in die Erschöpfung. Vereinbarkeit kostet immer etwas: Geld, Zeit und viel Energie. Vereinbarkeit müssen beide Partner wollen und sie muss von den Arbeitgebern unterstützt werden. Zwar arbeiten heute mehr Mütter denn je zusätzlich zur Familienarbeit, allerdings ist auch die Zahl der teilzeitbeschäftigten Frauen auf über zwei Drittel gestiegen. Teilzeit, das bedeutet in vielen Fällen schlechtere Bezahlung für die gleiche Arbeit. Weniger Budget für die Familienkasse und auf lange Sicht weniger Geld in der Pensionskasse.

Während Vereinbarkeit für Frauen als selbstverständlich gilt ist das bei Vätern ganz anders. Das Berufsleben der meisten Männer bleibt vom Thema Familie und Kinder überwiegend unbeeinflusst. Frauen müssen ihren Beruf dagegen von nun an um die Kinder herum aufbauen müssen. Hier hakt es noch ganz ordentlich im System. Mann will vielleicht sogar weniger arbeiten, aber in vielen Fällen scheitert es am Arbeitgeber. „Sie wollen Stunden reduzieren? Bitte gerne, aber nicht bei uns und in ihrer Position!“ Teilzeitarbeit wird bei Müttern fast als selbstverständlich gehandelt, bei Männern ist diese Situation noch außergewöhnlich und oft unerwünscht. In nur 3,8% der österreichischen Familien ist es übrigens umgekehrt, also Mutter im Vollzeitjob, Vater im Teilzeitjob. (*Quelle: Statistik Austria: Vereinbarkeit von Beruf und Familie; Stand: 23.11.2016)

Natürlich sind nicht alle Arbeitgeber „schlecht“, ich habe selbst durchwegs gute Erfahrungen in meinem Job gemacht. Zu meinem letzten Blogbeitrag zum Thema Vereinbarkeit meinte Verena (www.mamawahnsinnhochdrei.at): „Ich muss hier einhaken. Neben dem perfekten Zusammenspiel zwischen Mutter-Vater und allenfalls auch Großeltern, kommt es selbstverständlich auch auf den Arbeitgeber an. Und hier sind nicht alle zwangsläufig böse. Ich hab z.B. in der dritten Karenz (!) eine teure und gute High-Potential-Ausbildung gemacht, 15 Mitarbeiter von 600 kamen in den Genuss. Unser Vorstand hat sich bei mir bedankt, dass ich trotz der drei Kids bereit dazu bin. Am Anfang war die Kleinste 7 Wochen alt. Meiner Meinung nach ist es wichtig – falls möglich, vor der Karenz länger in einem Unternehmen zu sein, sich zu behaupten, schwierig wird es, wenn ein Jobwechsel oder ähnliches ansteht…

Rabenmütter und der Feminismus

Das Bild einer Mutter ist in unserer Gesellschaft leider recht zwiegespalten und scheinheilig. Man weiß ganz genau, wie eine moderne Mutter sein sollte, ob eine einzelne Frau das aber umsetzten kann, darüber ist sich die Gesellschaft nicht im klaren. Einerseits ist es durchaus sehr wünschenswert, dass Mütter bald wieder arbeiten gehen und ihre Karriere vorantreiben, andererseits sind Mütter, die das tun und vielleicht sogar Vollzeit arbeiten – und deshalb ihre Kinder früh in Fremdbetreuung geben – Rabenmütter. Wer dagegen lange zu Hause bleibt, ist eine Hausmutti und vielleicht sogar als faul verrufen. Und am Ende meist arbeitslos. Dass trotz allen Feminismus und aller Werbung für 50/50 Aufteilung in Partnerschaften 50/50 fast immer ein schöner und schwer umsetzbarer Traum ist, wird sowieso nicht mitgedacht. Arbeitende Mütter müssen zumeist ungeachtet ihrer Stundenzahl am Arbeitsplatz trotzdem ein Gros der familiären Aufgaben erfüllen und dabei auch noch mit faltenlosen Lippen sorgenfrei lächeln.

Birgit bloggt am Blog www.suchtdasglueck.at und ist eine Freundin, deren Meinung ich sehr schätze. Sie schickt mit zum Thema Vereinbarkeit folgende Worte:“ Ich habe Gendergeschichte studiert und kam mit der Vorstellung von der Uni, dass ich alles einreißen werde. Für mich gilt die gläserne Decke nicht. Aber schnell wurde auch mir klar, die Ungerechtigkeiten sind keine Erfindungen, sie betreffen uns Frauen tagtäglich. Ich würde mir zum Beispiel wünschen, dass mein Partner und ich beide 30 Stunden arbeiten, aber in seiner Branche ist das einfach nicht üblich und deshalb auch nicht möglich. Ich selbst merke diesen Spagat zwischen dem Wunsch nach Selbstverwirklichung und dem „alles schaffen wollen“ und dem Opfer, das man dafür bringen muss, nämlich die eigene Substanz. Ich versuche einen eigenen Weg zu finden, aber leicht ist es nicht und wenn ich nicht bald einen besseren finde, dann ist die Altersarmut nicht weit.

Es braucht kein perfektes Modell, aber ein flexibles

Vereinbarkeit ist ein Modebegriff, den meine Eltern, glaube ich, noch nicht kannten. Auch Altersarmmut ist so ein drohender Zustand, den meine Großmutter mit 104 Jahren noch nicht kennt. Für sie ist gut gesorgt im Alter, obwohl sie mehr Zeit in ihrem Leben die Kinder und Enkelkinder betreut hat als einer Vollzeitanstellung nachzugehen. Vereinbarkeit ist eine politische Waffe, die hervorgekramt wird, wenn man sie braucht. Vereinbarkeit ist Schwachsinn, denn in Wahrheit gibt es sie nicht, schon gar nicht als anerkannte Patentlösung.

Es ist nicht dramatisch, dass es nicht das perfekte Modell gibt. Jede Familie hat eigene Bedürfnisse. Aber das mindeste wäre es doch, sinnvolle individuelle Modelle zu fördern. Die Gesellschaft verändert sich. Paare lassen sich scheiden, viele Frauen haben aufgrund langer Teilzeitarbeit keine Aussicht auf ausreichend Pension, große Lücken im Lebenslauf, schlechte Chancen auf eine Arbeit mit ihrer tatsächlichen Qualifikation und ebenso große Chancen auf Altersarmmut. Warum das Männer eher wenig interessiert? Weil es sie kaum betrifft. Sie arbeiten, bleiben am Ball und werden hoffentlich in Zukunft irgend eine Art von Pension beziehen. Egal, ob sie in einer Beziehung leben Single mit erwachsenen Kindern sind. Ich möchte mich nicht wie eine Made in den Speck setzten und dort gut gefüttert hundert Jahre alt werden. Aber ich möchte meine Kind auch ohne die Sorge durch ihre Kindheit begleiten können, am Ende mit 60 ohne Job und ausreichend Geld für die Miete dazustehen. Weil ich überwiegend diejenige war, die ihre Arbeitszeit unbezahlt der Familie zur Verfügung gestellt hat.

Danke, liebe Judith, für diese Gedanken! Mehr dazu und viele andere Themen findet ihr bei Stadtmama.at (das ich übrigens sehr sehr schön designt finde!)

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Und was für Erfahrungen macht ihr? Judith und ich freuen uns über Kommentare!

Liebe Grüße,

Béa 

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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10 Kommentare

Daniela
Antworten 6. März 2017

Ich habe das Glück in einer ostdeutschen Stadt zu leben - wir profitieren von einem dichten Netz an Kitas sowie einer Betreuung von Schulkindern im Grundschulalter nach dem Unterricht und einem sozialen Umfeld in dem man nicht als Rabenmutter angesehen wird, wenn das Kind in die Kita geht.
Das führt dazu dass ich und mein Mann beide als Physiker arbeiten können - ich mit 80% freiwillig in Teilzeit. Die Teilzeit ist meine Freiheit, morgens meine Kinder in Ruhe in Schule+Kita bringen zu können und trotzdem auch am Nachmittag Zeit für Kinder, Haus, Garten und mich zu haben. Dabei leite ich eine kleine Abteilung. Meine Kollegen wissen, dass der Nachmittag spätestens halb 4 im Büro endet, außer es gibt wirklich Katastrophen - und wenn wir ehrlich sind, wann gibt es wirklich solche Katastrophen, dass es nicht doch bis zum nächsten Morgen warten kann. Gleiches gilt für meinen Mann - er fängt extra sehr zeitig an um eben auch den Nachmittag mit uns verbringen zu können.

Naehbastelkochtante
Antworten 7. März 2017

Vereinbarkeit ist für mich seit 4.5 Jahren: Befristete Arbeitsverträge als Lehrerin und zurzeit sogar in Vollzeit mit Nebenjob als Lerntherapeutin (die Freiberuflichkeit hatte ich während der Teilzeit begonnen), weil ich die Stelle sonst nicht bekommen hätte. (Und ich muss dazu sagen: Ich habe eine tolle Schulleitung und liebe meine Arbeit!) Mein Mann arbeitet auch VZ. Wir rackern uns wirklich ab und trotzdem steht bei mir immer die Frage im Raum: Wie geht's dann weiter? Das stresst zusätzlich. Vereinbar ist da eigentlich nichts. Ich ertrage es im Moment. Man muss sich sehr abgrenzen und ganz deutlich die Grenzen ziehen, um sich auch um die Kinder und den Ehemann kümmern zu können. Auszeiten einplanen und wenn ich krank bin, melde ich mich krank anstatt mich hinzuschleppen, was sicher sinnvoller wäre im Hinblick auf eine feste Stelle. Aber Selbstachtung ist wichtig für mich und die ganze Familie. Sonst wäre das nicht schaffbar.

Bernadette
Antworten 7. März 2017

Ich wohne in einer kleinen Ortschaft in Niederösterreich und habe 4 Kinder. Derzeit studiere ich noch und bin auf der Suche nach einem Teilzeit-Job, damit wir finanziell etwas besser dastehen. Immerhin ist unser Haus nach über 10 Jahren auch noch nicht fertig renoviert. Betreuungsmöglichkeiten sind zwar vorhanden, aber unser Kindergarten sperrt um spätestens 17 Uhr zu, an Freitagen um 15 Uhr. Aus diesem Grund - und auch, weil ich die Nachmittagsbetreuung im Kindergarten nicht flexibel nutzen kann, sondern für 3 Monate fix anmelden muss - habe ich zusätzlich eine Tagesmutter. Das alles kostet natürlich wieder Geld, das hereingeholt werden muss. Zusätzlich plagt mich dann das schlechte Gewissen, dass ich meine Kinder abgeben muss, dass ich wenig Zeit für sie habe und oft gestresst bin. Auch der Haushalt kommt meistens zu kurz, denn Hilfe habe ich kaum. Und irgendwann kommt dann immer wieder der Kommentar "Du wolltest es ja so..." Tja. Nein. Eigentlich hatte ich mir mehr Unterstützung von meinem Mann erwartet, schließlich haben wir uns auch gemeinsam für die Kinder entschieden. Egal, wie oft Männer vorher sagen, dass sie dich unterstützen werden, dir im Haushalt helfen...etc. Die Realität sieht oft anders aus.
Vereinbarkeit ist ein Mythos und trotzdem klappt es irgendwie. Muss es ja.

Andrea
Antworten 7. März 2017

Bei uns tut sich ein weiteres Problem der Vereinbarkeit auf. Ich würde gerne in den Job zurückgehen, geht aber nicht weil ich keinen Betreuungsplatz für meine Tochter habe. Es ist nicht so, dass wir erst seit gestern suchen. Nein wir waren/sind bei diversen schon über ein Jahr gemeldet und haben unter anderem nicht bis heute keine Rückmeldung erhalten oder absagen. Es ist nicht die Norm unterm Jahr Kinder einzugewöhnen...
Jetzt stehe ich da, muss zurück und kann nicht.
Noch dazu kommt, dass ich in der Schwangerschaft mein Karenzmodell so gewählt habe dass es dafür passt (gehaltsabhängig). Ich habe damit gerechnet wieder zurück gehen zu können. Habe jetzt seit Jänner kein Karenzgeld mehr, und kann einfach finanziell nicht noch ein weiteres Jahr auf kein Geld verzichten..
Die Vereinbarkeit muss nicht immer von der Arbeitgeber Seite kommen..
(Omas und Opas arbeiten alle noch, Tagesmütter sind auch voll)
Lg

Barbara
Antworten 7. März 2017

Wir leben mit unseren drei Kindern (4,5, und 2x2,5) in Süddeutschland und sind beide bei der Kirche angestellt. Wir haben ein ganz gutes Modell gefunden: Ich hab die offiziellen Elternzeitjahre genommen, mein Mann macht befristete Teilzeit. Im Moment arbeitet er 75%, ich 25% und somit kommt genügend rein um die Rechnungen zu bezahlen und wir haben beiden Zeit für die Kinder. Ab Herbst sind dann die kleinen auch im Kindergarten (im Moment betreuen wir sie daheim) und dann macht er die 75% weiter und ich 40% (immer noch offiziell Elternzeit) Mal schauen wie das klappt.
Aus finanzieller Sicht war es leider tatsächlich so, dass es besser war, dass er den größeren Arbeitsteil übernimmt. - wobei das eher dran liegt, dass er schon älter ist als ich, deshalb schon länger arbeitet und somit auch mehr verdient.
Bis August 2018 haben wir uns jetzt mal so festgelegt, dann entscheiden wir neu. Der Plan steht auch jeden Fall weiter, sich Arbeitszeit und Kinderbetreuung und Haushalt zu teilen...
LG, Barbara

Sven
Antworten 9. März 2017

Wir haben es jetzt 2 Jahre versucht, dass wir beide Vollzeit arbeiten denn niemand soll später abhängig vom Partner sein. Wir wollen aus Liebe zusammen bleiben und nicht durch Abhängigkeit. Funktioniert hat es bisher mit mehr Krampf als Kampf, sodass wir jetzt beide zusammen die Reißleine gezogen haben. Wir haben beide unsere Arbeit aufgegeben und verlassen die Pfalz. Wir gehen zurück in die Altmark wo auch die Großeltern und andere Verwandte leben und uns unterstützen können, sodass wir beide in Vollzeit arbeiten gehen können und unsere Kinder kein Arbeitsloses Leben vorleben brauchen. Die Kitasituation ist in der Altmark deutlich besser. Sie hat ab 6 Uhr Morgens geöffnet und dürfen sie max 10 Std bringen. Hier in der Pfalz wäre es unvorstellbar und wären ansolute Rabeneltern. Die Kinder lieben allerdings die Kita und ich finde es toll wie positiv sie sich durch die Kita entwickeln. Wir Eltern dürfen immer nicht vergessen, die Kinder gehören uns nicht, sondern wir begleiten und bereiten sie für ihr weiteres Leben vor und das sollten wir solide und mit viel Liebe tun. Wenn alles abgeschlossen ist, werde auch ich einen großen Artikel dazu schreiben. Ein wirklich toller Beitrag
Liebe Grüße
Sven
https://svellby.de/

Bianka
Antworten 26. Juli 2017

Ich reagiere inzwischen fast allergisch auf das Wort "Vereinbarkeit". Der Tag hat nur 24 Stunden. Jeder Mensch braucht Zeit für Schlaf, Regeneration, Zeit allein für sich selbst, Zeit für Das Kind/ die Kinder, Zeit für den Partner, Zeit für Freunde, Zeit für den Haushalt, Organisatorisches etc. Dazu kommt dann noch ein Job. Jeder muss für seich selbst entscheiden, an welcher Stelle die 24 Stunden gut angelegt sind, Ich habe für mich fest gestellt, dass ich entgegen dem Trend mehr Zeit mit meinem Kind verbringen möchte. Und zwar nicht müde und ausgelaugt!
Es gibt für mich keine Vereinbarkeit. Wenn ich 8 Stunden gearbeitet habe und danach direkt mein Kind aus dem Kindergarten abhole und nur das nötigste im Haushalt mache, habe ich nicht den Freiraum und die Ruhe, die ich brauche, um mich auf mein Kind einzulassen. Ich möchte nicht eine "Zwischen-Tür-und-Angel- Mutter sein, die gestresst und unentspannt ist.
Jeder Mensch hat nur eine bestimmte Kapzität. Ich war mal als das unterwegs, was man als "Karrierefrau" bezeichnet. Dazu immer unterwegs und auf Reisen. Seit ich Mutter bin ist das anders. Die Energie, die ich in den Job stecke, habe ich privat nicht mehr. So einfach ist das! Da gibt es keine Vereinbarkeit. An dem Punkt gibt es nur "entweder? -oder?" Ich stecke nur noch das Nötigste in den Job. Mein Kind bleinbt nicht ewig so klein und die Zeit mit ihm ist unwiederbringlich vorbei, wenn er gößer wird.
Ich bin sehr spät Mutter geworden. Dadurch habe ich schon einiges erlebt und erreicht und fühle mich nicht gezwungen "zu vereinbearen".
Viele Grüße
Bianka

Beatrice Lührig
Antworten 26. Juli 2017

Ja, Vereinbarkeit ist eine Lüge ... ich habe als arbeitende Mutter auch versagt, denn ich gebe gerade meine selbstständige Tätigkeit auf. Ich schaffe es einfach nicht, meinen Job am Laufen zu halten UND Mutter zu sein von sechs Kindern, mich um ihre persönlichen und schulischen Belange UND den Haushalt zu kümmern. Ich fürchte die Altersarmut, die mir gewiss ist, weil ich ja NICHT arbeite als Mutter, wie mir scheint ... auch hier im Artikel ist Mutter sein nicht als Arbeit erwähnt. Wann wird dieser wichtige Beitrag für das Wohl der Kinder wohl wieder wertgeschätzt ohne als unmodern zu gelten? Wieso kann ich als Mutter nur versagen, wenn ich mich an den vorhandenen Befürfnissen meiner Kinder orientiere?
Ich habe es auch WIEDER in den körperlichen Burnout geschafft. Zum zweiten Mal als arbeitende Sechsfachmutter ... Ich hasse es, nur die Wahl zwischen Armut und Verbachlässigung meiner Kinder zu haben. Natürlich bin ich dann lieber arm ...

Tati
Antworten 26. Juli 2017

Ich lebe in Hessen und ich finde es die reinste Katastrophe . Liegt vielleicht auch an meinem Beruf , arbeite in der Pflege in Teilzeit ! Und bin zur Zeit froh mit meinem dritten Kind im Beschäftigungsverbot zu sein ! Mein Mann hat nicht die Möglichkeit zu Reduzieren , ich schiebe seit ich mit meinem zweiten Sohn aus der Elternzeit zurück bin fleißig über hundert Überstunden vor mir her die ich direkt in den ersten drei Monate aufgebaut habe und unmöglich abgebaut bekomme . Die Kinder sind längstens bis vier bereut , ich habe immerwieder den Kampf mit dem Arbeitgeber das ich nur an bestimmten Tagen Nachts arbeiten kann , da ich Nachts keine Kinderbetreuung habe , habe Streit wenn ich nicht spontan einspringen kann wenn jemand kurzfristig ausfällt ! Habe ich Frühdienst ist keiner da der sie in die Schule oder Kita bringt , das heißt betteln bei meinen Eltern oder Schwiegereltern das jemand um halb fünf auf der Matte steht und den Kleinen um zwölf von der Kita holt . Habe ich Spätdienst , mache ich die Kids für Schule und Kita fertig und bringe sie hin und muss jemanden suchen der sie ab holt . Dann wird im schnellverfahren der Haushalt gemacht damit ich um elf zur Arbeit fahren kann , abends um mein , wenn ich nach Hause komme , finde ich das reinste Chaos vor und einen Mann der mir erzählt wie schwer es doch ist Kinder zu betreuen und gleichzeitig für Ordnung zu sorgen . Das heißt ich habe noch kein Feierabend und darf erstmal das Chaos beseitigen ! Meine Nachtdienste bestehen aus Heim kommen Kids für Schule und Kita fertig machen weg bringen zwei Stunden schlafen ( wenn überhaupt) den Kleinen holen , essen kochen , Haushalt und völlig erschöpft zum nächsten zehn Stundendienst fahren . Die freien Tage verbringe ich damit mit dem Großen für die Schule zu lernen , ihn zu Freunden zu fahren , das Chaos von der Zeit wo ich Dienst hatte zu beseitigen , den Großen darum zu fahren und endlich auch mal etwas Zeit mit dem Kleinen zu verbringen . Dann kommen dann ständig die Anrufe des Arbeitgebers das man man wieder einspringen soll , das Unverständnis ihrerseits ( man arbeite doch nur Teilzeit und hat sonst Freizeit) , das schlechte Gewissen den Kindern gegenüber, wenn man sich doch hat breit schlagen lassen und das Soziale Umfeld ( Schwiegereltern ) warum die Wohnung nicht lupenrein sauber ist oder man seine Kids aus Erschöpfung auch mal fern sehen lässt oder der ich mich dazu ertreiste das mein Mann Wäsche wäscht ............da fällt mir gerade noch eine latte an Dingen ein die man Kritisiert bekommt , alles Menschen die diesen Spagat nie hatten und garnicht wissen was es heißt alles unter einem Hut zu bekommen !

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