Wenn man sich von den eigenen Eltern entfremdet – Teil 1


Wie ist das, wenn man sich von den eigenen Eltern entfremdet? Ich hätte nie mit so vielen Reaktionen zum Thema Distanzierung von den eigenen Eltern gerechnet!

Inspiriert wurde ich eigentlich von Frau Papa mit diesem Tweet:

 

Und dann startete ich diesen Aufruf bei Facebook:

Ich wollte wissen, wie das ist. Da ich meine beiden Eltern verloren habe, kann ich mir gar nicht richtig vorstellen, dass ich mich bewußt entscheiden könnte, den Kontakt zu ihnen abzubrechen. Aber die Geschichten, die ich lesen dufte, haben es in sich – da sind die Entscheidungen sehr nachvollziehbar.

Hier sind die ersten vier Geschichten, die per Privatnachrichten mit der Bitte um Anonymität kamen. Die Serie werde ich in den nächsten Tagen fortsetzen und auch die öffentlichen Antworten zitieren. Ich wähle bewußt die Teile oder die Geschichten, die zeigen, dass Menschen stark und selbstbestimmt sein können – vor allem, wenn sie selbst Eltern sind, können sie besser aus der Kind-Rolle ausbrechen.

Sehnsucht nach einer liebenden Mutter: Unbefriedigt

Eine anonyme Leserin schreibt: „Unsere Familiengeschichte ist auch schon vor meiner Geburt sehr schwierig und von Verlust, Trennung und Schmerz geprägt gewesen. Mit meiner Geburt fing jedoch ein neues Kapitel an. Meine Mutter trennte sich vor meiner Geburt von meinem Vater, der sie betrogen hatte – was sie nie verkraftet hat. Der Kontakt wurde verhindert und er immer nur schlecht gemacht. Bis es keinen mehr gab. Irgendwann habe ich heimlich zu ihm Kontakt aufgenommen und gehalten, was aus heutiger Sicht Gold wert war, denn ich habe ihn mit 16 Jahren verloren. Meine Oma war mein wichtigster Bezugspunkt, den meine Mutter immer wieder ausgenutzt hat. Einer von uns (Oma oder ich) spurte nicht wie gewünscht? Kontaktverbot. Wutausbrüche ohne Grund. Erpressung und Druck in alle Richtungen. Das hat sie mir schon als Kind sehr entfremdet. Aber was bleibt einem schon, wenn man klein ist? Als ich 15 war bekam ich noch eine Schwester, die mich sehr glücklich gemacht hat und mehr wie ein eigenes Kind war. Kurze Zeit darauf passierten Dinge, die jetzt ausufern würden, aber meine Mutter hat mich kurz nach Weihnachten auf die Strasse gesetzt. Glücklicherweise kam ich bei meinem Freund und seinen Eltern unter und sie war sehr überrascht, als ich nicht zurück zu ihr wollte, als ihre Wut verraucht war. Meine Oma hat mich und meinen Freund bei der Wohnungssuche unterstützt und so fanden wir bald unser erstes Nest. Es folgten immer wieder Streits und Versöhnungen, doch es wurde immer schlimmer. Meine Schwester war oft am Wochenende bei uns und wenn ich mal wieder nicht spurte, durfte ich sie wochenlang nicht sehen. Musste wieder Entschuldigungen aufbringen für Dinge, die von ihr ausgingen.

Eines Tages war mein Freund so wütend und verzweifelt, weil es mir dann immer so schlecht ging, dass er nach einem Telefonat mit ihr vor Wut die Faust an die Wand schlug und sich den Fingerknöchel zertrümmert hat. Die Jahre zogen nach gleichem Muster ins Land, doch ich emanzipierte mich immer mehr, bis ich mich zum Kontaktabbruch entschloss und damit auch dazu, keinen Kontakt mehr zu meiner Schwester zu haben, die gerade in der Schule war. Manchmal telefonierten wir heimlich, wenn ich wusste, dass sie nicht da war. Doch wer Kinder hat, weiß um die Qualität von Gesprächen mit Kindern in diesem Alter.
Aber es ging um mich. Sie oder ich? Ich drohte kaputt zu gehen. Es folgten auch hier immer wieder Annäherungen (Pausen von mehreren Jahren waren die Regel), da ich meine Mutter sehr vermisste. Ich lernte den Vater meines ersten Kindes kennen, von dem ich mich trennte, da er u.a. gewalttätig war. In dieser Phase hatten wir u.a. wegen ihm keinen Kontakt. Er kontaktierte alle Freunde, bettelte und drohte. Alle ließen ihn abblitzen. Nur meine Mutter nicht. Sie schmiedete hinter meinem Rücken Pläne gegen mich und feuerte ihn quasi noch an, während er mich terrorisierte und bedrohte. Lud ihn ein und machte bei ihm Urlaub. Abschließend war das der Bruch, obwohl es nicht die letzte Phase Kontakt war.
Dennoch konnte und kann ich das nicht verzeihen. In den letzten Jahren ging meine Mutter dazu über, mich in gewissen Abständen per Mail zu beschimpfen und zu bedrohen. Gerne, wenn wir meine Schwester zu Familienfeiern oder Weihnachten eingeladen haben. Nachdem ich nicht reagierte, schrieb sie meinen Mann an, um ihn über mich aufzuklären. Als auch er nicht reagierte, bedrohte sie auch ihn.

Irgendwann kehrte Ruhe ein. Meine Schwester wurde volljährig und es zerbracht der Traum vom Stichtag und der erwünschten Freiheit. Ich heiratete ohne sie. Mein Jüngster wurde ohne sie getauft. Der Kelch wurde nun an sie weitergegeben. Sie wollte zu mir? Terror zu Hause. Bis heute. Wir streiten uns jedes Jahr vor Weihnachten, weil sie den Druck nicht aushält. Den Terror, wenn sie gerne zu uns möchte. Und dann doch bei ihr bleibt. Es wird nie aufhören. Solange nicht, bis auch meine Schwester alle Bänder löst.

Wir werden immer gefangen sein. Manchmal wünschte ich, sie wäre tot. Würde es das leichter machen? Könnten wir dann um die Mutter trauern, die wir nie hatten? Die sie vielleicht gerne wäre? Würden wir trauern? Ja, bestimmt. Aber sie lebt und vielleicht wird sie sich eines Tages besinnen. Ein Teil in mir hofft es so sehr. Das schlimmste an all dem? Ich vermisse sie so unendlich. Sie, die sie sein könnte, aber nicht ist. Eine Mutter, mit der ich meine Kinder geboren hätte. Die mich ins Bett verfrachtet zum Stillen. Die Enkel in den Kindergarten bringt. Die Plätzchen backt. Die vermittelt. Für mich da ist. Mir sagt, dass alles gut wird. Ich lebe dieses Leben. Wie ein Blinder. Blind für Dinge, die in Familien üblich sind. Ertaste mir in all diese Dinge. Die Traurigkeit bleibt und nichts kann dieses Loch stopfen.“

Eigenes Kind schützen: Unbedingt

Bei einer Leserin hatte die Mutter jahrelang Psychodruck ausgeübt, bis sich die Tochter Distanz verschafft hat: „Ich habe mit meiner Mutter seit etwas über zwei Jahren keinen wirklich persönlichen Kontakt mehr. Ab und zu habe ich Geld von ihr auf meinem Konto, dass aber immer betont nur für meine Tochter gedacht ist. Letztes Jahr war sie eigentlich zum Geburtstag der Maus da, hat aber die ganzen vier Tage etwas anderes geplant und war am Tag selbst so unfreundlich und unhöflich, dass ich mich vor den anderen Gästen echt geschämt habe. Ab und an höre ich über meinen Vater etwas über sie, aber dann auch eher in dem Zusammenhang, dass er sich über sie Luft machen muss. Ich mache mich nicht mehr von ihr abhängig. Im Nachhinein ist es ein Segen, dass meine Eltern vor der Geburt meiner Tochter weg gezogen sind. Sonst hätte die Maus noch mit dieser Oma womöglich täglich Kontakt. Man sieht ja was es bei mir angerichtet hat (Depression, seit Geburt fehlende Bindung zur Mutter, Minderwertigkeitskomplexe usw.). Ich würde niemals zulassen, dass meine Tochter durch ihre Psychosen auch Schaden nimmt.“

Bei einer anderen wurde der Vater gewalttätig: „Mein Vater und ich reden seit ca. 4 Jahren nicht mehr. Er wollte mir meine Tochter weg nehmen und hat mir dann in einem Wutanfall fast die Nase gebrochen. Während meine damals 3-jährige Tochter daneben stand. Ohne meinen Mann hätte das wohl im Krankenhaus geendet. Man kann sicher sagen, dass wir keinen Kontakt mehr haben. Obwohl er immer noch Geschenke für meine Tochter vor die Tür legt und sie mit in Urlaub nehmen will etc. Ich reagiere aber nicht mehr. Meiner Meinung nach war das dann doch ein Schritt zu weit.“

Geldgeilheit: Unmoralisch

Und noch eine letzte Geschichte für heute: „Zu meiner Person: ich bin 28 Jahre alt, meine Eltern haben sich getrennt als ich 2,5 Jahre alt war. Im Kopf habe ich das nie verkraftet und gegen meine Mutter rebelliert bis ich fast 16 Jahre alt war und meine Ausbildung begonnen habe. Grund der Scheidung: Mein Vater hatte eine Affäre mit einer anderen Frau, die er im Jahr 2005 dann geheiratet hat.

Ich dachte immer, dass die Scheidung meiner Eltern auf das Konto meiner Mama ging. Als Kind war mein Papa der Größte für mich. Bei Wochenendbesuchen wollte ich nie mehr zurück nach Hause zur Mama, sondern bei ihm bleiben, sogar am liebsten zu ihm ziehen. Das lag vielleicht auch an dem neuen Freund meiner Mutter, der 12 Jahre älter war und als Kind fand ich das einfach nur ekelhaft. All das habe ich meine Mutter deutlich spüren lassen, vor allem durch echt mieses Verhalten und Regelbrüche. Im Jahr 2005 kam dann die große Wende: Mein Bruder (er war 21, ich 17) und seine Freundin sind im September bei einem Motorradunfall ums Leben gekommen. Es ist mit Abstand die härteste Prüfung, die ich in meinem Leben bisher bestreiten musste.

Wahrscheinlich war es das für alle in der Familie. Direkt nach dem Tod kamen noch große Töne von der neuen Frau meines Vaters: Er ist euer gemeinsames Kind, ihr müsst zusammen entscheiden wie die Beerdigung laufen soll. Alle standen unter Schock, ich habe es geglaubt. Allerdings bekam meine Mama 6 Wochen nach dem Unfall bereits einen Brief vom Anwalt meines Vaters, dass er sie verklagen wird, wenn sie die Erbschaft noch weiter verschleppen würde. Ich war total geschockt, weil das letzte, an das wir dachten das Erbe war. Seit diesem Zeitpunkt habe ich nie mehr persönlich mit meinem Vater oder seiner Frau, die ich wirklich wahnsinnig mochte, gesprochen. Ich musste zu meiner Mama halten, sie war alleine und ich hatte das Gefühl, sie musste mich auf ihrer Seite wissen. Nicht zuletzt, weil mein Vater sofort mit Klage drohte. Meine Mutter hat mir dann auch alles über die Trennung erzählt: Erst seit 2005 wusste ich, dass mein Vater verantwortlich für die Scheidung ist. Dass seine Frau bereits verheiratet war und sich ihr damaliger Mann wegen der Scheidung umgebracht hat. Mein Bruder wusste Bescheid und nun auch ich. Meine Mama hat so lange geschwiegen, weil sie nicht wollte, dass ich ein schlechtes Bild von meinem Vater bekomme, doch sie musste es mir sagen. Ich habe dann heimlich alle Scheidungsunterlagen gelesen, es war wirklich eine dreckige Scheidung. Vor allem wegen dem blöden Geld. Irgendwie hat sich mit der Erbschaft dann alles geklärt, doch meinen Vater hat es wohl verärgert, dass er bei der Lebensversicherung meines Bruders nicht als Begünstigter stand und meine Mutter das Geld alleine bekommen hat.

Mit 19 (also im Jahr 2007) habe ich meine Ausbildung beendet, beschlossen mein Fachabitur nachzuholen und dann studieren zu gehen. Ich konnte BaföG beantragen, benötigte aber die Einkommensauskünfte meiner Eltern. Mein Vater hat sich geweigert, hat nur mit dem BaföG-Amt kommuniziert. Er kam nicht drum herum, aber das Amt musste zunächst in Vorleistung gehen und wollte sich das Geld von ihm dann zurückholen. Es war eine beträchtliche Summe, zumindest für mich. Als es um diese Rückzahlung ging, landeten wir schließlich sogar vor dem Familiengericht. Er zerrt also seine Tochter vor Gericht wegen einem Betrag, den er wahrscheinlich Netto in zwei Monaten verdient. Ich hatte große Magenschmerzen und Schlafprobleme, konnte weder essen noch schlafen, weil mich die Vorbereitung auf den Prozess psychisch so mitgenommen hat. Ich musste dann letztlich nicht vor Gericht aussagen, der Anwalt meines Vaters hat darauf verzichtet. Mir kam alles vor wie ein reines Psychospiel, vielleicht um mich zu brechen? Ich kann nicht sagen was der Zweck war, aber in gewisser Weise hat mich das schon gebrochen.

In mir reifte der Entschluss, dass ich mit diesem Menschen nichts mehr zu tun haben will. Als ich mein Studium begann, hat das zuständige BaföG-Amt zum Glück nicht lange gefackelt und sofort elternunabhängiges BaföG gezahlt. Somit blieb mir eine erneute Auseinandersetzung erspart. Ich könnte auch nicht sagen, was das mit mir psychisch gemacht hätte. Doch zu einer Verbesserung der gesamten Situation hätte es bestimmt nicht beigetragen. Mittlerweile bin ich gefestigt in meinem Leben, doch ich frage mich schon oft wie mein Leben verlaufen wäre, hätte es diesen Bruch mit meinem Vater nicht gegeben. Bestimmt hätte ich mich 2005 anders verhalten können, doch ich konnte es nicht. Mein Vater ist ein dominanter Mensch und ich hätte ihn nie persönlich auf die Klagedrohung an meine Mutter ansprechen können. Ich hatte in dieser Hinsicht einfach Angst vor ihm. Allerdings kam auch von ihm nie nie nie der Versuch alles zu klären und vor allem sein Verhalten zu erklären.

Ich habe im Jahr 2014 einen wunderbaren Mann geheiratet. Da unsere Familie groß ist und ich zu einem seiner Brüder guten Kontakt habe, muss er von der Hochzeit gewusst haben. Ich habe kein Geschenk, vor allem kein Geld, erwartet. Aber doch wenigstens seine Glückwünsche. Es kam nichts. Im Dezember 2015 kam dann unser kleiner Sohn auf die Welt. Er ist meinem Vater wie aus dem Gesicht geschnitten und er wäre mit Sicherheit Stolz auf seinen Enkel. Doch auch hier kam keine Reaktion. Oft denke ich an einen bestimmten Liedtext von einem wunderbaren Künstler: „Mit deinem Jet fliegst du über Berge aus Traurigkeit, mit deinem Schiff pflügst du den See aus Leid, was du auch tust, was du auch lässt, dreh es nur um und stelle fest, ob es sich mit dir noch Leben lässt.“ Ich kann nicht mehr mit ihm leben. Denkt er manchmal nach, was passiert wäre, wenn? Denkt er an mich, an seinen Enkel? Möchte er ihn gerne sehen, erleben, vielleicht sogar lieben? Im Moment kann ich nicht mal sagen, ob ich traurig wäre, wenn er irgendwann stirbt. Ein Mensch, der seit mehr als 11 Jahren keine Rolle mehr in meinem Leben spielt, kann er mir denn wirklich fehlen? Ich glaube nicht.“

So, ihr merkt, es sind hier nur vier Geschichten von über 80, die ich erhalten habe… es kommt bald noch ein Beitrag. Wenn ihr auch eine Geschichte habt, die ihr mitteilen wollt, die Kommentare werden hier oft und ausgiebig gelesen! 

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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18 Kommentare

Rìona
Antworten 20. Mai 2017

Sowohl ich, als auch meine Tochter haben Kontaktabbrüche hinter uns. Ich mit meiner Mutter, sie mit ihrem Vater. Unsere Geschichten sind so lang... Ich kann sie hier so nicht aufschreiben. Vielleicht per pn, wenn ich es schaffe. Es ist jedenfalls so, dass wir beide bewusst die Kontakte abgebrochen haben, um uns zu schützen und irgendwie mit dem Leben klar zu kommen. Ich brauche meine Mutter dazu nicht (sie mich ja auch nicht, und das von Anfang an), meine Tochter hat so viel Leid erfahren, dass auch ihre Entscheidung absolut richtig ist. Ich wünsche niemandem diese Erfahrungen.

Nicole
Antworten 20. Mai 2017

Sehr sehr traurige Geschichten, aber leider keine Ausnahmen. Ich habe weder Kontakt zu Vater noch zu Mutter. Ich habe mich mit beiden, unabhängig voneinander, überworfen. Aber mir geht es seid dem sehr viel besser. Ich knabbere zwar noch an dem was mir als Kind eingeredet wurde, und ich schüttel immernoch darüber den Kopf wie egoistisch man auf Kosten seines Kindes sein kann. Aber das unterstützt mich auch im Umgang und in der Erziehung mit meinen Kindern. Denn so wie meine Eltern will ich einfach NIE werden!

Sharon
Antworten 21. Mai 2017

Ich kenne das auch. Meiner Mama habe ich den Kontakt abgebrochen und viele verstehen es nicht, weil sie seitdem immer mich überall schlecht macht. Niemand weiß von denen warum ich mich so entschieden habe und ich eine Therapie hinter mir habe. Ich würde gerne über meine Geschichte sprechen können.

Conny N.
Antworten 21. Mai 2017

Mein Mann hat auch vor fast 12 Jahren alle Brücken zu den Eltern abgebrochen, nach der Geburt unseres ersten Kindes. Er ist selbst als Kind vom Vater ab Kleinkindalter bis er alt genug war, sich zu wehren, misshandelt worden, die Mutter hat weggeschaut und es immer bagatellisiert. Mein Mann ist depressiv und versucht seit 20 Jahren durch Therapien jeder Art erfolglos, sich von seinen Kindheitstraumata zu lösen. Aber wenn das Urvertrauen schon beim Kleinkind mit Gewaltexzessen gebrochen wird und der Rest der Familie schweigt, dann geht wohl was kaputt seelisch, was später nicht mehr heilbar ist. Wir wollten jedenfalls nicht, dass unsere Kinder Kontakt haben, daher zu der Zeit der Bruch. Seitdem geht es meinem Mann aber auch seelisch besser. Die sporadischen Pflichtbesuche zu Geburtstagen, Weihnachten etc., wo seine Eltern immer so taten, als sei das alles nie geschehen, haben ihn immer viel zu sehr aufgewühlt. Eine Klärung des Ganzen fand nie statt, obwohl er nicht mehr erwartet hätte als wenigstens EIN mal zu hören: Ja, das war falsch von uns, es tut uns Leid! Aber darauf wartet er bis heute vergebens. Stattdessen sind SIE sauer wegen des aus ihrer Sicht grundlosen Kontaktabbruchs. Ab und zu kommen noch Karten und Briefe, auf die mein Mann dann antwortet, dann wollen sie ihn sehen, aber sobald er sagt, dass er sich dann ehrlich aussprechen will mit ihnen, einmal alles offen auf den Tisch bringen, um dann Frieden damit zu schließen, melden sie sich nicht mehr oder äußern Unverständnis. Meine Kinder sind jetzt 11 und 8, sie kennen es nicht anders, dass sie nur EIN Großelternpaar haben. Sie wissen von den Anderen, aber interessieren sich nicht dafür. Wir haben ihnen erklärt, warum wir keinen Kontakt haben, ohne zu sehr ins Detail zu gehen.

Kathi
Antworten 24. Mai 2017

Meine Eltern wollten mich beide nicht, ich war ein Unfall, bereits der zweite. Weder zu meinem leiblichen Vater, noch zu meinem älteren Bruder, aber auch zu meiner Mutter habe ich keinen Kontakt mehr. Meine Mutter hat sich immer »Mühe« gegeben und versucht, mir meine Wünsche zu erfüllen, jedoch Liebe konnte sie mir nicht schenken! Und Selbstvertrauen auch nicht, nichts, was ich gemacht habe, war gut genug. Das wurde zwar nicht offensichtlich ausgesprochen, aber war immer zwischen den Zeilen deutlich erkennbar. Ich war ein halbes Jahr alt, als meine Mutter meinen leiblichen Vater verlassen musste, weil der eine Neue hatte. Er hatte meine Mutter, ihre Nachfolgerin und auch meinen Bruder, der bei ihm aufgewachsen ist, geschlagen. Er ist übrigens Polizist, mittlerweile ein hohes Tier und immer damit durchgekommen. »Hausstreit« wurde das gennant, sowas ist doch normal... Es existieren keine Baby- oder Kleinkinderfotos von mir. Früher hat mich das nicht gewundert, aber langsam wird mir klar, warum! Weil ich nicht gewollt war. Und meinen Bruder hatte sie auch seinem Schicksal, bei diesem gewalttätigen Menschen aufzuwachsen, überlassen. Sie wusste, welches Martyrium meinen Bruder dort erwartete. Dann kam mein Stiefvater in unser Leben. Zum Glück, denn der hat mir so viel Liebe und Geborgenheit geschenkt, wie es meine leiblichen Eltern nicht möglich war. Seit gut einem Jahr rede ich nun mit meiner Mutter nicht mehr und »sie weiß gar nicht, warum«. Sie hat schließlich nichts getan, ich bin die Schuldige, die Hysterische. Mit meinem Stiefvater wird es auch immer schwieriger, denn sie möchte nicht, dass er sich mit mir trifft. Er selbst leidet seit Jahren unter massiven Schlafstörungen, schreit und haut wild um sich im Schlaf. Gemeinsam haben sie sich eine paranoide Festung aufgebaut. Alles ist schlecht und jeder ist nicht gut genug und falsch und dumm und geizig und überhaupt.... Ich habe es jahrzehnte lang nicht realisiert, was sie mit mir veranstaltet hat. Meine Freundinnen und Ex-Partner meinten immer, sie wäre ganz schön dominat und wolle mein Leben bestimmen. Dafür hätte ich mir mein Stillschweigen und meine Freundlichkeit gut bezahlen lassen durch Urlaub, Klamotten und finanzielle Unterstützung. Wir haben eine Oscarreife heile Familie gespielt. Ich habe einen Sohn, den sie übrigens das erste halbe Jahr, seit dem wir nicht mehr sprechen in Sippenhaft genommen hatte. Kontakt kommt nur über meinen Stiefvater zwischen ihnen zustande. Mein Sohn (12) und ich (40, Alleinerziehend, seit er 1,5 ist) haben ein ganz warmes, inniges und vertrauensvolles Verhältnis zueinander. Das hat großen Neid bei meiner Mutter ausgelöst, warum sie mir gegenüber in den letzten Jahren immer gemeiner und gehässiger wurde. Mir war das lange nicht klar, oder ich wollte es vielmehr nicht wahr haben. Mein Sohn hatte schon immer auch ein inniges Verhältnis zu meinem Stiefvater, jedoch immer ein distanziertes zu meiner Mutter. Das finde ich sehr interessant, da er schon immer für sein Alter sehr empathisch und sozial war. Dieser kleine Mensch wusste schon lange vor mir, dass diese Frau nicht lieben kann. Meine Mutter hatte es nicht leicht in ihrem Leben, wurde zu ihrer ersten Ehe mit 17 gezwungen, von der eigenen Mutter nicht geliebt und vom ersten Ehemann geschlagen. Trotzdem konnte sie andere Menschen immer verurteilen, wenn sie es im eigenen Leben nicht besser gemacht haben. Sie ist überzeugt, sie hat es besser gemacht, aber psychische Gewalt ist auch schmerzhaft und hinterlässt ebenfalls Narben auf der Seele. Deshalb bin ich seit einem halben Jahr in Therapie. Eins weiß ich aber genau, die Liebe zum eigenen Kind ist das Schönste und größte Glück der Welt. Schade ist das für alle, die das nicht leben und fühlen können.

    Béa Beste
    Antworten 24. Mai 2017

    Was für eine bewegende Geschichte, liebe Kathi! Danke, dass du sie mit uns teilst - und die Überzeugung, dass die Liebe zum eigenen Kind das Schönste und größte Glück der Welt ist, wird dir ganz sicher im Heilungsprozess sehr helfen. Fühle dich einfach umarmt! Liebe Grüße, Béa

Melanie
Antworten 10. August 2017

Ich finde das so schade zu lesen, weil ich meine Eltern immer geliebt habe und mir nicht vorstellen kann wie es ohne meine Mum wäre. Leider starb mein Vater zu früh, sodass wir nur noch uns haben. Aber es hat uns zusammengeschweißt und nun freut sie sich über ihr erstes Enkelkind.

JesS von feierSun.de
Antworten 2. November 2017

Ich hadere noch sehr mit mit und dem Abbruch des Kontaktes. Ich verzehre mich so sehr nach einer Mutter. Einer, die meine Mutter nie sein wird, nie war und es auch nicht kann.
Ich will Ruhe und Liebe in meinem Leben aber immer wieder bringt sie einen Sturm von Emotionen, Enttäuschungen und Grill mit sich, wenn wir wieder Kontakt haben. Momentan sitze ich es aus. Denn der Kontakt macht mich krank. Aber ich habe Angst vor dem Abbruch. Angst vor dem Kontakt und weiß auch nicht weiter.....

Maddy
Antworten 2. November 2017

Ich habe den Kontakt zu meinen Eltern und meiner Schwester 2011 abgebrochen. Ich habe sehr lange gebraucht, diesen Schritt zu gehen und doch ist er das beste für mein Seelenleben. Ich bin in einer Familie aufgewachsen, in der ich an allem egal was es war, Schuld bekam. Ich bin als Kind mehrfach sexuell missbraucht worden. Beim ersten Missbrauch war ich fünf, es war außerhalb der Familie.
Danach folgten noch weitere Fälle.
Meine Mutter hat mir im Laufe meiner Kindheit, eingetrichtert an diesen Dingen selbst Schuld zu sein und kein Wort darüber zu verlieren. Und nicht nur das, sie verbreitete meine "Schuld" auch unter dem Rest unserer Verwandtschaft.
Sie vermittelte mir, das dass was passiert war, nichts ungewöhnliches wäre ect...
Als ich in die Pubertät kam und ich Sexualkunde in der Schule hatte, Begriff ich das dass was geschehen war, falsch war. Ich wollte mit meiner Mutter darüber reden. Es ging schief. Sie fragte warum ich denn ankomme, ich wäre ja selbst Schuld, was also wolle ich von ihr...
Kurzum meine Kindheit war davon geprägt das meine meine Mutter so drauf war und mich oft schlug, mein Vater mich psychisch kaputt machte indem er mir einredete der wertloseste Mensch überhaupt zu sein und das er sich für mich schämt und meine Schwester schlug in dieselbe Kerbe wie er und versuchte mir später alle Männer auszuspannen mit denen ich zusammen war, indem sie denen ihre "Vorzüge" präsentierte.
Also besser ohne als mit denen.....

    Béa Beste
    Antworten 2. November 2017

    Oh Mensch, das ist wirklich traurig... Lieben Dank, dass du das hier mit uns geteilt hast!

Anonym
Antworten 2. November 2017

Ich erkenne mich/meine Geschichte, teilweise in den Geschichten wieder...
Es tut schon weh, wenn man weiß, dass man von der eigenen Mutter eigentlich gar nicht gewollt war. Wenn Vater schlecht über Mutter redet und umgekehrt. Man steht mit 9 Jahren zwischen den Stühlen. Man hat Angst, das man sich Falsch entscheidet. Inzwischen habe ich selbst 3 Kinder und keinen Kontakt zur Mutter oder meiner Schwester...

bitte anonym
Antworten 3. November 2017

Das sind ja wirklich alles sehr bewegende Geschichten. Ich hoffe für euch alle, dass ihr das ganze einigermaßen verarbeiten und gut weitermachen könnt!
Meine Geschichte ist nicht so heftig und passt also fast nicht hier her. Aber auch ich stand und stehe häufig vor der Entscheidung den Kontakt abzubrechen, um mir selbst Seelenfrieden zu verschaffen. Aber ich habe inzwischen gelernt, dass ich gar nicht ganz ohne meine Eltern sein will. Und auch meinen Kindern wünsche ich ein schönes Verhältnis zu ihnen.
Ich möchte gar nicht die ganze Geschichte erzählen. Es sind nämlich eher tausend kleine und große Geschichten. Es ist einfach schlimm, den ganzen Groll und die Wut, die sich über die Jahre anstauen, nicht loswerden zu können, da irgendwie nie ein konstruktives gespräch zustande kommt. Und für mich ist im Moment die Lösung sie zu verdrängen, damit ich -bis zur nächsten Eskalation - mit meinen Eltern weiter Kontakt haben kann. Ich glaube, meine Eltern sehen nicht mal - oder wollen sie das auch einfach nicht?- dass es mir häufig sehr schlecht geht deshalb.
Mein Mann ist immer wieder meine Rettung..

    Béa Beste
    Antworten 3. November 2017

    Lieben Dank, dass du uns diesen Einblick gibst! Liebe Grüße, Béa

bitte anonym
Antworten 3. November 2017

Ich komme von dem Thema gar nicht los..
Ich wollte noch sagen, auch für mich ist die Liebe zu meinen Kindern das größte Glück. (und zu meinem Mann, aber das ist was völlig anderes) aber grad deshalb ist es auch meine größte Angst, dass sie irgendwann auch davor stehen, dass ihnen der Kontakt zu mir zu anstrengend ist. Ich kann nur hoffen, dass es genug ist, dass ich mein bestes gebe und ständig an mir arbeite. Und die Fehler nicht in die nächste Generation trage, auch, wenn ich meiner Mutter so ähnlich bin.

Es tut gut, hier so "laut darüber nachzudenken". Danke für die Möglichkeit dazu!

Nadja
Antworten 11. November 2017

Mit meinen Eltern und Meinem Bruder habe ich auch keinen Kontakt mehr.
Das liebe Geld macht einfach alles kaput!
Es ging damit los das ich während meiner Ausbildung mit überziehen meines Konto‘s Ihnen aus der patsche helfen sollte.
Als ich dann anfing fest zu arbeiten haben sie mir eingeredet Ihnen zu helfen wenn ich einen Kredit aufnehme. „Wir sind deine Eltern du wirst die Raten nie spüren, vertrau uns usw.“
Das Ende vom Lied wahr das in relativ kurzer Zeit hochverschuldet wahr.
Dazu muss man sagen das mein Vater jähzornig ist und ich eine Heiden Angst hatte wenn es mal nicht nach seiner Nase läuft.
Natürlich haben sie sich mal mehr oder weniger an den Raten beteiligt und es gab immer häufiger Stress.
Immer wieder hatten sie mich angepumpt -vertrau uns bla, bla -und wenn es darum ging ihre Versprechen einzuhalten - was bist du für ein Mensch wir würden alles für dich tun bla bla -.
Was heißen soll wenn ich Ihnen kein Geld mehr geben wollte wahr ich ein schlechter Mensch, weil ich Ihnen nicht vertaue und kurze Zeit später ein schlechter Mensch, weil ich meinen Eltern das letzte Geld rauspressen will.
Also bin ich wie eine beklopte arbeiten gegangen (was eigentlich der Job von meinen Eltern gewesen währe) um mich über Wasser zu halten.
Und hab mich regelnässig runter machen lassen.
Was ich nie vergessen werde ist der Kommentar von meinem Vater zu meinem damaligen Nebenjob Zitat „ für so wenig Geld würde ich morgens nicht aufstehen“ (wobei er überhaupt nicht gearbeitet hat)
Dann lernte ich meinen Mann kennen.
Ich hab mich dazu entschlossen das Leben zu genießen und dafür durfte ich mich von meinem Bruder als „egoistisches Miststück“ betieteln lassen.
Rein zufällig immer dann wenn wir in den Urlaub wollten brauchten sie wieder geld, und wenn ich nein sagte (was ich mich früher nie getraut hätte, da ich Angst hatte alleine dazustehen) wurde ich wieder beschimpft - du gehst mit deinem Depp in den Urlaub und wir können uns die Butter auf dem Brot nicht leisten-.
Man muss dazu sagen jeder Außenstehende würde meinen das meine Eltern gut betucht sind so wie sie sich nach Außen hin geben.
Was schließlich zum Bruch geführt hat: mein Vater hat angefangen Versicherungen zu verkaufen und er hat meinen Mann um viel Geld betrogen. Das schlimme ist ich hätte es kommen sehen müssen, aber sie haben mich mein ganzes Leben lang so bequatscht, das ich mir an allem selbst die Schuld gegeben habe.
Als wir dahinter gekommen sind das sie uns betrogen haben, hab ich meinem Vater einen Brief geschrieben und wollte das er dazu Stellung bezieht.
Das Ergebnis wahr das mir mein Bruder gedroht hat, das er mich vertig macht wenn wir ihrgendwas gegen meine Eltern in die wäge Leiten und das er mit sowas wie mir nichts mehr zu tun haben will!
Und da wahr mir klar das ich mein leben lang nur ausgenutzt worden bin! Momentan versuche ich an die Zukunft zu denken was nicht immer einfach ist, es gibt immer wieder Momente in denen ich ungewollt in die Vergangenheit abtrifte!
Jetzt kann ich mittlerweile sagen, das ich mit diesen Menschen nichts mehr zu tun haben will, auch wenn es für mich immer noch schwer ist!
Gott sei dank habe ich meinen Mann, er stärkt mir den Rücken und ich wüsste auch nicht was ich ohne meine Freunde machen würde.
Schön das es solche Plattfomen wie diese hier gibt.

    Béa Beste
    Antworten 11. November 2017

    Lieben Dank, dass du das hier bereicherst indem du deine Geschichte erzählt! Liebe Grüße, Béa

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