Wie Eltern mit Kindern über Rassismus reden – Tipps aus der Community


Alle Menschen sind gleich – sagt man recht schnell! Das heißt aber leider nicht, dass alle auch so denken. Zwar haben wir alle Nasen, Augen und Ohren, Arme und Beine und trotzdem gibt es welche, die wegen der Hautfarbe radikale Grenzen setzen und diese auch offenkundig äußern… Wie können wir mit Kindern über Rassismus reden?

Eine Leserin teilte uns neulich Folgendes mit:

„Meine Tochter (8) ist ein Scheidungskind. Bis dahin ist das nicht dramatisch, denn sie kommt mit der Situation sehr gut klar. Ihr Vater kommt ursprünglich aus Nordafrika, lebt aber seit 20 Jahren in Deutschland. Nun war meine Tochter über das Wochenende bei ihrem Papa. Bei einem Spaziergang wurden beide rassistisch angefeindet. Meine Tochter hat große Angst bekommen. Ihr Vater ist auch nicht gerade der Ruhigste in solchen Momenten. Er wird schnell verbal aggressiv und erklärt ihr dann nicht die Situation. Zu Hause hat sie dieses Thema sehr beschäftigt und mich gefragt, warum Menschen solche bösen Dinge sagen.“

Und nun ihre Frage:

„Wie spreche ich nun am besten mit ihr über Rassismus?“

Eine Frage, auf die man im ersten Moment ein wenig sprachlos ist. Denn diese Situation erschlägt nicht nur das Kind, sondern auch das passive und ratlose Elternteil. Doch wie wir aus Erfahrung wissen, ist auf die Ratschläge der Schwarmintelligenz immer Verlass. Hier sind die besten Tipps der Tollabea-Community:

Dem Kind zunächst erklären, warum Menschen solche falschen Sachen äußern.

Starten wir mit einem guten Beitrag von Yve Nur Yve:Das Beste wäre, ihr zu erklären, dass manche Menschen Angst vor Andersartigkeit haben und dies durch Aggressivität äußern. Dass ihr so etwas noch öfter im Leben begegnen wird und sie sich nichts daraus machen soll, dass aber nicht alle Menschen so sind.“ Das Ende ist besonders wichtig: Nicht alle denken so über sie! Man schießt oft von einer Person auf eine Allgemeinheit, aber das ist ebenso ein Vorurteil.

Bettina Obert hat auch eine Erklärung für sie: „Es gibt leider Menschen, die andere nicht so akzeptieren können, wie sie sind. Dann versuchen sie diese verbal oder körperlich zu verletzen.“

Eine sehr impulsive und emotionale Meinung erreicht uns von Marie Hoffmann: „Am liebsten würde ich sagen, dass es eben auch dumme Menschen gibt, welche sich legal vermehren dürfen und einfach nicht verstehen, dass die Welt auch uns allen gehört und diese NIEMAND privatisieren kann. Dass diese Menschen dumm und naiv sind und glauben, dass andere Menschen schuld an ihrer Faulheit und Erfolgslosigkeit sind.“

Aber „Anders“  zu sein ist NIEMALS etwas Schlechtes.

Warum wird der Begriff „Anders“ überhaupt negativ konnotiert? Maike Held weist uns auf Folgendes hin:Die Menschen hat Andersartigkeit schon von jeher abgeschreckt. Es steckt in uns als angeborene Urangst in uns. Denn alles, was anders ist, könnte potentiell gefährlich werden. An uns modernen Menschen liegt es nun, unsere angeborene Urangst mit Verstand zu begegnen.“

Leider scheint gerade jetzt das politische Klima auch eine Welle an Rassismus zu bergünstigen

Politische Umstände in Deutschland haben in den letzten Jahren dazu geführt, dass viele Menschen einem ausländischen Einschlag mit Vorurteilen konfrontiert und verbal oder physisch angegriffen werden. Die Community hat leider viele persönliche Erfahrungen dazu.

Jasmin Sauer schreibt: „Mein Kleiner ist auch ein Mischlingsjunge. Bis zur Flüchtlingswelle war alles okay. Aber jetzt bekommt er Angst. Mama, bin ich auch so wie die? Bin ich doch ein Asylant? Ich versuche ihm dann zu erklären, das er keiner ist und warum sie hier sind. Und das er sich nicht schämen muss, anders auszusehen. Jetzt hat er Angst, das sein Papa Probleme bekommt, wenn er uns besucht.“

Mein Junior macht kein Unterschied in Farbe. Er sah nur den Unterschied in der Sprache und sagte immer ‚Die Englischen‘. Als sie neu waren, kam der Hass leider zum Teil aus dem Elternhaus“, sagt Marina Schwarz. Sie ist der Meinung, dass das Weltbild auch stark von der Erziehung abhängt.

Nun noch ein paar Worte an den Papa…

Vielleicht war es nicht ganz korrekt, dass der Vater sehr provokant und laut reagiert hat. Katja Müller rät daher: „Vielleicht solltest du auch mal mit ihrem Papa darüber reden, was die Kleine beschäftigt. Es bringt nichts, wenn der Papa aggressiv darauf reagiert und die Kleine denkt, es wäre normal. „Klar ist es als Elternteil besonders schwer, wenn man selbst ausgegrenzt wird. Irgendwann bricht der Damm aus, man ist wütend und redet, ohne nachzudenken. Aber Kinder nehmen ja bekanntlich mehr auf, als man denkt. Und wenn uns selbst als Außenstehende eine Situation so sehr bewegt, wie mag es dan für ein achtjähriges Kind sein, die Welt noch gar nicht richtig versteht?

Zum Glück gibt es einige Bücher, die helfen, mit Rassismus umzugehen.

Hier ein Lösungsweg von Imad Ettaki, der selbst nordafrikanische Wurzeln hat und sich um seine Kinder sorgt: „Machen wir uns nichts vor, Rassismus war immer da. Nur bekam er Gesichter, als die Flüchtlings-Welle hier eingetreten ist. Rassismus kann nur mit Bildung und Aufklärung bekämpft werden. Ich finde die Idee mit Büchern ganz gut. Man soll das Thema nicht verharmlosen. Beim nächsten Mal sollte sie vorbereitet sein, und solche Leute mit Argumente statt Aggressivität in den Schranken zurückweisen.“

Sandra HeLa hat einen Buchvorschlag für euch: „Ich habe für uns viele Bücher zu dem Thema geholt.. ‚Irgendwie Anders‚ finde ich superschön und arbeite schon von klein auf das ‚Anders sein‘ mit meinem Sohn auf.“

Auch Alexa Perdeck-Brabetz empfiehlt uns eins:  „Es gibt da ein ganz tolles Kinderbuch: Wie ich Papa die Angst vor Fremden nahm.“

Mittlerweile gibt es auch visuelle Medien, so ein Tipp von Anja Keks Lieske: „Es gibt einige englische Podcasts, die dieses Thema in dem letzten Jahr aufgegriffen haben. The Longest Shortest Time oder One Bad Mother sind zwei davon. Es lohnt sich als Elternteil dort in die entsprechenden Episoden reinzuhören. Es sind zwar alles Beispiele und Bücher aus den USA, aber ich fand die Gespräche trotzdem interessant.“

Was versuchen wir ihrem Kind und unseren für die Zukunft mitzugeben?

Constance Nicklich kann das Ganze recht gut zusammenfassen: „Einfach offen mit dem Kind drüber sprechen, denn man kann sie davor nicht beschützen.“

Ich sage immer Folgendes zu meinen Kindern: Das Schönste an uns Menschen ist, dass wir alle unterschiedlich sind. Das Leben wäre langweilig, wenn alle gleich aussehen würden oder alles gleich gut fänden. Leider gibt es Menschen die meinen, dass ihre Meinung die Beste ist. Die haben eben noch nicht gelernt, dass es viel schöner ist, jeden Menschen so zu akzeptieren, wie er ist“, so Kris Tine.

Doch auch wenn Kinder es rational verstehen, so heißt es nicht, dass es nicht trotzdem jedes Mal unglaublich verletzend sein kann. Ich spreche aus Erfahrung, wenn ich sage, dass sich nicht plötzlich ein Schalter umlegt und man für immer immun dagegen ist. Es gilt daher, auch sein Umfeld zu überzeugen. Es ist schwer als Einzelner, daher müssen ALLE mitmachen. Selbst diejenigen, die sich nicht persönlich angegriffen werden.

Ein paar Tipps von mir:

  • Verbannt „Anders“ aus eurem Wortschatz. Entweder sie sind besonders oder alle gleich.
  • „Witze“ in Sache Rasse oder Aussehen sind nicht witzig! Ein kleiner Scherz ist zwar lustig und nicht gleich ernst zu nehmen, aber man wird automatisch auf das Aussehen reduziert und fühlt sich untergeordnet. Und das zeigt sich noch nicht am Anfang, aber irgendwann bricht es vielleicht doch aus.
  • Reflektiert eure eigene Wortwahl. Ständig verstecken sich die einen oder anderen Vorurteile, die anfangs kaum zu sehen sind.
    Ein kleines Beispiel:
    „Für die Klassenfahrt müssen wir wissen, wer alles keinen Deutschen Pass hat. Mounia? Was ist mit dir?“, fragt die Lehrerin noch im selben Atemzug.
    „Äh, nein, ich bin Deutsch. Auch im Pass.“
    Meine gebürtige polnische blonde Freundin und der gebürtige Portugiese mit den grünen Augen hinter mir müssen sich dann selbst melden. Aber das einzige dunkelhäutige Mädchen wird automatisch in eine Schublade gesteckt. Natürlich hat die Lehrerin das nicht böse gemeint, aber das ist ein perfektes Beispiel für #Alltagsrassismus.
  • Niemals ein Ereignis runterspielen! Wenn ein Angriff jeder Art passieren sollte, dann muss er unbedingt thematisiert werden. Worte wie „überempfindlich“ und „hypersensibel“ oder gar „Mimose“ helfen da nicht. Und ja, ich habe solche Worte tatsächlich von Eltern gehört, die „viel mehr erlebt“ haben.

Ich wünsche den Eltern viel Kraft“, so nochmal von Anja Keks Lieske und da schließen wir uns allemal an!

Liebe Grüße,

Mounia

Mounia Jayawanth
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