Der Feind meiner Kinder ist mein Job


Seit nunmehr 1,5 Jahre bin ich Blogger oder Content Creator oder weiß der Geier, wie sich alle anderen da draußen nennen. Aber in dieser Zeit hat sich Einiges in unserem Alltag verändert. Genau darüber möchte ich euch heute berichten.

Dem Job, wie ich ihn mache, begegnen die meisten Bekannten, Freunde und auch Familie mit Vorurteilen.

Wir werden doch entweder die ganze Zeit von Firmen hofiert, zu Events auf Red Carpets eingeladen, hippen von einem Trend zum nächsten, unsere Kinder tragen nur gesponsorte Klamotten und was ist daran bitteschön Arbeit – Kaffeebilder posten oder lustige Insta-Stories drehen, etwa?

Oder es kommen die Fragen: „Kann man davon denn leben?“

In all den vergangenen Monaten begegnete mir erst ein einziger Mensch (neben meinem Mann nach dem ersten Geld auf dem Konto) – abseits der Branche – der nach kurzem Nachdenken verstand, was ich mache und womit ich mein Geld verdiene. Es war interessanter Weise ein Journalist. Und er gab mir noch viele weitere Tipps, und Ideen nach unserem Essen, was noch alles möglich wäre.

Aber zurück zu meinem/ unserem Leben, wie es sich verändert hat:

  • Die Kinder muss ich auffordern, dass sie IN die Kamera schauen, nicht weg, wenn wir Familien-Urlaubs-Fotos machen.
  • Meine Kinder wissen, wenn ich das Handy in der Hand habe, ist es fast immer Arbeit oder eine ihrer Sport/Schul-WhatsAppGruppen. Also kein privates Daddeln.
  • Oft spiele ich den Community-Manager spät abends, wenn wir eine Veröffentlichung hatten. Viel lieber würde ich ein Buch lesen, einen Wein trinken, mich mit Bekanntinnen treffen.
  • Fotos mit meinen Kindern werden von mir geplant, aber überrumpeln meine Kids oft. Dennoch wäre ich sehr froh darüber, wenn sie kooperieren. Bitte nur für 2 bis 5 bis 10 Fotos. Blöd ist es, wenn die Fotos nach Ansicht nicht die gewünschte Qualität, Aussage, Winkel haben, dann bitte noch einmal.
  • Es kommt ab und an vor, dass ich NICHT auf die Kids fokusiert bin, wenn sie nach Hause kommen, weil ein Beitrag noch fertig geschrieben werden muss oder diese eine Email an den Kunden noch raus muss. Dann bin ich wirklich unausstehlich, weil ich mich hinter meinem Screen verbarrikadiere und meine Arbeit vorschiebe, anstelle jetzt und hier für und mit meinen Kindern zu sein.

 

Natürlich findet die Gang Neues, was in Paketen aus der Redaktion kommt oder herum liegt, spannend. Aber brauchen wir das wirklich? Nein, darum verlose ich auch Vieles von den Auftragsprodukten zukünftig, soweit der Zustand akzeptabel ist.

Und natürlich findet die Gang es auch toll, wenn wir auf einen Event eingeladen werden. Blöd ist nur, dass ich zeitnah darüber schreiben muss und auch will, also verkürzt sich die Kuschelzeit.

Sobald also irgendwo mein Handy, die Kamera oder gar der Rechner in greifbarer Nähe liegen, bricht bei meiner Gang neuerdings Panik aus. Sie meutern förmlich. Die Großen sind davon überzeugt, dass mich der Job momentan so gestresst macht, dass ich deswegen so unausstehlich bin. Jaja, ich gebe zu, in den vergangenen Wochen kamen relativ viele Dinge zusammen. Was ja auch nicht allzu schlecht ist. Einen Job von 9 to 3 hab ich einfach nicht. Diesen Text schreibe ich bspw. mit Salbeitee neben mir auf dem Nachttisch. Sollte man nicht machen, hab ich auch noch nie gemacht, aber heute hat es mich einfach dahin gerafft. Zum Glück war Brückentag und der beste Mann hat die Kids übernommen. Aber auch das ist ein Zeichen für mich, dass es so nicht weiter geht. Ich brauche noch viel mehr Struktur – grundsätzlich bin ich darin schon recht gut – und ich muss Dinge auch sein lassen, wenn sie nicht absolut dringend sind.

Das Leben als FamilienBlogger sieht für Viele puderrosa plüschig aus.

Ist es aber nicht.

Wir pitchen für Aufträge, schreiben zig Mal mit Kooperationepartnern, bis wir uns in der Ausgestaltung einig sind. Wir wissen nicht, was der kommende Monat bringt oder hoffen, dass eine Kooperation nicht gänzlich von der Community als „daneben“ eingeschätzt wird und einen Shit-Storm feinster Art heraufbeschwört.

Viele denken, sie kennen uns, unser Leben, unsere Lieben – nur, weil wir Einiges öffentlich machen. Viele denken deshalb, uns persönlich angreifen zu dürfen. Täglich, wöchentlich, nur, weil Buchstaben schneller getippt sind, als ein direktes Wort.

Wir müssen schon alle recht arg eins am Sträußchen haben, um diesen Job – ja, es ist ein Job! – für euch tagein tagaus zu machen. Aber wir lieben, was wir tun. Wir lieben das Schreiben, die Flexibilität schnell für ein krankes Kind zu Hause sein zu können, die Leute um uns herum, die anderen Blogger/ Content Creatoren oder weiß der Geier, wie sie sich nennen.

 

Punkt.

Eure Yvonne

Yvonne Petzke
About me

Berliner Mom of 3 * Sport (Marathon) * Reisen * Natur * Mode * Beauty * * Aktuelles und Persönliches über mich und mein Leben findet ihr auf Instagram unter @yvonne_tollabea

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4 Kommentare

Nadine
Antworten 4. Oktober 2017

Danke dafür! <3

JesS von feierSun.de
Antworten 4. Oktober 2017

Hallo Du Blogger/ Content Creatoren oder weiß der Geier, ich glaube als Blogger hat man nur zwei Wege: entweder bist Du der vollprogfessionelle Stratege - da bleibt aber viel Herz auf der Strecke. Oder Du lebst mit Leidenschaft, was Du tust (und bist dann eben auch manchmal nicht perfekt aber eben echt). Ich glaube ja, dass ist mein Geheimnis. :)

Liebt was Ihr tut Ihr Blogger, Content Creatoren oder weiß der Geier, wie wir uns alle nennen :)

Drücker
JesS

Katja
Antworten 4. Oktober 2017

Liebe Yvonne,
Du sprichst mir aus der Seele. Die Vorteile sieht jeder, die Arbeit dahinter kaum jemand und wehe man braucht mal Unterstützung: Das ist doch nur dein Hobby! Ja, aber auch fürs Hobby brauche ich mal jemanden der aufs Kind aufpasst!

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