Die kleine Hummel Nia und die Gefühlswolken


Zunächst eine Intro von Béa: „Das Thema Gefühle verstehen und umgehen ist immer wieder ein Thema für Kinder und Eltern – gerade in dieser Zeit! Unsere Kolumnistin mindfulsun hat eine Geschichte geschrieben, die mich bezaubert hat. Ich habe mal gelesen, dass Walt Disney meinte, er mache nicht Filme für Kinder, sondern Filme für das Kind in jedem. Vielleicht berührt diese Geschichte auch das Kind in euch?“

Update: mindfulsun hat auch die Geschichte selbst hier vorgelesen!!! Wir hätten eine Bitte an euch, wenn ihr mögt. Könnt ihr eure Kinder fragen, wie sie sich die Hummeln und vor allem Nia vorstellen?


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Die kleine Hummel Nia und die Gefühlswolken

Die kleine Hummel Nia war traurig. Irgendwie war sie oft bedrückt und konnte nicht mal genau sagen, warum. Da war plötzlich dieser große Kloß in ihrem Hals. Und egal, wie sehr sie versuchte, wie alle anderen zu sein, es gelang ihr nicht.

„Was stimmt mit mir nicht?“

…fragte sich die kleine Hummel ganz oft. Ihre Schwester Lili schien stets fröhlich und unbekümmert zu sein.

Die Sonne schien, alle anderen Hummeln wuselten aufgeregt durch den Blumengarten und bereiteten ein großes Frühlingsfest vor.

Nia hingegen saß abseits und ließ die Flügel hängen. Manchmal kam eine andere kleine Hummel angeflogen und rief: „Komm doch zu uns, das wird heute aufregend und lustig!“ Nia versuchte ein kleines Lächeln, doch es gelang ihr nicht. Ungeduldig flogen die anderen Hummelkinder wieder davon. Es war schließlich noch eine Menge zu tun. Bunte Lichterketten wurden an den Stängeln der Blumen befestigt und es duftete nach dem Honigkuchen, der später auf der Mitte der Festtagstafel stehen würde.
Kurz schaute auch die Mutter der kleinen Hummel Nia bei ihr vorbei: „Warum bist du denn schon wieder traurig? Es gibt überhaupt keinen Grund. Lach doch mal, du wirst uns noch allen das Fest verderben!“

Nias kullerrunde Hummelaugen füllten sich mit Tränen.

Sie wollte niemandem das Fest madig machen. Sie wünschte so sehr, sie könnte sich auch ein wenig freuen. Doch alles war gerade irgendwie zu laut und zu viel. Sie wollte lieber alleine und abseits sein und in ihrem Hummelbäuchlein lag die Traurigkeit wie ein Stein.

Sie beschloss, zu ihrer Oma zu fliegen. Die Hummeloma wohnte nur ein paar Wiesen weiter und sie hatte auf ihrer Sonnenblume immer einen Platz für Nia frei. Nachdem sie ihre Mutter um Erlaubnis gebeten hatte, flog die kleine Hummel los. Ihre Oma lächelte, als sie Nia sah und öffnete die Arme. Nia flog hinein in diese dicke und warme Umarmung.
Sie setzten sich an den Küchentisch und die Hummel Oma schaute Nia aufmerksam an: „Bist du traurig, meine Hummel?“
Nia antwortete leise: „Ja, das bin ich und heute ist das Frühlingsfest. Ich wollte es den anderen nicht verderben mit meiner Traurigkeit und bin deswegen weggeflogen.“
Die Oma schaute die kleine Hummel mitfühlend an: „Hättest du denn gern mitgefeiert?“
„Nein, mir war das Getümmel auch viel zu laut.“, sagte die kleine Hummel. „Ich kann mich heute nicht so richtig freuen, so wie die anderen es tun.“

Oma dachte nach und erwiderte: „Traurig sein ist ok meine Hummel. Das geht auch vorüber. Komm mal mit, ich möchte dir etwas zeigen.“

Gemeinsam flogen sie zum Rand der großen Sonnenblume und Oma Hummel zeigte auf den blauen Himmel: „Schau, meine Hummel. Siehst du die Wolken da oben?“


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Nia schaute auf den Himmel und sah die Wolken an. „Ja, ich kann sie sehen!“
„Und kannst du auch sehen, wie sie sich bewegen und weiterziehen?“, fragte Oma Hummel.
Nia kniff die Augen zusammen und tatsächlich: Die Wolken bewegten sich immer ein Stück weiter am Himmel. „Ja, Oma. Die Wolken wandern!“, rief sie erstaunt.

„Siehst du Nia“, sagte Oma, „So ist das auch mit der Traurigkeit und allem anderen, was wir fühlen. Es bewegt sich weiter und weiter und die nächste Wolke kommt. Auch Freude fliegt vorüber, Ärger genauso.“

Gemeinsam betrachteten die beiden eine Weile den blauen Himmel und die flauschigen Wolken, die über ihren Köpfen hinwegzogen. „Du kannst die Wolken nicht festhalten, meine Hummel. Wichtig ist es mir, dass du siehst: Eine zieht weiter und die Nächste kommt!“

Konzentriert schaute die kleine Hummel nun ihre Oma an: „Das heißt also, es wird immer wieder auch traurige Wolken geben?“
„Ja, meine Hummel, so ist es. Es wird wieder traurige Wolken geben, genauso wie fröhliche und glückliche Wolken auch.“
Oma Hummel sah, dass Nia noch etwas bedrückt wirkte und sagte dann: „Lege mal deine Hände auf dein Herz.“ Die kleine Hummel legte sich ihre Hände auf ihre Brust. „Wenn eine traurige Wolke kommt, dann kannst du das auch tun und dir zuflüstern: Es ist ok traurig zu sein, das geht vorüber. Das hilft manchmal ein wenig.“ Da, wo ihre Hände waren, wurde es warm und Nia spürte verblüfft, wie ihre Traurigkeit sich etwas auflöste und der schwere Stein im Hummelbauch etwas leichter wurde. „Es ist ok, traurig zu sein.“, murmelte sie leise.

Oma Hummel lächelte: „Wie fühlst du dich jetzt, meine Hummel?“

Auch Nia lächelte nun: „Ich habe Hunger!“
„Da habe ich was für dich“, sagte Oma Hummel und reichte Nia eine große Schüssel rosaroten Erdbeerpudding. Nachdem die Schüssel leer gefuttert war, beschlossen sie Lichterketten aufzuhängen und „Hummel ärgere dich nicht“ zu spielen.

Später dann plumpste Nia ins Bett, Blütenstaub wirbelte auf und sie niesten und kicherten. „Siehst du meine Hummel, die traurige Wolke ist weitergezogen.“

„Ja, sie ist weg“, erwiderte die kleine Hummel und spürte die nächste Wolke: Eine wohlig angenehme, die ganz aus Müdigkeit gemacht war.

Bevor sie ihre Augen schloss, fragte Nia: „Oma, woher kommen eigentlich diese Wolken und die Gefühle?“
„Darüber sprechen wir morgen.“, sagte Oma sanft. „Schlaf jetzt erst mal.“ Und sie nahm die kleine Hummel noch mal fest in ihre Arme. Denn Geborgenheit ist eine Wolke, die sich beim Einschlafen wie eine kuschelige Decke wohltuend auf das Herz von kleinen Hummeln legt.

Fortsetzung folgt…

Outro von Béa: „Es wäre schön, wenn ihr mit der Geschichte nachsichtig seid, es ist der erste Versuch von mindfulsun, auch für Kinder zu schreiben. Ermunterung oder einfach auch nur Herzen und Hummeln als Kommentare sind uns beiden seeehr willkommen!“

mindfulsun
About me

Mensch, Mama zweier Jungs, die versucht ihre Werte zu leben und die innere Balance zu halten. Ich schreibe über Achtsamkeit, vegane Ernährung, Nachhaltigkeit und verbindende Kommunikation von Herzen. Was ich mir wünsche? Einander mit mehr Mitgefühl und Empathie zu begegnen, überall auf der Welt.

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2 Kommentare

Katta
Antworten 7. März 2021

Eine super schöne und kindgerechte Geschichte. Mein Großer ist gerade traurig, ich werd sie ihm vorlesen, danke!!

    mindfulsun
    Antworten 8. März 2021

    Liebe Katta, ich freue mich, dass dir meine Geschichte gefallen hat. Und bin gespannt, wie dein Großer sie finden wird. Vielleicht magst
    du mich daran auch teilhaben lassen, ob sie ihm ein wenig helfen konnte? LG, mindfulsun

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