Elternschule – Der Film – Ja? Nein? Jein!


Kinder zu wunderbaren Menschen zu erziehen und sie fit für ihre eigene Zukunft zu machen, verlangt von uns Eltern oft eine gehörige Portion Selbstreflexion und Ausdauer. Wir haben den aktuell heiß diskutieren Dokumentarfilm Elternschule im Kino angeschaut, denn wir wollten uns selbst ein Urteil bilden.

Diverse Blogbeiträge und Kommentare, die wir uns im Vorfeld des Kinoabends durchlasen, erzeugten zwiespältige Gefühle in uns. In den klassischen Medien wurde der Film ziemlich positiv rezensiert. Von einem „Muss für alle Eltern“ war die Rede. Auf der anderen Seite las man besonders in vielen Eltern-Blogs sehr vernichtende Kritiken.

Wir wollten wissen, was der Film „Elternschule“ eigentlich zeigt, wie er es zeigt und warum.

Wir, das sind Stef und Yvonne vom Tollabea-Team mit insgesamt 5 Kindern im Alter von 3 bis 14 Jahren. Béa ist in Spanien und kommt nur an Trailermaterial ran, eine Anfrage an den Verleih Zorro Film via Twitter wurde nicht beantwortet. Inzwischen hat der Verleih gar kein Social Media Account mehr. 

Wir kennen zahlreiche Höhen, aber auch Tiefen des Elterndaseins. Bei aller Liebe für unsere Kinder erlebten wir auch Grenzmomente, die uns teilweise hilflos und verzweifelt machten. Das Gefühl der Verzweiflung und Hilflosigkeit auf beiden Seiten – sowohl auf der der Eltern als auch auf der der Kinder – geht uns in dieser Dokumentation sehr nah.

Deshalb versuchen wir jetzt unsere Gedanken zur Elternschule zusammenzufassen. Vor allem aber möchten wir in diesem Blogpost auch Anlaufstellen für Eltern nennen, die akut Hilfe benötigen, denn: Ihr seid nicht allein! Die haben wir wir weiter unten aufgeführt. 

Worum geht es im Film „Elternschule“?

Das Filmmaterial ist in der Kinder- und Jugendklinik Gelsenkirchen, in der Abteilung „Pädiatrische Psychosomatik“ entstanden. Hier hat der Psychologe Dietmar Langer ein Programm entwickelt, um Verhaltens-, Schlaf- und Essstörungen bei Kindern zu behandeln. Grundlage dafür ist Langers über 30-jährige Forschung auf diesem Gebiet. Die Kinder, die das Programm von Langer durchlaufen, bleiben zusammen mit den Eltern ca. 3 Wochen in der Klinik und kommen danach zu regelmäßigen Nachkontrollen.

Der Film zeigt Kinder mit unterschiedlichen Verhaltensauffälligkeiten, dazu gehören Schlaf-, Essstörungen, psychosomatische Neurodermitis und starkes Aggressionsverhalten. Laut Aussage der Klinik ist die Behandlung „ganzheitlich“, d.h. es geht nicht nur um die Symptome der Kinder, sondern um das gesamte Beziehungsgeflecht der Familie – und um das Verhalten der Eltern. Die Eltern erhalten Vorlesungen, in denen ihnen unter anderem die Beziehungen zwischen Stress auslösenden Faktoren und dem Verhalten der Kinder dargestellt werden. Ziel des Aufenthalts ist es, den Eltern wieder einen stressfreien Umgang mit den Kindern zu ermöglichen, und dadurch die Verhaltensauffälligkeiten der Kinder in den Griff zu bekommen.

Warum wird der Film so kontrovers diskutiert?

Die Kontroverse im Netz bezieht sich auf die Art und Weise, wie dieses Ziel erreicht wird. Die Hauptkritik dreht sich um das Kindeswohl, das laut Kritiker durch die im Film gezeigten Methoden gefährdet wird. Als Beispiel wird dafür oft eine Szene des Films genannt, in der eine korpulente Krankenschwester einen kleinen Jungen fest mit Armen und Beinen umschlingt, um ihn zu füttern und nach dem Füttern zu beruhigen. Der gezeigte Junge kam in die Klinik, weil er deutlich untergewichtig war und jegliche Nahrung verweigerte oder erbrach.

Eine weitere Methode, die starke Kritik hervorruft, ist das Schlaftraining der Klinik, welches sehr an die Ferber-Methode erinnert, welche inzwischen ja stark umstritten ist. Den Kindern wird hierbei von den Eltern getrennt durch „kontrolliertes weinen lassen“ das Einschlafen beigebracht.

Der Ansatz der Klinik ist deutlich: Kinder brauchen Grenzen und müssen diese konsequent gesetzt bekommen.

Herr Langer nennt diesen Ansatz „liebevolle Strenge“. Er erklärt den Eltern im Film verschiedene Zusammenhänge, damit sie verstehen, warum sich in angespannten Situationen der Stress gegenseitig verstärkt und oft zur Eskalation führt. Durch Beispiele sollen Eltern verstehen, dass es wichtig ist, eigene Stresskomponenten (wie beispielsweise eine bestimmte Erwartungshaltung) zu streichen, um die angespannte Situation zu entlasten. Er betont wiederholt, wie wichtig verlässliche Grenzen für Kinder sind, weil sie Kindern Halt geben und erklärt den Eltern dabei, was Verlässlichkeit bedeutet

Die Kontroverse um den Film ist so stark, weil sich zwei unterschiedliche Erziehungsansätze gegenüber stehen: Ein autoritäre Ansatz, in welchem die Eltern klare Rahmenbedingungen vorgeben und die Kinder sich diesen Bedingungen fügen müssen versus dem bedürfnisorientiertem Ansatz, der die Rahmenbedingungen auf die Bedürfnisse der Kinder abstimmt. Im ersten Ansatz erfolgt die Kommunikation von oben (Eltern) nach unten (Kinder) durch klare Ansagen, im anderen Ansatz erfolgt die Kommunikation auf Augenhöhe mit dem Kind.

Wie wir das sehen.

Wenn Eltern vor der Wahl stehen, würden sich die meisten von ihnen wahrscheinlich instinktiv für den Ansatz „auf Augenhöhe“ entscheiden. Aber ganz so einfach ist es manchmal aus unserer Erfahrung eben nicht. Die im Film gezeigten Eltern und Kinder sind in extremen Stresssituationen – auf beiden Seiten. Im Gegensatz zu manchen Reality-Sendungen, in denen Kinder und Eltern regelrecht vorgeführt werden, enthält sich der Film aus unserer Sicht von Wertung gegenüber den Eltern. Die Kritik, dass der Film nicht die häuslichen Situationen zeigt und daher nicht die Ursachen der Störungen darstellt, können wir nicht nachvollziehen. Durch die Konzentration auf das Umfeld der Klinik begegnet der Zuschauer den Eltern wertneutral. Man fällt kein Urteil über Kinderzimmer, Wohnungen, familiäres Umfeld etc. Statt dessen sieht der Zuschauer nur die Eltern, wie sie in der Klinik sind. Sehr deutlich wird, dass alle diese Eltern durchweg extrem verzweifelt sind. Wir fanden den Film in keiner Weise reißerisch, was heutzutage leider nicht selbstverständlich ist.

Auf die Bedürfnisse eines Kindes einzugehen ist definitiv wichtig, aber wie macht man das, wenn ein Kind 14 Stunden durchschreit, wie eines der gezeigten Mädchen. Wie geht man damit um, wenn ein Kind beißt, haut, spuckt und sich in keinerlei Gemeinschaft einfügen kann? Wie reagiert man bedürfnisorientiert, wenn das eigene Kind nicht isst und permanent alles erbricht, aber eine körperliche Erkrankung ausgeschlossen wurde? Wie reagiert man, wenn sich ein Kind blutig kratzt?

Wir, also vor allem Béa, möchten mit diesem Text vor allem alternative und frühzeitige Möglichkeiten nennen. Wir würden diese Abteilung so nicht empfehlen und lehnen die dargestellten Methoden ab.

Das letzte Beispiel zeigt ganz gut, warum „bedürfnisorientiert“ eben auch falsch verstanden werden kann.

Eine Mutter kam mit einem kleinen Jungen in die Klinik, der an psychosomatischer Neurodermitis litt. Da er sich ständig blutig kratzte, sobald er wütend war oder seinen Willen nicht bekam, versuchte die Mutter laut eigener Aussage jeglichem Bedürfnis ihres Sohnes sofort nachzukommen. Was dazu führte, dass sie am Ende ihrer Kräfte und der Sohn völlig haltlos war. Wie also reagiert man hier am besten? Ein wichtiger Schlüsselsatz von Langer für diese Mutter war beispielsweise, dass es einem Kind nur gut gehen kann, wenn es auch den Eltern gut geht. Aufopferung bis hin zur Selbstaufgabe macht weder Eltern noch Kind glücklich. Den Ansatz von Langer, den Eltern wieder ein Gefühl für die eigenen Bedürfnisse zu vermitteln, finden wir sehr wichtig.

Bei den im Film gezeigten Familien besteht dringend die Notwendigkeit negative Verhaltensmuster zu durchbrechen und gemeinsam mit dem Kind neue, positive Wege des Miteinanders zu erlernen. Das sollte im Idealfall auf Augenhöhe erfolgen.

Wir glauben aber auch, dass es Situationen gibt, in denen das Miteinander so belastet und gestört ist, dass es hilft, Eltern und Kinder für kurze Zeit zu trennen, damit sich die Anspannung abbauen kann. Wie oft erlebt man es im Familienalltag, dass ein Elternteil an die eigenen Grenzen kommt, gestresst ist und sich aus einer Situation rausnehmen muss, um runter zu kommen? Im Idealfall schaffen es die Eltern, sich zu regulieren (manchmal eben indem sie sich aus der Situation selbst rausnehmen) und können dann auch den Kindern wieder entspannter begegnen. Die im Film geschilderten Problematiken gehen jedoch weit über normale Eltern-Kind-Konflikte hinaus, in denen man ruhig mit dem Kind redet, um Lösungen zu finden.

Eine Mutter berichtet im Film, dass sie Phantomschreie hört, egal wo sie ist, weil ihr Kind mitunter 14 Stunden durchschreit und diese Schreie sich in ihr manifestiert haben. Eine andere Mutter sagt, dass sie, sollte der Aufenthalt in der Klinik nichts bewirken, nur noch die Lösung sieht, ihr Kind ins Heim zu geben. Man merkt allen gezeigten Eltern an, dass ihnen ihre Kinder wichtig sind. Die Schreie, die Aggression, die Verweigerung und der Schmerz der Kinder zerreißen ihnen das Herz. Sie wissen einfach nicht weiter.

Was uns bei vielen Kritikern fehlt, sind die konkreten alternativen Lösungen. Wie kann man mit solchen Problemen umgehen und trotzdem beziehungsorientiert arbeiten? Wo kann man sich hinwenden?

Fakt ist, dass das Netz an Notfall-Unterstützung für Eltern in Deutschland sehr dünn ist. Legt man dann noch Wert auf eine bindungsorientierte Unterstützung wird es mehr als eng.

Deshalb finden wir es wichtig und sogar gut, dass es den Film gibt, denn er sorgt für Diskussionen. Er zeigt die Not von Eltern, die ganz sicher nicht selten ist. Aber ja, im Film werden Methoden gezeigt, die auch wir ABSOLUT nicht richtig finden.

Warum einem Kleinkind der tröstende Nuckel entzogen wird, verstehen wir nicht. Warum Eltern und Kinder nicht Hand-in-Hand laufen dürfen ebenso wenig. Von Regulationsstörungen zu sprechen, wenn Kinder bei einer ärztlichen Untersuchung schreien, weil den Eltern jeglicher tröstender Körperkontakt verboten ist, können wir nicht nachvollziehen! Die oben bereits genannten Beispiele des erzwungenen Essens und Schlaftrainings sind für uns verstörend.

Wir glauben jedoch, dass das Ansinnen von Langer positiv gemeint ist: Er möchte völlig hilflose Eltern unterstützen und Kinder wieder in die Gemeinschaft integrieren. Die Methoden sind teilweise veraltet, für Kinderseelen nicht gut und sollten deswegen öffentlich debattiert werden. Manche Aussagen im Film regen aber durchaus zum Nachdenken an.

So hatten wir während der Doku immer wieder Aha-Momente, die uns dazu brachten, die Sicht auf unsere eigenen Kinder neu zu reflektieren. Dies passierte zum Beispiel, als Langer davon sprach, dass Eltern oft „Bilder“ ihrer Kinder im Kopf haben: „Mein Kind kann das und das. Mein Kind kann das uns das nicht. Mein Kind verhält sich so und so.“ Statt in diesen Bildern festzustecken regte Langer dazu an, auch dem eigenen Kind immer wieder neu zu begegnen und ihm/ ihr Dinge zuzutrauen – weg vom defizit-orientierten Denken hin zur positiven Sichtweise.

Ganz so einfach in „gut“ oder „schlecht“ einordnen können wir diesen Film also nicht. Wir haben eher ein „sowohl als auch“ Gefühl.

Inzwischen entsteht im Netz eine verbale Konfrontation und teilweise Aggression zwischen Menschen, die den Film komplett verurteilen und anderen, die nicht bereit sind, den Film pauschal abzulehnen. Hinzu kommen Eltern, denen laut eigenem Gefühl in der Klinik geholfen wurde und die sich jetzt angegriffen und verurteilt fühlen.

Lasst uns doch statt dessen die Chance, dass dieses Thema jetzt eine größere Öffentlichkeit bekommen hat, nutzen, um Eltern in solchen Situationen wirklich zu helfen!

Lasst uns die Aufmerksamkeit für den Film nutzen, um das Spotlight auf das dünne Netz für Akuthilfen zu lenken!

Lasst uns einander stärken und Mut zusprechen, statt durch Verurteilungen zu verunsichern!

Wir werden versuchen unseren Teil dazu beizutragen und Interviews zu unterschiedlichen Hilfsangeboten führen, damit klarer wird, was Eltern tun können, wenn sie in Not sind. Um anzufangen, haben wir hier für alle Eltern eine nicht abschließende Liste zusammengestellt, die erste Anlaufstellen benennt.

Wir werden auf jeden Fall tiefer in das Thema eintauchen und sind gern bereit, Eltern für ihre Erfahrungsberichte eine Plattform zu bieten, auf der sie über ihren Weg berichten können – egal ob in der Klinik in Gelsenkirchen oder durch andere Hilfsangebote. Auf Wunsch ist dies natürlich auch anonym möglich. Lasst uns miteinander reden, Erfahrungen teilen und einander helfen!

Liebe Grüße und eine dicke Umarmung für alle Eltern am Limit

Eure Stefanie & Yvonne

Zur Transparenz: Dieser Beitrag ist NICHT gesponsert. Wir haben unsere Kinokarten selbst bezahlt und den Film aus eigenem Interesse angeschaut.

PS von Béa 5.07.2019: Ich habe den Film „Elternschule“ noch nicht anschauen können. Habe gerade ein sehr anspruchsvolles Projekt und einen Krankheitsfall in der Familie.

Generelle Anlaufstellen bei Erziehungsfragen und -problemen

Schwere Schwangerschaft, schwieriges Kleinkind-Alter

  • Hebamme
  • Frauenärztin
  • Kinderarzt
  • Schreiambulanz

Kita-Alter

  • Kinderarzt
  • Schlafschule, Schlafberatung

Schulalter

  • Schulpsychologischer Dienst des Bundeslandes – schnelle Hilfe
  • Kinder- und Jugendpsychologe – oftmals lange Wartezeiten
  • SPZ – Sozialpädiatrisches Zentrum eurer Stadt
Stefanie Kaste
About me

Stefanie lacht, lebt und liebt in Berlin zusammen mit ihrem Lieblingsmann, ihrem Teenager und ihrem kleinen Tornado. Als Familie erkunden sie die Welt, suchen nach dem Ende des Regenbogens und sind immer für neue Abenteuer zu haben. Stefanies Herzensthemen sind die (digitale) Bildung und Nachhaltigkeit, denn beides sind Kernthemen, um die Zukunft unserer Kinder positiv zu gestalten.

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17 Kommentare

Sascha Krause
Antworten 19. Oktober 2018

Ich verbiete mir am heutigen Abend jedes Kommentar zu diesem Artikel und weise lediglich darauf hin‘ dass Herr Langer nie promoviert hat und deshalb auch nicht berechtigt ist, einen Doktortitel zu tragen. Von Tollabea erwarte ich eine Richtigstellung.

    Yvonne Petzke
    Antworten 19. Oktober 2018

    Hallo Sascha,
    danke für den Hinweis - Du hast recht. Das "Dr." wurde in ein "Herr" umgewandelt.
    Besten Gruß, Yvonne

Lena Rüthers
Antworten 19. Oktober 2018

Vielen Dank für diese tolle Zusammenfassung des Films! Werde ihn mir auf jeden Fall ansehen! Auch ich als Mama kenne die Momente, in denen man verzweifelt ist und sich fragt, wie man diese Situation meistern soll! Zum Glück sind mein Mann und ich ein gutes Team, so dass wir alles zusammen ganz gut meistern können! Ein wichtiges Thema über das gesprochen werden sollte!

Sandra Hannemann
Antworten 19. Oktober 2018

Vielen Dank für diesen, für mich ersten guten Bericht zu diesem Film. Meine Freundin war mit ihrem Kind dort und ist Hernn Langer bis heute dankbar für den Weg, den er ihr gezeigt hat. Wir haben damals viel diskutiert und ich fand nicht alles gut, was sie berichtet hat. Herrn Langers Definition von Schlafstörungen zum Beispiel. Aber ich verstehe seine zu Grunde liegende Idee.
Ganz wichtig finde ich den Aspekt, dass dort Extremfällen behandelt werden. Das ist ja nun nicht gerade die nächste Erziehungsberatungsstelle um die Ecke. Da waren diese Eltern ja schon. Und NIEMAND der einen solchen Extremfall nicht selbst zu Hause hat, kann und darf meiner Meinung nach ein abschließendes Urteil fällen. Ähnlich ist es, wenn der Mutter eines ADHS Kindes empfohlen wird, einfach mal mit ihrem Kind in den Wald zu gehen, anstatt es mit Medikamenten ruhig zu stellen.
Ich verbeuge mich vor jeder Mutter, die ihr Kind durch solche Zeiten begleitet und sich Hilfe holt.

Yvonne Hagedorn
Antworten 19. Oktober 2018

In der so genannten Elternschule werden Eltern dazu angeleitet ihre Kinder zu Misshandeln! Finde nicht das einem Kleinkind mit Gewalt zum essen zu zwingen die Lösung des Problems sein kann oder das man Kinder schreien lässt! Will ich ein Kind oder eine Marionette die funktioniert? Ich glaube die Frage sollte man sich stellen!

Sandy
Antworten 19. Oktober 2018

Danke! Ich bin wirklich froh über diese "erwachsene" und ehrliche Meinung über diesen Film.
Hier sind die Worte klar gewählt, ohne dem Leser eine Meinung aufzudrängen.

Es gibt halt nicht immer nur zwei Seiten, sondern noch ganz viel dazwischen, was weder besser, noch schlechter ist, als andere "Zonen".

Jeder muss seinen Weg finden und dieser sollte immer gewaltfrei sein. Dennoch stößt jeder (!) auch mal an seine Grenzen und benötigt Hilfe. Wem was hilft, steht nur leider nirgends geschrieben, somit ist man auf etwas angewiesen: Vertrauen.
In sich.
Ins Kind.
Auf die Hilfe von Außen.

Auch ich möchte betonen, dass ich die gezeigten Methoden nicht befürworte.
Ich sehe nur die Tatsache, dass immer mehr Eltern überfordert sind und Hilfe benötigen. Das ist etwas, was mir persönlich Sorgen macht und mich beunruhigt. Ebenso wie es mich beunruhigt, dass jeder plötzlich alles besser weiß und das Rad ( angeblich) neu erfindet. Das erhöht den ( eh schon zu hohen ) Drück auf die Eltern und die Kinder.
Mein Wunsch:
Weniger Schubladen, mehr Toleranz.
LG Sandy

Susanne
Antworten 19. Oktober 2018

Danke für diesen "neutralen" wertschätzenden Bericht. Es sind extrem Fälle und daher auch für die Eltern sehr stressige Situationen. Stimme euch absolut zu dass es teilweise veraltet und sehr dominantes Vorgehen ist. Allen Eltern aber auch noch der Tipp dass es inzwischen einige Kinder-und Jugendcoaches sowie Reflexintegrationstrainer gibt, die sowohl den Kids als auch den Eltern ganzheitlich zur Seite stehen und mit Ärzten, Heilpraktikern, Kinesiologen, Chiropraktoren und Ostheopathen u.a. kooperieren.

Lina
Antworten 20. Oktober 2018

Ich finde die Kritik zu diesem Artikel absolut gerechtfertigt. Hier wird die gezeigte psychische und physische Gewalt gegen Kinder und die verzweifelten Eltern relativiert und die von euch genannte Ablehnung gegen die Methoden verschwindet völlig im seichten Geplänkel. Ihr schließt euch dem allgemeinen Tenor an, dass gerade bei den schwächsten der Gesellschaft, die Liebe, Verständnis und Zeit am allernötigsten hätten, genau dieses nicht mehr angebracht wäre. Dabei will das nur niemand bezahlen. Dargestellte angebliche Entlastung der Eltern ohne ein Wort, dass diese buchstäblichen Trennungen entgegen aller fortschrittlichen Erkenntnisse durch allgemein eher empathieloses Personal geschieht, welches stumpf das brutale Programm der Klinik abspielt. Die bekannten Wahrheiten im Film hervorgehoben, ohne den Hinweis, dass damit menschenverachtende Theorien gerechtfertigt werden. Und die selbe Leier, es gehe hier um die Diskussion verschiedener Erziehungsstile. Nein, es geht nur um die Tatsache, dass Gewalt gegen Kinder immer falsch ist. Abgesehen davon, dass falsch recherchiert wurde und essenzielle Tatsachen wie ein (nicht) vorhandener Doktortitel und medizinische Diagnosen falsch dargestellt wurden, verfehlt auch der eigentliche angebliche Sinn des Artikel sein Ziel, denn Ihr habt bisher noch nicht wirklichen Beitrag geliefert, weil Kinderarzt und Schlafberatung und Schreistunde etc. ist nicht nur allgemein nichtssagend und auch allseits bekannt, sondern haben diese Familien bereits durchlaufen und werden ja auch über diese Wege in besagte Klinik geleitet.

    Susanne
    Antworten 21. Oktober 2018

    Genau meine Meinung! Vielen Dank, Lina!

    Susanne
    Antworten 21. Oktober 2018

    Das hätte ich nicht besser ausdrücken können, genau meine Meinung!

    Yvonne Petzke
    Antworten 21. Oktober 2018

    Liebe Lina,
    danke für Deine Nachricht. Wir haben uns in den vergangenen Stunden auf allen Medien ausdrücklich von den dargestellten Methoden abgewandt. Wir haben den Fehler des Doktortitels bereits behoben. Nur gibt auch Du uns bitte Zeit, die Vielzahl der erhalten Informationen über Orte, an denen Hilfe geboten wird, zu prüfen.
    Vielen Dank & lieben Gruß, Yvonne & das Tollabea-Team

Katharina (hyperaktiv.rocks)
Antworten 20. Oktober 2018

Danke für diesen unaufgeregten Artikel.
Hier in der Schweiz bekommen wir den Film ja nciht zu Gesicht. Eine Information fehlt mir bisher: Wurden die Kinder neurologisch untersucht und Störungen wie ADHS oder aus dem Autismusspektrum, sowie psychiatrische Diagnosen ausgeschlossen, bevor die Auffälligkeiten auf ein pädagogisches Problem / Erziehungsfehler reduziert wurden?

Oliver Dierssen
Antworten 20. Oktober 2018

Als Anlaufstellen sind die Stufen letzten ärztlichen kinder- und jugendpsychiatrischen Praxen (nicht -psychologen oder -therapeuten) nicht zu vergessen.

Dr. med. Oliver Dierssen
Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie

Fontanus
Antworten 22. Oktober 2018

Der Film zeigt deutlich, wie tief verankert althergebrachte Methoden (Johanna Haarer "Die (deutsche) Mutter und ihr Kind") aus unserer dunklen Vergangenheit noch in so genannten "therapeutischen" Ansätzen herumspuken. Dass vergangene Generationen, die mit diesen Erziehungsmethoden herangewachsen sind, heute mit ihren daraus resultierenden Traumatas zu arbeiten haben, scheinen die Verantwortlichen dieser Klinik noch nicht wirklich wahrgenommen zu haben. Aber die Zeiten ändern sich doch (endlich), wie an den überwiegend erschütternden Gegenreaktionen zu erkennen ist. Liebe und Zuwendung ist der einzige Weg. Den inneren Willen (ein Hilfeschrei emotionaler Bedürftigkeit) durch einen Stärkeren zu brechen, gehört für mich inzwischen zu einem der schlimmsten Tatbestände in der Pädagogik, die insbesondere ein Klein-Kind erfahren kann.

Kristina
Antworten 25. November 2018

Das Trennungstraining das von der Autorin des Artikels nicht verstanden wird ist Teil der Therapie, die an Elemente von Herrn Hamer anlehnt und in Richtung Esoterik geht, des Kind soll sich alleine helfen. Hier lohnt es sich zu googeln. Die umstrittene Methoden gibt es seit ueber dreissig Jahren in der Kinderklinik. Ich hoffe die Kinder erholen sich schnell nach dem Krankenhausaufenthalt.

Ariane
Antworten 5. Juli 2019

Ich sehe es wie ihr, sollte eine Mutter wirklich ihr Kind lieber ins Heim gehen anstatt sich strenge Hilfe zu holen? Würde man das Kind in 10 Jahren fragen, ob es lieber ins Heim gekommen wäre oder die Mama einmal es in der Klinik streng behandeln lassen hat, würden wohl alle letzteres wählen.

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