Humor? Ja, bitte! Mit Einfühlungs-Vermögen und Feingefühl


Das Thema „Humor“ und insbesondere „Humor mit Kindern“ beschäftigt mich immer wieder. Ich habe schon vor langer Zeit mal darüber geschrieben, nun ist unsere Kolumnistin mindfulsun dran:

Ich bin in den letzten Tagen öfter über die Aussagen: „humorbefreit“, „humorlos“, „Er / sie versteht eben keinen Sarkasmus und keine Ironie“ gestolpert und habe reflektiert. Auf diese Reise der Reflexion möchte ich euch gerne mitnehmen, wenn ihr möchtet.

„Das war doch nur Spaß!“

Diesen Satz habe ich schon oft in meinem Leben gehört und auch sicher gesagt und es wurde dann erwartet: „Verstehe doch, lach doch mal.“ Wenn der andere Mensch dann nicht lacht, entstehen auf der anderen Seite auch Gefühle. Vielleicht Unverständnis oder Frustration.
Sehr oft höre und lese ich dann: „Dieser Mensch ist eben humorbefreit / humorlos.“

„Humor ist, wenn man trotzdem lacht.“ – Otto Julius Bierbaum

Diese Redensart kennen wir sicher fast alle. Sie begleitet mich seit meiner Kindheit.

Die Definition von Humor – laut Wikipedia

„Humor ist die Begabung eines Menschen, der Unzulänglichkeit der Welt und der Menschen, den alltäglichen Schwierigkeiten und Missgeschicken mit heiterer Gelassenheit zu begegnen.“

Was da für mich nicht steht: Humor ist, wenn du immer lachst. Humor ist, wenn alle über das gleiche lachen. Humor ist ein Muss in jeder Situation.

Denn für mich braucht Humor auch die Gegenpole: Rücksichtnahme, Feingefühl, Einfühlungsvermögen, Höflichkeit.

Humor kann auch sehr verletzend sein. Beim über andere lachen kann jede Menge Spott und Schadenfreude involviert sein.
Ich mag es, mit Menschen zu lachen und nicht über sie. Und ich habe mit der Zeit gelernt, auch über mich zu lachen. Diese Fähigkeit war bei mir nicht stark ausgeprägt. Was ich besaß, war eine große Portion Zynismus in meine Richtung, gepaart mit Selbstkritik. Meine chronische Depression hat das gefestigt.

Heute kann ich über mich lachen und muss es aber nicht. Es kommt auf die Situation an. Manchmal brauche ich es, über mich zu lachen. An anderer Stelle gehe ich mit sehr viel Selbstmitgefühl mit mir um.

Lachen ist gesund und ich lache gerne. Nur bei Spott, verletzendem Sarkasmus und Ironie und vor allem bei Zynismus ist meine Grenze.

Auch das habe ich meinen Jungs vermittelt: Mit jemandem lachen, finde ich ok.
Über jemanden lachen, kommt mir meistens verletzend und grenzüberschreitend vor.

Ich habe auch gelernt, mich zu äußern und es auch meinen Jungs vorgelebt. In meiner Familie hieß es oft „Lach doch mal, so schlimm war das jetzt doch nicht.“ Und dann wurde erwartet, dass ich lache. Auch wenn ich mich verletzt fühlte oder es nicht lustig fand. Heute kann ich sagen: „Das hat mich jetzt verletzt, warum sollte ich lachen? Ich finde das nicht komisch.“

Auch bei Humor – besonders bei versteckten Verletzungen unter dem Deckmantel des Humors – ist es für mich wichtig, dies zu äußern.
Und ja, ich habe auch schon daneben gehauen. Ich habe meinem Kind gegenüber mit Sarkasmus reagiert und daraufhin kam ein: „Mama, das hat mich jetzt verletzt und ich bin traurig. Sag so was bitte nicht mehr.“ Ich bin auch froh, dass meine Kinder sich so äußern. Und nie würde es mir einfallen zu sagen: „Stell dich nicht so an, das war jetzt lustig!“ Und auch nicht: “Du verstehst eben keinen Sarkasmus!“ Mit nicht verstehen können hat das nämlich für mich nichts zu tun. Jemandem zu vermitteln: Du bist zu doof, um das zu verstehen, wenn der andere Mensch sich verletzt fühlt, ist anmaßend für mich.

Gerade mit meinen Jungs verwende ich Sarkasmus achtsam:

Wenn ich merke, ich möchte jetzt meine Bedürfnisse sarkastisch rüberbringen und es könnte sie verletzen, verzichte ich darauf. Dann ist es für mich wertvoller, direkt meine Gefühle und Bedürfnisse zu artikulieren.

Humor ist für mich wichtig und wundervoll. Humor kann verbinden.
Humor kann auflockern und helfen zu heilen.

Mit dem, für mich notwendigen, Feingefühl: „Kann mein Gegenüber jetzt auch lachen? Ist das in dieser Situation angebracht?“ ist Humor für mich eine wunderbare „Gabe“ im Miteinander.

Humor benutzen, um zu verletzen, mich als überlegen zu präsentieren, jemanden zu verspotten und auszulachen – all dies geht für mich nicht.

Mein Fazit: Manchmal ist jemand eben nicht humorlos.
Manchmal haben wir einfach nicht den gleichen Sinn für Humor.

Manchmal ist für den einen Menschen Humor gerade nicht angebracht. Und das ist ok! Es ist für mich dann abwertend, Worte, wie humorlos oder humorbefreit zu benutzen.

Wenn ich hier mit Rücksicht und Einfühlungsvermögen hinsehe, wird niemand verletzt.

Wenn ich hier zu Hause höre, wie sich meine Jungs Wortgefechte liefern, teilweise sehr zynisch, kann ich nicht lachen. Die beiden allerdings umso mehr. Mit anderen Menschen würden sie das nicht machen, auch nicht mit mir. Das ist ein Humor, den sie beide teilen und sie erfreuen sich daran.
Wir können hier auch sagen: Es tut mir leid, das war nicht angebracht. Falls doch, trotz einer großen Portion Feingefühl, mal jemand nicht lachen kann oder sich verletzt fühlt. Und auch äußern: „Das fand ich jetzt nicht lustig.“

Was mir noch wichtig ist: Schriftlich kann es auch beim Thema Humor viele Missverständnisse geben, auch wenn noch so viele Emojis im Text verwendet werden. Gerade auf Social Media und mit Fremden kann so manches humorvoll gemeinte, anders aufgefasst werden. Humor hat für mich auch die beste Wirkung mit Gestik, Mimik und auch der Tonfall spielt oft eine große Rolle dabei.

Am Ende noch: Auch zum Thema Humor reflektiere ich. Manchmal schaue ich auch in mich: Warum konnte ich jetzt nicht lachen? Warum hat mich das verletzt? Auch das ist mir wichtig. Denn manchmal ist es nicht der Humor der mir zu schaffen macht, sondern irgendeine offene Wunde in mir selbst.

Wie ist das bei euch? Habt ihr auch schon mal in euch reingeschaut, wenn euch Humor verletzt, ob es bei euch liegt? Merkt ihr, wenn ihr andere mit eurem Humor verletzt und wie geht ihr damit um?

Eure mindfulsun

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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