„Ich bin eben so“ – Von der Killerphrase zur Selbstreflexion


Eigenes Denken und Handeln hinterfragen, Schlüsse daraus ziehen, Veränderungen anstreben. Die eigenen Gefühle und Bedürfnisse (er)kennen, Eigenverantwortung übernehmen, mehr Kontrolle über das eigene Verhalten erlangen… Das und vieles mehr ist Selbstreflexion.

Und? Wie oft beschäftigt ihr euch mit euch selbst und schaut wirklich in den inneren Spiegel?

Was es da zu sehen gibt, gefällt uns eben manchmal nicht und dann lassen wir das vielleicht. Die Fähigkeit zur Selbstreflexion ist jedem von uns gegeben, die Notwendigkeit dafür zu sehen: Das liegt bei uns selbst!

„Ich bin eben so.“

Wie oft habe ich diesen Satz in meinem Leben gehört und auch gesagt: „Ich kann eben nicht aus meiner Haut!“

Kommt euch das auch bekannt vor? Und hier steckt bei jedem wohl etwas anderes dahinter: Vielleicht eine Ausrede vor sich selbst und anderen für das eigene Verhalten. Eine Rechtfertigung, warum ich dieses und jenes getan habe oder auch das Statement: „Komm einfach klar damit. Friss oder stirb.“

In der Traumatherapie habe ich gelernt, mich von Menschen zu distanzieren, die solche Aussagen vor sich hertragen wie ein Schild. Die in Konfliktsituationen keinerlei Verantwortung für sich und ihr Verhalten übernehmen.

Ja, ich war auch einer dieser Menschen. Ich habe mich weiter entwickelt und tue es noch. Persönliches Wachstum ist etwas, was uns doch das ganze Leben begleitet.

Ich mag dieses Video dazu von Dami Charf (Dipl. Sozialpädagogin und Psychotherapeutin)

Dami sagt darin auch zu diesem „Ich bin eben so“ bzw. „So bin ich halt“:

„Worte haben Macht, auch in uns hinein. In dem Moment, wo ich etwas über mich sage – ein Statement über mich sage – ein Urteil über mich sage – wird das wahrer und es manifestiert sich immer mehr in mir. Wir funktionieren nun mal ganz viel über Sprache. Sprache macht etwas und sie macht auch etwas mit anderen Menschen um mich herum.“

Spätestens also wenn ich merke, ich verletze andere Menschen: Dann geht es um Veränderungen.
Die eigenen Werte kennen und danach handeln: Das war der erste Schritt.

Welcher Mensch bin ich derzeit und wie möchte ich seinentsprechend meinen persönlichen Werten.

Lernen, meine Gefühle und die Auslöser zu beobachten und nicht mehr zu denken und zu sagen: „Du machst, dass ich so reagiere!“

Sondern sehen: Es liegt bei mir selbst! Das war mir nur durch Selbstreflexion möglich. Für meine Reaktionen bin ich selbst verantwortlich und kein Mensch sonst.

Nun gut, das war im ersten Moment nicht so prickelnd, weil es Arbeit an mir selbst bedeutete. Und es war doch sehr viel einfacher, ständig die Schuld im Außen zu suchen.

Wie geht das nun mit der Selbstreflexion?

Eins vorab: Selbstreflexion erlernen, ist ein Prozess. Es passiert nicht über Nacht. Dazu braucht es auch Zeit und Ruhe. Ich nehme mir dafür die für mich notwendigen kleinen Auszeiten. Mit Meditation habe ich gelernt, in mich zu spüren. Die absolute Grundlage für mich ist eben Achtsamkeit.


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1. Aufschreiben

Am Anfang habe ich es mir noch stets aufgeschrieben:
Wie fühle ich mich in der Situation?
Wieso habe ich so gehandelt?
Was habe ich gesagt? Wenn ich aufgewühlt war, mir die Hutschnur platzte, sich Menschen von mir verletzt fühlten – sich die immer gleichen Situationen wiederholten.
Hier darauf schauen: Woran liegt das in MIR? Was kann ICH ändern? Wieso reagiere ICH so? Statt: Was hat denn der andere Mensch wieder gemacht? Im Außen zu suchen und mich zu rechtfertigen.
Aufschreiben ist also eine Möglichkeit. Vielleicht auch als Tagebuch. Dann kann ich im Laufe der Zeit nachlesen, wie ich mich selbst verändere. Diese oft klitzekleinen Schritte bekomme ich nicht immer mit. Wer keine eigenen Worte findet: Zitate sind auch hilfreich.
Daran sehe ich, wie ich mich fühle und was mir durch den Kopf geht.
Ich habe auch Notizen auf meinem Telefon gemacht und einen Haftnotizblock dabei. Da schreibe ich mir manchmal Dinge auf, um sie später zu reflektieren.

2. Sprachnachrichten an euch selbst

Erzählt euch doch selbst, wie ihr euch gerade fühlt. Was gerade in euch vorgeht. Kennt ihr das, wenn ihr mit Freunden bestimmte Situationen besprecht und sich dabei in eurem Kopf die Gedanken sortieren und ihr Klarheit bekommt? Genau das passiert auch in Sprachnachrichten an euch selbst.

An dieser Stelle: Zur Selbstreflexion zählt für mich auch das Einbeziehen der Außenwahrnehmung und der Abgleich mit der Eigenwahrnehmung. Also auch Gespräche mit guten Freunden können hier hilfreich sein!

3. Kreativ werden

Zeichnen, Fotos, Collagen basteln, Ausdruckstanz…
Was auch immer euch hilft, euch zu reflektieren und Dingen auf den Grund zu gehen: Probiert es aus!
Es gibt so viele Möglichkeiten die eigenen Gefühle, Bedürfnisse, euer Verhalten und eure Gedanken sowie prägende Muster zu reflektieren, zu verstehen und dann daran zu arbeiten.
Denn Selbstreflexion ist eben das: Licht auf euch richten und Rückspiegelung.

4. Fragen stellen

Zum Abschluss möchte ich euch noch ein paar Fragen an die Hand geben, die ihr euch stellen könnt.

  • Was sind meine Werte?
  • Lebe ich meine Werte?
  • Bin ich bereit, mein eigenes Verhalten infrage zu stellen und zu verändern?
  • Was möchte ich an mir ändern?
  • Mit welchem Menschen habe ich noch einen offenen Konflikt und möchte daran arbeiten?
  • Übernehme ich die Verantwortung für mich selbst?
  • Wie kann ich mehr Verantwortung für meine Gefühle und mein Handeln übernehmen?
  • Wie behandele ich mich selbst?
  • Welche Vorurteile habe ich?

Das waren einige grundlegende (Beispiel)Fragen. Tägliche Selbstreflexion ergibt natürlich spezifische Fragen zu Gesprächen und Situationen am Tag. Dazu mehr in einem anderen Artikel.

Fazit: Wir haben es in der Hand und die Wahl.
„Ich bin eben so“ oder Veränderungen anstreben.

Dazu eine letzte Frage zur Selbstreflexion aus dem Video von Dami:
„Wie ist das denn, mit mir eine (zwischenmenschliche) Beziehung zu haben?“

Und hier war meine Antwort an mich selbst: Ich bedauere, das Leben von Menschen nicht so bereichert zu haben, wie ich es gern wollte.

Eure mindfulsun


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