Ich hab ja noch Kapazität! Nein, gerade ist der Akku leer!


2:52 Uhr – ich bin jetzt mal ausgezogen! Aus meinem Bett. Da liegt nämlich seit Stunden so ein kleiner Unruhiger, der seit ein paar Nächten irgendwann nachts nicht mehr in seinem Bettchen schlafen möchte.

Und ich kann es leider wirklich nicht haben, kleine Händchen und Beinchen in der Nacht an mir zu haben. Das Schnaufen von so einem Wesen wirkt sicher auf Einige unter euch beruhigend. Auf mich nicht! Vergangene Woche habe ich mich noch damit gebrüstet, dass meine Kids immer schön allein ins Bett gehen und dort bis morgens und auch bis zur fortgeschrittenen Morgenstunde bleiben. Wieder einmal zeigt das Leben einer Mama: es kommt alles anders als man denkt!

2:52 Uhr – ihr denkt jetzt sicher: die hat sie doch nicht mehr alle! Aber meine vergangenen Tage waren der Horror und das Schlimme ist diesmal, auch in den kommenden Tagen kann ich kein Licht am Ende des Tunnels entdecken und in Berlin stehen die Ferien bevor!

Mama muss funktionieren!

Ich fühle mich seit Tagen hundsmiserabel und es kratzt im Hals. Ich halte mich mit Zinktabletten auf Kurs. Soweit funktioniert das. Meine Große meinte Montagnachmittag: „Mami, Du darfst nicht krank werden! Wer soll sich denn dann um uns kümmern?“ Hm – „Guter Ansatz“, hab ich mir gedacht. Als ich mit dem Großen den Mini aus der Kita abgeholt habe, klingelte das Handy – Tochter bitte vom Hockeyplatz abholen – Platzwunde an der Lippe, vielleicht fahrt ihr schnell beim Unfallchirurgen vorbei! Hm – klar, super Idee! Ist ja nicht so, dass ich den ganzen Vormittag bei unterschiedlichsten Ärzten von der Schwiegermama gesessen hab. Seit ein paar Wochen haben wir es bestätigt: Omchen ist dement. Ok – dann hab ich also jetzt 4 Kinder. Macht ja nichts – hab ja noch Kapazität. Beim Unfallchirurgen waren wir dann nicht – Lippencuts würden eh nicht genäht werden war die Meinung aller anwesenden Hobbychirurginnen auf dem Platz.

Ich hab ja noch Kapazität!

Und auch das Amt des Gesamtelternvertreters in der Kita und das der Klassenelternsprecher der Schulkinder! Nun – ich hab mich nicht schnell genug gebückt, um meine Schnürsenkel zu binden. Lag wohl daran, dass ich Gummistiefel anhatte! Ja – dann mache ich das auch noch. Ist ja kein Problem – hab ja noch Kapazität. Dass ich heute Morgen erst im Treppenhaus in der Kita vom abends stattfindenden Termin erfahren hab. Hm – muss ich wohl übersehen haben. Aber ich war vorhin dort. Durch das Team aus Oma, der Großen und einer Geldspende konnte ich einigermaßen entspannt in die Kita huschen. Tja – aber wie sollte es auch anders sein. Nach dem zweiten Anruf von der Großen hab ich die Versammlung dann doch mal verlassen – schnell und im Laufschritt.

NEIN – heute nicht!

Die Nachmittage waren und werden in den kommenden Tagen auch nicht, wie Sonntagabend geplant! Unsere Direktorin bat alle Kinder aus dem Hort zu nehmen, die irgendwie anderweitig betreut werden könnten. Zumindest bis Anfang der Ferien – 3 days to go! Grund: akuter Notstand – die Aufsichtspflicht könne momentan nicht gewahrt werden. Großartig! Also hab ich diese Restwoche nachmittags zwei Vorpubertierende (wahrscheinlich kommen sie da noch hin – aber jetzt reicht mir dieses Katz- und Mausspiel auch schon!) zu Hause. Warum bitte klappt ein ruhiges Spiel an Wochenenden und zu sonstigen Zeiten, wenn Mami nix arbeiten muss? Ich bin heut fast durchgedreht. Auf der Suche nach irgendeinem anklickbaren Feld im wordpress – war wichtig war für die Blogerstellung – dann ständig Fragen; gegenseitige Anfeindungen; Gespräche, die mir ans Knie genagelt wurden. Ein Anruf von der Hausverwaltung. Ein Anruf von einer Schulfreundin, ob sie nicht zu uns kommen könnte zum Lied lernen. NEIN, heute nicht! NEIN, heute niemand! Nein habe ich aber heute nicht im Supermarkt gesagt, als wir vor der Kitaabholung vom Mini Tiefkühlpizza gekauft haben. Ich hatte ja schließlich einen Plan – zumindest für die folgenden 1,5 Stunden!

Ist ein Tanker einmal in Bewegung, kann man ihn nicht mehr stoppen.

Normalerweise ist so viel Emotionalität und Aussichtslosigkeit vor allem im Familienalltag nicht meine Art. Normalerweise plane ich die Tage und Woche, sehe kleine Zeiten für mich. Das geht ja nicht anders mit meinen Kindern, der Oma, meiner Sportsucht und Béa und euch. Aber selbst kleine Entspannungszeiten wurden in den vergangenen Tagen für mich zur Unentspannung im höchsten Maß. Z.B. das Pilze Sammeln am Sonntag. Was hab ich mich auf einen entspannten Waldstreifzug gefreut. Auf das Entdecken von Kleinigkeiten, der Ruhe – ja auch mit Kindern war das durchaus schon mal möglich. Aber auch dieser Moment kam anders! Es begann mit einer Nachricht von unserer Mitfahrerin und ihrem Sohn, dass wir die beiden doch bitte später abholen sollen. Das war schwierig, denn als wir die Nachricht gelesen haben, saßen wir Fünfe bereits in voller Montur im für 7 Insassen umgebauten Auto. Der Spruch des Nachmittags war dann: „Ist ein Tanker einmal in Bewegung, kann man ihn nicht mehr stoppen.“ Großartig – den schreib ich irgendwo in unsere Wohnung – am besten in den Eingangsbereich!

Und dann im Wald – Monsieur Mini war es doch zu anstrengend mit seinen kleinen Stampfern durch den Wald zu kraxeln und vom Papa wollte er nicht getragen werden. Was bleibt da einer Mama anderes übrig, wenn so ein kleiner Wurm fragt: „Mami, hoch. Tragen. Ja?“ Das Muttertier gehorcht und führt aus.

Shining, happy moms, vereinigt euch!

Einen, auch nur einen winzig kleinen positiven Aspekt kann ich dieser momentanen Aussichtslosigkeit abgewinnen: bin ich im Stress, hab ich immer die buntesten Fingernägel – Mama muss sich ja wenigstens etwas schick machen. So ein klein wenig shining, happy mom. Wie es in unserem Inneren aussieht, wissen meist nur wir selbst und unsere Männer – hoffentlich! Auch, wenn sie weit entfernt, irgendwo allein im Hotelbett liegen, der Frau einen Termin zum Weinchen morgen Abend via Outlook geschickt haben.. Das erinnert mich immer an Heidi Klum und Seal, damals, die sich zu Schäferstündchen im Wandschrank verabredet haben. Soweit ist es noch nicht bei uns, aber der Alltag ist von unser aller Seiten einfach nur zu bewältigen mit ganz viel Koordination und Konzentration auf das Wesentliche.

Nun ist mir schlecht – hab nebenbei das Nutella-Glas gekillt (war ein Geschenk, ich hab da so persönliche Probleme mit Palmöl-Plantagen..) und der Wäschetrockner ist jetzt auch durchgelaufen. Den räum‘ ich jetzt aber nicht noch leer und lege zusammen. Das mache ich morgen, wenn der Mini – hoffentlich – lange grunzt.

Ich hoffe, dass ich die kleine Grunzebacke jetzt in sein Bettchen verfrachten kann – Mami muss jetzt nämlich schlafen!

 

Sicher habt ihr auch ab und an Zeiten, zu denen es euch ähnlich geht. Womit versucht ihr euch aus der Dunkelheit zu ziehen? Schreibt mir – ich freue mich auf euch!

 

Eure Yvonne

Yvonne Petzke
About me

Berliner Mom of 3 * Sport (Marathon) * Reisen * Natur * Mode * Beauty * * Aktuelles und Persönliches über mich und mein Leben findet ihr auf Instagram unter @yvonne_tollabea

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5 Kommentare

Sandy
Antworten 12. Oktober 2016

Ganz genau so!!! Super geschrieben! Mir geht es grade nicht anders, ich fühlte mich grade in jedem Punkt angesprochen! Sei es der Geschwister-Zoff, die unruhigen Nächte, das tägliche "funktionieren" ... Ich kann nicht mehr! Ein Weg raus, aus der Dunkelheit??? Den such ich noch. Pauschal erstmal alles absagen und irgendwie eine Art "Stundenplan für Mama" erstellen, um einen Überblick zu bekommen... Wann ich den schreibe? Irgendwann zwischen Elternratssitzung und Fussbaltraining, nachdem ich mal wieder beim zu Bett bringen der Kids mit eingeschlafen bin, aber trotzdem nochmal aufsteh, da die Wäsche fertig ist... Am besten passt 3 Uhr Nachts, da werde ich eh regelmäßig aus dem Bett gekuschelt.

I'm not kidding.

Willkommen im Club..
Liebste, müde Grüße,
Sandy

    Yvonne Petzke
    Antworten 12. Oktober 2016

    Hi Sandy,
    mein Lieblingsspruch heute ist: Ich schmeiß hin und werd Prinzessin! Das wäre doch mal was!
    Ich drück Dich und wünsch uns allen ein Licht.
    Lieben Gruß
    Yvonne

Miggi
Antworten 12. Oktober 2016

Genau so und nicht anders sieht es in den dunklen Momenten aus. ZB letzte Woche als ich vor lauter Müdigkeit und Stress mit dem Auto inkl. Kindern und Hund fast im Graben gelandet wäre. Alle Ansprüche erfüllen, immer fröhlich. ...

Ela
Antworten 12. Oktober 2016

Ich kann dad in allen Punkten gut nachvollziehen, auch wenn meine Kinder schon älter sind (12 und 15). Aber es ist jetzt noch extremer. An manchen Tagen komme ich mir vor wie ein Taxiunternehmen. Die Ansprüche werden größer, die Termine mehr, die Zickereien unter den Schwestern dramatischer... Und dann die "anerkennenden" Worte der Anderen:" Du bist ja nur Mama" Geh erstmal wieder arbeiten, dann weißt du, was Stress und ausgelaugt sein bedeutet." Also Notiz an mich selber: immer schön lächeln und nie, auch nur niemals über etwas rummosern. Ich bin ja nur Mama. So blöd wie es auch klingt. Meine kleine Insel ist nachts um kurz vor 3 wenn ich mal mit Ruhe 5 Minuten ein dusseliges Handyspiel spiele.

harriet
Antworten 13. Oktober 2016

Gerade das gleiche hier... Voll berufstaetig plus mutter zweier streithaehne plus putzfrau und koechin. Da ist mir heute ganz fies der faden gerissen. Der mann hat sich aufs sofa ausquartiert und schmollt und ich bekomme kein auge zu weil schuldgefuehle und so...

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