„Mir wurde erst bewusst, was Quarantäne bedeutet, als ich selbst hineingeschlittert bin!“


Liebe Leute, Rallis Kinder mussten in Quarantäne. Und sie hat geschrieben, wie es ihr dabei ging. Ganz subjektiv. Das ist kein Rant, kein Jammerpost – das sind Ideen und Wünsche für bessere Kommunikation in Not-Situationen.

Ich teile das mit euch mit – bewusst nicht als „Aufreger“. Sondern weil ich selbst auf der Suche bin, wie wir alle in einer Gesellschaft besser und schöner miteinander umgehen können. Bitte lest das und sagt mir, ob ihr auch solche Gedanken habt – am besten ohne anzuklagen, sondern mit dem Blick auf die Bedürfnisse aller.


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Unsere mindfulsun hat uns schon mal den Unterschied zwischen Bedürfnisse und die Strategien dazu mal erklärt…

Ich glaube mir wurde erst bewusst, was das Wort Quarantäne bedeutet, als ich selbst hineingeschlittert bin.

Ich gebe es zu: Im März versuchte ich noch verzweifelt Klopapier und Reis zu bunkern, für den Fall, dass es uns erwischt. Aber es war alles so weit weg und die Vorräte haben wir dann im Sommer verputzt.

Dann die aufregende Eingewöhnung beider Mädchen in eine Kita, die ein offenes Konzept fährt. Alle Kinder dürfen sich frei draußen und drinnen bewegen und sich bei der Aufsichtsperson aufhalten, zu der sie gerade in dem Moment Vertrauen haben.
Alle Eltern mit Maske, alle Kinder waschen sich die Hände noch mal und noch mal und noch mal, das Hygienegel ist in der Handtasche griffbereit und heut zu Tage kann schon jedes Eineinhalb Jährige Kind in den Ellenbogen husten, vor einem Jahr konnte das grad mal geschätzte 10% der Bevölkerung.

Vor zwei Wochen wachte ich pünktlich mit dem ersten Kind um sechs Uhr auf und hatte bereits eine WhatsApp Nachricht der Elternsprecherin.

Eine Erzieherin ist positiv getestet und die Kinder seien unter Umständen erste Kontaktperson und das Gesundheitsamt würde sich melden.

Sechs Stunden später kam die Nachricht die Kinder müssten allesamt, wir reden hier von 75 Kindern, in 14tägige Quarantäne. Die Eltern aber nicht!

Erst war ich fassungslos, dann wütend und nach drei Telefonaten mit dem Gesundheitsamt hilflos und verzweifelt. Plötzlich stellte sich ein Gefühl ein, dass ich bisher in meinem Leben noch nie habe erleben müssen, das Gefühl, dass mir soeben meine Freiheit genommen wurde.


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Ich dachte nach und was ich vorher einfach akzeptiert hatte, dass manche Menschen in Quarantäne müssen, um andere zu schützen, wurde für mich zu einer – na klar von mir wahrgenommenen, was sonst? – Beraubung meiner Grundrechte als Mensch, vor allem denen meiner Kinder.

Es gibt diesen Film „Minority Report“, in welchem durch Vorhersagen alle Menschen die irgendwann ein Verbrechen begehen schon bevor sie es begehen ins Gefängnis gesteckt werden.

Bisher dachte ich, so ein Film ist Science Fiction und plötzlich bin ich mitten drin. Meine Gedanken dabei: Meinen Kindern und damit auch mir, wurde die Freiheit eingeschränkt, weil wir eventuell eine Krankheit haben könnten. Dabei wurde uns kein Test-Kit zugeschickt, damit wir die Chance haben die Quarantäne abzukürzen, wir wurden einfach zu 14 Tagen „Haft“ verurteilt. Es hat sich so angefühlt.  Klar, wir waren im warmen, Essen haben wir auch organisiert… aber ihr wisst ja, die Gefühle!

Was ich mir wünschen würde, vom Gesundheitsamt und damit von der Politik, dass es nicht gleich beim ersten Schreiben heißt: Sie müssen jetzt zu Hause bleiben, nicht raus, nicht auf den Spielplatz, sonst gibt es eine Riesengeldstrafe oder Schlimmeres.

Moment mal:

Versuchen wir nicht in der Erziehung unserer Kinder gerade dieses „oder sonst“  rauszulassen?

Warum schreiben sie nicht: „Es tut uns sehr leid, dass Sie zu Hause bleiben müssen.“?

Und dann sowas wie: „Wir wissen welche Herausforderung das darstellt. Hier bekommen Sie ein kleines Carepaket mit Schnelltests. Damit können Sie Ihre Quarantäne um X Tage verkürzen und mit einer langen Liste an Hilfsmöglichkeiten, wenn Sie nicht einkaufen können, oder sonstige Unterstützung brauchen.“

Das wär‘s gewesen, da wäre ich versöhnt gewesen und hätte gedacht ja die Tage kriegen wir hin für ein gemeinsames Ganzes.

Aber so? Einfach irgendwie nur Wut im Bauch und Traurigkeit. Zumal Gleichberechtigung schön und gut, aber seien wir doch mal ehrlich. Bei den meisten bleibt die Mami mit in Quarantäne. Das bedeutet 2 Wochen aus dem Job raus.

Ich hoffe, dass wir etwas daraus lernen und es nächstes Mal besser gemacht wird.

Es kann ja nicht jeder Politiker werden, daher müssen sich Politiker von guten Ideen inspirieren lassen und Empathie mit in Reglungen einzuflechten, halte ich zumindest für eine gute Idee.

Eure Ralli

P.S. von Béa: Wir freuen uns über konstruktive, verständnisvolle Kommentare… und Ideen zu besseren Miteinander in schwierigen Zeiten.

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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3 Kommentare

Bine
Antworten 11. Dezember 2020

Ich kann die Gefühle komplett nachvollziehen. Man versteht, warum man in Quarantäne bleiben muss, aber dieses Schreiben vom Gesundheitsamt lässt einen wie einen Kriminellen fühlen. Es fällt einem leichter, Dinge zu machen, wenn „der Ton stimmt“. Aber wahrscheinlich nehmen es dann viele nicht so ernst. Danke für deine Gedanken!

Michaela
Antworten 12. Dezember 2020

Guten Morgen
Genauso ist es uns gestern ergangen, Anruf aus der Schule das Kind muss abgeholt werden weil es evtl Kontakt mit einem erkrankten Kind in der Nachmittagsbetreuung hatte. Alle die Kinder aus der Betreuung nachmittags müssen in Quarantäne aber die Kinder mit denen meine Tochter am Tisch im Unterricht sitzt dürfen weiter zur Schule da sie keine Betreuung haben nachmittags!! Und der Rest der Familie darf auch weiter zur Arbeit bzw. in die Kita gehen. Was macht man da? Wie plant man das, wer bleibt zu Hause nachdem wir im März schon 8 Wochen überbrückt haben?!? Und vor allem wie erklär ich meiner Tochter das sie keine Schuld daran hat falls jemand krank wird und warum darf sie nicht mit der Freundin spielen mit der sie morgens noch zusammen zur Schule gegangen ist?!? Keiner hilft uns bei den Erklärungen es wird angeordnet und wir müssen uns daran halten!!
Wir sind maßlos entsetzt und traurig über das Verhalten...

Miriam
Antworten 13. Dezember 2020

Ich kann ehrlich gesagt das Entsetzen überhaupt nicht nachvollziehen. Natürlich waren auch wir nicht begeistert, als der erste Lockdown kam und wir unsere Kinder plötzlich wochenlang zu Hause betreuen mussten, neben allen anderen Pflichten. Und klar, in Quarantäne zu müssen fänden wir noch blöder und es würde den Alltag massiv erschweren, keine Frage.
Aber die Bekämpfung der Pandemie ist eben wichtiger als vieles andere. Die Zusammenhänge von Abstand, Quarantäne etc. dürften inzwischen jedem klar sein, und da finde ich die Assoziation mit dem Kriminellen-Gefühl oder gar Raub der Grundrechte o.ä. völlig absurd. Ja, ein einfühlsamer Tonfall in so einem Schreiben wäre sicher was nettes. Aber leider gibt es genug Leute, die so einen weichgespülten Brief dann weit weniger Ernst nehmen, als wenn alles kompromisslos formuliert und auf mögliche Strafen hingewiesen wird. Diese Pandemie ist einfach zu wichtig, als in einem Quarantäne-Brief noch in Rosa herumzusäuseln. (Wobei eine Liste mit Tipps zu Einkaufshilfen etc. wirklich sinnvoll wäre.)
Versteht mich nicht falsch: Ich habe vollstes Verständnis für die Hilflosigkeit, die einen dann befällt, und für die Schwierigkeit, Kinder und alles andere unter einen Hut zu kriegen. Aber ich finde, da sollte man angesichts der dramatischen Lage etwas Pragmatismus an den Tag legen. Die Quarantäne wird schließlich nicht zum Ärgern verhängt.

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