Mit meinem Teenager so reden, so dass es ein wirkliches Gespräch gibt – was ich tun kann


Zu meinen letzten Artikeln „Vereinbarung mit meinem Teenager“ und die Sache mit der zerdepperten Autoscheibe kamen viele Kommentare, Fragen und auch die Bitte nach mehr Beiträgen zu diesem Thema. Das mache ich doch glatt und gerne!

…sagt unsere Kolumnistin mindfulsun und hier sind ihre Gedanken:

An dieser Stelle noch mal der Hinweis: Ich bin keine Expertin und keine Pädagogin. Das sind meine Erfahrungen mit meinem Kind.

Wer mich hier öfter liest weiß, dass ich den Weg zur Achtsamkeit und gewaltfreien Kommunikation gefunden habe. Das wirkt sich natürlich auch auf den Umgang mit meinen Söhnen aus.

Und ich bin neugieriger geworden, möchte mehr darüber erfahren wie das Gehirn so funktioniert, mein eigenes und das meines Teenagers.

Es ist ja oft die Rede von den Hormonen, aufsässigen Teenagern, die viele Risiken eingehen ohne nachzudenken.

Vielleicht kennen einige von euch: „Du bist so ein intelligentes Kind und dann machst du so einen Blödsinn.“
Das habe ich in meiner Teenagerzeit oft gehört. Heute würde ich meiner Mutter antworten: „Weil mein Gehirn als Teenager sich von dem von Erwachsenen unterscheidet!“

Google gibt dazu viele Informationen, ich fand diesen Ted Talk super spannend und informativ:

Hier erklärt eine Neurowissenschaftlerin, wie das „typische“ Teenagerverhalten durch das wachsende und sich veränderte Gehirn gesteuert / beeinflusst wird. Und nein, das ist für mich kein Freifahrtschein dafür, alles durchgehen zu lassen. Das Wissen darum ist mir wichtig, um dann damit umgehen zu können! Denn das Fazit im Video ganz am Ende ist eigentlich wirklich fantastisch:

„Was manchmal als Problem mit Jugendlichen angesehen wird — erhöhte Risikobereitschaft, schlechte Impulskontrolle, Gehemmtheit – sollte nicht stigmatisiert werden. Es spiegelt Veränderungen im Gehirn wider, die eine ausgezeichnete Gelegenheit für Bildung und soziale Entwicklung bieten. Vielen Dank.“

Meine eigene Achtsamkeit und die Fähigkeit zur Selbstreflexion haben dafür gesorgt, dass ich meine Emotionen im Konflikt erkennen kann.

Somit habe ich auch gelernt, nicht sofort zu reagieren – überzureagieren. Wenn es doch passiert, bitte ich um Verzeihung. Denn wenn so ein Teenager Gehirn das nicht kann, mein erwachsenes Gehirn schon! Ich bin dafür verantwortlich ruhig in Gespräche zu gehen. Es liegt viel bei mir.

Auch die Denkweise, die sich manchmal eingeschlichen hatte: Ach, er macht das doch nur um mich zu ärgern. Er weiß, wo meine Knöpfe sind – die habe ich schon lange abgelegt. Das sind Annahmen! Und eine Art Erwartungshaltung, die dann den Umgang mit meinem Kind negativ beeinflusst.

Ruhig zuhören können, ohne meinen Sohn zu unterbrechen und vor allem nicht spekulieren, interpretieren oder ihm Worte in den Mund legen. Das ist so wertvoll! Hier achte ich auch sehr auf Wortwahl, das macht einen großen Unterschied. Hier nun einige Beispiele aus der Kommunikation:

„Nie hörst du mir zu.“

Die Wörtchen „nie und immer“ habe ich weitestgehend aus meinem Wortschatz gestrichen und achte sehr bewusst darauf.

„Ich habe bemerkt, du hörst mir manchmal nicht zu. Wie siehst du das? Was können wir ändern?“

Ihn einbeziehen, nach seiner Meinung und seinen Gefühlen fragen, seine Bedürfnisse zu erfragen, ist mir sehr wichtig. Das hat unsere Beziehung enorm gestärkt.

Auch habe ich gemerkt ein Gespräch so anzukündigen: „Ich möchte mit dir sprechen“ ist eine Art Alarmsignal.

Stattdessen spreche ich jetzt eine Einladung aus: „Ich habe über xy nachgedacht und ich möchte gern ein paar Gedanken mit dir teilen.“ Und das meine ich auch so. Es gibt bei uns kein von oben herab, keine langen Vorträge, keine einseitigen Ansagen. Ich möchte mit meinem Kind in eine Kommunikation!

Während der Kommunikation sind mir auch „Rückversicherungen“ wichtig.

Auch meine Jungs haben das mittlerweile übernommen, im Gespräch mit mir und anderen Menschen:
Statt: „Hast du das verstanden?“
Ein: „Was hast du jetzt verstanden? Wie empfindest du das?“
Und ich fasse auch kurz zusammen, wenn mein Teenager mir etwas erzählt. Ich stelle Rückfragen.
So vermeiden wir Missverständnisse. Und allen Beteiligten tut das enorm gut!

Was ICH auch noch tun kann:

Nicht von meiner Teenagerzeit auf seine schließen.

Nicht meine Erfahrungen auf ihn projizieren. Nicht von irgendwas ausgehen, interpretieren und spekulieren: „Ich kenne mein Kind, der wird das so und so meinen.“ Das ist für mich Gift für jegliche gesunde zwischenmenschliche Beziehung. Nachfragen, darüber sprechen!

„Ja, und was wenn mein Kind nicht mit mir reden will?“ – vielleicht denken das einige an dieser Stelle.

Viele Teenager ziehen sich zurück. Ich habe das Glück, meine Söhne teilen viel mit mir und sprechen eigentlich über jedes Thema mit ihrer Mutter. Für die Male, wo es nicht so ist, halte ich mir vor Augen:

Ich kann mein Kind nicht zwingen, mit mir zu sprechen, mir zuzuhören oder Emotionen zu teilen. Ich kann unsere Beziehung stärken und ich kann ihm auch Gesprächsangebote machen.

Ein: „Ich komme später noch mal wieder und du kannst auch jederzeit auf mich zukommen“! hilft bei uns sehr. Was meine Jungs auch wissen: Gespräche müssen nicht nur einmalig stattfinden und dann einen Anfang und ein Ende haben. Das nimmt enorm viel Druck und lässt jedem von uns auch Zeit zum Nachdenken und Reflektieren. Wir können uns doch wieder zusammensetzen!

Im nächsten Artikel dann mehr zu Gesprächen, besonders zu schwierigen. Hier haben wir auch Mittel und Wege gefunden, wo und wie wir das handhaben. Trotz, oder gerade mit den Baustellen im Teenager-Gehirn…

Eure mindfulsun

PS: Wie arbeitet ihr an euch, für ein gutes Miteinander mit euren Teenagern?

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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