Resilienz von einer anderen Seite beleuchtet – Es kommt auch auf das Miteinander an


Ich habe in dieser Woche einen Tweet gelesen, der mich sehr berührt hat. Und dieser Tweet hat mich inspiriert einen Artikel zu schreiben, der Resilienz mal von einer anderen Seite beleuchtet.

„Ich träume davon, nie wieder in meinem Leben resilient genannt zu werden. Ich bin erschöpft von Stärke.
Ich möchte Unterstützung. Ich möchte Sanftheit. Ich möchte Leichtigkeit. Ich möchte mit Gleichgesinnten sein. Nicht dafür auf den Rücken geklopft werden, wie gut ich einen Schlag verkrafte. Oder wie viele.“

Ich empfinde das ebenso. Das bedeutet nicht, ich lehne Resilienz ab. Sie ist wichtig. Ich wünsche mir einfach, dass nicht mehr nur Aushalten, Stärke und Willenskraft mit Resilienz gleichgesetzt werden. Und Resilienz kommt für mich nicht nur aus mir selbst. Darüber schreibe ich heute.

Wikipedia sagt:

„Resilienz (von lateinisch resilire ‚zurückspringen‘ ‚abprallen‘) auch Anpassungsfähigkeit, ist der Prozess, in dem Personen auf Probleme und Veränderungen mit Anpassung ihres Verhaltens reagieren.“

Im Englischen wird es oft mit einem Gummiband verglichen, was immer wieder zurückspringt.
Ich bin kein Gummiband, ich bin ein Mensch.

Wenn ich also Resilienz in ein Bild setzen würde, wäre das für mich etwas Lebendiges: wie ein Baum.

Fest verwurzelt bleiben, egal, wie die doll der Wind weht. Dieser Baum allerdings ist gewachsen und wurde genährt. Und genauso gibt es auch äußere Faktoren, die Resilienz beeinflussen und wichtig sind. Zu diesen Faktoren gehören: ein stabiles Umfeld und eine liebevolle Kindheit. Eine, in der ein Mensch gestärkt wurde und gelernt hat, mit Emotionen umzugehen, auf sich und andere zu vertrauen.

Wenn also jemand in einem liebevollen und stärkenden Umfeld aufgewachsen ist, jetzt in einem stabilen und unterstützenden sozialen Umfeld lebt: Das ist ein begünstigender Faktor für Resilienz.

Meinen Augenmerk möchte ich auch auf Menschen lenken, denen das eben nicht vergönnt ist.

Wenn einer der äußeren Faktoren nicht da ist, wird es schwieriger mit der Resilienz und wenn mehrere Faktoren nicht vorhanden sind: Ja, dann wird es richtig hart.

Zurück zum Baum: Wenn ein Baum nicht richtig verwurzelt ist (das ist für mich die liebevolle Kindheit) und nicht gewässert und genährt wird (soziales Umfeld), dann wird er leichter umknicken.

Und ich möchte einfach nicht mehr, dass besonders Menschen, die starke Wurzeln haben als Beispiel für Resilienz gelten.
Und womöglich sind diese Menschen dann der Standard, an dem Resilienz gemessen wird.


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Resilienz ist individuell. Menschen, die in den Augen der Gesellschaft nicht so viel aushalten, können auch resilient sein.

Und zwar in dem Maß, in denen es ihnen unter ihren Umständen möglich ist.  Wenn wir also über Resilienz sprechen, dann bitte auch über die Umstände und nicht nur über das Ergebnis: XY hat dies und das geschafft.

Resilienz als etwas durchhalten, aushalten, zurück in Form springen:

Resilienz ist für mich auch Selbstfürsorge und zu wissen, dass die unangenehmen Gefühle zum Leben dazu gehören.

Resilienz bedeutet für mich, es wird Dellen geben und Risse. Und die heilen auch nicht sofort. Das Leben mit allen Facetten annehmen und manchmal bedeutet das auch: Nichts ist wie vorher. Also von wegen Gummiband und wieder zurück in Form springen: Das ist manchmal nicht möglich und manchmal ist es auch nicht gut, zurück in Form zu springen und sich anzupassen.

Manchmal ist es wichtig, dass ich Pausen einlege, dass ich mich weiterentwickele und vor allem: Auch etwas an den äußeren Umständen ändere!

Wie viele Firmen bieten jetzt Kurse in Resilienz: Mitarbeiter sollen mehr aushalten. Wie wäre es stattdessen mit: An den Arbeitsbedingungen etwas ändern? Wieso sollen sich nur Menschen an die äußeren Bedingungen anpassen, wenn auch da Änderungen möglich sind? Vor allem da? Das ist für mich ein gefährlicher Missbrauch des Resilienzbegriffs.

Und das nicht nur in Unternehmen. Wie wäre es eigentlich, wenn Menschen sich mit mehr Mitgefühl und Empathie begegnen würden? Ein stärkerer Zusammenhalt, mehr Unterstützung.

Was, wenn Resilienz auch: sich verletzlich und authentisch zeigen können, bedeutet? Und dazu gehört für mich eben auch: nicht immer stark sein zu müssen. Denn diese ganze Energie, die in dieses vermeintlich: Immer stark sein, resilient wie ne Teflon Pfanne alles aushalten – diese Energie ist nicht unendlich. Wie wäre es, wenn wir diese Energie für etwas anderes nutzen könnten?

Ich möchte also einen Perspektivenwechsel zu Resilienz. Und das beginnt für mich mit:

„Wie fühlst du dich damit?“ – Anstatt jemandem auf den Rücken zu klopfen, wenn er etwas geschafft hat.
„Brauchst du vielleicht Hilfe?“ – Wenn ich sehe, dass jemand eine schwere Zeit durchmacht.
Menschen ermuntern auch um Hilfe zu bitten, zu sagen, wie sie sich fühlen.

Ich spreche nicht davon, dass Resilienz NUR durch andere und die Umstände möglich ist. Sondern davon, dass diese Faktoren eben auch eine große Rolle spielen.

Wenn ich zum Bild des Baumes zurückgehe:

Viele Bäume zusammen sind einfach stärker und sie stützen und nähren sich gegenseitig. Verwurzelt miteinander.

Ich habe gelernt, auf mich zu achten. Meine Grenzen zu kennen, meine Gefühle und Bedürfnisse zu äußern. An mir zu arbeiten UND an den Umständen. Resilienz ist für mich also auch an die Ursachen zu gehen. Resilienz ist wichtig, sie bedeutet allerdings nicht, alles ständig auszuhalten.

Heute habe ich keine Fragen an euch, nur eine Bitte:

Ich wünsche mir ein Miteinander, mehr aufeinander achten, mehr Empathie, mehr Mitgefühl.
Die Faktoren: Umfeld, Unterstützung, Miteinander spielen eine große Rolle in der Resilienz.

Resilienz ist keine Rüstung. Resilienz ist ein Teil von mir. Und zu mir gehören auch Verletzlichkeit, um Hilfe bitten, auf Unterstützung angewiesen sein. Verbindungen!

Eure mindfulsun

mindfulsun
About me

Mensch, Mama zweier Jungs, die versucht ihre Werte zu leben und die innere Balance zu halten. Ich schreibe über Achtsamkeit, vegane Ernährung, Nachhaltigkeit und verbindende Kommunikation von Herzen. Was ich mir wünsche? Einander mit mehr Mitgefühl und Empathie zu begegnen, überall auf der Welt.

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4 Kommentare

Ute B
Antworten 2. April 2022

Liebe mindfulsun,
Du hast mich erreicht mein Herz getroffen ❣ Danke.
Du schreibst was ich nicht in Worte fassen konnte. Ich bin müde- müde stark zu sein. Ich möchte wahr genommen und angenommen werden in meiner Vetlettzlichkeit- Weichheit und meinen Bedürfnissen.
Ich wünsche mir das wir das jedem zugestehen können.
Liebe Grüße

    mindfulsun
    Antworten 2. April 2022

    <3 Es ist an der Zeit! Viele von uns sind so müde! LG mindfulsun

Tine
Antworten 2. April 2022

Meine Augen sind mit Tränen gefüllt. Der Text ging mitten ins Herz.
Ich habe für mich Ende 2020 beschlossen, dass ich meine Leitungsposition abgebe, um mehr für meine Familie und auch mich selbst da zu sein. Ich habe lange Zeit mein Team vor dem Träger verteidigt und regelrecht für Werte gekämpft.
Dadurch habe ich lange Zeit, und auch aufgrund einer anderen schweren Verletzung, eine wichtige Operation geschoben, die mir nun hoffentlich meine Lebensqualität zurückbringt. Dafür habe ich sogar um meine Kündigung in der Probezeit gebeten, weil ich nicht mehr für toxische Arbeitsverhältnisse meine Gesundheit riskiere. Mein Mann und ich hatten von den äußeren Umständen her einen sehr holprigen Start. Was uns immer getragen hat, ist die tiefe Liebe und Verbundenheit. Und genau dank dieser wird auch das kommende Kapitel des Lebens ein spannendes, aber glückliches Ende haben.

    mindfulsun
    Antworten 2. April 2022

    <3 Dir alles Gute, Frieden und Gesundheit! LG, mindfulsun

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