Über meine Eichhörnchen-Aufmerksamkeit – und was mir beim Fokussieren hilft


Ihr Lieben, als Erstes möchte ich mit einem kleinen Aufruf starten: Wer von euch noch auf eine Antwort von mir in welchem Medium auch immer wartet, bitte erinnert mich noch mal daran.

Denn hier ist das Bekenntnis:

Ich bin schludrig und verliere mich oft in der Komplexität der Dinge und meiner Fülle an Ideen. Und vergesse Dinge auch gelegentlich.

Dass ich wahrscheinlich als Kind mir vermutlich eine fette ADHS Diagnose eingehandelt hätte, darüber habe ich in Zusammenhang mit meinen Kritzelerien bereits geschrieben: Ich zeichne oft, um mich zu fokussieren. Das hilft mit dem Zuhören, aber nicht mit dem Einhalten von Terminen und Zusagen.


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Grundsätzlich halte ich es für wichtig, Versprechen einzuhalten und den Menschen Respekt zu erweisen.

Und jetzt kommt das dicke Aber: Meine Eichhörnchen-Aufmerksamkeit!

Mein Mann Oliver sagt, dass meine Aufmerksamkeit wie ein Eichhörnchen mit einer Stirn-Taschenlampe ist. Das putzige Tierchen schaut auf etwas, was im Kegellicht steht, dann dreht es den Kopf und leuchtet auf etwas anderes… zack… das erste Nüsschen ist vergessen und es hoppelt dem anderen Nüsschen hinterher, bis es den Kopf wieder bewegt und ein drittes Nüsschen sieht… und ein viertes… etc.

Natürlich will ich das nicht, aber mir passieren Dinge wie:


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Außerdem passiert es, dass wenn ich von einer verpassten Sache zur anderen hetze, dass ich auch mega viele Flüchtigkeitsfehler mache. Rechtschreibung, Grammatik (okay, das ist auch meinem Migrationshintergrund zuzuschreiben, aber es schleichen sich auch Fehler ein, die nicht wirklich dadurch zu entschuldigen sind), Zahlen verdreht, Posten in Angeboten vergessen… all das, was ich selbst als „unprofessionell“ bewerte und weswegen ich mich schäme. Weil ich das anderen Menschen schlichtweg nicht antun möchte.

Auch ein Klassiker: Aufschieberitis. Erst der Spaß, dann das Vergnügen!
Und zuallerletzt: die Arbeit. In letzter Sekunde. Und dann: Siehe oben.

Was hilft, organisierter zu werden und weniger zu schludern?

Als Erstes ist der „Mindset“. Falls euch das alles wie Kokettieren vorkommt: Ihr habt recht. Ich habe mich oft selbst erwischt, wie ich das Thema wie ein „Ach-ich-bin-ja-so-kreativ-und-deswegen-ist-es-ok-zu-schlampen“ vor mich hin trage wie ein Schutzschild. Plus noch einige Glaubenssätze à la „Ich bin jetzt zu alt, um anders zu werden“, und „Naja, ist alles so schön südländisch und unspießig, ne?“. Am Ende, wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, bleibt: Es ist „unprofessionell“, ich schäme mich und möchte das anderen Menschen schlichtweg nicht antun.

Hier ist eine Liste, mit 6 Dingen, die ich gelernt habe, um mich zu disziplinieren und wenig durchschludern zu lassen:

1. Alles gleich eintragen – jeden Termin oder Deadline gleich im Smartphone im Kalender eintragen. Geht übrigens auch mit Stimme, einfach Siri aktivieren.

2. Menschen bitten, mich vor Treffen zu erinnern – wenn ich mit jemandem was ausmache, bitte ich aktiv darum, mich vielleicht am Abend davor noch mal daran zu erinnern

3. Automatisieren, was geht: Ich weiß, der Bot, der die Privatnachrichten bei FB beantwortet, macht wenig Freude, ist aber hilfreich. Er bittet euch um Geduld, falls ich etwas nicht gleich beantworte.

4. Screenshots! Ich nutze auch mein Foto-Album im Smartphone als Erinnerungszone: Ich screenshotte Nachrichten, Namen, Zettel etc – da ich meine Fotos zumindest wöchentlich von Dubletten befreie, finde ich da meine geheime „To-Do“ Liste

5. Wenn ich merke, dass eine Sache unter meiner Aufschieberitis leidet und ich sie von jetzt auf nachher prokrastiniere: Einfach anfangen. Ich sage mir dann: Und wenn ich das nur 10 Minuten mache, besser als nix. Dann mache ich meistens länger.

6. Vier-Augen-Prinzip bei wichtigen Texten, Angeboten, etc – einen expliziten Dank an meinen Mann Oliver, der hier meine Texte redigiert. Auch an Mounia! Und an meine Geschäftspartnerin Wiebke im Bereich Markenberatung, die da ein Luchsauge auf alles drauf hat, was an unsere Kunden herausgeht.

Kennt ihr diese Art von Problemen mit dem Fokussieren?
Habt ihr noch Tipps für mich und meine Eichhörnchen-Aufmerksamkeit?

Liebe Grüße,

Béa

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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2 Kommentare

Elli
Antworten 5. August 2022

Genauso bin ich leider auch. Ich kann leider nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, weil ich fast immer 1 - 3 Minuten zu spät bin. Habe mich als Erwachsene, weil ich durch all das auch Probleme im Job hatte mal auf ADS testen lassen. Ja, hab ich. Inzwischen dazu auch Depressionen, weil ich einfach immer hinter meinen an mich selbst gestellten Erwartungen zurückbleibe. Ich werde immer von allen für meine Kreativität bewundert, aber mein Hirn ist eben unter Dauerfeuer, und schwer zu fokussieren oder abzuschalten. Ich hoffe sehr, dass meine Kinder das nicht geerbt haben, denn ich habe es definitv von meiner Mutter…

Julia
Antworten 25. August 2022

ADHS ist keine "Kinderkrankheit", sondern betrifft viele Menschen im Erwachsenenalter auch noch. Und ja, der Verdacht drängt sich hier auf. Vielleicht wäre eine Diagnose auch als Erwachsene noch hilfreich?

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