Urlaub oder Wochenende bei den Großeltern – ist das „Kinder abschieben“? Auszug aus dem Buch „Geschwister“ von Kitzerow-Manthey und Rogge


Meine Bloggerfreundin Alu vom Blog Grosseköpfe hat zusammen mit ihrem Mann und Jan-Uwe Rogge (einem der erfolgreichsten Autoren zu den Themen Kinder und Erziehung Deutschlands) ein Buch über Geschwister geschrieben. Und hat mir eine Kostprobe zu einem umstrittenen Thema für euch zur Verfügung gestellt.

Es geht darum, ob die Großeltern auch mal für längere Zeit als nur ein Besuch die Kinder „übernehmen“

Unsere Kinder fahren recht häufig allein weg. Natürlich setzen wir sie nicht in den Zug mit einer
Fahrtkarte und einem angekreuzten Ziel, oder sowas. Nein, sie fahren sehr gern zu ihren Großeltern und verbringen dort ihre Wochenenden, oder Ferienzeiten. Das tun die beiden Großen schon eine ganze Weile, inzwischen auch die Jüngste im Bund.


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Die Große macht bereits seit ihrem ersten Lebensjahr allein Urlaub mit den Großeltern.

Sicher, am Anfang waren es immer nur ein, oder zwei Nächte, aber sie genoss es sehr und fühlte sich dort immer sehr geborgen. Seitdem sie ca. zweieinhalb ist, fährt sie auch längere Zeit mit ihnen weg. Mal fünf Tage aufs Dorf, oder ein langes Wochenende zu ihnen. Der kleine Bruder startete ebenfalls mit knapp einem Jahr. Wo seine Schwester war, wollte er auch sein, ganz einfach! Bei der kleinsten Tochter ließen wir etwas länger Zeit. Nicht nur, dass wir das Gefühl hatten es wäre „zu viel“ für die Großeltern, auch die Jüngste signalisierte in den ersten zwei Lebensjahren kein Interesse an Fremdübernachtungen und so gingen wir es langsam an.

Merkwürdigerweise vermitteln uns manche Eltern häufiger das Gefühl, dass es irgendwie unüblich sei, dass Großeltern und Enkelkinder gern zusammen Zeit verbringen und dass es schlecht sei, die Kinder fremd übernachten zu lassen.

So wurde ich sogar schon mehrmals offen gefragt: Warum wollt ihr die Kinder nicht bei Euch haben? Warum gebt ihr sie ab? Ich muss sagen, ich verstehe die Fragen nicht.

Unsere Kinder lieben ihre Großeltern. Für sie ist ein Besuch fernab vom Alltag der elterlichen Aufsicht ein Traum. Bei den Großelternpaaren geht es nur nach ihnen. Es wird sich angepasst und komplett entschleunigt, mit Zeit und Zuneigung wird auf ihre Wünsche eingegangen.

Könnte ich ihnen das mit meinen 30 Tagen Urlaub bieten?
Wäre die Hortbetreuung und die Notfall Kita die bessere Wahl?
Warum sollte ich ihnen das verwehren?

Wir haben unter den Kindern häufig Streit, wenn nur eines der Kinder zu einem der Großeltern fahren darf und haben im letzten Sommer sogar Eines zu den einen Großeltern und das Andere zu den anderen Großeltern gebracht. Warum sollte ich mich mit damit schlecht fühlen, wenn sich unsere Kinder woanders so wohlfühlen? Wenn sie andere tolle Dinge ohne uns erleben können? Wenn sie anrufen und fragen, ob sie länger bleiben können? Wenn sie sich eigene Erinnerungen mit den Menschen schaffen, die uns aufgezogen haben?


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Leider haben unsere Kinder nur wenige enge Freunde, bei denen sie ansonsten übernachten können.

Gerade in der Kita von der Jüngsten ist das eher nicht üblich, obwohl sie sehr gern viel mehr bei Freunden wäre. In der Schule vom Mittleren findet das auch überhaupt nicht statt. Wenn man ihn fragt, wer seine besten Freunde sind, kommt Opa an erster Stelle, dann erst kommen seine Schulfreunde.

Sicher, ich mache mir auch manchmal Sorgen, dass die Kinder bei den Omas und Opas zu viel Süßes essen und viel mehr Fernsehen dürfen als daheim, aber unsere Kinder sind clever und wir vertrauen ihnen. Unsere Regeln sind nicht die der Großeltern und umgekehrt.

Wenn ich die Kinder wieder abhole, dann bekomme ich meist strahlende, glückliche und wohlgenährte Kinder zurück. Begeistert berichten sie mir von Ausflügen und Begegnungen. Sie bringen sich Energie für den drögen Alltag mit zwei stetig arbeitenden Eltern, anstrengenden Schulwochen und dem Kitaalltag mit. Noch sind alle Parteien rüstig und beweglich genug für diese Reisen. Wer weiß wie lange unseren Kindern dieses Glück noch bleiben wird.

Ich fühle mich also nicht schlecht, wenn unsere Kinder auf Reisen sind, ich bin stolz auf sie und dankbar für ihre großen Herzen.

Und ihr? Machen eure Kinder auch mal Urlaub oder Wochenende bei den Großeltern?

Dieser Text ist ein Auszug aus dem Buch „Geschwister – eine ganze besondere Liebe“ von Alu Kitzerow, Konstantin Manthey und Jan Uwe Rogge. Das Buch behandelt in sehr vielen unterschiedlichen Kapiteln zahlreiche Fallbeispiele und Konstellationen, in denen Geschwisterkinder aufwachsen können. Das Buch ist eine riesige Sammlung an Impulsen, Interviews und direkten Situationshilfen und wunderschön illustriert.

Es ist ein buntes und auch teilweise sehr lustiges Buch, dass man gut lesen und auch verschenken kann.

Ihr wollt ein Buch „Geschwister“ gewinnen?

Dann schreibt uns in den Kommentaren hier oder in den Social Media, wie das bei euch mit den Großeltern ist und wie ihr zu diesem Thema steht. Diesmal spielt eines der Kinder von Alu und Konsti Glücksfee! Der Rechtsweg ist ausgeschlossen, der Gewinn kann nicht in Bar ausgezahlt werden und der Einsendeschluss ist der 15. Dezember 2021, 23.59.

Kaufen könnt ihr das Buch hier: https://amzn.to/3GxT0mP
(affiliate Link, also Mini-Werbung; sonst bringe ich das hier aus Interesse und Freundschaft!) 

Liebe Grüße,

Béa

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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4 Kommentare

Maren
Antworten 10. Dezember 2021

Unsere Tochter liebt ihre Großeltern auch sehr und ich könnte mir nicht vorstellen, dass sie nicht so oft, wie es passt, zu ihnen fahren kann.

Elena
Antworten 10. Dezember 2021

Mein Mann und ich sind gerade unterwegs nach Frankfurt, während die beiden Kinder ( 2 und 4Jahre) bei den Großeltern sind. Es ist ein tolles Gefühl, zu wissen, dass die Kinder ein tolle Zeit mit den Großeltern verbringen, während wir Zeit für uns haben. Eine WinWin Situation für alle.

Nicole
Antworten 11. Dezember 2021

Zu gern würde ich auch unsere Kinder (4&7) mal mehrere Tage zu den Großeltern lassen.
Leider sind Schwiegereltern schon Rentner und gesundheitlich eingeschränkt, und meine Eltern sind zwar jünger, aber noch voll berufstätig und gesundheitlich eingeschränkt.
Beide Paare sagen von sich, dass sie sich mit beiden gleichzeitig schnell gestresst fühlen.
Dazu kommt jetzt noch das Pandemie bedingte Risiko... Wirklich schade, dass sie so wenig Zeit miteinander verbringen (können)

Domi
Antworten 12. Dezember 2021

Unsere beiden Kinder (9 und 11 Jahre) waren bisher gerne bei meinen Eltern, leider ist aufgrund der Entfernung und des Alters nur noch ein Urlaub im Sommer + ein Wochenende im Jahr möglich. Natürlich genießen unsere Kinder den Aufenthalt bei den Großeltern sehr, weil sie hier komplett im Mittelpunkt stehen und (fast) keine Pflichten haben...

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