Wenn Kinder von Risikopatient*Innen wieder in die Schule gehen


In dieser Woche kam das Thema in der Community auf: Wenn Kinder von Risikopatienten und Risikopatieninnen wieder in die Schule gehen und die möglichen Ängste.

…dazu hat unsere Kolumnistin mindfulsun einiges zu sagen:

Ich möchte diesen Artikel meinen Gedanken und dem Umgang mit meinen Ängsten widmen.

Vorab: Auch ich bin Risikopatientin und habe – gemeinsam mit meinem Sohn beschlossen – dass er in diesem Schuljahr nicht wieder in die Schule geht. Das Schuljahr ist ja nun auch fast vorbei, zumindest in Berlin. Es genügte ein Attest an die Schule und die Aufgaben wurden uns weiterhin nach Hause geschickt. Wir sind sehr dankbar dafür. Das gibt uns noch etwas Zeit, uns mit der Situation anzufreunden. Zumal am Anfang des nächsten Schuljahres gleich eine Klassenfahrt ansteht.

Die Realität ist einfach: Abstand wird nicht immer möglich sein und ein permanentes Abschotten zu Hause auch nicht.

Wie ihr wisst, habe ich eine Posttraumatische Belastungsstörung und Ängste gehören mit zum „Programm“.

PTBS trifft Corona – ist für mich die absolute Ausnahmesituation.
Was ich tun kann, ist: Schauen, was hilfreich ist.

Wenn etwas im Leben eintritt, was unvorhergesehen ist, greifen unsere bisherigen Strategien manchmal nicht mehr. Ich habe Neue für mich entwickelt und nutze die Werkzeuge, die mir bis jetzt zur Verfügung stehen:

1. Ich verdränge die Ängste nicht, ich lasse sie zu und setze mich auch damit auseinander.

Dazu gehört auch, dass ich spüre, wenn sie entstehen. Manchmal reicht schon ein kleiner Gedanke aus und die dazugehörigen Emotionen schlagen hohe Wellen. Bewusst wahrnehmen!
Es sind nur Gedanken in diesem Moment, es passiert gerade nichts. Und ich weiß mittlerweile, wenn ich hier nicht bewusst in diesen Prozess in meinem Kopf eingreife, verselbstständigt sich das. Es endet in einer Schleife von Gedanken, die nicht hilfreich sind und in ohnmächtigen Gefühlen der Angst.
Meditation ist hier mein Schlüssel. Dadurch habe ich erkannt, mehr auf meinen Körper zu hören.
Gedanken zulassen, nicht unterdrücken. Sonst fliegt mir das vielleicht auch später um die Ohren.

2. Ich lasse auch die positiven Gefühle und Gedanken zu und verstärke den Fokus darauf.

Ja, ich habe Angst. Ja, es wird nicht einfach sein, wenn mein Kind wieder in die Schule geht.
Und es wird ihm guttun. Er braucht die sozialen Kontakte. Ich kann auch nicht in allen Fächern Unterstützung geben. Die Klassenfahrt wird ihm Freude bringen und er wird viel Spaß haben. Ich bin dankbar dafür, dass mein Kind das erleben kann!


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3. Eigenverantwortung! Mir bewusst machen, wir tun alles, was wir können.

Wir tragen Masken, wir halten Abstand, wir achten auf Händewaschen etc. Das alles ist mittlerweile ja fest bei uns integriert. Achtsam und verantwortungsbewusst agieren.
(Nun gut, die Hände haben wir uns natürlich vorher auch schon gewaschen, jetzt eben noch häufiger.)
Wir können selbst eine ganze Menge tun! Dieser Gedanke tut wirklich gut und beruhigt.
Meine Söhne und ich tragen die Masken auch, um andere Menschen zu schützen. Da gab es bei uns nie eine Diskussion.

4. Viel bewusster die schönen Dinge wahrnehmen und mich noch tiefer auf die Zeit mit meinen Kindern einlassen.

Ja, selbst meinen Sohn zu Hause beim Unterricht zu begleiten, genieße ich mittlerweile, so wie er auch. Und auch ich habe viel gelernt. Bei uns wird viel gelacht, wenn wir gemeinsam den neuen Stoff entdecken.
Wenn ich mit meinen Söhnen Zeit verbringe, sei es auch ein kurzes Gespräch oder eine Umarmung: Alle Achtsamkeit auf diesen Moment legen. Dankbarkeit spüren und die Liebe, die dann besonders fühlbar für mich ist. Das nährt und stärkt uns alle. Wie oft habe ich früher auch flüchtige Umarmungen „verteilt“ und war nicht wirklich in diesem Moment präsent? Das fühlt sich jetzt ganz anders an, bedeutungsvoller.

5. Gut für mich selbst sorgen und mir Zeit geben.

Mich mit den Gedanken wirklich anzufreunden, dass der Alltag kommen wird, wir nicht mehr in unserem „künstlichen“ Schutzkokon leben werden, braucht Zeit. In dieser Zeit kann ich mir selbst guttun. Selbstempathie: Mitfühlende Worte für mich finden, Geduld mit mir selbst haben. Ich gehe einen Schritt nach dem anderen und ich bin auch stolz auf mich. Stolz und Dankbarkeit sind wirklich kraftvolle Gefühle!

Fazit: Ich kann diese Pandemie und die weitere Entwicklung nicht kontrollieren.

Ich kann meinen Sohn nicht von der Schule fernhalten. Ich kann lernen, damit umzugehen. Und das tue ich, jeden Tag ein wenig mehr.

Ich möchte mit diesem Artikel auch Eltern Mut machen, denen es ebenso geht.
Ihr seid nicht alleine mit euren Ängsten!

Was ich mir hier in den Kommentaren wünsche? Worte, die anderen Mut machen können und sie unterstützen.

Vielen Dank,

eure mindfulsun


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Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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