Einfach ich! – Für ein besseres Körpergefühl bei Mädchen


Dies ist ein Gastbeitrag von Sigrid Hofmann, die ich über Facebook kennengelernt habe und die eine wichtige Botschaft für unsere Kinder, insbesondere für Mädchen hat. Dieser Post ist NICHT gesponsert, auch wenn das Unternehmen Dove mehrfach zitiert ist. Sigrid schreibt zunächst über sich: 

Liebe Béa, ich bin Bundesvorsitzende bei der Pfadfinderinnenschaft St. Georg (PSG), ein reiner Mädchen- und Frauenverband. Mein Verband ist Mitglied im Weltverband der Pfadfinderinnen (WAGGGS) und WAGGGS macht kontinuierlich mit Kooperationspartner_innen verschiedenste Projekte – im Moment eben mit Dove das Projekt „Free being me – einfach ich“. Natürlich merken wir im Verband, wie sich Mädchen an dem medialen Schönheitswahn und -idealen orientieren, sich sehr stark z. B. von Germany’s next Topmodel beeinflussen lassen und sich „dick“ und nicht hübsch fühlen, weil sie nicht der Norm (die die Medien in erster Linie definieren) entsprechend fühlen. ich habe auch schon Workshops in meinem Verband dazu gemacht mit der Kinderstufe (6 – 10 Jahre) und schon in dem Alter sind die Mädchen (die Jungs auch, aber mit denen arbeiten wir ja im Verband nicht) beeinflusst und geprägt. Insgesamt arbeitet mein Verband in seiner alltäglichen Gruppenarbeit so oder so gegen Klischees, Stereotype und für ein selbstbestimmtes Leben. Da passt natürlich das Aufbrechen des Schönheitswahn sehr gut in das Konzept. Das Thema kommt gut im Verband an, die Gruppenleiterinnen arbeiten mit ihren Kindern und merken auch Veränderungen (mehr Nachdenken, nicht akzeptieren usw. von vorherrschenden Idealen etc.).

Und das hat sie euch zu sagen: 

Moment mal….

Wusstest du, dass etwa 60 Prozent aller Mädchen aufhören etwas zu tun, was sie gerne mögen, weil sie mit ihrem Aussehen unglücklich sind?

Wusstest du, dass 23 Prozent nicht an den Strand oder ins Schwimmbad gehen, 19 Prozent nicht bei einem Verein oder Verband mit machen, 15 Prozent auch mal nicht zur Schule gehen und 13 Prozent sich z. B. im Unterricht nicht melden, um ihre Meinung zu sagen – alles nur, weil sie sich wegen ihres Aussehens unwohl fühlen? (Quelle: Dove Global Study 2010)

Sechs von 10 Mädchen glauben, dass sie dünner glücklicher wären (Quelle: UK Teen Body Image Survey, Jan 2004, Bliss). 63 Prozent wären lieber ein Model in einer Männerzeitschrift als eine Ärztin, eine Lehrerin oder eine Krankenschwester (Quelle: TheLab, 1000 girls 15-19 years old)! Laut einer Studie von Dr. Raj Persuad, Psychiater am Maudsley Hospital London, reichen 60 Minuten Klatsch- und Modezeitschriftenblätter aus, um das Selbstbewusstsein von Mädchen um 80 Prozent sinken zu lassen. Und das, wo ein Großteil der Fotos in Zeitschriften und sogar die Schauspielerinnen und Schauspieler in Filmen mittlerweile digital so verändert werden, dass sie einem unrealistischen Ideal entsprechen, das mit wirklichen Menschen nur noch wenig zu tun hat.

Moment mal!!!

Es kann doch nicht sein, dass sich viele von uns davon abhalten lassen, aktiv ihre Meinung zu sagen und das zu tun, was sie möchten, weil sie sich um ihr Aussehen sorgen oder um die Meinung anderer. Wir möchten, dass alle Menschen sich in ihrer Haut wohlfühlen können und niemand seine Fähigkeiten und Talente versteckt.

Darum  hat der Weltverband der Pfadfinderinnen (WAGGGS) zusammen mit dem Unternehmen Dove ein Aktionsthema entwickelt.

Es handelt sich dabei um Gruppenstunden-, Spiel- und Workshopvorschläge, die darauf abziehlen, den Wahn des unrealistischen idealen Schönheitsideals aufzubrechen. Oftmals befinden wir uns im „Teufelskreis“ und merken es nicht. Verhaltensweisen verändern sich, die Psyche reagiert entsprechend und wir eifern Idealen hinterher, die es nicht wert sind. Auch unseren Kindern vermitteln die Medien und vielleicht auch wir selbst bestimmte Werte oder Einstellungen, wenn auch unbeabsichtigt und unbewusst. Dabei ist jede und jeder gut so wie sie oder er ist. Es gibt eine Unmenge an Dingen, die wunderbar und einzigartig an uns und anderen Menschen sind. Darauf sollten wir uns konzentrieren und nicht auf vergängliche, oberflächliche optische Darstellungen, die manchmal nicht mehr als eine Fassade sind.

Auf http://www.pfadfinderinnen.de/aktionsmaterialien.html könnt ihr das gesamte Programm, mit allen Infos nachlesen und vielleicht ein paar Ideen bekommen, wie ihr mit Freundinnen, euren Kindern oder Männern euch mit diesem Thema auseinandersetzen könnt.

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Das Programm setzt sich mit unseren Idealen und Klischees auseinander und will unser Bewusstsein dafür stärken, woher diese Ideen kommen. Warum und wie werden die Bilder in den Medien digital verändert? Sind die Ideale für alle Menschen gleich? Wie bewerten wir selbst andere Menschen und wie können wir den Einfluss uns und anderen bewusst machen?

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Sucht im Internet mal nach „Photoshop vorher nachher“, um Beispiele zu sehen, was digital alles möglich ist! Schaut euch ein Original und ein bearbeitetes Foto an und Ihr werdet erstaunt sein, was tatsächlich alles möglich ist und verändert wird.

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Ein positives Körpergefühl lässt uns stark sein, die Dinge zu tun, die wir möchten. Wir wollen unsere Meinung sagen und tun was uns Spaß macht, ohne uns Sorgen darum zu machen, was andere über unseren Bauch, die Nase oder die Haare denken. Einfach ich sein eben. Das soll für jede und jeden gelten!

Übrigens: Es gibt keine Bücher, aber Handreichungen (Arbeitshilfen) auf unserer Homepage http://www.pfadfinderinnen.de/freebeingme.html

beabeste
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6 Kommentare

Amata
Antworten 17. März 2016

Danke für diese wichtige Arbeit -seit fast 40 Jahren kämpfe ich gegen mein verzerrtes Selbstbild

Brigitte
Antworten 17. März 2016

Ich schließe mich dem Dank von Amata an.

Was man meiner Meinung nach auch nicht unterschätzen darf, sind Hänseleien von Gleichaltrigen, die teilweise schon im Kindergarten stattfinden, auch wenn das Gewicht im Normalbereich liegt. Meine Tochter hatte schon mit fünf Jahren damit zu kämpfen, bzw. hat ihr eine gleichaltrige Kindergartenkollegin ganz ernsthaft erklärt, dass man kein Obst essen darf, weil der dahin enthaltene Fruchtzucker essen darf, weil man davon dick wird, weil das sage ihre Mama immer. In der Grundschule gingen die Hänseleien - vorwiegend durch Klassenkameradinnen - weiter, bzw. arteten auch in physische Gewalt aus. Die Lehrer waren machtlos, da die Angreifer keine Einzeltäter waren, sondern es sich um mehr als die halbe Klasse handelte. Die Eltern, einzeln von mir angesprochen und mit dem Problem konfrontiert, versprachen zwar, mit ihren Kindern zu reden, und haben das wohl auch getan, aber leider änderte dies nichts an der Situation. Das Resultat war einerseits, dass sich meine Tochter zunehmend zurückzog und auch an Geburtstagsfeiern nicht mehr teilnehmen wollte, andererseits, dass sie eine Zeit lang Essen als etwas "Schlechtes" verweigerte und nur durch viel Zureden dazu bewegt werden konnte, ein paar Bissen zu sich zu nehmen, und das mit 6 bzw. 7 Jahren. Nach einem Schul- und Umgebungswechsel (sind letzes Jahr berufsbedingt umgezogen) hat sich die Situation glücklicherweise verbessert; auch gibt es diese Art von Hänseleien in der neuen Schule nicht, und meine Tochter ist wieder voller Motivation bei allen Aktivitäten dabei.

    beabeste
    Antworten 18. März 2016

    Wahnsinn. Vielen Dank, dass du diese Erfahrung mit uns teilst. Manchmal hilft wirklich nichts, außer das Kind aus der Situation rauszunehmen. Ich hoffe, es ist alles gut nun! Liebe Grüße, Béa

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