Das dramatische Läusetrauma und die große Schuldfrage


Wir alle kennen das Drama. Die Kita oder Schule kündigt einen Läusefall an und dann drehen alle am Rad. Für mich ist das Thema – um es dramatisch auszudrücken – mit einer Art „Läusetrauma“ verbunden, nicht zuletzt deshalb, weil die sogenannte „Schuldfrage“ ebenfalls im Raum steht.

Die meisten Kinder hatten mal Läuse.

Das sagt mir keine Studie, sondern meine allgemeine Beobachtung. Ich habe es in der Kita erlebt, dann in der Schule, dann sogar auf der Oberschule. Ich selbst hatte sie zwei Mal und steckte prompt auch meine Schwester damit an (oder andersherum). Beim bloßen Gedanken an Weißgold wird mir jetzt schon übel, denn die Gedanken daran sind keine positiven.


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Mein Läusetrauma

Es folgt wieder eine kleine Geschichtenrunde. Als Kind – ich war etwa vier oder fünf – bekam ich Läuse von jemandem aus der Kita. Mein Kopf juckte so sehr, dass es sich anfühlte, als stünde ich in Flammen. Meine Mutter und ich waren stundenlang in der Wanne. Ihr Rücken schmerzte vom Bücken und Kämmen und mir war kalt, weil das Wasser längst nicht mehr warm war. Außerdem weinte ich, weil der Kamm so wehtat und das Weißgold meine Haare ganz verfilzte.

Irgendwann entschied meine Mutter, mir als Vorsichtsmaßnahme meine Haare zu schneiden. Sie waren einfach zu lang und sie wollte sichergehen, dass sich keine Nissen dort festgesetzt hatten. Ich schrie und weinte, während sie mir in der Wanne die Haare abschnitt, und ich erinnere mich noch genau daran, wie ihr Blick ebenfalls schmerzverzerrt war, weil es ihr so wehtat, das tun zu müssen. Ob das nun wirklich nötig war – darüber lässt sich streiten. Aber ich glaube, dass meine Mutter nach all den Stunden einfach erschöpft war.

Die Läuse waren nun weg, aber meine wunderschönen Haare auch. Vorher hatte ich die längsten aus dem Kindergarten, jetzt hatten sie die Länger der meisten Jungsfrisuren. Es war schlimm, doch ich kam drüber hinweg.

Ein paar Jahre später gab es einen neuen Vorfall. Ich war in der Grundschule und nahezu alle Mädchen hatte es „erwischt“. Diesmal war es nicht so schlimm wie beim ersten Mal, da ich mich erstens nicht allein damit fühlte und zweitens meine Mutter nicht zur Schere griff.

Aber ein paar Jahre später wurde es richtig bitter.

Ich war in der sechsten Klasse, meine Schwester in der dritten. Sie hatte es erwischt, mich zum Glück noch nicht. Dennoch wies sie mich an, ebenfalls das Weißgold Shampoo zu verwenden, um sicherzugehen, dass mich wirklich nichts befallen hatte. Sie selbst tat das Gleiche, daher willigte ich in ihren Vorschlag ein.

Am nächsten Morgen in der Schule hörte ich die Mädchen hinter mir tuscheln. Obwohl ich nicht alles mitbekam, wusste ich instinktiv, dass es um mich und den Geruch, den meine Haare ausströmten, ging. Erst machten sie einen großen Bogen um mich, dann sprachen sie mich ganz direkt darauf an.


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„Hast du Läuse?“

„Nein, aber in der Klasse meiner Schwester gab es einen Vorfall“, sagte ich, ohne zu verraten, dass sie sie ebenfalls welche gehabt hatte. Und obwohl ich ihnen versichert hatte, dass sie nichts zu befürchten hatten, hielten sie weiterhin Abstand. Ich verstand es irgendwie, aber gleichzeitig war es auch verletzend. Klar riecht das Zeug nicht gut und löst bei jedem unangenehme Gefühle aus, aber ich war doch nicht schuld, oder? Überhaupt – wer war eigentlich schuld?

Die große Schuldfrage

A hat es von B und B von C und C hat es an seine Geschwister D und E weitergegeben. Aber woher hatte es A? Oder ist er der Schuldige?

Nein! Niemand hat Schuld! Läuse sind fiese Biester und wer auch immer sie bekommt – er oder sie ist nicht schmutziger oder unhygienischer als jemand anderes. Wer sie also zuerst hatte, spielt im Grunde keine Rolle. Wichtig ist nur, alle zu informieren, damit sie dementsprechend vorgehen können.

Bei der Erinnerung an das Läusethema kriege ich immer sofort Bauchschmerzen. Dass mir die Haare abgeschnitten wurden, war schlimm, aber dass ich von meiner Klasse auf subtile Weise ausgeschlossen wurde, noch viel schlimmer. Ich erinnere mich auch noch an den Kommentar einer Mitschülerin: „Bekommt man sowas nicht nur, wenn man ein Kind ist?“

Diese Frage hat sehr viel mit mir gemacht, denn mit 12, in der Anfangsphase der Pubertät, gab es wohl nichts Schlimmeres für mich, als mit einem Kind verglichen/gleichgesetzt zu werden. Ich mache ihr keinen Vorwurf, weil sie damals selbst noch ein Kind war, aber heute weiß ich es natürlich besser. Läusen ist es egal, wie alt die Kopfhaut ist, auf der sie es sich gemütlich machen. Sie sind nichts, das nur Kinder haben, sie verbreiten sich nur schneller, weil Kinder mehr in Interaktion treten, während sie sich raufen, spielen und toben.

Mehr Sichtbarkeit für das Läusedrama

Ich weiß, dass dieses Thema für viele sehr unangenehm ist und beim bloßen Lesen für die ein oder anderen der Kopf angefangen hat zu jucken. Dennoch war es mir wichtig, darüber zu schreiben. Wenn es um das L-Thema geht, dann ist die Schuldfrage irrelevant, da niemand Schuld trägt (außer, er oder sie warnt andere nicht vor und steckt sie damit wissentlich an). Auch das Thema Haare und die Identifizierung damit ist so ein wunder Punkt bei mir, auf den ich demnächst gern mal ausführlicher eingehen kann.

Habt ihr irgendwelche Gedanken dazu? Oder Erlebnisse und Läuse-Dramen, die ihr teilen wollt? 

Liebe Grüße
Mounia

Mounia
About me

Ich - 25 Jahre alt, Studentin, Kinderanimateurin, begeisterte Hobbyköchin und abenteuerlustig! Meine absolute Leidenschaft ist das Schreiben und Festhalten von Momenten.

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