Krank mit Kind – wie viel können Eltern vom Sofa aus dirigieren?


Unsere Kolumnistin mindfulsun ist krank. Und trotzdem hat sie die Kraft irgendwie gefunden, ihre Situation als alleinerziehende Mutter zu reflektieren und einige Erfahrungen zusammenzufassen. Dafür bin ich ihr dankbar – denn ihre Zeilen helfen hoffentlich allen kranken Eltern:

Infekte können alle treffen, auch uns Eltern.

Ich bin eine „Ein-Frau-Band“ und mich hat es gerade voll erwischt.
Nun sind meine Jungs schon älter. Ich muss mir nicht mehr so viele Gedanken machen, wie es hier läuft – eigentlich. Denn ich mache sie mir trotzdem.


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Vorab: Dies sind meine Erfahrungen. Jeder Mensch ist anders! Wenn Eltern und Kind(er) zusammen krank sind, ist das auch noch ein anderes Kaliber. Was ich mir wünsche ist ein Austausch, ohne die anderen zu bewerten und zu beurteilen: Die Tollabea Community ist groß und wir können von den Erfahrungen der anderen profitieren. Wie sind eure Notfallpläne? Was sind eure „Geheimrezepte“, wenn eure Welt durch Krankheit mal zwangsweise entschleunigt wird?

Gestern Morgen klingelte es an meiner Tür, Wartungsarbeiten waren angekündigt. Der Handwerker warf einen Blick auf mich: „Oh weia. Wenn ich weg bin, gehen Sie bitte wieder ins Bett!“
Ich würde diesen Ratschlag wohl auch jedem anderen Menschen geben. Nur für mich selbst hatte ich ihn selten übrig. Ich wollte einfach funktionieren.

Die einfache Wahrheit ist: Was hier zu tun ist, läuft nicht weg.

Davon, dass ich mich schuldig fühle und vielleicht auch schäme, weil ich es gerade nicht schaffe, wird es nicht erledigt. Und vor allem geht es mir davon nicht besser.

Nun, mit ein wenig Achtsamkeit: Selbstfürsorge und Perspektivenwechsel.

Ja, es wird mir jetzt für einige Tage nicht gut gehen.
Es wird viel liegen bleiben (vor allem ich!) UND ich kann es danach erledigen.
(nicht mich)

Zumindest so lange, wie ich jetzt erhöhte Temperatur habe und mich wie vom Bus überfahren fühle, gilt:

Ich dirigiere und agiere zum Großteil von der Couch.

Und ich kann einiges von der Couch dirigieren: Lebensmittel kann ich zur Not online bestellen und sie werden geliefert. Ein Privileg, was ich in der Großstadt habe. Ich kann meinen Söhnen sagen, dass ich schlapp bin, einen Gang zurückfahren muss und Hilfe brauche.

Wenn ich nicht kochen kann, gibt es den Lieferdienst oder kalte Küche. Ansonsten koche ich gerade minimalistisch. Es ist nicht ideal aber es schadet uns für ein paar Tage nicht. Essen am Familientisch wird ausfallen. Entweder wird gemeinsam auf der Couch gegessen oder die Jungs essen in ihren Zimmern. Zur Not: Tütensuppe!

Ich kann dem Staub beim Wachsen zusehen, mit der Gewissheit: Er wird uns nicht alle überwuchern. In ein paar Tagen kann ich wieder putzen.

Die Ansprüche an mich selbst fallen lassen, mir selbst zugestehen: Momentan brauchst du deine Kräfte zur Heilung deines Körpers. Das ist für mich sehr wichtig.

Wie oft kam vor der Achtsamkeit dann ein „Aber dies und das muss unbedingt erledigt werden!“ In meinen Kopf. Und tanzte da so lange Samba, bis ich mich gequält habe, bestimmte Dinge zu erledigen. Diesem „Aber“ kann ich heute gut entgegnen: „Es wird alles erledigt und zwar dann, wenn ich wieder auf den Beinen bin! Jetzt setzen wir uns hin und trinken Ingwertee!“ Mir selbst gerade eine Mutter oder eine gute Freundin sein, ist viel wert.


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Wie gesagt, meine Jungs sind schon „groß“ und sie können mir auch nach der Schule / Ausbildung helfen. Ich bekomme hier frischen Ingwer-Minztee mit Orange ans Sofa. Und auch einfache Mahlzeiten können sie kochen. Sie können in die Apotheke gehen und mir das Notwendigste besorgen. Auch hier: Wenn jemand ganz alleine ist, viele Apotheken haben einen Lieferdienst und ein Anruf lohnt sich.

Was, wenn die Kinder allerdings jünger sind?

Und sich ein Elternteil für ein paar Tage alleine – aus der Horizontalen – um sich und die Kinder kümmern muss? Was hätte ich getan?

1. Das Notwendigste!

Die ganzen Gedanken daran, was sonst alles wichtig wäre, ziehen lassen.
Sie werden kommen diese Gedanken. Statt sie mit schlechtem Gewissen zu verdrängen, dann brodeln sie unter der Oberfläche munter weiter:
Akzeptanz und die Gewissheit: Ich kann wieder richtig zupacken, wenn es mir besser geht.
Priorisieren!

2. Netzwerk schaffen, im Notfall nicht schämen und um Hilfe bitten:

Gerade als alleinerziehendes Elternteil ist ein Netzwerk für den Notfall wichtig. Ob es nun die Großeltern, Freunde oder Nachbarn sind. Auch andere Eltern der Kontaktlisten von Schule und Kindergarten können eine Hilfe sein. Hier braucht sich niemand schämen, wenn er Hilfe braucht. Sollten die Großeltern (oder andere Herzensmenschen) nicht vor Ort sein, die Technik kann einiges möglich machen: Facetime Vorlesen mit den Kindern wäre eine Möglichkeit. Auch kleinere Spiele gehen virtuell. Damit kann schon viel geholfen sein.

3. Offen damit umgehen, dass es mir nicht gut geht.

Kinder spüren es schneller, als wir Erwachsenen es möglicherweise annehmen. Und sie sind vielleicht besorgt. Wenn sie dann merken, sie können eine Hilfe sein, macht sie das möglicherweise auch ein wenig stolz. Wie wäre es auch damit, ein provisorisches Puppentheater vor dem Sofa zu errichten? Und die Sockenpuppen spielen dem kranken Elternteil eine Geschichte vor?
Alternativ dazu saß mein Teenager gestern bei mir und erzählte mir von seinem neuen Programmieren Projekt.

4. Vorplanen und Beschäftigung

Gerade mit jüngeren Kindern finde ich einen „Notfallspielkoffer“ toll. Etwas, was nur in der Zeit hervorgezaubert wird, wenn es mir nicht gut geht. Damit ist es etwas Besonderes. Einfache gemeinsame Spiele, die nicht alle verschnodderten Gehirnzellen überfordern, können ebenso in diesen Koffer. Auch Extra-Bildschirmzeit wäre für mich ok. Regeln können etwas durchlässiger werden. Davon nimmt niemand hier Schaden. Es ist ein Notfall!

Und genau als diesen Notfall sehe ich es und kümmere mich auch um mich. Was würde ich einer Freundin raten, welche Worte würde ich für sie finden?

Alles läuft langsamer und minimalistischer.

Das läuft es hier sowieso oft schon, denn ich bin chronisch krank. Akute Notfälle kommen obendrauf. Was meine Jungs allerdings gelernt haben, aus einem Leben mit einer chronisch kranken Mutter: Mitgefühl, Empathie und eine große Portion Entschleunigen, achtsamer werden. Und Dankbarkeit für die Zeit, die wir miteinander haben.

Fazit: Akut krank sein, fühlt sich nicht gut an. In dieser Zeit gut zu mir selbst zu sein, Selbstmitgefühl zu haben und mich nicht obendrauf noch schuldig zu fühlen – für all das, was ich nicht schaffe – setzt Energie für Heilung frei.

Gesendet vom Sofa,
eure mindfulsun

Frage von Béa: Und wie läuft es bei euch ab, wenn ihr „krank mit Kind“ seid?

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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