„Sie weiß, dass ihre Schwester im Meer bestattet wurde und im Himmel lebt“ – Gastbeitrag


Liebe Herz- und Familienmenschen! Jedes Mal, wenn ich hier im eigenen Blog die bewegende Geschichte über Emmas Leben und Tod wieder lese, kommen mir die Tränen. Und ich verspüre Dankbarkeit, dass ihre Mutter Maria R. diese Zeilen für uns, für euch, geschrieben hat.

Nun gibt es, zwei Jahre später, noch ein Update.

Gastbeitrag – Wir haben unsere 12-jährige Tochter in Liebe sterben lassen

Maria schreibt:

In 2 Tagen ist Emmas zweiter Todestag.
Das bedeutet, dass Emma fast 2 Jahre schon nicht mehr bei uns ist.

Ich würde gern darüber schreiben, was diese zwei Jahre und der Tod meiner Tochter mit mir und mit uns gemacht haben.

Eigentlich weiß ich nicht genau, wie wir das erste Jahr überlebt haben. Mein Fokus lag bei meinem (ebenfalls erkrankten Sohn), der seine Schwester verloren hat. Den einzigen Menschen auf dieser Welt, der seine Sprache gesprochen hatte.

Ich wusste oft nicht, ob die Beziehung zu meinem Mann diese Situation aushalten würde.

Er arbeitete schnell wieder und damit kehrte für ihn ein Stück Normalität ein. Ich war neidisch, auf diesen Zufluchtsort, an dem es Emma vorher auch nicht gab.

Stattdessen saß ich hier in unserem zuhause, in dem jemand schmerzlich fehlte. Ein Kinderzimmer, das wir zwar umgestaltet hatten, aber eigentlich war es eben Emmas Zimmer, das nun leer war. Ein freier Platz am Esstisch, im Auto, einfach überall.

Meine Angst um meinen Sohn wuchs

Es drehte sich wochenlang in meinem Kopf alles um sein Sterben. Denn er ist auch lebensverkürzt erkrankt. Ich saugte Informationen auf, hatte Gespräche mit verschiedenen Bestattern, informierte mich über alle Möglichkeiten. Es gab mir das Gefühl von Sicherheit. Ich spürte , wie ich fast darauf wartete, dass es ihm schlechter ging. Meine Angst um ihn war unermesslich.

Unsere kleine Tochter brachte so etwas wie Sonnenschein, ermunterte mich die schönen Dinge im Leben wahr zu nehmen.


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Sie war der Ausgleich zu meiner tiefen Trauer.

Ich beschloss mich mit Trauerarbeit zu beschäftigen.

Ich hatte zig Bücher gelesen, Rituale mit meiner Familie eingeführt und fühlte mich gefestigt. Ich begann eine Ausbildung zur Trauerbegleitung.
Dann riss mich ein großes Tief im letzten Herbst raus. Ich war tief traurig, wusste nicht, ob ich aushalten könnte, umgeben vom Tod und vom sterben.

Im Frühjahr diesen Jahres wurde mir bewusst, dass es nur dann gut geht, wenn ich einen guten Ausgleich für mich finde.
Alles, alles geht nur dann gut.

Meine Ausbildung, meine Trauer, meine Familie, meine Beziehung. Wir sind im Umschwung, sortieren uns neu, entdecken uns neu.

Ja, unsere familiäre Situation ist eine große Herausforderung, die unsere Beziehung immer wieder auf die Probe stellt. Und trotzdem durften wir (auch mit Unterstützung von aussen) auch immer wieder erkennen, dass unsere Grundfeste steht und wir ein gutes Team sind.

Mein Sohn wird die Schule wechseln. Die Corona Auszeit hat uns wieder eine Basis schaffen lassen.
Ich weiß jetzt wieder, dass ich mich auf mein Gefühl im Bezug auf ihn verlassen kann.

Dass wir beide eine stabile Beziehung haben, dass wir gemeinsam lachen können, aushalten können.
Dass wir miteinander sein können. Dass ich aushalten kann.

Und die kleine, die darf bald in den Kindergarten gehen, welch enorme Veränderung.

Noch immer, sagt sie jeden Tag zur Sonne: „Hallo meine Emma Sonne!“

Sie weiß, dass ihre Schwester im Meer bestattet wurde und im Himmel lebt. Wir reden sehr viel über ihre Schwester.
Sie hat eine wunderbare Leichtigkeit in unsere Familie gebracht.

Und ich, ich habe begonnen ein paar Stunden zu arbeiten, erweitere dass mit Kita Beginn, bin wieder drin, in meiner Ausbildung, habe Ideen, Träume, Pläne.

Freue mich auf Freiräume für all meine Pläne und Wünsche.

Nein, wir haben den Tod nicht überwunden.

Wir haben ihn akzeptiert und noch immer tröstet mich, dass es Emmas Wunsch war, den wir begleiten durften.
Dass wir eine wundervolle Zeit hatten.

Ich bin dankbar, dass wir begleiten durften, dass wir Abschied nehmen durften.
Da ist eine ganz tiefe unbeschreibliche Dankbarkeit für dieses wundervolle Kind, das jetzt nicht mehr lebt. Und trotzdem ist sie da, begleitet uns, ist Teil unserer Familie.

Wir sortieren uns neu, und trotzdem ist Emma Teil davon.

Eure Maria R.

Vielen Dank auch für diesen Text und die zur Verfügung gestellten Bilder, liebe Maria und Familie! 


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Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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20. Sep 2018

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