Wunderbare Mutter-Tochter-Reise an den Floating Piers von Christo am Lago Iseo


Als ich von den Floating Piers vom weltberühmten Verpackungskünstler Christo am Lago Iseo ein Video sah, wusste ich sofort: Das ist ein einmaliges Erlebnis – und auch, wenn ich eigentlich voll mit Arbeit bin und lauter Projekte mit Deadlines habe… es ist ein once-in-a-lifetime Ding. Meine Tochter Carina jaulte auch erstmal was von Projektabgaben an der Uni, musste mir – und Mark Twain – aber auch schnell Recht geben: Es ist besser zu bereuen, Dinge getan als unterlassen zu haben! Mein in dieser Hinsicht eher deutsch veranlagter Mann Oliver meinte hingegen, es sei besser zu bereuen, seine Arbeit getan statt sie unterlassen zu haben – und blieb zu Hause.


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Letzten Sonntag schusterte ich also im Internet schnell einen Kurztrip zum Lago Iseo zusammen, der im Kostenrahmen bleiben sollte: EasyJet-Flug nach Milano Malpensa, dann ein Autolein unter den Allerwertesten und eine kleine feine Unterkunft via Airbnb für knapp 100 Euro in Predore. Tja, alles NICHT gesponsert. Es musste schnell gehen, denn das Kunstwerk verschwindet nach dem 3. Juli für immer. Genauso wie damals der verpackte Reichstag, den wir 1995,  auch erleben durften – und den ich als eines der beeindruckendsten Erlebnisse in meinem Leben in Erinnerung behalten habe. Hier seht ihr Carina, damals 5 Jahre alt, mit meiner Freundin und damaligen Mitbewohnerin und deshalb Zweitmama Marion.

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Ihr zu Ehre hat Carina für unsere Reise jetzt mein Kleidchen angezogen aus der gleichen Kollektion – damals in Provincetown gekauft, jetzt an sie vererbt (ähm, ich habe nicht mehr die Figur…).

Am Freitag, 24.06 in der Frühe zogen wir los: Auf zu den Floating Piers von Christo zum Lago Iseo

Ich werde euch nicht langweilen mit Flug- und Autovermietungsstories. War bis auf eine etwas zu lange Schlange am Europcar-Schalter eigentlich so wie jede Flug- und Autoreise, nichts besonderes. Wir sind auch von Malpensa bis zum See gut durchgekommen. Dann ging das Abenteuer los: Der Plan, den wir vorher mit Hilfe unseres Airbnb Gastebers geschmiedet hatten, in Sarnico auf die Fähre zu hopsen und dort bis zum Mittelpunkt der Kunstwerks, Sensole, zu fahren, scheiterte an Emilio, dem Parkplatzwächter. Oder nach Emilio zu urteilen, er konnte unseren Plan vor Ort optimieren: Der sympathische Italiener schwort Stein und Bein, dass man mit der Fähre nur recht spät am Abend zum Kunstwerk gelangen könne, denn wer nicht online schon vor 3 Tage Karten gekauft hat, sei in der Schlange zum 3 Stunden Anstehen verdonnert!

Dafür schickte uns Emilio nach Marone, was sich als guter Tipp erwies: Dort konnten wir das Auto auf einem Parkplatz für 15,- Euro abstellen und den Bus nehmen. Gegen 15:00 hatten wir dann die Floating Piers erreicht, aus dem Haus in Berlin gegangen waren wir um 7:00.

Wir hatten Glück: Der Eingangsbereich, bereits schon hier mit dem goldenen Stoff ausgelegt, schien eigentlich für deutlich größere Menschenmassen vorbereitet zu sein. Wir konnten den in ca. 5 Minuten schnellen Schrittes passieren. In diesem Moment staunte ich über die vielen deutschen Medien, die von Chaos und Überforderung der Leute vor Ort sprachen und schrieben. Wir haben nichts davon bemerkt: All waren bester Laune, machten klare und freundliche Ansagen – und alles war entspannt. Kann es sein, dass die Deutschen den Italienern einfach nicht zutrauen, etwas vernünftig zu organisieren?

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Und dann ging das los, was sich wie ein Traum angefühlt hat, ein unglaubliches und wunderschönes Erlebnis, das die Bilder hier nur unzureichend wiedergeben…

Ihr könnt aber erst das Video anschauen:

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Übrigens, wir reisen unglaublich gern zusammen, seit Carina ganz klein war!

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Es war entspannt auf den 6,5 km langen Piers… und es fühlte sich alles an, wie im Traum. Wir bemerkten, dass die Stimmung so ausgelassen war… und uns kamen die Menschen, die Teil des Kunstwerks wurden, alle schön vor. Vielleicht schöner, als wenn wir sie auf der Straße antreffen würden. Das Kunstwerk macht was mit der Wahrnehmung: Es bezauberte uns durch Farbe, Dimension, Gefühl…

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… es war alles so losgelöst…

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Auf der Insel waren viele der Straßen auch mit dem Stoff ausgelegt…


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Auf einmal kam ein Boot vorbei und alle fingen an zu applaudieren und „Bravo!“ zu rufen… Und dann sahen wir, winzig klein, einen weißhaarigen Mann winken: Christo himself war da!

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Wir genossen noch Schattenspiele in der Nachmittagssonne…

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Das Gefühl an den Füßen auf der schwimmenden goldenen Fläche ist unbeschreiblich:

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Und Carina versuchte, liegend besondere Fotos einzufangen…

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Und irgendwann war es Abend… die Stimmung veränderte sich…

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…bis es dunkel wurden und Lichter angingen.

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Hier seht ihr Social-Media Profis am Werk 😉

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Auch die Floating Piers zu verlassen war es kein Problem. Es ging genauso entspannt raus wir wir auch reingekommen sind, so gegen 23:30. Ab Mitternacht werden keine Leute mehr reingelassen, dann werden kleine Bruchstellen repariert und Dreck weggebracht. Ein wenig zu voll wurde es beim Bus zurück zu unserem Parkplatz, wir haben die Strecke von ca. 6 km dann halb zu Fuß und halb mit einem Taxi bewältigt – und unterwegs noch lecker Gelato (Eis) gefuttert.

Am nächsten Tag wachten wir in unserer Airbnb Unterkunft auf und wurden liebevoll umsorgt von unserem Gastgeber Stefano, der selbst Contemporary Dance Künstler ist. Das hier hatten wir vor der Nase:

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Dann mussten wir uns schon wieder aufmachen, zurück nach Malpensa und dann nach Berlin. Aber diese Erfahrung mit den Floating Piers von Christo am Lago Iseo ist etwas, was unsere Herzen noch ganz lange erfüllen wird!

Und wenn ihr sehen wollt, wie das Ganze von oben aussieht, dann schaut das Video an:

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

9 Kommentare

Marion
Antworten 26. Juni 2016

Liebe Béa, liebe Carina,
Super schön ! super spontan ! Und ansteckend geschrieben, ich wünschte ich wäre auch bei dieser Christo-Kunst dabei gewesen.
Zum Reichstag sind wir 1995 auch mehrmals zu den unterschiedlichen Tageszeiten und Lichtverhältnissen gegangen bzw. geradelt. LG Marion

    beabeste
    Antworten 26. Juni 2016

    Oh ja, liebe Marion, wir haben so viel von dir und von damals gesprochen! Und wir hätten dich auch gern dabei gehabt, und die anderen M&Ms auch.

Dettke
Antworten 26. Juni 2016

Danke. So habe ich es auch fast erlebt. Mit Bahn und Hostel in Brescia und Milano weil der Rückflug so früh war. Sehr schöne Videos.
Gruß Martina Dettke Facebook DurchblickDettke

Tanja von Zuckersüße Äpfel
Antworten 26. Juni 2016

Ach wie toll, danke fürs Mitnehmen.

Jenny
Antworten 8. Juli 2016

Ich wollte meiner fünfjährigen Maus auch die Floating Piers zeigen.
Allerdings sind wir an 30.6 von Gardasee aus nur bis zu einem überfüllten Parkplatz gekommen. Von da an ging nichts mehr. 3 Stunden hätte ich alleine gewartet, aber nicht mit einem Kind und bei 35 Grad ohne Schatten. ....also sind wir wieder zum Gardasee gefahren und haben mit nackten Füßen unseren Holzweg gefühlt und sind ins Wasser gesprungen.
Im Flieger dann zeigte uns eine nette Dame ihre Schnappschüsse von den Floating Piers....War auch schön ?

Bettie vom Frühen Vogerl
Antworten 10. Juli 2016

Sieht toll aus, muss gestehen, dass ich vor Deinem Beitrag von dem Ding gar nichts mitgekriegt habe.

Hast Du eigentlich mit Deiner Mitbewohnerin von damals noch Kontakt??

Lieben Gruß
Bettie

David
Antworten 22. Juni 2020

Ein Wunderschönes geschriebenes Beitrag Bea, Sie haben uns hier bis kleinste Detail erzählt wie heute eine Mutter-Tochter Reise aussehen sollte.

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