Ich habe eine Loch-Phobie – ich muss eine Runde jammern gegen ripped Jeans & zerissene Mode


Fangen wir mal mit einem Bekenntnis an: Seit ich ein kleines Baby war, habe ich Angst vor Löchern. Das ist kein Scherz, sondern tatsächlich eine mentale Macke, eine echte Phobie. Etwas in meinem Kopf. Löcher in Textilien haben auf mich so eine Wirkung wie dicke fette Spinnen auf viele Menschen. Während andere ausflippen, wenn sich so ein eigentlich harmloses, mückenwegfressendes Tierchen mit ihnen in einem Raum befindet, drehe ich durch bei Löchern in meiner Kleidung oder in Textilien, mit denen ich in Berührung kommen könnte!

Während aber die sehr bekannte und weit verbreitete Arachnophobie entwicklungstheorethisch sehr gut erklärlich ist – die Höhlenmenschen musste sensibel auf mögliche giftige Bedrohungen, also zum Beispiel Spinnen, reagieren – macht die Trypophobie als Schutzmechanismus einfach mal gar keinen Sinn. Dennoch habe ich Panik und den Ekel zugleich – das geht manchmal so weit, dass ich ein Jucken am ganzen Körper verspüre.

Ich finde es selbst komplett gaga, dass ich egal bei welcher Kälte meine Strümpfe ausziehe, wenn sie eine Laufmasche haben. Wenn ich sofort ein Putzlappen fallen lassen, wenn sich ein Loch darin befindet. Wenn ich Mann oder Kind nicht umarme, wenn sie gerade ein Mottenloch im Pulli haben… Und wenn ich auf der Straße einen großen Bogen um Menschen mache, die Löcher-Klamotten tragen.

Völlig bescheuert, oder?

Ich habe schon überlegt, eine Therapie zu machen, aber dann denke ich: So schlimm ist das doch nicht. Und vielleicht bin ich nicht die Einzige – warum haben die meisten Hotel eigentlich Nähsets als Notausrüstung parat? Vielleicht gibt es mehr Menschen, die jedes noch so kleine Loch sofort zunähen müssen?  Wahrscheinlich fallen mehr Knöpfe ab als Löcher entstehen und dafür haben die Hotels die Nähsets…

À propos Knopflöcher: Die sind kein Problem. Genauso wie sämtliche klar definierte Öffnungen – Halsausschnitt, Ärmel, etc. Alles, was sauber abgenäht ist und eine klare Funktion hat, macht mir keine Angst. Schlimm sind klaffende, verfranzte Risse, kleine rebellische Mottenlöcher… und je weicher das Material, desto fieser für mich. Ein Loch in einem starken Sattelleder kann ich anfassen, sogar an mir dran haben. Ein Loch in der Socke oder T-Shirt: Iiiieh. Mich schüttelt’s.

Schmeiße ich alles weg, was ein Loch hat?

Hm, meistens. Manchmal begehe ich Heldentaten und nähe was. Meistens auf Reisen, siehe Hotelkit. Ich achte meistens schon beim Kauf darauf, dass die Klamotten stabil sind und nicht so schnell Löcher bekommen.

Und deswegen macht es mich völlig fertig, den Trend der ripped Jeans zu sehen… Also: Löcher in Jeans hat es bislang schon gegeben, das ist nichts Neues, das war schon mal Ende de 70ern bei den Hippies cool (da waren die Jeans aber wirklich abgetragen) und ab den 80ern hat man für bereits kaputte Hosen Geld bezahlt wie für neue… Auch mit „ein bisschen Loch“ hatte ich meine Probleme. Ich erinnere mich an einen Flug von New York nach Berlin, da saß ich neben so einem Loch. Also neben einer Person, die ein ziemlich großes, ziemlich hässliches, Fäden ziehendes Loch in der Hose hatte, genau das Bein auf meiner Seite. Normal schlafe ich gut in sämtlichen Verkehrsmitteln, aber stellt euch mal vor, für euch wäre es wie wenn ihr direkt neben jemanden sitzt, der eine fette Spinne auf dem Bein sitzen hat. Hm? Wie würdet ihr schlafen?

Jetzt ist alles gerade modetechnisch gefühlt auf Faktor 10: Es kommt mir vor, dass auf der Straße 10 mal mehr ripped Jeans herumlaufen. Und in jedem Hosenbein klafft nicht nur ein Loch, sondern 10 davon. Sie hängen in Fetzen. Sie sitzen in der Bahn. Sie steigen in Flugzeugen ein. Der Vergleich muss wieder her: Für euch übersetzt, wäre das, als würdet ihr im Stadtbild Menschen antreffen, die um die 10 Spinnen auf ihren Beinen wuseln haben.

Bah!

Jetzt kann ich nur hoffen, dass es einfach nur mehr davon gibt. Denn je mehr es werden, bedeutet es, dass der Trend nun mal in die breite Masse diffundiert ist, folgerichtig am Verschwinden ist – und die echten Trendsetter bald mal ganze Hosen tragen. Puh. Das wäre eine Erleichterung!

Habt ihr auch so eine komische, irrationale Angst? Oder eure Kinder?

Liebe Grüße,

Béa

P.S. Selbst das harmlose Bild als Titel des Beitrags einzustellen hat mich schon Überwindung gekostet…

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

DAS KÖNNTE DIR AUCH GEFALLEN

Ein Vater sucht ein Kleid für sein autistisches Kind und eine Firma legt sich ins Zeug
08. Jun 2017
Wie schwarze Wäsche wieder schwarz wird: Werbung und Verlosung für HEITMANN Wäsche-Schwarz-Tuch
10. Feb 2017
Schuhe können wir nie genug haben und mit Rucksäcken hat Mama alle Hände frei – Werbung für ara Schuhe
22. Oct 2016
Blau, blau, blau sind meine neuen Schuhe, weil ich damit besser denken kann – Werbung für Think! Schuhe – mit Verlosung
02. Sep 2016
Giokit kreative Kinder-Mode: Kleidung bekrizeln erlaubt!
13. Dec 2013

13 Kommentare

Ustrarisa
Antworten 14. August 2016

Löcher dieser Art halte ich für einen ästhetischen Gegentrend, hässlich und sinnlos! Wie kann man das nur schön finden! Aber nagesagt bleibt angesagt und man trägt dann eben weiter Klamotten wie ein Clochard!

    beabeste
    Antworten 14. August 2016

    Wir könnten jetzt mal zusammen spekulieren, was hinter dem Trend psychologisch steckt: "Noch nie in San Francisco in zerrissenen Jeans" - Kleinbürgertraum? Außerdem: Wenn man Jeans natürlich abträgt entstehen eher Löcher an den Knien, aber wie sollen sie auf den Oberschenkel passieren? Schoßhündchen mir Riesenkrallen dauerkraulen?

Conny
Antworten 30. April 2018

Guten Morgen, ich habe keine Phobie vor Löchern....aber ich mag diese kaputten Jeans auch nicht. Vielleicht liegt´s am Alter, an der Erziehung oder warum auch immer. Aber ich mag es nicht ;)

Sabine
Antworten 22. April 2019

Hallo Bea,
Gerade hatte ich eine ziemlich heftige Panikattacke gehabt. Ich will ins Bett gehen was mein Freund frisch bezogen hat und entdecke ein Loch. Wie immer wenn ich ins frisch bezogene Bett gehe, kontrolliere ich es ausgiebig. Nun fand ich auch noch eins und sofort bekomme ich Gänsehaut und ein kribbeln. Zudem weine ich nicht, nein ich heule bei dem Gedanken daran mich da jetzt rein legen zu müssen. Denn wie du schon sagst: total bescheuert und unlogisch findet mein Freund diese Angst. Aber was soll ich machen, ich kann halt nicht aus meiner Haut. Seit ich denken kann leide ich unter Angst in Textilien Stoffen. Ganz schlimm sind Bettlaken, Aufwaschlappen, Geschirrtücher, Socken ( ganz schlimm). Lieber friere ich als eine Strickjacke zu tragen wo ein Loch in der Achselhöhle ist. Was mich nicht stört sind Knopflöcher und Game grobe Strickpullis, da es dort ja so sein muss. Keine Ahnung ob das logisch ist, eher nicht. Ripped jeans stören mich garnicht, es sei den die jeans hat im Schritt ein Loch von der Abnutzung. Manchmal wünsche ich mir mehr Verständnis aber es scheint den meisten einfach nicht logisch und unverständlich. Ich kann mir nicht vorstellen was man dagegen machen kann. Wie würde die Therapie aussehen? Eine Woche ans Bett gefesselt mit einem löchrigen Laken? Nein Danke.... 😊

    Béa Beste
    Antworten 22. April 2019

    Oh je. So schlimm ist es bei mir nicht. Aber ich habe mit einem Therapeuten bereits gesprochen, ich werde eine Therapie dagegen machen und auch berichten, hier im Blog. Er meinte, bei mir sind 2-3 Sitzungen ausreichend. Liebe Grüße, und noch was: Mit Logik hat das alles nicht zu tun... Béa

    Katrin Mühl
    Antworten 14. Juni 2019

    Ich bin erleichtert, zu lesen, dass es nicht nur mir so geht! Leider kenne ich niemandem in meinem Umfeld mit der gleichen Macke. Und weil es so irrational ist, halte ich das auch geheim.

Johanna
Antworten 28. April 2019

Hallo ihr Lieben.
Ich bin hier auf deine Seite gestoßen, weil ich mal bisschen im netzt gestöbert habe, was mit meiner Tochter los ist.... Sie wird bald 4 und lehnt seit ca. einem jahr alles ab was ein loch hat... sei es käse-den sie eig. liebt, kekse, Schokolade, Erdbeeren... egal welche Lebensmittel.
Und bei Kleidung, Decken und Bettlaken ganz arg... sobald es auch nur ein Mini-loch hat, mag sie es nichtmal mehr anfassen... aber anscheinend gibt's das öfter...
Mich würde wirklich sehr interessieren wo das herkommt. Also wenn du neues zu berichten hast, wär ich froh wenn du's uns auch wissen lässt....
Danke, und toitoitoi bei der Loch-Therapie

Nico
Antworten 22. Mai 2019

Lustig. Also für Euch natürlich überhaupt nicht und da ich die zum Vergleich genutzte Spinnenphobie kenne, kann ich trotz aller Verwirrtheit irgendwie mitfühlen. Bei mir haben 2 Hypnosesitzungen quasi Wunder gewirkt. Ich finde Spinnen zwar immer noch unsympathisch, aber Angst und Ekel sind weitgehend verschwunden. Vielleicht hilft Dir/Euch das ja auch. So eine Phobie ist ja tatsächlich im Aöltag belastend. Vor allem wenn es gerade Trend ist.

    Béa Beste
    Antworten 22. Mai 2019

    Spannend. Ich wollte demnächst eine Therapie machen... Liebe Grüße, Béa

Katrin Mühl
Antworten 14. Juni 2019

Auf die Therapie bin ich gespannt! Sollte ich mir auch überlegen, denn ich hasse diese Marotte.

Einen Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit einem Stern (*) markiert.