Das Problem mit den Vorher (dick) Nachher (dünn) Bildern …


Mariah Carey, Rebel Wilson, Adele, Missy Elliot – all diese Frauen haben eines gemeinsam: Sie werden dafür gefeiert, dass die sehr viel Gewicht verloren haben. Warum ich diese Vorher (dick) Nachher (dünn) Bilder allerdings äußerst problematisch finde, erkläre ich hier.

Kurz vorab:


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1. Ich schreibe diesen Beitrag aus der Sicht einer Frau mit einem „Normkörper“.

2. Ich schreibe ihn aber auch aus der Sicht einer Frau, in deren Familie sehr viele Menschen mit Übergewicht zu kämpfen haben, und mir sehr früh eingebläut wurde, auf meinen Körper aufzupassen. Weil ich nun mal die Gene meiner Familie habe.

3. Und ich schreibe diesen Beitrag aus der Sicht einer ehemals essgestörten Person, deren Körper und Gewicht einst ihr ganzes Leben bestimmt hat. Dieses Thema geht mir wirklich nahe.

So, und nun zum Eigentlichen:

Vorher (dick) Nachher (dünn)

Kennt ihr diese Klatschseiten, in denen Stars mit Vorher-Nachher-Bildern gezeigt werden, und als Überschrift: Wow, man erkennt sie gar nicht wieder! So viel hat Adele inzwischen abgenommen!“ steht?

Oder auch diese Instagram Collagen! Schließlich gibt es dort eine riesige Fitness-Bubble, die ebenfalls von Vorher-Nachher Schnappschüssen überflutet wird. Wer so etwas teilt, ist stolz auf seine Transformation, will andere inspirieren und motivieren. (Das gibt es übrigens auch andersherum – wenn ehemals dünne Menschen – oft Männer –  zeigen, wie viele Muskeln sie inzwischen haben.)

 

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Aber warum? Warum macht es uns stolz, wenn wir abgenommen haben? Warum möchten wir diesen Erfolg teilen, aber verbergen es, wenn wir zugenommen haben?

Dicke Menschen haben sehr viele negative Zuschreibungen.
Und dünne Menschen viele positive.

Wer dick ist, muss sich eine Menge Sprüche gefallen lassen. Und wenn es keine Sprüche sind, dann ist es zumindest ein Bild, das die Allgemeinheit von dicken Menschen hat.

„Dicke Menschen essen viel. Dicke Menschen sind undiszipliniert. Dicke Menschen sind ungesund.“

Wer hingegen ist, bekommt zwar auch die ein oder anderen Hiebe, aber im Allgemeinen wird hauptsächlich positiv über schlanke und dünne Menschen gesprochen.

„Wer dünn ist, kann ich zusammenreißen. Wer dünn ist, ist diszipliniert. Wer dünn ist, ist gesund. Wer dünn ist, ist schön.“

Dabei ist ein Stigma nur ein Stigma.

Gesundheit und Gewicht müssen nicht zusammenhängen

Selbstverständlich kann hohes Gewicht gesundheitliche Auswirkungen auf den Körper haben, aber das gilt ebenso für niedriges Gewicht. Und manchmal blüht die Gesundheit, ganz unabhängig vom Gewicht, denn schließlich gibt es so vieles, was den Körper gesund hält. Sport zum Beispiel. Oder kein Rauchen/Trinken. Und natürlich die Ernährung.

Apropos Ernährung…

Dicke Menschen sind nicht dick, nur weil sie mehr essen!

Denn das ist ebenfalls ein Stigma, an das viele glauben. Wer sehr viele Kalorien zu sich nimmt, legt zwar mit der Zeit an Gewicht zu, aber das ist nicht der einzige Grund.

Genetik spielt dabei eine große Rolle (Stoffwechsel usw.)

Oder auch körperliche Begebenheiten. Wer Knieprobleme hat, kann nicht zwanzig Kilometer joggen gehen, und hat nicht dieselben Voraussetzungen wie jemand ohne Knieprobleme.

Und dann natürlich die Psyche, die ebenfalls einen Einfluss auf den Körper/das Essverhalten haben kann.

Ich könnte noch ewig aufzählen, aber Fakt ist, dass nicht alle dicke Menschen dick sind, weil sie mehr oder zu viel essen.

So, nun, da ich festgehalten habe, dass dicke Menschen stets in ein negatives, und schlanke/dünne in ein positives Licht gerückt werden, wenden wir uns wieder den Klatschseiten zu.

Sind die Frauen nun mehr wert, weil sie dünner sind?

Indem wir Frauen, die abgenommen haben (denn es sind fast immer nur Frauen, die auf diesen Seiten abgebildet werden) in ein positives Licht rücken, weil sie nun angeblich viel schöner und gesünder aussehen, sagen wir indirekt, dass die früher nicht schön und gesund waren. Damit heben wir den Wert von schlanken Menschen und senken den der Dicken herab. Und das prägt uns.

Was unsere Vorbilder schaffen, können wir auch!

Vorbilder motivieren uns, besonders dann, wenn wir mit ähnlichen Dingen zu kämpfen haben. Das Thema Gewicht spielt bei sehr vielen Menschen eine große Rolle. Wenn wir sehen, wie ehemals dicke Menschen dafür gelobt werden, dass sie jetzt dünn sind, macht das was mit uns. Ich jedenfalls bin immer voll darauf angesprungen, und dachte mir: Wenn sie es geschafft hat, in einem halben Jahr 30 Kilo abzunehmen, dann schaffe ich doch locker auch, meine überschüssigen Kilo loszuwerden (da war ich übrigens schon fast im Untergewicht).

Das Schönheitsbild ändert sich.

Glücklicherweise gibt es auch gute Nachrichten. Das Schönheitsideal wird zwar nie verschwinden, aber es ändert sich stetig. Inzwischen werden Menschen mit Kurven ebenfalls als schön empfunden, was daran liegt, dass es viele tolle Vorbilder wie Lizzo gibt, die sich nicht viel aus ihrem Gewicht machen… oder eben viel aus sich machen!

Und auch sonst wird heutzutage auf mehr Repräsentation wert gelegt. So sehen wir immer mehr Filme und Serien, in denen nicht nur gertenschlanke Models die Hauptrolle besetzen, oder lesen Bücher von Protagonist:innen mit unterschiedlichen Körpertypen.

Nun habe ich sehr viel über das Thema Gewicht gesprochen, aber natürlich gibt es noch viele andere Aspekte, in denen das Schönheitsideal andere ausgrenzt. Andere Haartypen, zum Beispiel. Oder andere Hautfarben. Oder auch Schrammen, Narben, Prothesen oder körperliche Behinderungen.

Der Wandel ist langsam, aber er passiert, und vielleicht würde er sein Tempo beschleunigen, wenn diese Transformationsbilder ein für alle Mal abgeschafft werden würden.

Was sind eure Gedanken zu dem Thema?
Was haltet ihr von diesen vorher (dick) nachher (dünn) – Bildern?

Liebe Grüße
Mounia

Mounia
About me

Ich - 25 Jahre alt, Studentin, Kinderanimateurin, begeisterte Hobbyköchin und abenteuerlustig! Meine absolute Leidenschaft ist das Schreiben und Festhalten von Momenten.

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1 Kommentare

Bea
Antworten 19. April 2022

Liebe Tollabea,
Ich stimme dir in jedem einzelnen Satz zu - du sprichst mir aus der Seele!
Mir selbst war bis vor kurzer Zeit auch nicht bewusst, in welchen Mustern ich selbst festhänge… Auf mich und meinen Körper schaue ich ebenfalls schon immer. Seit ich denken kann bin ich dünn. In meiner Jugendzeit begann dann die Essstörung in Form einer Magersucht. Noch schlanker, noch weniger Körperfettanteil. Alles musste weg.
In meinen frühen 20ern bekam ich dann gesagt, ich hätte etwas zugenommen. Von den Menschen sicherlich nicht böse gemeint - ich hatte nun endlich Normalgewicht. Ausgelöst hatte das eine Ess-Brech-Sucht, mit der ich bis heute immer wieder zu kämpfen habe.
Nun bin ich Mitte 20, pendele immer wieder zwischen „es ist ok wie ich bin und ich bin zu dick“.
Lasst uns gemeinsam darauf schauen und die Vorbilder für künftige Generationen ändern. Wir müssen uns wohlfühlen, um schön zu sein. Und das bedeutet nicht, bis auf die Knochen abgemagert zu sein.

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