Wie der Wunsch nach Schönheit und Glück schnell in einer Essstörung enden kann – Gastbeitrag von Mia


Vielleicht erinnert ihr euch noch an Mia von Mias Anker. Sie hat bei uns neulich  über den Beginn ihrer Essstörung in der Schulzeit geschrieben und die Gefahren von Essstörungen aufgezeigt. Nun teilt sie wieder einen wichtigen Beitrag mit uns, nämlich einen über das Streben nach Schönheit und Glück. Denn sie weiß aus erster Hand, dass dieses unscheinbare Hinsteuern schnell in einer gewaltigen Essstörung enden kann.

Liebe Tollabea Leserinnen und Leser,

eine der großen Ursachen für Essstörungen ist das Unwohlbefinden des eigenen Körpers und das damit verbundene Streben nach Schönheit.

Schönheit öffnet Türen…

Ich verstehe den Schönheitsdrang, den viele empfinden, schließlich haben wir es ja wirklich leichter im Leben, wenn wir schön aussehen. Es ist unfair, aber leider nicht vermeidbar. Wir Menschen reagieren positiv auf schöne visuelle Dinge. Das Problem ist nur, dass wir oft denken durch Schönheit auch glücklich zu werden.

Schönheit macht nicht glücklich!

Während der Phasen meiner Essstörung hatte ich verschiedene Körperformen, die sich alle im „normalen“ und dünnen Bereich abspielten. Keine davon war übermäßig dick, oder dünn. Ich war sehr nah am Ideal dran und doch war ich nicht glücklich.

Ich wollte immer mehr und mehr und mehr.

Hatte ich mein Ziel erreicht, wollte ich es übertrumpfen. „Nur 3 Kilo weniger“, sagte ich zu mir selbst. Und wenn ich es erreicht hatte, verdoppelte ich mein Ziel. Kurz gesagt: Ich war unersättlich darin weniger zu wiegen.

Und das ist der Teufelskreis der Essstörung.

Viele glauben, dass sie mit ihren festgesetzten Zielen glücklicher werden können, aber die Zahl der Waage ist kein Indikator für das Glücklichsein. Genauso ist es mit anderen Mitteln, um Schönheit zu „erschaffen.“ Plastische Operationen, Diäten, Schminke, Kleidung… Schönheit ist nur das, was wir mit unseren Augen sehen. Ein schöner Mensch muss nicht automatisch auch von innen schön sein. Und ein schöner Mensch muss erst recht nicht glücklich sein.

Schönheit ist nicht der Weg zum Glück.

Ich bin der Meinung, dass die meisten Menschen auf der Welt einfach nur glücklich im Leben sein wollen. Dafür gehen wir aber leider den „falschen“ Weg. Falsch sage ich, weil es sie unglücklich macht. Selbst wenn wir sagen, dass wir uns nur schminken, weil es uns Spaß macht, würde ich entschieden dagegen argumentieren. Schließlich schminken sich die meisten auch nicht, wenn sie den ganzen Tag zu Hause im Bett liegen, oder? Wir tun viel für andere, ohne dass es uns überhaupt bewusst ist. Wir wählen diesen Weg, weil wir glauben so glücklicher zu werden. Doch was bedeutet schön Glück –  etwa Schönheit? Oder Freude? Liebe? Geborgenheit?

Die meisten Kinder und Jugendlichen sind bereits von dem Schönheitsdruck befallen.

Ihr seht sicher schon selbst, dass immer mehr junge Leute eine enorme Wichtigkeit im Bereich Schönheit sehen. Eigene Makel kritisieren, schminken, auf das Gewicht und Äußere achten… Leider sind das keine vereinzelte Fälle mehr, sondern schon fast die Norm. Jugendliche befinden sich während ihrer Pubertät in einem  Wandlungsprozess ihres Körpers und ihren Vorstellungen eines „richtigen“ Körpers.

Eine australische Langzeitstudie hat herausgefunden, dass viele Teenager ihr Körpergewicht durch Diäten und Sport zu kontrollieren. Dies alles zählt bereits zu essgestörtem Verhalten. Besonders auffällig ist, dass Mädchen (insbesondere übergewichtige) in eine Ess/Brechsucht (Bulimie) rutschen, um ihr Gewicht zu kontrollieren.

Man rutscht so schnell rein, aber kommt so schwer raus.

Nach Jahren des Kampfes kann ich von mir noch nicht behaupten, dass ich die Essstörung erfolgreich überwunden habe. Sie ist noch zu stark in meinem Denken verstrickt und bestimmt manchmal über mich – was ich anziehe oder esse. Das ist kein Leben, sondern Zwang. Wozu schön sein, wenn man krank ist? Wozu schön sein, wenn man trotzdem nicht glücklich ist?

Redet ihr mit euren Kindern darüber, dass Schönheit nicht glücklich macht?

Es ist immer einfacher seinen Körper zu akzeptieren und mit all seinen Makeln „lieben“ zu lernen. Nicht nur diejenigen, die auf Modelplakaten stehen, sind schön – sondern diejenigen, die sich auch wohlfühlen!

 

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In meinem neuen Beitrag (Link in der Bio schreibe ich über Body Positivity und Schönheitsideale. Hier ein kleiner Ausschnitt: . Auf die Frage hin, was ich von Schönheitsoperationen halte, kam ich ins Stutzen. Aus der Perspektive einer Person mit Essstörung und Befürworterin von Body Positivity konnte ich diese Frage nicht so leicht beantworten. Eigentlich finde ich nämlich nicht, dass Selstoptimierung immer der Schlüssel des Ganzen ist. Vielmehr versuche ich mich mit meinem Körper und all seinen vermeintlichen „Makeln“ zu akzeptieren. . Das Schönheitsideal ist der Hauptgrund, warum die meisten Menschen ihren Körper optimieren wollen. Mir scheint allerdings, als wissen die meisten Menschen nicht, warum sie ihren Körper überhaupt verändern wollen. . Wenn Menschen sich zu Schönheitsoperationen entscheiden, dann sollen sie das tun. Ich möchte deswegen niemanden verurteilen, egal, wie alt er oder sie ist. Dennoch möchte ich im Namen der Body Positivity Bewegung sagen, dass es noch eine andere Möglichkeit gibt, nämlich der, seinen Körper so zu akzeptieren, wie er ist. Mit all seinen Dellen, Narben, Schwangerschaftsstreifen und unrasierten Beinen. Schön sind diejenigen, die sich wohlfühlen! ♥

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Alles Liebe,

Mia von Mias Anker

Anmerkung von Béa: Übrigens, liebe Mütter und Väter mit jungen Mädchen, ich kann Mias Blog wärmstens empfehlen, um genau diese Themen anszusprechen…

PS. von Mia: Falls euch dieses Thema interessiert, empfehle ich euch diesen TED Talk mit Model Cameron Russel!

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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