Der sogenannte „Schambereich“ – müssen wir uns wirklich dafür schämen?


Sprache ist machtvoll – dass ich diese These vertrete, wisst ihr sicher schon wegen meiner Beiträge, in denen ich zum Gendern motiviere. Nun habe ich mir ein weiteres Wort rausgepickt, und zwar den sogenannten Schambereich. Ein Wort, das zwar alle kennen, aber dringend hinterfragt werden sollte.

Um ehrlich zu sein fühlt es sich komisch an, einen Beitrag zu schreiben, in dem in der Überschrift das Wort „Schambereich“ steckt. Denn ja, ich schäme mich ein bisschen dafür, darüber zu reden – und genau das ist das Problem. Warum empfinde ich Scham, wenn es um Gespräche über den Intimbereich geht? Schließlich gehört auch er zu meinem Körper.


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Und doch verwenden wir Obst als bildliche Darstellung von Geschlechtsorganen – ein wirkliches Abbild ist aus verschiedenen Gründen verboten. Aber warum? Weil wir uns dafür schämen müssen?

Der sogenannte Schambereich

Gemeint ist eigentlich die Vulva, also die Geschlechtsorgenae, die von außen zu sehen sind. Dazu zählen die „Schamlippen“ (schon wieder das Wort Scham), der Vensuhügel, die Klitoris und der Eingang der Vagina. Auch die Schamhaare (und wieder ist die Scham hier drin) sind von außen zu sehen.

Viele denken bei der weibliche Intimzone fälschlicherweise an die Vagina, aber diese beschreibt nicht die äußeren, sondern die inneren Geschlechtsorgane. Das, was man sieht, ist nicht die Vagina, sondern die Vulva. Bei Männern sind es der Penis und die Hoden, und auch diese werden als „Schambereich“ beschrieben.

Das Wort Scham

Der Duden beschreibt das Wort Scham wie folgt:

durch das Bewusstsein, (besonders in moralischer Hinsicht) versagt zu haben, durch das Gefühl, sich eine Blöße gegeben zu haben, ausgelöste quälende Empfindung

Wikipedia schreibt:

Auslöser für Schamgefühle können innerseelische Vorgänge sein, wie zum Beispiel der Eindruck von Peinlichkeit oder Verlegenheit, aber auch die Bloßstellung oder Beschämung durch andere Menschen in Form von Demütigungen oder Kränkungen.

Und im Altdeutschen hatte das Wort Scham sogar die Bedeutung, etwas zu „bedecken“ – so wie es heute von der Intimzone verlangt wird.

Harte Worte, oder? Scham ist etwas zutiefst Unangenehmes, etwas, das man am liebsten von sich stoßen möchte, weil es so intensiv und schmerzhaft ist. Empfinden wir Scham, möchten wir uns am liebsten ganz klein und unsichtbar machen.


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Dabei ist Scham etwas Menschliches. Wir alle schämen uns hin und wieder und das ist okay. Das heißt aber nicht, dass diese Scham auch immer berechtigt ist. Oft schämen wir uns für Dinge, für die es nichts zu schämen gibt. So wie ich es gerade tue, während ich einen Beitrag über den „Schambereich“ schreibe, weil das Thema in unserer Gesellschaft nach wie vor tabuisiert wird…

Warum wird Scham überhaupt mit der Intimzone in Verbindung gebracht?

Warum wird uns indirekt vermittelt, uns für diesen Beriech unseres Körpers zu schämen? Wenn wir das weiterhin tun, werden wir ihn nach wie vor negativ besetzen. Dabei muss das überhaupt nicht sein. Wir können darüber reden – ohne Scham. Und ohne das Wort in dem Begriff.

Nennt sie beim Namen: Vulva, Vulvalippen, Vagina, Penis, Hodensack. Aber nicht Schambereich.

Sollen wir das Wort Schambereich dringend ablegen?

Vielleicht würden einige behaupten, dass das früher einmal so war, aber man heute gar keine Scham mehr mit dem Schambereich in Verbindung setzt. Das mag zwar stimmen, aber wie bereits zu Beginn gesagt, ist Sprache mächtig. Was wir sagen, spiegelt unseren Blick auf die Welt. Was wir sagen, brennt sich in uns ein – selbst, wenn wir es nicht bewusst wahrnehmen.

Falls ihr euch mehr für das Thema interessiert, könnt ihr euch das neue Video von Auf Klo anschauen. Dort werden 5 Fakten rund um die Vulva erklärt!

Buchtipp „Untenrum frei“ von Margarete Stokowski

Auch sehr ans Herz legen kann ich euch dieses Buch. Es ist eine Sammlung an Essays, in der der Begriff Feminismus sehr anschaulich erklärt wird. Unter anderem geht es in einem Essay „Nicht als Prinzessin geboren“ um den sogenannten „Schambereich“!

Was sind eure Gedanken zu diesem Thema? Und Béa würde gern wissen, welche Namen ihr mit den Kindern nutzt wenn ihr über Geschlechtsorgane redet?

Und: Fallen euch noch andere problematische Begriffe ein, die man einfach so sagt, ohne sie groß zu hinterfragen?

Liebe Grüße
Mounia

Mounia
About me

Ich - 25 Jahre alt, Studentin, Kinderanimateurin, begeisterte Hobbyköchin und abenteuerlustig! Meine absolute Leidenschaft ist das Schreiben und Festhalten von Momenten.

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3 Kommentare

Steffi
Antworten 12. April 2021

Wie wäre es mit Yoni für die weiblichen Geschlechtsteile?
Sehr interessant und positiv finde ich zu dem Thema die Arbeit einer Sexualtherpeutin, z.B. Steffi Gruber von yonikraft.

Yelena
Antworten 30. Mai 2021

Danke für den Beitrag zu dem weiblichen Geschlecht. Ich persönlich hatte nie was gegen den Begriff "Schamlippe", da es sich so in unsere Gesellschaft etabliert hat. Jedoch ist es wirklich fraglich, wieso genau das Wort "Scham" dafür verwendet wurde. Es stimmt, dass Scham etwas Menschliches und auch in unserem Alltag unvermeidbar ist.

Meike
Antworten 8. September 2021

Danke für diesen Beitrag. Ich spreche mit meiner fast Fünfjährigen von Vulva und Vagina aber auch von Schamlippen. Vulvalippen sind für mich verständlich allerdings weit entfernt von gebräuchlich. Ich habe ihr das schon erklärt, dass es verschiedene Begriffe gibt aber das Allgegenwärtige zu verabschieden ist halt ein langer Prozess in unseren Köpfen.

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