Miss Germany? Warum gibt es überhaupt noch diese sexistischen und diskriminierenden Schönheitswettbewerbe?


Da mir in den letzten Tagen eine Menge News zum Thema Miss Wahlen angezeigt wurde, habe ich mir mal Gedanken gemacht, und bin zum Entschluss gekommen, dass ich nicht verstehe, warum es diese sexistischen und diskriminierenden Schönheitswettbewerbe überhaupt noch gibt…

Seit meiner Bachelorarbeit, in der ich über Body Shaming geschrieben habe, interessieren mich die Themen Schönheitsideale und Body Shaming. Je mehr ich mich in die Literatur einlas, desto klarer wurde mir, welch großen Einfluss das Schönheitsideal auf unser Leben, aber auch auf unsere psychische Gesundheit hat. Das Ideal ist nämlich so machtvoll, dass es jedem, der nicht ins Raster fällt, einen imaginären Tritt in den Hintern verpasst, und konsequent ausschließt. Schöne haben es im Leben leichter? Ja, das ist leider wahr. Dass es oberflächlich und unfair ist, allerdings auch. Und was gibt es wohl Oberflächlicheres als Schönheitswettbewerbe?

Schönheitswettbewerbe haben eine lange Tradition.

Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts werden sie praktiziert. Damals fanden die Wahlen noch aus Angst vor einem „Skandal“ (viel Haut zeigen in der Öffentlichkeit) hinter verschlossenen Türen statt und die Gewinnerinnen wurden ausschließlich von männlichen Juroren bestimmt.

Heute versuchen Schönheitswettbewerbe weniger oberflächlich zu erscheinen.

Ich schreibe hier bewusst versuchen und erscheinen. Meiner Meinung nach misslingt ihnen das nämlich gründlich. Auf der Website steht, dass sie Frauen zwischen 18 und 39 suchen – das beinhaltet die verschlüsselte Botschaft, dass alle Frauen ab 40 nicht mehr schön genug sind, um als Schönheitsköniginnen durchzugehen. Old Shaming sag ich da nur (das ist, wenn „ältere Frauen“ für ihren alternden Körper, zum Beispiel ergraute Haare oder Falten diskriminiert werden). Zudem heißen die Kandidatinnen und Gewinnerinnen „Miss“ – eine alte englische Bezeichnung für junge unverheiratete Frauen. Selbst der Titel sagt sehr viel über die Form des Contests aus, welches jüngere Frauen bevorzugt.

Die Welt hat im letzten Jahr einen Artikel darüber geschrieben, warum Schönheitswettbewerbe nicht erdrückend, sondern feministisch sind. Der Artikel begründet seine These, dass Frauen dies keineswegs tun, um sich dem Patriarchat zu unterwerfen, und nicht nur hübsch sind, sondern auch im Leben stehen. Okay, schön und gut, aber mir erklärt sich trotzdem nicht, warum sie nach wie vor diskriminierend und sexistisch ausgelegt sind…

Alle Gewinnerinnen entsprechen dem „Schönheitsideal“.

Zugegeben, sie sind nicht alle „dürr“, wie man es sonst aus Germany’s next Topmodel kennt, aber  trotzdem allesamt schlank. Eine Frau mit ein bisschen mehr auf den Hüften gibt es nicht. Impliziert das nicht, dass diese Frauen aufgrund ihrer Figur nicht schlank genug sind, um Miss Germany zu werden? Ich könnte mir sogar vorstellen, dass viele Frauen sich deshalb nicht bewerben, weil sie ohnehin denken, dass sie mit ihrer Figur nicht gewählt werden können.

Und auch hier fehlt die Diversität…

Natürlich machen einige, wenn auch sehr wenige Frauen mit dunkler Haut mit, aber den Pokal nehmen sie trotzdem nicht mit nach Hause. Die Gewinnerinnen der letzten 10 Jahren waren alle weiß und bis auf zwei, drei Ausnahmen blond. Was bedeutet das? Schwarze Frauen sind schön, aber weiße blonde schöner?


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Ich frage mich: Warum gibt es diesen diskriminierenden und sexistischen Quatsch noch?

Mein Empfinden: Das ist überhaupt nicht mehr zeitgemäß. Erstens müssen sich Frauen in heutigen Zeiten nicht mehr mit Schönheit profilieren und schon gar nicht erst in einen Konkurrenzkampf mit anderen gehen. Was haben wir davon, wenn wir „die schönsten im Land“ sind? Haben wir es dann leichter im Leben? Bekommen wir einen Prinzen und die anderen nicht? Übrigens habe ich in meinem eigenen Blog einen Beitrag darüber geschrieben, warum das Märchen Schneewittchen, das den Kindern vorgelesen wird, ebenfalls sehr diskriminierend und sexistisch ist.

Für mich gibt es keine Möglichkeit, Schönheitswettbewerbe wie diese „anzupassen“, ohne alle Regeln zu ändern. Deshalb sehe ich die einzige Lösung darin, diese Tradition langsam aber sicher hinter uns zu lassen und uns neuen Traditionen zuzuwenden.

Filmtipp: Schaut euch Dumplin‘ an!

Dieser Film ist auf Netflix erhältlich (Werbung, weil Name genannt) enthält viele wichtige Botschaften, die alle Menschen, insbesondere junge Mädchen hören sollten. Dort geht es nämlich um ein etwas pummeliges Mädchen mit einer oberflächlichen Mutter und ehemaligen Gewinnerin des Schönheitswettbewerbs der Stadt, das aus Protest an einer solchen Wahl teilnimmt und schauen will, wohin sie das Ganze führen wird. Außerdem stellt sie sich die Frage, ob der Junge, den sie mag, überhaupt Interesse an ihr haben „kann“, weil sie eben nicht dem Schönheitsideal entspricht und deshalb etwas ganz Verrücktes ausheckt!

Außerdem ein Buchtipp: „Zwischen meinen Worten“ !

Vor einem Monat habe ich mein Buch „Zwischen meinen Worten“ veröffentlicht, wo es neben Essstörungen und Diskriminierungen, auch viel um das Thema „Schönheitsideal“ geht! Nicht zuletzt ist ein übermäßiger Fokus auf Schönheitsideale einer der häufigsten Gründe für Essstörungen, und ich empfinde es als wichtig, bereits im Jugendalter über die damit verbundenen Gefahren aufzuklären.

Was sind eure Meinungen zum Thema Miss-Wahlen und Schönheitswettbewerbe? Seht ihr das ähnlich kritisch oder ganz anders als ich?

Liebe Grüße
Mounia


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Mounia
About me

Ich - 25 Jahre alt, Studentin, Kinderanimateurin, begeisterte Hobbyköchin und abenteuerlustig! Meine absolute Leidenschaft ist das Schreiben und Festhalten von Momenten.

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