Sternenkinder: Was hilft, mit dem Verlust umzugehen?


Vor längerer Zeit erreichte uns eine sehr tragische und bewegende Geschichte von der lieben Anna, deren Baby unerwartet und viel zu früh ein Sternenkind wurde. Anna bekam Zwillinge – aber nur ein Baby überlebte. Ein Schicksalsschlag, der sie und ihr ganzes Leben für immer veränderte…

„Warum mein Baby? Ich habe mir so oft diese Frage gestellt und bis heute keine Antwort darauf erhalten. Zahlreiche Therapien und Antidepressiva wollten nicht helfen. Der Gedanke sterben zu wollen war oft präsent. Auch meine Beziehung konnte der starken emotionalen Belastung nicht standhalten.Wir haben uns letztendlich noch vor dem ersten Geburtstag der beiden getrennt.“

Ein wirklich herzzerreißendes Ereignis, bei dem einem die Worte fehlen…

„Vermutlich wusste niemand, was er sagen sollte. Was sagt man da auch am besten? Herzlichen Glückwunsch und mein Beileid? Ich hätte keine großen Worte hören wollen. Da zu sein hätte gereicht. Ich habe sehr unter dem Verlust gelitten und auch heute, fast zwei Jahre später fällt es mir noch schwer damit umzugehen.“

Nachdem sie ihre Geschichte so ehrlich in einem Gastbeitrag mit euch geteilt hat, haben wir nun euch gefragt:

Wie verhält man sich und was tut man bloß in einer Situation, wie dieser? Und was hilft vor allem den betroffenen Müttern und Vätern, um diesen schrecklichen Verlust zu überwinden?

Hier kommen einige Erfahrungen und Tipps aus der Tollabea-Community – aber zunächst ganz viel Trost, Zuspruch und eigene Bekenntnisse:

Liebe Anna, du bist nicht allein!

Viele Leser konnten sich mit Annas Geschichte identifizieren. „Unsere Tochter Helena ist 5 Tage vor ihrer geplanten Geburt verstorben. Es ist furchtbar. Was mir zudem zusetzt: Es wird totgeschwiegen, fast überall.“, teilt  Nicole Bö mit uns.

Sarah Voss ergänzt dazu: „Es ist leider noch immer ein großes Tabu Thema. Verständnis und ein offenes Ohr wären unbezahlbar für mich.“

Viele Mütter mit einer ähnlichen Situation sprechen von fast identischen Konsequenzen: Fehlendes Verständnis und Totschweigen. Was können Freunde und Familie daher am besten tun?

Seid einfach nur für sie da.

Käthe Baumgarten hat als außenstehende Person einen hilfreichen Rat: „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ‚einfach da sein‘ das Beste und Einzige ist, das man tun kann. Ohne zu urteilen, ohne zu werten, ohne überhaupt zu versuchen, das Ganze zu ‚zerreden‘. Es ist gar nicht so schwer. Und auch wenn man dann selbst weint und damit Empathie zeigt.“

„Manchmal helfen auch die kleinsten Gesten, um den Alltag zu erleichtern: Ich fand jegliche Unterstützung, der meinen Alltag einfacher gemacht hat, sehr hilfreich. Das war teilweise mehr wert als irgendwelche Beileidsbekundungen.“ so Eva Scholz.

Kommt Zeit, kommt Rat.

Christiane Eberhardt spricht aus Erfahrung mit dem Zusammenspiel der Zeit: „Die Zeit macht es einfacher. Damit umgehen zu können dauert jedoch etwas.“ Außerdem rät sie: „Eine innige Umarmung, viel Ruhe, Verständnis und Akzeptanz ist das Beste, das man in diesen Momenten geben kann.“

Und wenn es keine Worte gibt, dann gibt es eben keine Worte. 

Klar ist es schwer, sich in eine Situation hineinzuversetzen, die man nicht kennt und vor der man sich fürchtet. Aber auch dann kann man was tun: „Wenn uns als Nichtbetroffen die Worte fehlen, dann sollten wir das auch genau so sagen: ‚Ich habe keine Worte, aber ich kann dir zuhören‘, so  Katharina Kern. Zuhören ist besser, als etwas Falsches sagen. Denn bei Schicksalsschlägen wie diesen ist es gar nicht so schwer, mal den falschen Ton treffen, obwohl man es wirklich gut meint.

Ähnlich empfindet auch Eva  Scholz: „Viele haben mich einfach stumm in den Arm genommen und das reichte schon. Einige waren auch ganz offen und sagten direkt, es fehlten ihnen Worte. Das fand ich besser als irgendwelche Floskeln runterzuspulen.“

Denn der Ton macht nicht immer die Musik. Michèle Christ hat schlechte Erfahrungen mit „falschem“ Trost: „Das Schlimmste für mich war der Satz ‚Du hast ja schließlich schon zwei gesunde Kinder, damit kannst du doch auch zufrieden sein.‘ “

Es ist also höchste Vorsicht geboten, ein Thema anzusprechen, dessen Gefühlswelt ein Nichtbetroffener kaum einschätzen kann und vor dem man sich selbst ein wenig fürchtet.

Traut euch trotzdem, Fragen zu stellen.

Dieser Rat stammt von Nicole Bö, die ebenfalls ein Sternenkind hat: „Auch Mütter verstorbener Babys möchten von ihren kleinen Sternchen erzählen, die Namen ihrer Kinder hören und Fotos zeigen.“

Ein Tipp von uns wäre, dass es nach einem solchen Trauma oftmals hilfreich ist, mit einer professionellen Person zu reden, um die Trauer zu verarbeiten. Das gilt übrigens nicht nur für die trauernden Eltern, sondern auch für Familie, Freunde und Bekannte. Psychologen und Therapeuten könnten Ideen parat haben, worüber ihr mit den Eltern sprecht und wie ihr es am Besten formuliert. In einer solchen Situation ist fast jeder ratlos und weiß nicht, wie er oder sie damit umgehen sollte.

Abschließend noch ein wunderschönes Zitat von Sylvi Jonathan , die mit ihrer ehrlichen Sicht genau auf den Punkt trifft, was eine Sternenmama empfindet und was sie sich am meisten wünscht:

„Für mich ist sehr wichtig, dass ich als Mutter gesehen werde. Das man meine Sternenkinder aus gut gemeinter Rücksicht nicht verschweigt. Dieses ‚Ich will dich nicht daran erinnern‘ funktioniert bei mir nicht. Ich denke sowieso jeden Tag an sie und ich tue es gern.
Unsere Kinder sind Sternenkinder. Aber wir sind trotzdem Mamas. Für mich ist das Schönste, wenn jemand sagt: Komm setz dich und erzähl mir von deinen Kindern. Ich habe mal eine Geschichte gelesen. Darin wird erzählt das Feen aus den verstorbenen Seelen von Kindern entstehen. Und wenn sich keiner mehr an die Kinder erinnert und wenn von ihnen nicht mehr erzählt wird, wird die Fee erst krank und stirbt dann. Die Botschaft hinter der Geschichte ist für mich stimmig und wunderschön.“

Also liebe Community, traut euch ruhig, das Thema anzusprechen. Stellt Fragen, bleibt aufmerksam und fragt, was ihr für die Eltern tun könnt.

Und Sternenmamas – und Papas: Lebt eure Trauer aus, ihr habt das Recht so zu empfinden und zwar so lange ihr wollt. Ihr müsst nicht immer stark sein und alles herunterschlucken. Egal, wie jung ihr wart, egal, wie früh die Schwangerschftswoche war und egal, wie viel Zeit seitdem vergangen ist; ihr dürft so empfinden! Mit viel Trost, Liebe und Stärke könnt ihr das Trauma hoffentlich eines Tages überstehen und wieder nach vorne blicken.

Was uns auch erreicht hat, ist eine zauberhafte Idee: Mapapu!

Ein Mapapu ist ein MAma-PApa-PUppen-Tier, zusammen­genäht aus euren Lieblings-T-Shirts. Das ist tolla: Größere Kinder erkennen sofort die Stoffe der Eltern wieder. Bei kleineren Kindern werden mapapus sofort über den Geruch ins Herz geschlossen, denn: mapapus sind Eltern­geruchs­verströmer. Das symbolisiert für kleine UND große Kinder Vertrauen, Bindung, Liebe, Geborgenheit und Schutz.

Der Anbieter von Mapapu sorgt sich auch um Trauernde – mit einer ganz speziellen Aktion:

Und dabei können Eltern von Sternenkindern sich einer Gruppe anschließen.
Wunderschön – oder?

Hier noch einmal der ganze Beitrag von Anna.

Eine Mutter will über ihr Sternenkind reden können

Eure Mounia

Mounia
About me

Ich - 24 Jahre alt, Studentin, Kinderanimateurin, begeisterte Hobbyköchin und abenteuerlustig! Meine absolute Leidenschaft ist das Schreiben und Festhalten von Momenten. Und durch ein Praktikum bin ich nun bei Tollabea gelandet und werde hoffentlich weiterhin viel lernen und den Blog damit erweitern. :)

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