5 Dinge, die ich als Kind über deutsche Essgewohnheiten nicht wusste


Nur weil ich in Deutschland geboren und aufgewachsen bin, bedeutet das nicht, dass ich alles über die deutsche Kultur weiß. Ich habe mal meine Erinnerungen durchforstet und fünf Dinge für euch zusammengetragen, die ich als Kind mit Migrationshintergrund nicht über deutsche Essgewohnheiten wusste.

Ihr wisst ja, dass meine Eltern beide einen Migrationshintergrund haben. Demnach bin ich zwar in Deutschland, aber trotzdem zwischen verschiedenen Kulturen aufgewachsen. In den ersten 5-10 Jahren meines Lebens war unser Haushalt besonders traditionell. Die Wohnung war in einem orientalischen Stil eingerichtet und das Essen war fast ausschließlich arabisch. Später wurde es immer weniger.

Während dieser Zeit wusste ich natürlich nicht, wie es sich in deutschen Haushalten lebte, und ob es überhaupt anders war. Erst bei Besuchen oder Übernachtungspartys wurde mir klar, dass, wenn es um das Thema Essen ging, es ein paar Dinge gab, die ich einfach nicht wusste.

Bevor ich meine fünf Dinge allerdings teile, muss ich erwähnen, dass die Haushalte, von denen ich euch erzähle, aus meinem individuellen Blickfeld stammen. Ich gebe dadurch keine allgemeingültige Meinung über deutsche Essgewohnheiten ab, ich vergleiche sie lediglich mit meinen.

Hier sind 5 Dinge, die ich als Kind über deutsche Essgewohnheiten nicht wusste:

1. Tee wird ohne Zucker getrunken!

Vielleicht erscheint es euch banal, aber lasst mich Folgendes sagen: In Marokko gibt es den traditionellen Minztee mit frischen Blättern und gefühlt einem Kilo Zucker. Der Tee ist so unfassbar süß, dass sich anschließend ein unangenehmer Film auf den Zähnen bildet. Dennoch ist er natürlich sehr lecker.

Anders war es, als ich zum ersten Mal einen Tee bei Freunden trank. Zunächst einmal gab es den in seltsamen Beuteln, und dann auch noch ohne den Kilo Zucker. Beim Geburtstag meiner besten Freundin trank ich zum ersten Mal ungesüßten Tee und war anschließend völlig verwirrt, wie etwas, das so fruchtig roch, einen so bitteren Geschmack hatte.

2. Leberkäse ist kein Käse!

Jep, peinlich aber wahr. Bei uns zu Hause gab es kein Schweinefleisch und daher auch keinen Leberkäse (heute gibt es ja inzwischen auch Alternativen ohne Schweinefleisch). Ich dachte daher, dass Leberkäse eben irgendeine Käsesorte war. Ich fand es nur sehr spät heraus, weil dieser „Käse“ eben nie in unserem Kühlschrank landete.

3. Abendbrot ist wirklich „Brot“!

Was mich noch „flashte“, war, dass bei meinen deutschen Freunden Abends oftmals Brot gegessen wurde. Ich dachte, dass man das nur so sagt, genau wie eine Warteschlange keine richtige Schlange ist.

Bei mir zu Hause gab es zum Abendessen immer etwas Warmes und Deftiges. Brot gab es ausschließlich zum Frühstück. Ich muss gestehen, dass ich deshalb anfangs etwas enttäuscht war, als es bei Übernachtungsabenden bei Freunden bloß Brot gab. Es ist nämlich so, dass meine Mutter sich, wenn ein Gast kam, besonders viel Mühe beim Essen gab. Ich dachte also, dass man sich für mich keine Mühe gab.

4. Wo ist der Kümmel auf dem Ei?!

Ja, ich wurde immer wieder schief angesehen, wenn ich nach etwas Kümmel für mein hart gekochtes Ei fragte. In Marokko wird das Ei nämlich mit Salz und einem gemahlenen, braun aussehenden Kümmel (der nichts mit dem Kreuzkümmel, der in Deutschland verkauft wird, gemein hat) serviert. Stattdessen musste ich mich mit Salz und Pfeffer begnügen, wobei ich fand, dass das gar nicht zusammenpasste.

Freunde von mir fanden es hingegen seltsam, dass ich braun aussehendes Zeug auf mein Ei streute. Sie sträubten sich lange und nur wenige trauten sich, davon zu probieren. Doch die meisten mochten den Geschmack und fanden, dass der Kümmel sehr gut zum Ei passte. Probiert es also auch mal aus!:P

5. „Nein, ich bin satt.“ – Bescheidenheit wird ernst genommen.

Abschließend muss gesagt werden, dass ich lernen musste, dass „Nein“ wirklich „Nein“ bedeutet. Wenn es um das Essen geht, ist in Marokko das „Nein“ völlig irrelevant. „Nein, ich bin schon satt.“ Tja, Pech, du bekommst trotzdem noch etwas. Ich habe sogar den Eindruck, dass es höflich ist, das Essen erst mal abzulehnen, weil jeder sowieso weiß, dass er mindestens drei Portionen verdrücken muss. Wenn meine Mutter meine Freunde also fragte, ob sie noch etwas wollten und sie höflich mit „Nein, danke“, antworteten, waren sie sichtlich irritiert, als sie ihr „Nein“ mit einem „Ach was“ quittierte und ihnen noch etwas Essen auftat.

Genau andersherum war es bei meinen Freunden mit deutschem Haushalt. Mein „Nein“ wurde wörtlich genommen und dann war Schluss. Kein Essen mehr, es sei denn, ich bat darum. Vielleicht erscheint es euch zu trivial, aber für mich war das wirklich eine Erkenntnis, die ich lernen musste.

Das waren meine 5 Dinge, die ich als Kind über deutsche Essgewohnheiten nicht wusste!

Jetzt würde mich natürlich brennend interessieren, wie das bei euch ist? Ist es in eurem Deutschen Haushalt tatsächlich so, wie in meinem Beitrag beschrieben? Und wie ist es bei anderen, die genau wie ich nicht in einem deutschen Haushalt aufgewachsen sind?

Falls euch das Thema interessiert, könnt ihr euch ja mal diesen Beitrag ansehen, den ich während meines Urlaubs in Marokko geschrieben habe;

Warum essen mit den Händen etwas sehr Schönes sein kann

Liebe Grüße,
Mounia

P.S. Und wenn wir schon übers Essen reden … habt ihr mitbekommen, dass ich ein Jugendbuch über Freundschaft und Essstörungen geschrieben habe?
Zwischen meinen Worten heißt es und gibt es hier zu kaufen!

Mounia
About me

Ich - 25 Jahre alt, Studentin, Kinderanimateurin, begeisterte Hobbyköchin und abenteuerlustig! Meine absolute Leidenschaft ist das Schreiben und Festhalten von Momenten.

DAS KÖNNTE DIR AUCH GEFALLEN

1 Kommentare

Julia Schöneberger
Antworten 14. November 2019

Sooo lustig! Meine Familie ist anscheinend, was das Essen angeht, nicht richtig deutsch. (OK, wir sind Saarländer, die sind kulinarisch wohl wirklich anders). Meine Mutter ist immer total traurig, wenn jemand nur eine Portion von ihrem Essen will und packt den Leuten gern trotz eines Neins noch was auf den Teller. Und Liebe wird mit hausgemachtem Essen (auf keinen Fall wird etwas gekauftes auf den Tisch gestellt) und mit Überfluss gezeigt. Bei Geburtstagen gibt es mindestens drei Kuchen, auch wenn nur 8 Leute da sind, gerne auch mehr, man will den Leuten ja noch was mitgeben. Ich musste ziemlich umlernen, als ich meinen Mann kennenlernte, bei denen ist einiges anders. Da ist zum Beispiel die Qualität des Weins wichtiger als die Quantität des Essens. Und wenn der Kuchen alle ist, ist nicht schlimm (Dooooooch!!!! für mich schon!).
Ich finde es spannend, das Essen so kompliziert ist, aber andererseits so wichtig für eine Zusammenleben.

Einen Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit einem Stern (*) markiert.