Wir brauchen mehr „Randgruppen“ in Hauptrollen!


Diversität – ein Wort, das vor allem durch die aktuellen Zeiten sehr großes Ansehen erhält. In diesem Beitrag möchte ich euch erklären, warum wir allerdings viel mehr bislang marginalisierte Figuren, also Vertreter der sogenannten „Randgruppen“, in unseren Unterhaltungsmedien brauchen.

Zu diesem Beitrag inspiriert hat mich ein Essay von Roxanne Gay, eine große feministische Persönlichkeit aus den USA. In ihrem Text, den ihr in ihrem Buch Bad Feminist* findet, geht es unter anderem darum „unrealistische“ Vorbilder für People of Color zu schaffen. Was sie mit „unrealististisch“ meint, erkläre ich gleich. Jedenfalls habe ich diese Idee aufgegriffen und möchte sie hier weiterspinnen.

Und wenn wir schon dabei sind: „Randgruppe“ ist auch ein doofer Ausdruck. Béa und ich haben lange geredet, ergebnislos gebrainstormt und dann entschieden: Let’s face the brutal facts. Nicht gut, gehört geändert, wer uns einen besseren Vorschlag macht um das Problem zu adressieren, dem sind wir dankbar.

Die Welt hat zu wenig diverse Vorbilder.

Obgleich es momentan im „Kommen“ ist, so sind es nach wie vor zu wenige. Die meisten berühmten Filme und Serien haben einen Großteil an weißen Menschen. Schwarze, schwule, lesbische oder Trans Figuren gibt es zwar auch, aber diese sind immer nur vereinzelt. Ein oder zwei Personen pro Film.

Auch in Deutschland ist die Darstellung von Personen, die als „Randgruppen“ gelten, das reinste Trauerspiel. Schwarze Personen beispielsweise werden oftmals als Kriminelle, Flüchtlinge o.ä. repräsentiert. Wenn sie ganz „normal“ z. B. in einer Schulklasse auftreten, dann sind sie light skinned (also „hellhäutige“ Schwarze – dark skinned Black POC’s gibt es viel weniger).

Neulich habe ich die Serie How to sell drugs online, von der mir viele sagten, dass sie „voll divers“ sei, gesehen. Mit „voll divers“ gemeint war genau eine schwarze Person (light skinned natürlich) und der beste Freund im Rollstuhl, der voraussichtlich sterben wird (weil alle Menschen im Rollstuhl bald sterben werden oder wie?!). Das war’s. Mehr Diversität gab es nicht… Und im Jahr 2020 kann ich getrost behaupten, dass das einfach nicht mehr reicht.

Diverse Vorbilder und Klischees

Noch dazu werden Vertreter der sogenannten „Randgruppen“ mit etlichen Klischees geschmückt. Der schwule beste Freund, der ganz speziell redet/gestikuliert, der lustige Schwarze, der alle zum Lachen bringt oder die Transfrau, die sich mit ganz viel Schminke eindeckt und in irgendwelchen Bordellen auftritt. Bei Netflix Produktionen habe ich zwar das Gefühl, dass allmählich ein paar Nischen entstehen, aber bei den Hollywood Blockbustern noch nicht (genug).

Aber ich rede nur vom Film – bei Büchern ist es genau dasselbe! Wenn Diversität vertreten ist, dann sind „sie“ nur die Nebencharaktere und werden ebenfalls mit Klischees ausgestattet. Dabei ist ihre Diversität der Plot des Ganzen . Die Person ist keine individuelle Person, sondern nur ihre Diversität.

Ein Beispiel: The Hate You Give* von Angie Thomas. Ein unfassbar gutes und herzzerreißendes Buch, in dem aber Rassismus das Hauptthema ist. Schwarze Protagonistin = Rassismus. Warum nicht auch mal eine Handlung, in der es gar nicht um ihre Hautfarbe und die damit dazugehörigen Einschränkungen geht? Warum nicht Schwarze Protagonistin = Familiengeschichte, Protagonistin = Reisegeschichte ?

Versteht mich nicht falsch, ich finde es wichtig, dass aufgezeigt wird, wie untergeordnet Vertreter der sogenannten „Randgruppen“ noch immer sind – aber eben nicht nur!


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Wir brauchen Vertreter der sogenannten „Randgruppen“ als „unrealistische“ Vorbilder

Und damit kommen wir zurück zu Roxanne Gay. Sie ist nämlich der Meinung, die Welt brauche mehr „unrealistische Vorbilder“. Damit meint sie, jene bislang marginalisierte Vorbilder in die Unterhaltungsbranche einzuführen, in der ihre Diversität keine Rolle spielt.

Und mehr noch: Sie will Vorbilder erschaffen, die es so gesehen im echten Leben nicht gibt.
Deswegen: „Unrealistisch“!

Wer ab hier nicht mehr mitkommt, dem erkläre ich es hier anhand eines weiteren Beispiels: Grey’s Anatomy! Kennen sicher einige von euch! In dieser Serie arbeiten viele schwarze, homosexuelle oder muslimiche Ärzt*innen. Allerdings spielt es überhaupt keine Rolle, welche Hautfarbe sie haben oder welcher Sexualität sie dazu gehören. Bilder, die man im „richtigen“ Leben nicht so oft sieht.

Ähnlich, aber auch nicht ganz, ist es bei der Serie Scandal*, in der eine schwarze Powerfrau erfolgreiche Anwältin ist. Dennoch, das Thema kommt: „You have to be twice as good as them to get half of what they have.“, hat ihr ihr Vater, der absolute Machtmensch, beigebracht. „Du musst doppelt so gut sein wie sie, um die Hälfte von dem zu bekommen, was sie haben.“. Sie, das sind die Weißen. Doch Olivia ist, gerade dadurch, stark und erfolgreich.

Und genau das meint Roxanne Gay. Sie will nicht, dass das Fernsehen das zeigt, was „realistisch“ ist, sie will, dass die Medien zeigen, wie es zukünftig sein soll! Für Mehr Diversität und Repräsentation.

Bücher, Filme und Fernsehen sollen zukünftig also utopische Szenarien aufzeigen, – also so, wie es eigentlich sein soll. Eine Welt, in der Hautfarbe, Religion, körperliche/geistige Einschränkung oder Sexualität keine Rolle spielen.

Falls das alles etwas wirr war, hier mein Abschlussplädoyer:

Die Medienwelt braucht mehr diverse Vorbilder. Sie braucht sie in einem Kontext, den es heutzutage so noch nicht gibt, aber zukünftig geben soll. Sie braucht sie deshalb, weil marginalisierte Menschen auch Vorbilder brauchen. Lasst uns also Filme, Serien und Bücher unterstützen, in denen die Zugehörigkeit zu einer „Randgruppe“ überhaupt keine (oder nicht nur) eine Rolle spielt. Das wäre eine gute Ent-Marginalisierung.

Kennt ihr Bücher oder Filme/Serien wie Grey’s Anatomy, oder Scandal in denen die Diversität nur repräsentiert wird, aber keine konkrete Rolle spielt? Wenn ihr wollt, kann ich demnächst eine Liste aus euren Empfehlungen erstellen!

Liebe Grüße
Mouni

* = afilliate Links, also Mini-Werbung

PS.: Falls euch das Thema interessiert, schaut euch gern unsere bisherige Buchsammlung an:

„Wir alle sind anders und doch gleich viel wert!“ – 10 Jugendbuchtipps mit mehr Repräsentation


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Mounia
About me

Ich - 25 Jahre alt, Studentin, Kinderanimateurin, begeisterte Hobbyköchin und abenteuerlustig! Meine absolute Leidenschaft ist das Schreiben und Festhalten von Momenten.

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