Für bessere Bedingungen für Erzieher – macht ihr mit?


Also, es geht um diese Petition, die die Bedingungen für die Menschen, die in ganz frühen Jahren unsere Kinder prägen: ERZIEHERINNEN UND ERZIEHER! Wenn ihr euch hier beteiligt, wird die Politik aufmerksam auf das, was in diesem Bereich verbessert werden muss!

https://www.openpetition.de/petition/online/ministerin-schwesig-bessere-rahmenbedingungen-fuer-erzieher-innen-sonst-geht-fruehe-bildung-baden

Und hier erzählt Axel Thelen (Foto), Mitgründer der educcare Kitas, warum:

Hi Axel, kannst du ganz kurz über dich erzählen, wie du angefangen hast, Kitas zu gründen?

Also das mit der Gründung von educcare war so: Familie Thelen und hier insbesondere der damals 4 jährige Sohn Alexander haben in Brasilien tolle Erfahrungen in einer Kindertagesstätte gemacht. Richtig wohlfühlen, persönlich mit all den Stärken wahrgenommen werden, tolle Entdeckungsreisen mit den Erzieherinnen unternehmen, war angesagt. Und wir Eltern haben dank der Erzieherinnen eine Menge Neues über unseren Sohn gelernt. Dann bei der Rückkehr in das Erfinderland vom Erfolgsmodell „Kindergarten“ die Ernüchterung . Erst mal keinen Platz weder für Alexander noch für den jüngeren Bruder gefunden, in einer Elterninitiative mitgewirkt und mitbekommen, dass alle Beteiligten nicht so richtig glücklich waren. Also Workshops mit Eltern, Erzieherinnen, Leitungen, Wissenschaftern, Politikern und Unternehmen gemacht um die Anforderungen zu verstehen. Und dann haben wir educcare gegründet und das Abenteuer ging los ;-! Heute ist educcare ein Träger von inzwischen bundesweit 27 Kindertagesstätten und ca. 800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, denen frühe Bildung eine Leidenschaft ist. educcare steht für ein zweites Zuhause, exzellente Möglichkeiten zur individuellen Entfaltung und stabile Unterstützung von Familien in ihren Lebenssituationen – bei breitem Zugang.

Warum habt ihr die Petition gestartet? Was muss gerade jetzt abgewendet werden?

Wir haben das gestartet, weil wir als Träger von Kitas die tagtägliche Misere (s.u.) mitbekommen und uns als Träger in der Pflicht sehen alles uns möglich dagegen zu tun. Die Situation ist die folgende: Ständig erhöhen wir als Gesellschaft die Anforderungen an die Erzieher/innen (neue Bildungspläne, Umsetzung der Inklusion, Sprachstandsfeststellung, umfangreiche Bildungsdokumentation, um nur einige zu nennen). Auf der anderen Seite – entgegen aller Erkenntnisse auf Praxis, Wissenschaft und gesundem Menschenverstand – bleiben die Rahmenbedingungen gleich. Da können die Erzieherinnen gar nicht das einzelne Kind so wahrnehmen und begleiten wie es unzweifelhaft erforderlich ist. Da kann mangels Zeit gar nicht die Bindung und Beziehung zu den Kleinsten so aufgebaut werden, wie sie es in diesem kritischen Alter gerade brauchen. Die Belastung und geringe Attraktivität des Berufes führt damit zwangsläufig zu einem gravierenden Mangel an Fachkräften. Ade, stabile Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Da werden ganze Kitas nicht eröffnet oder müssen kurzfristig Schließtage vorgenommen werden. Stress pur für alle Beteiligten, insbesondere für uns als Eltern, die wir angewiesen sind, dass wir sicher sind, dass sich unsere Kinder richtig wohlfühlen können und das die Betreuungszeiten sicher eingehalten werden.
Wenn wir zusammen da nicht aufstehen, gefährden wir damit ganz bewusst Bildungs- und Zukunftschancen unserer Kinder, gefährden damit die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und auf gesellschaftlicher Ebene die Reduzierung von Kinder- und Familienarmut. Um hier zu wirksamen Veränderungen beizutragen, haben wir die Petition gestartet. Genau jetzt, weil sich die Situation in den Kita enorm zuspitzt, eine neue Bundesregierung am Werke ist und Anfang 2015 über die tarifliche Einordnung der pädagogischen Fachkräfte bei städtischen Trägern entschieden wird.

Kannst du bitte noch mal kernig auf den Punkt bringen: Warum sind ErzieherInnen so wichtig für unsere Gesellschaft?

Weil sie es sind, die in der besonders sensiblen Lebensphase bis zu 10.000 Stunden überaus wichtige Beziehungs- und Bildungsbegleiter unserer Kinder sind. (Unsere Kinder verbringen bis zur Einschulung bis zu 10.000 Stunden in der Kita). Weil sie es sind, die gute Kitas ausmachen, auf die wir als Familien für die Bewältigung der Herausforderungen und Verwirklichung unserer Lebensmodelle immer mehr angewiesen sind. Weil sie es sind, die der heute existierenden fatalen Abhängigkeit der Bildungschancen von der sozialen Herkunft entgegenwirken könnten – wenn Sie denn die richtigen Arbeitsbedingungen bekämen.

Warum geht das auch Leute an, die bereits große Kinder haben, die schon zur Schule gehen?

Es geht uns alle an, denn die Rahmenbedingungen verursachen gesellschaftliches Unrecht bei den Schwächsten, Kindern aus bildungsfernen Familien, welches wir aus zwei Gründen nicht hinnehmen können:
Erstens, weil es moralisch und ethisch grundsätzlich nicht vertretbar ist.
Zweitens, weil der Kit, der unsere Gesellschaft zusammenhält und der die zukünftige Lebensqualität unserer Kinder mitbestimmt, dramatisch bröckelt, wenn wir ganz Gesellschaftsschichten systematisch über mangelnde Bildungschancen benachteiligen bis ausgrenzen.

Vielen Dank für das Interview!

Béa

Hier ist der Link zur educcare und die Petition:

http://www.educcare.de/mit_wirkung.html

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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