Was gucken sich Kinder von uns Eltern für Schule und Lernen ab? Wir sind Rollenvorbilder!


Sehr oft begegnen mir Artikel und Ratgeber mit Tipps und Tricks, wie Eltern ihren Kindern den Schulanfang und die Schule als solche leichter machen können – mit lauter Ideen vom Schulweg abgehen bis hin zum Pausenbrot… Die sind klasse!

UND es kommt auch noch auf etwas anderes an: Unsere Haltung.

Denn für Kinder sind wir die ersten und wichtigsten Rollenvorbilder, die sie am meisten beeinflussen:


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Wie sie zum Lernen und der Schule stehen hängt von dem ab, was wir zu bestimmten Themen ausstrahlen und ihnen vorleben.

Ich möchte mit euch sammeln und auch euren Input in das neue Buch einfließen lassen – die Fortsetzung von „Gemeinsam schlau statt einsam büffeln“.

Ich fange hier mit vier Punkten an, die für mich im Zusammenhang mit dieser Rollenvorbildfunktion als Mutter wichtig waren – im Zusammenhang mit der Schule.

1. Begeisterung fürs Lernen

Ich mag Lernen und Wachsen, geistig und emotional. Steph (meine Co-Autorin) hat den Begriff „Lern-Junkie“ geprägt – und ich mag ihn sehr. Ich giere nach Wissen, Verstehen, Dinge besser machen. Ich lese, gehe Dingen nach, lerne andere Sprachen, sammle Informationen und versuche mir einen Reim daraus zu machen. Mein Kind hat mich immer so erlebt. Neugierig und interessiert: Über Dinge und Menschen.

Und gleichzeitig war mein Kind mein bestes Lernvorbild – ich habe mehr von Carina gelernt als sie von mir.

Daraus entstand auch die Idee des Co-Learnings !

2. Wertschätzung von Arbeit

„Ach mein Schatz, Mama kann nicht mit dir spielen, muss leider arbeiten!“

… sagen manche Eltern, und da ist nichts Falsches daran. Das Spielen mit dem Kind ist etwas, was sie wirklich vielleicht lieber tun würden! Ich wollte meinem Kind allerdings sowohl signalisieren, dass ich gern mit ihr Zeit verbringe, als auch, dass ich gern arbeite. Also habe ich öfter andere Sätze gesagt, zum Beispiel:

„Mein Schatz, ich habe gerade eine total spannende Fragestellung bei der Arbeit, lass mich das bitte schnell zu Ende machen – dann freue ich mich total, mit dir zu spielen!“

„Ich möchte sehr gern mit dir spielen! Jetzt warten aber 3 Kollegen auf mich, dass wir eine wichtige Arbeit fertig machen, das haben wir schon vor Tagen vereinbart. Wollen wir beide vereinbaren, wann wir spielen wollen? Dann dürfen die Kollegen dann eben warten und die Zeit ist für dich!“


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5. Wertschätzung von Menschen

„Der ist ein Idiot!“, „XXX ist Schuld, dass…. „, „Diese blöde Kuh!“… wenn Kinder solche Äußerungen über Menschen stets hören, bleibt es ihnen nichts anderes übrig, als:

A. Selbst über Menschen zu urteilen

B. Glauben, dass sie es verdient haben, wenn jemand über sie urteilt

Beides ist pures Gift für menschliche Beziehungen. Und wir wissen ja, dass Lernen und Schule eigentlich Beziehungssache sind… Für mich wichtig: Jeden Menschen mit Güte betrachten. Mit einem Positiv-blick. Mit Wohlwollen. Inklusive sich selbst!

4. Probleme willkommen! Knobeln und Rätseln an der Tagesordnung

Ich habe oft laut gedacht, wenn ich vor den Dingen stand, die mir Kopfzerbrechen bereitet haben. Auch wenn sie ganz klein war und gar nicht verstehen konnte, um was es genau ging. Mir war es wichtig, dass sie merkt, wie ich herangehe: Indem ich mir die Frage stelle, wie ich Dinge lösen kann – und nach Lösungswegen suche.

Ganz besonders stolz war ich auf mein Kind, dass sie sich sehr für Knobeleien und Rätsel interessiert hat und sie dadurch immer besser wurde… dass sie uns alle geschlagen hat. In „Vier gewinnt“ hat sie niemand mehr besiegt, seit sie 8 Jahre alt war. Und das Ganze hat ihr für Tests und Prüfungen in der Schule sehr genutzt: Sie ist mit der Einstellung rangegangen, sie könne gern und gut alles lösen – statt sich frustrieren zu lassen, wenn eine Lösung nicht sofort ersichtlich war.

5. Kritisches Feedback erfragen, nutzen und sogar mögen

Stichwort Frustrationstoleranz. Genau. Viele Menschen können mit kritischem Feedback nicht umgehen, sowohl als Gebende als auch an Entgegennehmende. (Übrigens wird unsere Kolumnistin mindfulsun irgendwann nochmal erklären, warum es in der Gewaltfreien Kommunikation keine Kritik gibt.) Momentan nutze ich den Ausdruck „Kritisches Feedback“ für alles, was irgendwie heißt „Das war nicht so dolle“ oder „Das wäre besser anders“.)

Nicht viele Menschen können so etwas ab. Auch ich tue es nicht immer. Aber ich bemühe mich zu sehen, dass es bei kritischem Feedback um Verbesserungen geht. Um Chancen, Dinge besser zu machen. Um Lerngelegenheiten. Und sobald mir das klar ist…. Siehe Punkt 1!

Und nun die Frage an euch:

Mit welcher Haltung zum Leben seid ihr überzeugt, dass ihr euren Kindern für die Schule helft? Was ist euch bei eurer Vorbildrolle wichtig?

Und wenn ihr Lehrer oder LehrerInnen seid:

Was würdet ihr euch wünschen, dass Eltern an Haltung ihren Kindern mitgeben?

Liebe Grüße,

Béa

 

 

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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