Die Braut, die sich nicht traut…?!


Ein weißes Kleid, der Gang zum Altar und alle starren an. Irgendwann vielleicht, denke ich. Warum Druck machen – heiraten kann ich schließlich jederzeit. Doch jetzt, wo alle im Heiratsfieber sind, bekommt mich der Verdacht, ich sei tatsächlich die Braut, die sich nicht traut….

Verliebt, aber nicht verlobt und erst recht nicht verheiratet!

Vielleicht sollte ich zuerst einmal damit starten, dass ich – praktisch gesehen – gar nicht die Braut, die sich nicht traut, sein kann. Ich habe nicht vor, in absehbarer Zeit unter die Haube zu springen. Dennoch muss ich immer häufiger „dieses“ eine Gespräch führen.

„Dieses“ eine Gespräch

„Ihr seid ja schon eine Weile zusammen…Wollt ihr irgendwann heiraten? Bestimmt heiratet ihr, ihr passt so gut zusammen…Wie stehst du überhaupt zum Heiraten? Willst du es lieber groß oder klein halten? Magst du es traditionell oder modern? Wo würdest du heiraten wollen? Du musst auf jeden Fall auch in Marokko heiraten, deine Verwandten würden es dir sonst niemals verzeihen.“

„Dieses“ Gespräch ist demnach ein einfacher Plausch, in dem immer konkreter über bevorstehende (und wohlbemerkt nicht existierende) Heiratspläne gesprochen wird. Die Worte gehen von den verschiedensten Menschen aus. Zum einen natürlich von meinen Eltern, aber auch von Verwandten, Freund*innen, Bekannten.

Alle im Heiratsfieber

Ich verstehe, warum alle dieses Thema interessiert, schließlich heiraten immer mehr Menschen aus meinem Umfeld. Letzte Woche war es die beste Freundin meiner Cousine, heute ist es meine Cousine selbst! Auch aus meiner Schule haben immer mehr Mädels aus meinem alten Jahrgang geheiratet. Und auch sonst höre ich es von allen ecken. Die einen heiraten, die ersten bekommen Kinder. Und ich komme nicht umhin, mich wie die größter Außenseiterin zu fühlen.

Haaaalt Stop!

Nein, ich will das nicht! Meine innere Stimme schreit das laut und deutlich? Ich und heiraten? Nope! Und zwar nicht, weil ich keinen geeigneten Kanditaten dafür habe, sondern weil ich es schlicht und einfach nicht will.

„Du bist nur noch nicht bereit!“

Ja. Vielleicht bin ich noch nicht bereit. Aber vielleicht werde ich auch nie bereit sein. Ich habe nämlich auch sehr kritische Gedanken zum Thema Heirat.

Die Ehe als Institution

Ich kritisiere den Bund der Ehe deshalb so stark, weil ich ihn aus heutiger Sicht (in der westlichen Welt) veraltet finde. Früher mussten Menschen Ehen eingehen, um mit einem anderen Menschen zusammen zu sein und überhaupt Kinder kriegen zu dürfen. Nichts da mit Romantik und Liebe. Heiraten war bloß Sinn und Zweck und vor allem politisch. Ehen sicherte den Frieden verschiedener Familien/Nationen/Koalitionen. Die Frau selbst war wie ein Tier, das aus der Vormundschaft des Vaters an den Ehemann ging und quasi verkauft wurde.  Kinder aus einer Ehe hatten zudem Erbrechte. nicht eheliche Kinder nicht.


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Heute ist das nicht mehr so, die Liebe steht im Fokus. Trotzdem haben es Menschen in einer Ehe in mancherlei Hinsicht leichter. Und genau das kritisiere ich daran. Die Ehe wird einem schmackhaft gemacht, weil man dann in eine andere Steuerklasse kommt und es finanziell leichter im Leben hat. Ehepaare haben nicht so ein Papierstress, wenn sie Kinder bekommen. Eine Freundin von mir hatte ein riesiges Drama bei den Behörden, weil ihr Freund nicht als Vater anerkannt wurde. Das klingt für mich ziemlich altmodisch – als wären Menschen ohne den Bund der Ehe nicht in der Lage, ein*e Partner*in zu haben und gemeinsam ein Kind zu wollen.

Kann ich einem Menschen das Versprechen geben, für IMMER mit ihr/ihm zusammen zu bleiben?

Wenn ich daran denke, dass ich mit meinem ersten Freund noch heute zusammen wäre,  überkommt mich das große Schaudern. Damals auf Wolke sieben dachte ich natürlich schon daran, wie es wäre, für immer zusammen zu sein. Heute bin ich unendlich froh, dass wir uns gegenseitig in den Wind geschossen haben. Wir passen nicht zusammen, weil wir uns über die Jahre verändert und weiterentwickelt haben. Und das wird auch immer passieren. Die meisten Menschen entwickeln sich weiter. Manchmal haben sie das Glück, dass ihr*e Partner*in dieselbe Entwicklung macht, manchmal nicht. Kann ich einem Menschen garantieren, für immer mit ihm/ihr zusammenzubleiben? Kann ich der Person und der Zukunft das Versprechen geben, dass ich bleiben werde, komme was wolle? Nennt mich altmodisch, aber ich glaube, ich kann das nicht.

„Ich verspreche, dich zu lieben und mich zu bemühen.“

Das Gelübde st zwar nicht sehr romantisch, aber das ist alles, was ich geben kann. Sollte mein Partner irgendwann so erpicht darauf sein, heiraten zu wollen, würde ich mich nicht „aus Prinzip“ davor sträuben. Aber ich werde keine Versprechen aufsagen, die ich nicht halten kann. „Bis das der Tod euch scheidet?“ Nein! Ich steige auch früher aus, wenn ich das will. Eine Ehe verpflichtet mich nicht dazu, nur wegen eines Versprechens zusammenbleiben zu müssen, wenn ich das nicht will. Ich finde das vor allem potenziellen Kindern unfair. Im Beitrag „Ich bin dankbar für die Scheidung meiner Eltern“ schreibe ich mehr darüber.

Mein Fazit lautet also wie folgt:

Wenn ich jemanden liebe, kann ich mit ihm/ihr zusammenbleiben, ohne mich an eine Heirat binden zu müssen. Wenn ich das aus romantischen Gründen doch will, kann ich das natürlich tun. Ich werde aber nicht Versprechen in die Zukunft geben, obwohl ich nicht weiß, was in der Zukunft ist. Ich kann also guten Gewissens heiraten und mich guten Gewissens scheiden lassen.

Wie sehr ihr das? Kennt ihr den Druck, dass alle plötzlich heiraten und es auch von euch verlangt wird?

Hier nochmal der Beitrag mit der Scheidung:

Ich bin dankbar für die Scheidung meiner Eltern


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Mounia
About me

Ich - 25 Jahre alt, Studentin, Kinderanimateurin, begeisterte Hobbyköchin und abenteuerlustig! Meine absolute Leidenschaft ist das Schreiben und Festhalten von Momenten.

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