Die Glücksformel


Bestseller-Autor Stefan Klein macht mir ein Glücksgeschenk: Einige speziell für uns ausgewählte Auszüge aus seinem Erfolgsbuch „Die Glücksformel“. Hier kommen sie – und sind so wunderschön und aufschlussreich, dass sie keines weiteren Kommentars bedürfen!
(Jeder aus dem Tollabox- Team hat sich sein Lieblingsfazit ausgesucht)

Stefan Klein: „Die Lust am Leben ist uns angeboren. Das Kribbeln der Vorfreude, die Ekstase des Genusses und das warme Strömen der Sympathie zu empfinden gehört zur Grundausstattung des Gehirns. Diese Gaben sind sogar lebensnotwendig.

Menschen können in fast jeder Lage glücklich sein. Die Umstände bestimmen das Wohlbefinden viel weniger, als wir gewöhnlich meinen. Große Studien haben gezeigt: Lebensfreude ist weder eine Frage des Alters noch des Geschlechts. Sie hängt nicht vom Intelligenzquotienten, nicht von der Kinderzahl und nicht vom Kontostand ab. Ein Handwerker in Bangladesch hat andere, aber nicht weniger Gelegenheiten, sich zu freuen, als ein Angestellter in Bremen. Für beide – wie für uns alle – geht es darum, diese Gelegenheiten zu nutzen.

Viele Menschen suchen nach dem Glück «wie ein Betrunkener nach seinem Haus», schrieb der französische Philosoph Voltaire: «Sie können es nicht finden, aber sie wissen, dass es existiert.» Wenn aber die guten Gefühle im Gehirn angelegt sind und die äußeren Umstände das Wohlbefinden nur geringfügig beeinflussen (mehrere Studien sprechen von weniger als zehn Prozent), gibt es für diesen Widerspruch nur eine Erklärung: Wir stolpern bei der Jagd nach dem Glück über die eigenen Beine.

In diesem Buch habe ich versucht, ein paar Strategien für mehr Wohlbefinden vorzustellen und zu zeigen, wie und warum sie funktionieren. Anders als üblich beruhen diese Anregungen nicht in erster Linie auf Erfahrung und überlieferter Weisheit. Ihnen liegen vielmehr die Erkenntnisse der Hirnforschung aus den letzten Jahren zugrunde – allen voran die Einsicht, dass das Gehirn plastisch ist, sich also noch im Erwachsenenalter verändern kann. Deswegen können wir den Umgang mit unseren Gefühlen trainieren. Und noch etwas haben die Neurowissenschaften gezeigt: Glück ist mehr als nur die Abwesenheit von Unglück. Wir haben im Kopf eigene Schaltungen für die guten Gefühle. Dabei wirken Freude und Lust negativen Emotionen wie Angst und Trauer entgegen, so, wie der Wind den Nebel vertreibt.
Auf diesen beiden Grundprinzipien beruhen unsere Möglichkeiten, das Leben erfreulicher zu gestalten. Wir können die Schaltungen für die guten Gefühle durch bewusstes Üben stärken. Und wir können uns gezielt in Situationen versetzen, auf die wir mit Freude und Lust reagieren.

Zur Erinnerung ein paar Beispiele:
> Das Wohlbefinden von Leib und Seele sind untrennbar verzahnt. Emotionen haben ihren Ursprung im Körper. Bewegung – und Sex – sind nachweislich die sichersten Mittel, die Stimmung zu heben.

> Aktivität macht glücklicher als Nichtstun. Der oft gehörte Rat, bei schlechter Stimmung Ferien zu machen, ist falsch. Im Gehirn hängen die Steuerung von Gedanken, Vorhaben und Gefühlen eng zusammen. Deswegen haben Sorgen leichtes Spiel, wenn dem Gehirn eine andere Beschäftigung fehlt. Andererseits löst das Erwartungssystem des Gehirns Vorfreude aus, sobald wir uns ein Ziel setzen, und wir erleben einen Triumph, wenn wir es erreichen. Tätigkeit führt daher fast automatisch zu guten Gefühlen.

> Ein wacher Geist steigert das Wohlbefinden selbst dann, wenn er nur beobachtet. Oft wird konzentrierte Wahrnehmung von Hochgefühlen begleitet. Diese milde Ekstase ähnelt der Vorfreude; auch sie verdanken wir dem Erwartungssystem. Aufmerksamkeit kann man trainieren.

> Negative Emotionen wie Wut oder Trauer verschwinden nicht, wenn wir sie ausleben, sondern wir verstärken sie dadurch sogar noch. Die Gewohnheit, Dampf abzulassen, schadet uns also. Sie beruht auf einer inzwischen widerlegten Psychologie. Dagegen ist es möglich – und für das seelische Gleichgewicht weit besser –, solche Emotionen bewusst zu kontrollieren.

> Vielfalt gefällt. Das Erwartungssystem stumpft schnell gegen angenehme Reize ab; so kommt ein Teufelskreis von Begehren und Belohnung in Gang. Wenn wir unsere Genüsse öfter wechseln, entgehen wir der Gewöhnung. Auch wenn wir die Reize des Unerwarteten schätzen und das Vertraute aus immer neuen Blickwinkeln sehen lernen, halten wir die Lebenslust wach.

> Frei in seinen Entscheidungen zu sein ist im Zweifel mehr wert, als seine Wünsche erfüllt zu bekommen. Denn die Kontrolle über das eigene Schicksal ist für die meisten von uns eine unabdingbare Voraussetzung von Glück und Zufriedenheit. Sich ausgeliefert zu fühlen gehört zu den unerträglichsten Empfindungen. Menschen und sogar Tiere reagieren darauf mit schweren seelischen und körperlichen Störungen. Wenn etwas Ersehntes nur um den Preis von Abhängigkeit zu bekommen ist (etwa durch Schulden), fährt dar um meist besser, wer die Freiheit wählt.

Am wichtigsten für das Wohlbefinden aber ist unser Verhältnis zu anderen Menschen. Freundschaft und Liebe mit Glück gleichzusetzen ist keineswegs übertrieben. Die Aufmerksamkeit, die wir den Menschen in unserer Nähe schenken, kommt unserer eigenen Stimmung zugute.

Diese Grundprinzipien gelten für alle Menschen, denn die Emotionen und viele Verhaltensweisen tragen wir als Erbe der Evolution mit uns. Trotzdem füllt jeder Mensch diesen Rahmen anders aus und hat seine eigenen Bedürfnisse und Vorlieben. Deshalb können die Empfehlungen in diesem Buch, auch wenn sie auf Untersuchungen mit den modernsten Methoden der Wissenschaft und an vielen tausend Menschen beruhen, nur Anregungen sein. Auswählen unter ihnen müssen Sie selbst.

Die wichtigste Übung auf der Suche nach dem Glück ist darum die, sich selbst kennen zu lernen. Dazu bedarf es keiner besonderen Vorkehrungen. Es genügt, aufmerksam seine Reaktionen auf die Reize des Alltags wahrzunehmen und mit seinen Gewohnheiten ein wenig zu experimentieren. So finden wir besser und besser heraus, was uns gut tut. Jeder wird seine eigenen Antworten auf diese Frage entdecken. Es gibt sechs Milliarden Menschen, und sechs Milliarden Wege zum Glück.“

Anmerkung von Béa: Ich war ein Fan der „Glücksformel“ schon bevor ich Stefan Klein kennenlernen durfte. Oliver und ich schätzen seine Art sehr, die kompliziertesten Sachverhalte einfach, klar, gehaltvoll und unprätentiös auszudrücken. Und so ist er als Mensch auch! (hier mit Oliver bei einem Besuch im Tolla Büro.)

Danke, lieber Stefan, für die weisen Auszüge aus deinem Buch.
Und Danke Fischer-Verlag, dass jetzt das Buch endlich auch als Ebook verfügbar ist:

Die Glücksformel: oder Wie die guten Gefühle entstehen
aktualisierte und erweiterte Neuausgabe des Sachbuch-Klassikers

von Stefan Klein,

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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