„Eine Reise ins neue Leben“ – eine THEO-preisgekrönte Geschichte von Enbo Lukas Jin – 10 Jahre


Ihr kennt mich ja, eine der schönsten Dinge für mich im Leben ist junge Talente zu fördern, und coole Ideen junger Menschen sichtbar zu machen. ❤️ Neulich habe ich vom THEO Literaturpreis erfahren und einer der GewinnerInnen ist Enbo Lukas Jin.

Enbo Lukas Jin ist 11 Jahre alt und geht jetzt in die 6. Klasse. Er wohnt mit seiner kleinen Schwester, seinen Eltern und seinem Hamster in Berlin. Lesen tut er sehr gerne. Außerdem schwimmt er und spielt gerne Fußball in seiner Freizeit. Durch seine Geschichte »Eine Reise ins neue Leben« wollte er zeigen, dass es völlig normal ist, Angst vor Unbekanntem zu haben. Aber wenn man ihm mit einem offenen Herz begegnet, erlebt man möglicherweise eine positive Überraschung.


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Lest bitte selbst, mich hat seine Geschichte total bezaubert:

Eine Reise ins neue Leben

von Enbo Lukas Jin – bei der Einreichung war er 10 Jahre alt

„Rumps!“ machte es, als ich von einer ruckartigen Bewegung aufwachte.
Es war eiskalt und stockfinster. Außerdem hatte ich fürchterliche Rückenschmerzen.
„Wo bin ich? Und was mach ich hier?“, dachte ich mir.
Ich versuchte mich krampfhaft daran zu erinnern, was passiert war. Aber als ich keine Antwort darauf fand, lief mir ein Schauer den Rücken runter und ich bekam Todesangst.

Plötzlich merkte ich, dass der Boden zur Seite kippte, und verlor das Gleichgewicht.

Mit zunehmender Geschwindigkeit rutschte ich immer tiefer in das schwarze Ungewiss. Wild umgreifend versuchte ich mich an etwas festzuhalten. Doch alles, wonach ich griff, rutschte mit mir mit. Sekunden später befand ich mich aber schon im freien Fall. Wegen des fürchterlichen Bauchkribbelns kniff ich meine Augen fest zu.

Plötzlich wurde es hell.

Ich landete sanft auf einem Haufen Papier.

Was ich als Nächstes sah, raubte mir den Atem: Berge von Papier soweit ich sehen konnte.

Und dazwischen fuhren riesige Maschinen herum.

Es kam mir vor, als ob ich auf einem fremden Planeten gelandet wäre. Es gab buntes und einfarbiges Papier als Fetzen oder Knödeln, aber auch viele Zeitungspapiere wie mich.

Ja! Jetzt fiel mir es wieder ein. Ich bin die Titelseite der berühmtesten Tageszeitung unseres Ortes!

Mit Stolz verkünde ich die wichtigste Neuigkeit des Tages – zwei Astronauten starten mit einem Raumschiff einer privaten Firma zur Internationalen Raumstation ISS.

Doch dann wurde ich von meinem Besitzer einfach so weggeworfen!

Zerknittert lag ich in der Papiertonne und fühlte mich nutzlos.

Gefangen in der Dunkelheit versank ich in einer Mischung aus Angst, Traurigkeit und Einsamkeit.

Um diese Gedanken abzuschütteln, flüchtete ich in die Vergangenheit:

Vom Berggipfel, wo ich und andere Bäume standen, konnten wir direkt auf eine Papierfabrik am Bergfuß blicken.

Jeden Tag stellte ich mir vor, wie das Leben eines Blatt Papiers aussehen würde. Es war mein größter Wunsch, ein Blatt Papier zu werden.

Nach unzähligen Behandlungen in der Papierfabrik habe ich es endlich geschafft.

Aber nun das? Ist das schon das Ende?

Während ich in meine Gedanken versunken war, wurde ich auf ein Förderband gebracht.

„Wo geht es den jetzt hin?“, dachte ich mir. „Na, zum Baden!“, antwortete eine tiefe und feste Stimme von der Seite. Offensichtlich habe ich meine Gedanken laut ausgesprochen. Denn neben mir entdeckte ich ein Stück bunt bedruckte Werbung. Was ist das denn für einer? Ein bisschen skeptisch bin ich schon.

„Woher weißt du das eigentlich?“, fragte ich ihn dann schließlich.
„Du zum ersten Mal hier? He! Du ganz locker flocker bleiben musst. Ich schon zum fünften Mal hier bin“, sagte er ganz gelassen.
„Was ist das für ein Ort?“, fragte ich ihn neugierig.
„Das ein Recyclinghof ist“, antwortete er oberlehrerhaft. „Wo aus Altpapier Neupapier wird.“
„Und wie geht das?“, fragte ich ihn beunruhigt.
„Na, das ganz einfach ist. Jetzt gleich wie ich gesagt habe, ein Planschbecken kommen wird“, erwiderte er mit funkelnden Augen.
„Und dann?“, bohrte ich noch mal nach.
„Dann wir getrocknet werden und dann roll, roll, roll. Dann wir aufgewickelt werden auf rieeeeesen Roll.“


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Vor lauter Staunen, stand mein Mund weit offen.

Anscheinend merkte er, dass ich mächtig beeindruckt war und erzählte begeistert weiter.
„Anschließend wir geschnitten und gelagert werden.“ Ihm schien es zu gefallen mir alles zu erzählen. Ich starrte geradeaus, um zu sehen, was uns erwartete. Erschrocken musste ich feststellen, das Fließband lief auf eine Wand zu. Doch die Papiere vor mir verschwanden alle plötzlich. Als würden sie vom Boden verschluckt werden.

„Schnell weg von hier!“, schoss es mir durch den Kopf. „Aber wohin?“ Ich sah mich panisch um.

Eigentlich hatte ich erwartet, dass alle nervös reagieren würden. Stattdessen blieben alle ganz gelassen.

„Ganz locker flocker bleiben.“ Die Worte der bunt bedruckten Werbung erklangen wieder in meinen Gedanken. Kaum hatte ich mich ein bisschen beruhigt, standen wir schon am Ende des Fließbandes.

„Juuuuhuuu! ARSCHBOMBE!“, hörte ich die Werbung neben mir schreien.

Und schon verschwand sie im Abgrund.

„Nein! Nicht schon wieder!“ Ich verstummte, als mein Mund sich mit nach Seife schmeckendem lauwarmen Wasser füllte. Ich rang verzweifelt um Luft und hustete ein paar Mal, als ich wieder an die Wasseroberfläche kam. Bald stellte ich fest, dass ich in einem Riesenbottich gelandet war.

Es war wie ein Blubberbad hier. Mein Körper löste sich in tausend Fasern auf und die Farben an mir verabschiedeten sich mit den Seifenblasen. Ich ließ mich im lauwarmen Wasser weitertreiben und fühlte mich leicht und rein. Plötzlich schneite es, obwohl der Himmel nicht zu sehen war.

Doch die Schneeflocken rochen nach frischem Holz. Ach, es waren aber Holzspäne. Gestärkt von den Holzfasern wurde ich dann auf ein endlos aussehendes Band gesprüht. Als hätten die Maschinen meine Gedanken gelesen, kamen zwei Walzen und pressten einen großen Teil des Wassers aus mir.

An meinem Körper kitzelte es überall. Vor Lachen blieb mir fast die Luft weg. Die Vertreibung der restlichen Feuchtigkeit übernahmen heiße Trockenzylinder, wo ich durchgerollt wurde. Es ging da zu wie auf der Achterbahn: rauf und runter und wieder rauf und wieder runter.

Die Flüssigkeit in mir verdampfte dabei fast vollständig. Obwohl es mich ganz schön schwindelig machte, überwog meine Freude auf mein neues Leben jedoch deutlich.

Mein Herz pochte wie verrückt. Doch dieses Mal nicht aus Angst, sondern aus Aufregung.

Kaum konnte ich es glauben und fragte mich immer wieder: „Ist es jetzt wirklich passiert? Bin ich jetzt tatsächlich wiedergeboren?“

Doch als ich in eine Lagerhalle gebracht wurde, wo hunderte Papierrollen standen, war es mir klar, dass ich wieder am Anfang einer neuen Reise stand.

Gespannt wartete ich auf meinen nächsten Einsatz, hoffentlich als eine neue Seite in einer Zeitung.

Wenn ich daran denke, wie ich am Anfang meiner ersten Reise im Recyclinghof vor Angst ausgesehen habe und ich am Ende davon vor Freude fast getanzt hätte, muss ich schon ein bisschen schmunzeln.

Bis jetzt bin ich schon ungefähr 10 Mal da drin gewesen und kenne mich mittlerweile so gut aus wie die Werbung damals.

Jedes Mal bin ich eine andere Seite der Zeitung geworden, z. B. Sportteil, Politik, Wirtschaft und auch Werbung.

Außerdem habe ich gemerkt, dass jede Seite wichtig ist. Auch die Werbung.

Denn für mich ist es schon super toll, meine Aufgabe zu erfüllen.

____

Könnt ihr auch auch begeistern? Na los, dann schreibt eine Rückmeldung in den Kommentaren. Ich bin sicher, dass es Enbo Lukas Jin erreicht!

Falls eure Kinder auch mitmachen wollen:

Der THEO ist ein Literaturpreis für Kinder und Jugendliche aus Deutschland und der ganzen Welt, der einmal jährlich vergeben wird. Mitmachen können alle, die gerne schreiben und nicht älter als 20 Jahre sind. Die nächste Wettbewerbsrunde startet im Oktober, alle Infos dazu gibt es auf www.theo-schreibwettbewerb.de.

Und wenn sie dann gewinnen, denkt bitte an mich, ich publiziere gern schöne Texte hier, in eurem Tollabea.de Blog!

Liebe Grüße,

Béa

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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