Wie erkläre ich Kindern das Patriarchat? Und warum eigentlich?


Dass wir in einer vom Patriarchat geprägten Welt leben, wissen die meisten von uns. Aber was bedeutet das Patriarchat überhaupt? Und wie erklärt man es Kindern?

Als Kind war mir der Begriff Patriarchat noch unbekannt. Erst später erfuhr ich von seinem schon seit Jahrtausenden bestehenden Gerüst und dem Hauptgrund, warum wir noch weit entfernt von so etwas wie „Gleichberechtigung“ sind. Genau deshalb finde ich es schön, wenn Kinder schon in frühen Jahren den „Durchblick“ haben und verstehen, wie die Welt funktioniert.


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Warum Kinder jetzt schon damit konfrontieren?

Ganz einfach: Damit wir sie, die junge Generation, schon früh auf das Patriarchat sensibilisieren und Mädchen und Jungen auf Gleichberechtigung hinweisen. So, wie die Welt noch ist, ist sie nämlich noch nicht gerecht, und je eher Kids das begreifen, desto stärker die Chance, sich davon zu distanzieren.

Wie erkläre ich Kindern das Patriarchat?

Der Begriff Patriarchat stammt aus dem altgriechischen „patriaches“ und bedeutet so viel wie „Erster unter den Vätern, Stammesführer, Führer des Vaterlandes.“ Der Vater ist also der Oberboss, auch genannt Patriarch.

Aber was ist das „Patriarchat“?

Das Patriarchat, ist ein System, das von Männern und Vätern geprägt und kontrolliert wird. Man nennt es deshalb auch „Herrschaft des Mannes“, da sie es sind, die die Entscheidungen treffen, und diese werden durch Erbschaft auch stets an den Mann weitergegeben.

So war in früheren Zeiten der Nachfolger des Königs der Sohn und nicht die Tochter. Der Sohn war es auch, der die Hinterlassenschaften des Vaters erbte. Wenn der Vater keine Söhne hatte, ging das Erbe nicht an die Mädchen, sondern an einen anderen männlichen Nachkommen, zum Beispiel den Bruder des Vaters oder einen Cousin.

Das Patriarchat zieht sich durch verschiedene Lebenslagen, in denen einem immer wieder auffällt, dass der Mann der Boss von etwas ist – ein Lebensmittelladen, eine Firma, oder auch die Regierung einer Nation. Frauen sind eher selten vertreten.

Aber warum?

Früher hatten Mädchen und Frauen nicht die gleichen Rechte wie Männer.

Sie durften nicht zur Schule gehen, nicht wählen, und auch nicht arbeiten. Ihre einzige Rolle war, Mutter oder Tochter zu sein.

Als Tochter stand das Mädchen unter der Obhut des Vaters, und als sie erwachsen wurde und heiratete, legte der Vater die Obhut ab. Das Mädchen war aber dann nicht „frei“, sondern stand von fortan unter der Obhut ihres Mannes. Der Mann übergab sie dem Mann sozusagen. Und wenn der Mann ihr etwas verbat (zum Beispiel zu arbeiten), musste sie auf ihren Mann hören, denn er durfte über sie entscheiden.

Dass „Frau“ also auch ein Boss sein darf ist etwas sehr Neues, wenn man an die letzten zehntausend Jahre Patriarchat denkt. Erst seit 1919 dürfen auch Frauen in Deutschland wählen. Und erst ab 1958 durften Frauen ihr eigenes Vermögen verwalten. In Westdeutschland musste eine Frau sogar bis 1977 ihren Mann um Erlaubnis bitten, wenn sie arbeiten gehen wollte, und das nur, wenn sie ihre Pflichten als Ehefrau und Mutter nicht vernachlässigte.


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Hat sich das Bild inzwischen geändert?

Ja und nein. In vielen Ländern haben Frauen und Mütter überhaupt keine Rechte, und auch in Deutschland finden sich immer wieder alte Muster des Patriarchats.

Zum Beispiel werden Frauen oft weniger ernst genommen als Männer, weil unterschwellig noch immer das Bild von „Frau sollte eigentlich zu Hause bei den Kindern sein) vorliegt. Frauen wird es also von Anfang an schwerer gemacht, da sie oft keine Chance kriegen, und wenn, dann sich gegen Sexismus durchkämpfen müssen.

Rollenmutter vs. Rabenmutter

Ein weiteres Problem ist, dass Frauen, die sich bewusst dazu entscheiden, „nur“ Mutter zu sein, angeblich an dem alten Rollenbild festhalten, und nicht fortschrittlich genug sind. Und das ist ebenso nicht richtig. Frauen sollten die gleichen Chancen haben, sich aber auch nicht dafür schämen müssen, wenn sie sich für die Mutterschaft entscheiden (im Übrigen der verantwortungsvollste und schwerste Job auf der Welt).

Genauso schwierig ist es, wenn eine Frau keine klassische Mutter sein will, und sie entweder keine Kinder hat, oder es zum Beispiel der Vater ist, der die Erziehung übernimmt. Man nennt sie dann oft eine Rabenmutter, die ihre Kinder allein lässt, aber über den Mann sagt man das natürlich nicht.

Statt Patriarchat nun Matriarchat?

Das Patriarchat ist ein System, das sehr unfair ist, und man nach und nach aufbrechen sollte. Aber was heißt das nun? Dass es an der Zeit ist, dass Töchter und Mütter nun die Herrschaft übernehmen? Ein sogenanntes „Matriarchat“?

Nein! Es kann nicht die Lösung sein, den Mann wegzudrängen und die Frau an die Spitze zu befördern. Das wäre ja nur, als würde man den Spieß umdrehen. Natürlich ist es toll, wenn Unternehmen darauf achten, auch Mädchen und Frauen eine Chance zu geben, da diese zu selten eine bekommen, aber in einer Utopie sollte es weder Patriarchat noch Matriarchat geben. Vielmehr mehr geht es darum, gleiche Rechte für ALLE zu schaffen, egal, ob da nun ein Piephahn an einem runterbaumelt oder nicht.

Gleiche Rechte für alle! (Das ist das Warum)

Und das bedeutet, dass es keine Hierarchien zwischen Mann und Frau gibt. Dass Töchter und Söhne gleichermaßen dieselben Rechte haben. In einer Welt ohne Patriarchat gäbe es keine Bestimmer:innen und auch keine verschobene Dynamik. Niemand muss den anderen um Erlaubnis bitten, denn wir alle sind selbstbestimmt.

So, nun habt ihr hoffentlich einen groben Überblick über den Begriff Patriarchat. Falls ihr mit Kindern darüber reden wollt, hoffe ich, dass dieser Beitrag euch ein wenig dabei helfen wird. Ich glaube, es ist immer einfach mit der Vergangenheit zu beginnen („Es war einmal…“ und dann einen Twist zur heutigen Zeit zu setzen („…und heute ist es ebenfalls so, aber auf eine andere Weise“). Abschließend könnt ihr mit dem Ziel, der Gleichberechtigung.

Habt ihr Anmerkungen/Ergänzungen zu dem Thema?

Liebe Grüße
Mounia

Mounia
About me

Ich - 25 Jahre alt, Studentin, Kinderanimateurin, begeisterte Hobbyköchin und abenteuerlustig! Meine absolute Leidenschaft ist das Schreiben und Festhalten von Momenten.

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1 Kommentare

Katharina Tolle
Antworten 22. Oktober 2021

Liebe Mounia, du sprichst mir aus der Seele. Es geht nicht darum, jetzt Männer zu benachteiligen, sondern diese Strukturen so aufzubrechen, dass alle davon profitieren. Dann brauchen sich Erzieher oder Krankenpfleger auch nicht mehr vorhalten lassen, einen Frauenjob zu machen und sich die Arbeitsteilung im Haushalt wäre selbstverständlicher.

Danke!
Katharina

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