Sei du DU! Das Los der Frauen lässt sich ändern – Schmeißt die Vorurteile über den Haufen!


Es gibt eine Sprüche-Tafel mit dem Namen „Das Los der Frauen“, die immer wieder im Social Media Raum kursiert, und die die gängisten Mütter-Vorurteile gegenüber stellt. Sie hat die Absicht, damit auszuräumen.

Als meine Freundin Anna von Berlinmittemom und ich uns schon vor einigen Jahren beim Lunch uns darüber unterhielten, fanden wir, dass es ein Schritt nach vorne wäre, mal die positiven Antworten darauf aufzuschreiben…

Und so ist dies alles hier entstanden – hier habt ihr es mit unseren persönlichen Kommentaren dazu. Übrigens, das Foto zeigt meine Nichte Alexandra Sagurna, Schauspielerin. 

Die Vorurteile:
Geben wir unsere Kinder in die Kinderkrippe, sind wir Rabenmütter.
Bleiben wir zu Hause, verkommen wir hinter dem Kochtopf oder sind zu faul zum Arbeiten.

Die Antwort:

Geben wir unsere Kinder in die Krippe, geben wir ihnen mehr Raum, im Kontakt mit anderen zu wachsen.
Bleiben wir zu Hause, sind wir Freelancer oder Selbständige. Oder eben Hausfrauen. Was soll sein?

Béa: Diese Rabemutterdiskussion muss endlich aufhören. Die Arbeitswelten verändern sich, die digitalen Möglichkeiten eröffnen Perspektiven… Es gibt drölfzigtausend Zwischenabstufungen zwischen der reinen Hausmami und der Vollprozent-Busy-Businessfrau. Und das ist auch gut so. Hauptsache, jede ist zufrieden, mit dem, was sie macht.

Anna: Es geht doch immer um Selbstbestimmung und die ist so wichtig! Auch wenn wir uns nicht darüber täuschen dürfen, dass Selbstbestimmung auch für viele Mütter in Deutschland ein Luxusgut ist. Aber gerade für die Mütter, die aus einem Sachzwang heraus handeln und gar nicht ihrem Bauchgefühl folgen können, wenn es ums Zuhausebleiben oder Kind-in-die-Kita-Geben geht, ist das so wichtig: wir sind alle Mütter und tun das, was wir müssen und für richtig halten – für unsere Kinder. Das sollte niemand torpedieren, indem er es in Klischees zusammenfasst.

Die Vorurteile:
Verwenden wir Makeup, tragen wir Kriegsbemalung.
Verwenden wir keines, vernachlässigen wir unser Äußeres.

Die Antwort:

Verwenden wir Makeup haben wir Freude an der Veränderung und tun uns selbst etwas Gutes.
Verwenden wir keins sind wir entspannte und lässige Naturschönheiten im Einklang mit uns selbst.

Anna: Wir sind Individuen, immer, egal, was wir tun. Ich zum Beispiel mag Makeup. Ich probiere es gerne aus, ich fühle mich gut mit Makeup, es ist meine “Rüstung”, wenn ich aus dem Haus gehe. Aber es gibt Tage, an denen ich es total genieße, es weg zu lassen. Mehr ist es nicht. Aber auch nicht weniger. Und steht überhaupt nicht zur Diskussion.

Béa: Anna, wir sind beide dunkeläugig und dunkelhaarig… Das macht es schon einfacher, weil wir auch ohne Makeup ganz akzentuierte Gesichtszüge haben. Aber das am Rande. Auch hier: Weg mit dem Clichée. Ich habe sehr bewusst meiner Tochter gezeigt, dass ich mich mit etwas Schminke auch bewusst für bessere Laune für mich selbst  entscheiden kann. Mehr auch nicht. Und auch nicht weniger…

Die Vorurteile:
Zeigen wir Gefühle, sind wir Heulsusen.
Beherrschen wir uns, sind wir Eisberge.

Die Antwort:
Zeigen wir Gefühle, sind wir Gefühlskanonen. Ach was, Granaten!
Beherrschen wir uns, sind wir eben cool. Wie ne gesunde Hundeschnauze.

Anna: Das Tolle ist doch –  wir können beides sein, immer, wenn wir es wollen oder brauchen. Ich steh auf Frauen, die zeigen, wer sie sind! Solche, die auch mal ausflippen, die auf den Tisch hauen, wenn es ihnen zu viel wird und die weinen, wenn sie etwas berührt. Und ich mag die Coolness, die wir Mütter brauchen, um immer oben zu schwimmen, wenn wir mit unseren Kindern durch den Alltag schippern.

Béa: Ehrlich: Hier passiert es mir schon, dass ich Situationen anders einschätze, als es passend wäre. D.h. ich zeige genau dann Bomben-Gefühl, wenn Coolness besser wäre. Umgekehrt eher weniger. Hab mich öfters mal in die Nesseln gesetzt. Wichtiger ist: Ich habe auch gelernt, das für mich zu akzeptieren und es nicht als total peinlich zu werten. D.h. mich schon zu entschuldigen, wenn ich damit andere verletzt habe, aber auch zu mir und meiner Art zu stehen und mir und den anderen zu sagen: “So bin ich halt.”

Die Vorurteile:
Sind wir hilfsbereit, werden wir ausgenutzt.
Kümmern wir uns nur um unsere eigene Arbeit, sind wir unkollegial.

Die Antwort:
Sind wir hilfsbereit, machen wir die Welt ein Stückchen besser und sorgen für mehr lächelnde Gesichter.
Kümmern wir uns nur um unsere eigenen Angelegenheiten, sind wir eben diskret und respektieren die Grenzen der anderen.

Béa: Ich muss hier von einem wichtigen Erlebnis berichten. Ich bin einer Freundin mit zu viel Hilfbereitschaft wärend eines Wochenendtrip total auf die Nerven gegangen. Als sie mir sagte, dass sie sich “überbemüttert” gefühlt hat, war ich baff. Seitdem versuche ich in der Sache empathischer zu sein, und zwar gegenüber der Person, die es betrifft. Was die anderen dazu sagen, ist mir total schnuppe.

Anna: Hmm. Ich bin wohl auch der Typ, der die Antennen immer überall hat und stets darauf gefasst ist, einzuspringen, falls Not an der Frau ist. Manchmal finde ich das anstrengend, weil ich eigentlich immer mitbekomme, wenn jemand in meiner Umgebung Hilfe braucht, in welcher Form auch immer (sowohl im Reallife als auch in meinem virtuellen Clan übrigens). Iich kann das nicht ausblenden. Aber ich habe im Laufe meines Lebens gelernt, besser zu sortieren. Ich kann nicht für alle da sein. Und nicht jeder möchte auf’n Arm, auch wenn’s grade brennt. Das passt schon immer irgendwie.

Die Vorurteile:
Sind wir Powerfrauen, schimpft man uns Emanze.
Sind wir angepasst, fehlt uns der Pfeffer.

Die Antwort:
Sind wir Powerfrauen, dann sind wir Powerfrauen. Und das ist gut so.
Sind wir angepasst, dann ist unsere Umgebung genau richtig für uns.

Anna: Emanze ist doch nur ein anderes Wort für Powerfrau und ich bin ganz klar eine. Groß gezogen von einer Feministin und aufgewachsen mit dem Bewusstsein, dass mir nichts weniger zusteht, als ALLES. Nicht obwohl ich eine Frau bin, sondern WEIL ich eine bin. Als Mutter hat sich dieses Bewusstsein geschärft. Ich will eine Welt, in der meine Töchter alles sein dürfen, was sie möchten, genau als die, die sie sind. Wir Mütter sind in diesen Dingen so verschieden, wie alle anderen Menschen auch. Und warum auch nicht?

Béa: Ich bin überzeugt, dass jeder Mensch, egal ob Mann oder Frau, das Recht hat, so zu sein, wie er wirklich ist. Ändern wir das Grundgesetz! Nicht: “Alle Menschen sind gleich” sondern “Alle Menschen sind unterschiedlich.” Und außerdem: Jede von uns darf auch unterschiedlich sein in unterschiedlichen Situationen.

Die Vorurteile:
Sind wir intelligent, dürfen wir es nicht zeigen.
Sind wir es nicht, müssen wir wenigstens attraktiv sein.

Die Antwort:
Sind wir intelligent, dann genießen wir es, denn schlau zu sein macht uns stark. Und sexy.
Sind wir es nicht, dann haben wir eben ein großes Herz.

Anna: Liebe Mütter, liebe Frauen – nutzt eure Köpfe und Herzen, um mit euren kognitiven und emotionalen Energien zu erreichen, was ihr wollt. Zeig euren Kindern, was ihr könnt und wer ihr seid. Eure Klugheit und eure Liebe machen euch einzigartig, egal, wie oder wo ihr lebt. Lasst euch nie, wirklich NIE dazu bringen, eure Energien einzudämmen. Never let anyone dull your sparkle!

Béa: Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

Die Vorurteile:
Leisten wir viel, verlieren wir unseren Charme.
Leisten wir wenig, verlieren wir die Stellung.

Die Antwort:
Leisten wir viel, dann machen wir das mit Charme.
Leisten wir wenig, dann leisten wir uns Schuhe. Oder Handtaschen. Oder ne App.

Béa: Genauso wie Erfolg sollte auch Leistung langsam mal differenzierte Indikatoren bekommen. Ich halte viel von Arianna Huffington’s Idee vom “Third Metric”, also eine neue Maßeinheit dafür jenseits von Macht und Erfolg – hin zu mehr sozialer Wirkung, eigenes Wohlfühlen, Einklang mit Natur und Gesellschaft … na halt alles. Ich habe Spaß am Leisten und mir etwas leisten, wenn ich weiß, dass das große Ganze stimmt. Und ja, ich liebe Schuhe und Apps. Und tolle Lebensmittel übrigens auch.

Anna: Ich sehe diese Leistungsgedanken grundsätzlich ein bisschen ambivalent. Es gibt leider in unserer Gesellschaft viel zu viele Leistungen, die nicht anständig bezahlt und damit auch gesellschaftlich nicht entsprechend anerkannt werden. Der Beruf der Erzieherin gehört beispielsweise dazu, der wird einfach unanständig gering entlohnt. Aber es gibt viele Berufsgruppen, übrigens oft typischerweise klassische Frauenberufe, in denen das so ist. Ich finde den Aspekt schwierig, dass gesellschaftliche Anerkennung an Lohn gekoppelt ist und damit automatisch eine Bewertung der dahintersteckenden Leistung einhergeht. Mütter haben da zusätzlich irgendwie eine Sonderposition. Unsere Leistung wird nicht entlohnt, jedenfalls nicht der Teil, der eigentlich das Muttersein ausmacht: ein Kind bekommen und in Liebe aufziehen. Liegt es daran, dass wir in unserer Gesellschaft so eine schlechte Lobby haben? Dass es so viele Vorurteile und überhaupt: Urteile gibt über Mütter? Wie wir zu sein haben und wie nicht? Was wir können sollen und was nicht? Wer wir sind und wer wir bitte lieber nicht sein sollen? Meine größte Lebensleistung sind jedenfalls meine drei Kinder. Und ob ich das gut mache oder nicht – das können nur diese drei mir sagen. Niemand sonst kann es sich leisten, diesbezüglich über mich zu urteilen.

So, was uns zu dem Abschlußfazit bringt:  

Begegne jedem Vorurteil mit einer charmanten Antwort und einem Schulterzucken.
Bleib wie du bist und lebe wie es dir gefällt!

Teilt unseren Post weiter, damit wir gemeinsam ein Bewusstsein schaffen für mehr Freiheit, für eigene Entscheidungen und für weniger Vorurteile!

Und vor allem: Diskutiert mit! Mit welchen anderen Vorurteilen möchtet ihr ausräumen? Was ist die beste Antwort? Was fällt euch ein?

Lieben Dank, liebe Grüße und… bleibt wild und frech und wunderbar!

Eure Anna und Béa

P.S: Diese Unterhaltung gibt es auch bei Berlinmittemom im Blog.

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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2 Kommentare

Julia Schöneberger
Antworten 15. März 2016

Ich habe auch lange die Kommentare anderer zu meinen Grenzen werden lassen. Bis ich innerhalb weniger Tage zwei Epiphanien hatte. zuerst hatte bei einem Mama-Kinder Treffen ehemaliger Komilitoninnen eine der Damen gesagt: Mit einem Kind kann man einfach nicht mehr als eine halbe Stelle arbeiten ohne eine Seite zu vernachlässigen. und ohne zu überlegen rutschte mir raus: Nein, Du kannst das vielleicht nicht. Ich habe zwei Kinder und eine ganze Stelle und wäre anders nicht glücklich. Aber ich sehe auch andere, die ohne Erwerbsarbeit drei prachtvolle Kinder großziehen. Das ist anders, aber nicht schlechter oder besser.
Das Ende einer Freundschaft.
Ein paar Tage später hielt ich eine kleine Abschiedsrede für meine Abiturientinnen und musste (wie so oft) weinen. Schämte mich ziemlich. Bis nach der Abifeier die Mutter einer der Schülerinnen sich bei mir bedankte. sie meinte, es sei für sie sehr wichtig gewesen zu sehen, dass außer den Eltern auch andere Menschen Tränen für ihre Kinder hätten.
seitdem denke ich immer öfter: Ich mach mein Ding, gebe mein Bestes. Und höre nicht hin, wenn ihr mich dafür beurteilen wollt.

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