Warum Gleichbehandlung von Kindern einfach eine doofe Idee ist


“Ich habe zwei/drei/vier Kinder, es kann nicht sein, dass nur eines von ihnen dies oder jenes bekommt!” oder „Wenn ich nicht allen Kindern eine Sache zugänglich machen kann, dann soll keiner von ihnen was haben!“… Das habe ich in so vielen unterschiedlichen Schattierungen gehört…

Und ich darf meistens ja nichts dazu sagen, weil ich selbst nur ein Kind habe!

Jetzt sage ich mal was, und zwar aus der Perspektive der ehemaligen Schulbetreiberin!

Kinder brauchen nicht Gleichbehandlung. Sondern jedes von ihnen braucht eine individuell richtige Behandlung.

Der Fehler mit der GLEICHbehandlung macht ein ganzes Schulsystem: In zu vielen Schule wird so sehr darauf geachtet, dass alles gleich gemacht wird, dass individuelle Stärken und Schwächen der Kinder keine Zeit und keinen Raum bekommen. Darüber könnte ich mich stundenlang ärgern – aber das hilft euch an dieser Stelle nicht.

Mein Tipp: Tut es nicht auch noch in der Familie!

Also, wer welche Form der Liebe und Zuwendung bekommt… da mische ich mich besser nicht ein. Aber zum Thema Schulwahl oder Bildungsangebote will ich hier mit einigen Gedanken die Entscheidung erleichtern. Denn die meisten Familien empfinden es als ein Gebot der Gerechtigkeit, alle Kinder auf die gleiche Schule zu schicken. Wenn eine Entscheidung ansteht, bei der auch das Thema Geldausgeben eine Rolle spielt, erst recht.

Das Prinzip: „Entweder schicke ich alle Kinder auf eine bestimmte Schule* – oder keines!“ ist weit verbreitet.

* = zum Beispiel eine Privatschule, eine besonders ausgerichtete Schule, etc. 

Meinen Ansatz, dass es die ideale Schule an sich gar nicht gibt, sondern nur die richtige Schule für das jeweilige Kind, kennt ihr ja schon. Wenn eure Kinder nicht identische Zwillinge sind, reden wir von eigenständigen Menschen mit unterschiedlichen Interessen und Begabungen. Die gilt es zu erkennen und bestmöglich zu fördern.

Ich weiß, wovon ich rede:
Es gibt Kinder und Schulen, die einfach perfekt zusammen passen.
Dann gibt es welche, die so ganz OK zusammenpassen.
Und es gibt Kinder und Schulen, die gar nicht zusammen passen… und letztere Situation gilt es zu vermeiden. Und die bestmögliche Lösung für GENAU DIESES KIND zu finden. Und nicht die gleiche für alle anderen, die mit ihrer Schule bestens bis OK zusammen passen.

Habt den Mut, eine Sonderlösung nur für ein Kind anzugehen!

Es kann sogar sein, dass von einer Sonderlösung für nur ein Kind alle profitieren!

Meine Schwägerin und mein Schwager waren sich einig, dass ihre älteste Tochter nicht auf ein normales deutsches Gymnasium und auch nicht auf eine Realschule gehört. Die Wahl fiel auf eine internationale Schule – wohl wissend, dass sie sich die Schulgebühr für die weiteren drei Kinder nicht leisten können würden. Das war auch gar kein Problem, weil die drei anderen wunderbar mit dem normalen Schulsystem klar kamen…

Die Entscheidung für die älteste wurde aber zum Vorteil für alle Kinder: Internationale Familien zu Besuch, viel Englisch im Haus… sämtliche Filme wurden auf Englisch geschaut. Alle Kinder sprechen Englisch auf „near native“-Niveau und alle Kinder sind der Meinung, dass sie das der Schule ihrer ältesten Schwester verdanken.

Die Sonderbehandlung hat ihnen als Familie mehr gebracht als eine Gleichbehandlung!

Das ist auch mein Plädoyer für Familien, nicht nur wenn es um Schulentscheidungen geht: Verabschiedet euch von der Gleichmacherei und findet für jedes der Kinder individuelle Lösungen, von denen alle profitieren!

Könnt ihr was mit dieser Anregung anfangen? Oder seid ihr für die Gleichbehandlung von Kindern, egal wie? Was sind eure Erfahrungen?

Liebe Grüße,
Béa

P.S. Das Titelbild ist nicht meine Idee, ich habe das im Netz gefunden und nachgezeichnet…. einen Urheber konnte ich nicht ausmachen. Wenn ihr da mehr Infos habt, lasst mich wissen!

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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11 Kommentare

Tony
Antworten 10. Mai 2018

Hallo,
Wir haben drei Kinder und die Frau möchte alle drei Kinder auf die gleiche Schule schicken. Ich bin mir bis jetzt auch unsicher,ob das eine gute Idee ist. Das Problem/die Frage wäre, wie ich denn heraus finden kann, welche Schule zu welchem Kind passt?

Birte
Antworten 12. Mai 2018

Tage der Offenen Tür würde ich nicht unbedingt empfehlen. Mittlerweile werben ja fast alle Schulen um Schüler, und Werbung und Wirklichkeit sind zweierlei Dinge. Wir sind damit auch schon einmal richtig reingefallen. Eher das Gespräch suchen mit anderen Schülern und Eltern, da erfährt man viel mehr.

Kathy
Antworten 12. Mai 2018

Liebe Bea,

Wie immer sind deine Worte sehr treffend gewählt. Ich habe zwar selber nur ein Kind, bekomme das Problem der Gleichbehandlung aber in meinem Umfeld mit. Es fängt ja schon mit Kleinigkeiten an. Bei einer befreundeten Familie mit drei Kindern (knapp 6, 3 und 1 1/2) habe ich schon teilweise das Gefühl, dass die große Tochter zurück stecken muss. Zum Beispiel ist sie sehr begeistert dabei Bilder aus Bügelperlen zu machen und dieses auch sehr ausdauernd. Wohingegen sie bei anderen Aktivitäten schnell das Interesse verliert und sich eine neue Beschäftigung sucht. Leider hatte sie bis vor kurzem Zuhause keine Möglichkeit dazu. Auf meine Nachfrage, warum sie Zuhause keine Bügelperlen haben, wurde mir mitgeteilt, dass die beiden anderen Kinder noch zu klein seien und sie das verschlucken könnten. Ich denke es sollte auch die Möglichkeit geben, dass sie sich Zuhause auch mit altersgerechten Spielsachen beschäftigen kann und man die Kinder für eine Zeit separiert. Auch wenn sie Besuch hat, spielen die kleinen Geschwister mit. Dieses Jahr wird das Mädchen eingeschult und ich hoffe, dass sie dann wenigstens ihre Hausaufgaben in Ruhe und ohne ihre Geschwister machen kann. Oft mals bekommen sie und die kleine 3 jährige auch die gleichen Geschenke, wohl damit es keinen Streit gibt. Ich wünsche der Großen, dass sie auch mal etwas für sich hat, vorallem Zeit und Raum sich zu entfalten.

Tina
Antworten 21. Mai 2018

Hallo Bea,
Ich finde den Ansatz gut, den Kindern (nicht Materielle) Bedürfnisse individuell zu erfüllen. Aber gerade wenn es um finanzielle Dinge geht finde ich das, gerade im genannten beispielsweise sehr schwierig.was nun wenn ich mir die Privatschule nur für das 1. Kind leisten kann, das 3. Kind später ähnliche Begabung und Förderwünsche hat? Das 3. Um Verständnis zu bitten das es nicht darf wegen der finanziellen Situation,wärend das 1. Kind täglich zur besagten Schule fährt wäre unerträglich für mich.

Jenifer Schluckebier
Antworten 9. Juli 2019

Hallo, ich finde die Abbildung super. Ich würde Sie gerne für meine Bachelorarbeit als Einleitung verwenden. Ist das möglich?
Freundliche Grüße

Ute Rottstock
Antworten 30. August 2019

Nachdem unsere Zwillinge gerade eingeschult wurden ist das auch genau mein Thema. Wir haben uns am Ende entschieden sie auf zwei Schulen zu geben und die Tochter geht auf eine Schule für Körperbehinderte (und wenn ich sehe, wie toll die dort auf die individuellen Bedürfnisse der Kinder eingehen blutet mir das Herz für meine "normalen" Jungs). Aber nach ganz viel überlegen und andere Schulen anschauen und Bauchgefühl fragen schicken wir den Großen auf eine normale Grundschule. Es muss ja auch organisatorisch machbar sein. Mal schauen wie das erste Jahr laufen wird. Ich bin immer bereit andere Alternativen zu suchen, wenn es nicht funktioniert. So bin ich auch nicht sicher ob unser sehr willensstarker Jüngster auf die gleiche Grundschule gehen wird. Aber das muss sich alles entwickeln und zeigen und manchmal hilft nur Ausprobieren. Ich bin nur immer wieder froh und dankbar, dass auch andere sehen, woran unser Schulsystem krankt und ich nicht die einzige "Verrückte" bin, die das anders sieht, wenn alle anderen denken, dass die Kinder da eben "durch" und sich anpassen müssen. Ein Segen, dass wir in einer relativ großen Stadt mit viel Schulauswahl wohnen. Freunde in einer Kleinstadt haben genau gar keine Auswahl, wenn sie nicht ewig fahren wollen.

Serena
Antworten 30. August 2019

Dieses Bild habe ich bei einem Vortrag von Willi Stadelmann gesehen, weiss aber nicht, von wem es stammt. Es ging da eben um Gleichbehandlung in der Schule und um Hochbegabung.

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