Wisst ihr was zu tun ist wenn euer Kind plötzlich verschwunden wäre?


„Kind verschwunden“ ist eine Vorstellung, die uns allen gruselt. Gestern tauchte (von Stef) im unserem Redaktionschat ein englischer Blogbeitrag auf, der mir keine Ruhe lässt. Ich gebe ihn hier wieder, nicht 1:1 übersetzt, sondern auch etwas von mir interpretiert, weil ich überzeugt bin, dass der Gedanke für viele Eltern sehr wichtig ist.

Der Autor, Oliver von Oliver’s Outings, schreibt zum Thema „Kind verschwunden“:

„Kind verschwunden“ ist ein Thema, das uns allen gruselt. Ich würde bei dem bloßen Gedanken meinen Kopf im Sand vergraben und so tun, als ob so etwas nie passieren würde. Aber es findet statt. Vor ein paar Jahren war das vermisste Kind mein Neffe!

Ich hätte fast geschrieben „zum Glück haben wir ihn zurück bekommen“. Aber eigentlich war es überhaupt kein Glück, sondern das Ergebnis der Handlung eines Soldaten, der zufällig dabei war. Jeder Elternteil sollte wissen, was er getan hat, damit er oder sie das Gleiche tun kann, wenn es nötig ist.

Was geschah:

Jake war zu dieser Zeit nur 4 Jahre alt und wusste wie jedes andere Kind, dass er nie mit Fremden mitgehen sollte. Was lief also schief?

Die ganze Familie war bei einer Strandveranstaltung in Bournemouth, das ist ein kleiner Badeort im Süden von England. Es war sehr voll, und Lucinda (seine Mutter) hielt seine Hand. Jake ist ein eher schüchterner Junge und hatte daher kein Interesse daran, sich von seiner Mutter zu lösen oder irgendwie abzuhauen.

Sie blieben zusammen stehen, um etwas anzuschauen…  und die Mutter ließ die Hand des Kindes los, um etwas vom Boden aufzuheben. Es war nur ganz kurz.

Als die Mutter sich umschaute, um wieder seine Hand zu nehmen, war das Kind nicht da!

Während sie versuchte, ruhig zu bleiben und sich zu sagen, dass er nicht weit gehen würde, fing sie an sich umzusehen und seinen Namen zu rufen. Sie konnte ihn immer noch nicht sehen.

Innerhalb von Minuten entdeckte sie einen Soldaten, der im Dienst bei der Strandveranstaltung war. Dieser fragte sofort, was passiert war und wen sie suchen würde. Sie erklärte ihm, dass ihr Sohn plötzlich weg war.

Der Soldat verschwendete keine Zeit und begann selbst zu schreien:

„Wir suchen einen Jungen. Er ist 4 Jahre alt, blond und in einem roten T-Shirt. Hast du ihn gesehen?“

Andere Kollegen des Soldaten und auch weitere Menschen wiederholten das laut und ständig, während sie die Bereiche in der Nähe absuchten.

Nun scheint dies eine offensichtliche und einfache Sache zu sein, aber das schnelle Timing und die Tatsache, dass alle seine Beschreibung riefen, waren genau das, was ihn rettete!

Innerhalb von 15 Minuten fanden sie ihn ein Stück weiter unten am Strand. Nur ein kleiner Junge, der weggelaufen ist, denket ihr? Leider nicht.

Was Jake sagte, würde jedem Elternteil das Blut in den Adern gefrieren lassen: „Da war ein Mann mit Glatze in einem weißen T-Shirt. Er hat gesagt, er würde mich zu einem echten Raketenschiff bringen!“ Das klingt wie eine echte Verlockung für einen kleinen Jungen… und leider gibt es für 4-Jährige tatsächlich Verlockungen, denen sie nicht widerstehen können. Weil sie 4 Jahre alt sind und die Welt gut für sie ist – trotz Warnungen der Eltern und eingeübtem Ich-gehe-nicht-mit-Fremden-mit-Training und lauter Kinderbüchern dazu.

Was hier passiert ist: Als alle die Beschreibung von Jake sehr schnell heraus geschrien haben und der ganze Strand wusste, dass er weg war, konnte der Mann die Gegend mit dem Kind nicht mehr so einfach verlassen, ohne entdeckt zu werden. Also ließ er Jake zurück und ging weg. Die Polizei meinte im Nachhinein, dies könnte schon eine ungeplante Entführung sein. Der Mann sah Jake und versuchte es, aber die Tatsache, dass es öffentliche Aufmerksamkeit dazu gab, änderte genau so spontan seine Pläne.

Ich hoffe wirklich, dass keiner von euch jemals in der Situation „Kind verschwunden“ ist.

Aber jetzt wisst ihr Bescheid, was zu tun ist:
Schreit, laut und deutlich, dass euer Kind verschwunden ist und gebt eine schnelle Beschreibung: Alter, Haarfarbe, Klamotten.
Habt keine Zurückhaltung. In so einem Moment zählt nur eins: Euer Kind!

Viele Eltern zögern, gleich so eine Panik zu machen und die Beschreibung des Kindes so deutlich in allen Richtungen zu schreien. Ihr auch? Bedenkt: Was ist das Schlimmste, was passieren könnte? Ein wenig peinlich sein?

Das wichtigste in so einem Moment ist: Das Kind unversehrt zurück zu bekommen.

Im Fall von Olivers Neffe Jake hätte das ein ganz anderes Ende nehmen können.

Bitte teilt den Artikel – er kann vielen Eltern helfen, sich im brenzlichen Augenblick richtig zu verhalten.

Ich, Béa, habe auch noch mit meiner Tochter eingeübt, dass sie sofort bei mir sein muss, wenn ich pfeife. Die Wirkung des Pfeifens ist aber auch, dass es sehr hohe Aufmerksamkeit, auch in einer solchen Situation erzeugt. Vielleicht wollt ihr das mit meinem Tutorial lernen?

Liebe Grüße,

Béa

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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5 Kommentare

Brigitte
Antworten 15. Juni 2018

In Bibione am Strand ging meine damals 5jährige Schwester verloren, meine Mutter suchte sie verzweifelt, bis ihr eine erfahrene Dame den Tipp gab: Kinder laufen immer weg von der Sonne! So war es auch und so fand sie meine Schwester in den vielen Reihen von Liegen und Sonnenschirmen wieder!
Danach hat sie uns 4 Kinder immer mit einer eigenen „Pfeifmelodie“ beisammen gehalten, die hat sich so in mir verankert, dass mich die Melodie auch in einer großen Menschenmenge sofort aufmerksam macht, da hilft lautes Schreien bei weitem nicht so viel!
Vielen Dank für diese WERTVOLLEN Tipps!! Ich hoffe, dass wir nie so etwas erleben müssen!
Liebe Grüße, Brigitte

    Béa Beste
    Antworten 15. Juni 2018

    Das ist eine gute Idee mit der Melodie! Danke dir!

      Roger
      Antworten 18. Juni 2018

      Mit meinen Eltern haben wir immer geschnalzt :)

Nette
Antworten 19. Juni 2018

Wir hatten zuhause auch einen „Familienpfiff“.
Da hatten unsere Eltern schon vor 45 Jahren eine super Idee!

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