Die Schönheit, wenn man ganz nah rangeht: #cleanvsreal und das Plus auf dem Glückskonto


Wie echt, wie wirklich sind die Welten, die wir euch als Blogger zeigen? Und die Instagram-Welt? Servieren wir euch täglich geschönte Fake-Welten und Bilder in Weiß-Rosa-Pastell oder einem strahlenenden Lichtgrau mit ganz viel Pünktchenmustern – oder als Video auch noch mit zart säuselnder, lieblicher Stimme?

Nö, wir nicht.

Wir von Tollabea sind eher bunt, laut und ehrlich direkt in unserer Ansprache.

Trotz der Vermutung, dass mein Instagram-Account langsamer wächst, habe ich bislang an kräftigen Farben festgehalten und nur homöopatisch mit Filter und Highlight an meinen Bildern hantiert. Meistens habe ich nur Rottöne hochgedreht.

Bis wir letzte Woche eine Absage eines sehr geschätzten Kunden bekamen, mit der Begründung, sie würden sich nur noch auf „cleane Instagram-Accounts“ setzen. Und da kam ich auf die Idee! Ich rief die #cleanvsreal Instagram-Challenge auf.

Die Idee von #cleanvsreal ist einfach: Immer zwei Bilder posten.
Bild 1: Zunächst die geschönte Fassade, das Close-Up, mit allen Lichttricks und Filtern bearbeitet.  
Bild 2: Dahinter, wie es wirklich aussieht, ganz unbearbeitet, die Totale. 

Und das war mein erstes Bilderpaar:

Die Aktion #cleanvsreal war für mich, als ich sie ins Leben rief, irgendwas zwischen einer schnellen Laune und einem Akt der Rebellion: Ich wollte zeigen, wie unecht und unauthentisch „Clean“ ist, mit fotografischem Schnickschnack und ganz kleinem perfekt ausgesuchtem Ausschnitt.

Und dann wollte ich – bähm!!! – die Realität, das Wahre, weniger schöne Authentische präsentieren.

Doch recht bald entdeckte ich darin eine ganz neue Betrachtungsweise.

#cleanvsreal, ihr Lieben, wird jetzt schon philosophisch.

Ich entdeckte die Liebe zum Detail. Zum intensiven Blick aus der Nähe. Denn ganz genau hinschauen ist ein Plus aufs Glückskonto im Leben. Die eine Kleinigkeit finden, die selbst im größten Chaos, selbst im Dreck noch wunderschön sein kann.

Ich realisierte, dass ich eigentlich genau das im Leben mache und genau das mir sehr viel Lebensfreude gibt.

Wenn ich mit Menschen zu tun habe, finde ich schnell etwas an ihnen, was ich schön und liebenswert finde. Ich schaue jeden sehr intensiv an, wenn ich ihn kennenlerne. Ich glaube stark an die Magie der ersten Begegnung und versuche, alles auf das Wahrnehmen zu fokussieren. Mir fallen schöne Augen auf (schon mal Augen gesehen, die nicht schön sind, eigentlich?), mal ein Grübchen, nette Lachfalten, ein verschmitztes Lächeln. Hände schaue ich gern an. Sie erzählen viel von Kraft und Anpacken oder von Zärtlichkeit und Sanftheit – bei Männern und Frauen, da mache ich kein Unterschied. Im Laufe des Gesprächs sind es Worte und Äußerungen, die mich anziehen. Hat jemand eine besondere Art von Humor? Oder sogar eine besondere Verletzlichkeit? Worte, Ausdrucke – das sind auch Details, die ich wahrnehme, und sehr schön finden kann. Ich verliebe mich oft in Wesenszüge meiner Mitmenschen, ohne mich in den ganzen Menschen richtig zu verlieben. Aber für ganz viel Wertschätzung ist es gerade wunderbar.

Wenn ich mit Situationen zu tun habe, gilt für mich Gleiches. Warten am Flughafen? Nervig, zweifelsohne. Aber so eine Flughafenhalle hat auch eine eigene Ästhetik. Und die Menschen. Ich schaue hin. Na gut, auch Flughafenshops habe ihre eigene Ästhetik, hihi… aber das ist was anderes, #cleanvsreal lässt sich auch mit Humor auf mein Kreditkartenkonto anwenden.

Ich muss morgens aufstehen? Ich finde etwas, was mir Freude macht, selbst wenn es regnet – meistens ein Kaffee und meine #coffeepareidolia – Spielerei… Lecker und lustig, nur ein Detail, und schon macht sich in meinem Gehirn die gute Mischung aus Dopamin und Serotonin bemerkbar, die mich lächeln lässt.

Guten Morgen! Mit #butterbrot und #kaffee geht es weiter mit der #cleanvsreal #instagramchallenge und dem #pareidoliaproject – ich mag das #spiel mit der #wirklichkeit … und merke, dass es um beides geht: #mehrrealitätaufinstagram und #mehrfantasie im #alltag ! auf dem zweiten Bild sieht ihr mich am recht unordentlichen Schreibtisch. Heute wird es bei mir ein recht voller Tag, habe ziemlich viele Termine, eine Geburtstagsfeier am Abend. Ganz nebenbei versuche ich, jemanden im Freundeskreis zu helfen, das ist eine Mutter mit einem dreijährigen Kind, die ganz große Probleme hat mit dem Vater des Kindes und nach einem Familienanwalt sucht, der sich mit internationalem Recht auskennt… Also, #koffein rein und #abandiearbeit . . . #momslife #momblogger #selbständig #mompreneur #pareidolia #parents #iseefaces #drawing

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Lächeln! Ja!

Kennt ihr den Tipp, der sogar für depressive Menschen gelten soll, dass wenn es einem schlecht geht, man sich selbst im Spiegel 60 Sekunden anlächeln sollte? Angeblich passieren da zwei Sachen: Zum einen entstehen ganz einfach physiologisch durch die Muskeldehnung ein Druck auf bestimmte Nervenbahnen, die das Gehirn beeinflussen. Und dann kommt auch noch im Gehirn durch die Augenrezeptoren die Botschaft an: „Hey, da schaut mich jemand freundlich an, wie nett.“  Die unvergessliche Vera Birkenbiehl erklärt es in diesem Video auf sehr humoristische Art und Weise:

Müssen wir die Fake-Welten verdammen? Und die geschönten Instagram-Accounts?

Jessika von Herz & Liebe hat sich den Täuschungsfrust von der Seele geschrieben:

„Je mehr ich darüber nachdachte, desto mehr erschien mir so vieles inszeniert. Inklusive meines eigenen Lebens, das ich mit euch geteilt habe oder teile. Ja, richtig gelesen! Ich habe mal in einem Interview gesagt, dass ich sehr darauf achte, was ich von mir preisgebe. ICH entscheide, was ich veröffentliche. Und damit entscheide ich allein, welches Bild, welchen Eindruck die anderen von mir und meinem Leben haben. Und es ist so leicht, seine Mitmenschen zu täuschen. Wenn ich aus 100 Bildern nur dieses eine Bild veröffentliche, auf dem ich lache, denken sie, ich sei glücklich. Von der Existenz der 99 anderen Bilder, geschweige denn dass mir auf denen möglicherweise ganz und gar nicht zum Lachen war, wird nie jemand etwas erfahren. „

Und das brachte mich zum nachdenken.

Was ist Fake, was ist einfach nur ausgewählt und gute Verkaufe? Und was ist so erdacht und präsentiert, dass es uns selbst Spaß macht und die eigene Laune verbessert?

Zweifelsohne, wenn richtig gelogen wird, Fakten verdreht als Nachrichten serviert werden, ist das nicht OK. Für uns alle. Grüße ins Weiße Haus.

Wenn jemand ein schöneres Leben vortäuscht und uns damit erheitert, ist es meistens nicht OK – für denjenigen, der es tut. Denn früher oder später entsteht bei ihm Streß. Der prominensteste Fall in der Influencer-Szene ist Essena O’Neil, die nach vielen gut bezahlten Jobs als Instagram-Fashion-Icone hunderte von Posts der Vergangenheit löschte, an den Rest noch mal redaktionell ran ging und im Text die wahren Stories dazu erzählte…

Sie erzählt ihre Story in diesem „letzten“ YouTube Video – inklusive dem Angebot eines männlichen Supermodels, der ihr statt einem echten Antrag einen Businessplan angeboten hat: eine Schein-Beziehung, die sich auf Instagram und Youtube abspielt und dem Paar eine Menge Geld und neue Follower beschert!

Und dann gibt es aber auch die andere Sichtweise, das Cherry-Picking in der Realität.

Fokus auf die schönen Details ist auch ein legitimer Ansatz! Das kann passieren ohne die Realität zu verleugnen. Sie nur in den Hintergrund treten lassen, für einen Augenblick, in dem nur das Schöne und Gute zählt. Eine selektive Wahrnehmung der Dinge, die mir gut tun, und die so zubereitet sind wie eine gute Mahlzeit. Ich serviere meinen Gästen auch nicht den vollen Kühlschrank und die Vorratskammer im Rohzustand! Ich brutzle und gestalte, ich schmecke ab und dekoriere. Und wenn wir Fotos von Menschen schießen, ruft meist einer „Cheese!“.

Das mache ich gern auch mit Worten und Bildern. Für euch. Aber auch für mich selbst.

Und wenn es mir mal nicht danach ist, weil es in Juli gefühlte 100 Tage am Stück regnet, dann schimpfe ich gern wie ein Rohrspatz in allen Social Media Kanälen. Weil auch das lustig und befreiend ist!

Versteht ihr, was ich meine?

Liebe Grüße,

Béa

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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6 Kommentare

Tamara
Antworten 28. Juli 2017

Ach, danke!
Also, MIR tut es total gut, meine Bilder mit einem liebevollen Blick aufs Detail zu knipsen. Das schärft meinen Blick auf die Kleinigkeiten. Es ist wie 60 Sekunden lächeln: Schau Mal länger genau hin, ist deine Welt nicht schön?! Ja, ist sie!
Natürlich gibt es gefakte Accounts, die so tun, als wäre es wirklich immer so, aber hey: Da folge ich einfach nicht lang. Jede(r) kreiert sich seine eigene Filterbubble, das ist schöner als ewig zu schimpfen.
Ansonsten ist eben in meinen Augen vieles auf Instagram tatsächlich Realität, wenn auch nur ein Ausschnitt davon, etwas heller belichtet und weicher gezeichnet.
Noch ein Gedanke: Ich lass auch nicht jeden Fremden in mein unaufgeräumtes Schlafzimmer, wieso sollte ich meinen Instafollowern das erlauben? Das macht mich aber nicht weniger authentisch.
Dafür leg ich in meinen Texten häufiger
mein Herz offen hin, passend zu meinen Herzens-Bildern.

Konfuse Gedanken zur Nacht, hoffentlich trotzdem verständlich ?

Grüße, Tamara

JesS von feierSun.de
Antworten 29. Juli 2017

Ich finde super spannend, dass ich dein Experiment mit einem anderen Ergebnis als erwartet entwickelt hat. Ich habe es gesehen und war wirklich gespannt was daraus wird. Ich mag es ja total, auf die schönen Dinge im Leben zu schauen, das tut mir gut das macht mir Freude. So gestalte ich meinen Alltag .

Die Mischung aus "schönes im Feed und Alltag in den Storys" ist genau mein Ding. (Steht auch so in meiner Bio)

Am Ende hat Authenzität nichts mit schönen, weißen, bunten oder verwackelt Bildern zu tun. am Ende hat Authenzität etwas damit zu tun, wem ich am Abend im Spiegel in die Augen schauen.

Drück dich und bleib so offen wie immer.
JesS

JesS
Antworten 29. Juli 2017

Ich finde super spannend, dass ich dein Experiment mit einem anderen Ergebnis als erwartet entwickelt hat. Ich habe es gesehen und war wirklich gespannt was daraus wird. Ich mag es ja total, auf die schönen Dinge im Leben zu schauen, das tut mir gut das macht mir Freude. So gestalte ich meinen Alltag .

Die Mischung aus "schönes im Feed und Alltag in den Storys" ist genau mein Ding. (Steht auch so in meiner Bio)

Am Ende hat Authenzität nichts mit schönen, weißen, bunten oder verwackelt Bildern zu tun. am Ende hat Authenzität etwas damit zu tun, wem ich am Abend im Spiegel in die Augen schauen.

Drück dich und bleib so offen wie immer.
JesS

Jessika
Antworten 29. Juli 2017

<3 Ich mag deinen Standpunkt! Danke!

    Béa Beste
    Antworten 29. Juli 2017

    Wunderbar. Schön, dass du das gelesen hast! Und bis bald auf ein Kaffee... Liebe Grüße, Béa

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