Fernsehverbot – Bringt das überhaupt was?


„Fernsehen verblödet!“
„Fernsehen macht dumm!“
„Fernsehen macht die Augen quadratisch!“
Wir alle kennen diese Floskeln, mit denen wir aufgezogen wurden. Ich habe mir Gedanken zu dem berühmten Fernsehverbot gemacht und mich gefragt, ob es überhaupt was bringt.

Bevor ich angefangen habe, diesen Beitrag zu schreiben, habe ich mir im Internet ein paar Artikel zu diesem Thema durchgelesen. Ich wollte nämlich herausfinden, warum alle Welt das exzessive Fernsehen verbieten will. Die Meinungen waren so dermaßen erschreckend, dass ich sie überhaupt nicht glauben wollte. War das Fernsehen wirklich so schädlich? Führte es ernsthaft zu Übergewicht und Kriminalität? Ließ es das Hirn wirklich schneller schrumpfen? Das schien mir trotz belegter Studien doch etwas sehr weit hergeholt.

Ich schloss also alle Tabs wieder und beschloss, aus meiner persönlichen Sicht zu schreiben. Denn obgleich ich sehr kritisch zum maßlosen Fernsehkonsum stehe, finde ich Fernsehverbote dennoch bedenklich.

In heutigen Zeiten ist es nicht ungewöhnlich, in jedem Haushalt mindestens einen Fernseher zu besitzen.

Als ich ein Kind war, war der Trend gerade erst im Kommen. Und da nicht jeder einen Fernseher besaß, war das Fernsehen gewissermaßen exklusiv. Ich platze fast vor Glück, als wir auch endlich einen bekamen.

Als Kind liebte ich das Fernsehen. Die Zeit vor der Glotze war mir irgendwann die liebste des Tages. In einige Freundschaftsbücher schrieb ich bei Hobbies manchmal sogar: Fernsehen. Meine Eltern wussten natürlich, dass meine Schwester und ich gern fern schauten. Dummerweise wurde dieses Medium irgendwann in die „Verbotsliste“ integriert.

Bei uns gab es zwei Formen von Fernsehverboten:

1. Fernsehverbot, um nicht zu verblöden!

Die Regel sah vor, pro Tag zu einer bestimmten Uhrzeit fern zu sehen. Zwei Stunden und nicht länger. Entweder abends oder morgens. Andernfalls würden wir „verblöden“. Anstelle des Fernsehens sollten wir raus gehen, uns austoben und amüsieren. Ich verstehe die die Tendenz, die Kinder weg von der Glotze zu bewegen, damit sie nicht bloß konsumieren. Aber verblödet das TV wirklich? Das Kinderfernsehen war zwar nicht immer geistreich, aber ich hatte nicht den Eindruck, dass es mich blöder machte.

Das nächste Verbot ging mir besonders an die Nieren…

2. Fernsehverbot als Strafe…

Ich gehe mal davon aus, dass in jeder Familie Konsequenzen für „unartige“ Kinder herrschen. Bei uns war das Schlimmste das angsterfüllte Fernsehverbot. Da wir ohnehin nicht lange am Tag fernsehen durften, fühlte sich eine Woche Fernsehverbot wie die reinste Folter an.

Aber tja, wenn wir nicht fernsehen durften, mussten wir es eben heimlich tun…

Ist das, was verboten wird, nicht noch interessanter?

Ich weiß noch, wie meine Schwester und ich uns um 5 Uhr morgens gegenseitig weckten, und leise zum Wohnzimmer schlichen. Vorsichtig machten wir den Fernseher an und stellten uns genau davor, damit wir die Lautstärke so leise wie möglich hielten. Anschließend schlichen wir uns wieder zurück in unsere Betten und gaben uns schlafend. Im Schnitt schauten wir sogar mehr fern als vorher.


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Übrigens kam uns unsere Mutter irgendwann auf die Schliche, weil sie nur an das Röhrengerät fassen musste, um festzustellen, dass er noch sehr warm war und vor Kurzem benutzt wurde…

Wenn etwas verboten wird, dann wird es exzessiver konsumiert.

Da meine Schwester und ich wie gesagt nur sehr kurz am Tag fern schauen durften, kompensierten wir es bei meinem Vater über. Wenn wir in den Sommerferien bei ihm waren, schauten wir so viel wir konnten (er arbeitete nämlich lange und konnte nicht überwachen, wie lange wie schauten). Wir glotzten manchmal nur aus Prinzip, weil wir konnten. Und wenn er da war, hielt er uns auch nicht davon ab, denn ich hatte euch bereits erzählt, dass das gemeinsame Fernsehen die Beziehung zu meinem Vater stärkte.

Bringen Verbote wie diese wirklich was?

Rein objektiv betrachtet finde ich es total sinnvoll, seinen Kids nicht erlauben, den ganzen Tag nur vor der Glotze zu hocken. Ich kann aber nicht abstreiten, dass mir das „nicht Fernsehen“ besonders viel gebracht hat.

Als Kind brachte mir das Fernsehverbot wenig. Aber ein späteres Nicht-Verbot war auch nicht das Richtige.

Als ich mit 16 einen eigenen Fernseher in meinem Zimmer bekam, war die Freude natürlich riesig. Endlich glotzen! Wann immer ich wollte, so oft ich wollte. Ich nahm meine eigenen Worte ernst. Ich schaute jeden Tag fern. Schon morgens, während ich mich für die Schule fertig machte, schaltete ich die Glotze ein und ließ den Fernseher nebenbei laufen. Und als ich nach der Schule nach Hause kam, ging ich auch erst mal an den Fernseher und spähte in das Nachmittagsprogramm rein. Besonders schlimm wurde es aber abends. Denn irgendwann konnte ich ohne den Fernseher nicht mehr einschlafen. Ich brauchte das gedämpfte Gemurmel und das flackernde Licht, um wegzudösen.

Ich wurde abhängig vom Fernseher.

Das Schlimmste war dabei, dass ich zwar schlafen, aber nicht besser schlafen konnte. Ein Artikel von der Welt schreibt darüber, dass das Fernsehen beim Einschlafen ziemlich schädlich sein kann, weil das blaue Licht die Produktion des Schlafhormons Melatonin beeinträchtigt. Das Fernsehen ist also berechtigt schädlich. Und der Wunsch der Eltern, das Kind nicht allzu lang vor der Glotze hängen zu lassen, ist verständlich.

Was ich aber eigentlich damit sagen will ist Folgendes:

Exzessiver Fernsehkonsum kann Folgen haben. Aber ein Fernsehverbot wird das Problem vermutlich nicht wirklich lösen.

Mein Tipp wäre daher, anstelle der Floskeln (Fernsehen macht die Augen rechteckig), sachlich auf die Folgen des Fernsehens hinzuweisen. Verbote können nämlich (wie in meinem Fall) dazu führen, das Fernsehen heimlich und auf eine ungesunde Weise zu konsumieren – und in späteren Jahren überzukompensieren.

Was ist eure Meinung zum ganzen Fernsehverbotsthema? Gibt es bei euch das berüchtigte Fernsehverbot auch?

Liebe Grüße
Mounia


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Mounia
About me

Ich - 25 Jahre alt, Studentin, Kinderanimateurin, begeisterte Hobbyköchin und abenteuerlustig! Meine absolute Leidenschaft ist das Schreiben und Festhalten von Momenten.

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