Lernquelle Entertainment: Unterhaltung bildet, oft! Öfters als uns bewusst ist


Als wir hier und in den sozialen Medien unseren Beitrag über die Netflix-Serie Bridgerton gebracht haben, gab es Kommentare, die die Berechtigung des Themas bei Tollabea in Frage stellten – da es aus der Sicht einiger LeserInnen nicht passend sei, auf einer Familienseite mit Bildungs- und Erziehungsthemen.

Nein, es waren nicht viele solche Kommentare! Aber ich habe mich herausgefordert gefühlt. Weil uns und unseren Kindern die Entertainmentbranche ganz viele Bildungsangebote bietet, aus meiner Sicht.


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Und dafür möchte ich euch gern sensibilisieren: Für die Lern-Nuggets in Filmen, Serien und Shows!

Erstmal eine Info: Als ich mich im Herbst 2019 mit einer Gruppe von Linguisten in Barcelona austauschte, war schon die Rede von der „Netflix-Generation“ – ganz besonders bezogen auf die Englischkenntnisse. Damit sind die heutigen ca. 15-20-Jährigen gemeint, die sich durch die US-amerikanischen Serien in Original mehr Englischkenntnisse angeeignet haben als durch Unterricht in der Schule. Zum Thema Sprache und Spracherwerb habe ich bereits geschrieben und da wird in der nächsten Zeit noch mehr kommen, versprochen. Denn Sprache hat was mit Beziehungen zu tun – und zu Charakteren in Geschichten, also auch in Filmen und Serien, gehen wir virtuelle Beziehungen ein. Wir fühlen uns verbunden und wollen sie verstehen… und so lernen wir ihre Sprache! Und wir – und unsere Kinder – lernen viel mehr.

Unterhaltung bildet.

Ich möchte mit euch eine Liste der Unterhaltungs-Bildungseffekte für mich und meine Tochter Carina hier anfangen – und freue mich auf Ergänzungen von euch. Manchmal sind es ganze Filme und Serien, machmal nur bestimmte Szenen, die für mich mit einem speziellen Lerneffekt verbunden sind:

1. Woody-Woodpecker und Tom & Jerry waren die „Never ever give up“ Meister meiner Kindheit.

Mit den Zeichentrickfiguren habe ich gelernt, dass wenn etwas im Leben nicht funktioniert, ich noch 1.000 andere Wege (oder mit mindfulsun zu sprechen: Strategien!) habe, um das zu erreichen, was ich brauche.

2. Columbo hat mir beigebracht, Dingen sorgsam nachzugehen. Und auf Details zu achten.

Am meisten hat mir das bei Textaufgaben geholfen. „Wie würde Columbo vorgehen?“ war meine Hauptfrage. Na gut, oder aber auch Sherlock Holmes, je nach Phase. Oder auch andere Krimis.

3. Entrepreneurship habe ich bei Dallas geschnuppert.

Trotz allen Intrigen: In meiner Kindheit war Dallas ganz groß. Das Thema „Öl suchen, Öl finden, Öl verkaufen“ hat mich in den 80ern fasziniert. Und die Idee, ein Unternehmen aufzubauen und zu führen – natürlich nicht so böse wie JR, sondern mit der Güte von Bobby – auch!

4. Papillon hat mich gelehrt, was Freiheit bedeutet.

Zugegeben, das war zuerst im Buch, und dann im Film. Dem Thema habe ich ein ganzes Kapitel in meinem Trias-Buch „Erziehen ist ein Kinderspiel“! gewidmet! Und natürlich ist das Thema Freiheit ganz groß: Von „Free Willy“ zu „Independence Day“ habe ich immer wieder über diesen Wert nachgedacht, der sich auch in meiner Biografie wiederfindet.


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5. Grey’s Anatomy und Scandal haben mir (unter anderen) neue Perspektiven auf das Thema Diversity eröffnet.

Nennt mich naiv, aber ich bin in einer so liberalen Familie fern von Ablehnung gegenüber Menschen aus anderen Kulturen oder mit einem anderen Aussehen aufgewachsen, dass ich oft das Thema Rassismus als gesellschaftliches Problem zwar rational, aber nicht gut emotional verstanden habe. Natürlich waren es auch andere Filme und Serien in meiner Kindheit, die mir zum emotionalen Nachvollziehen dieses gesellschaftlichen Problem geholfen haben. Aber die zwei Serien bringen für mich eine so intensive emotionale Tiefe in dem Thema, dass sie mir als erstes einfallen.

6. Noch mal Grey’s Anatomy: Das Lehrbuch für den Umgang mit Krankheiten, Beziehungen, Katastrophen…. bis hin zu Organspende.

Vielleicht wisst ihr es nicht, aber mein beruflicher Werdegang ist auch geprägt von vier Jahren beim TV. Ich war Produktmanagerin bei SAT.1 und habe mich um eigenproduzierte Serien und Filme gekümmert. Ich weiß, wie schwer es ist, eine gute Serie zu machen – und vor allem eine, die seit fast 18 Jahren am Markt ist. Grey’s Anatomy von Shonda Rhymes ist für mich ein Meisterwerk an gesellschaftlich relevanten Themen – bis hin zur Staffel 17, die gerade von der Pandemie handelt. Und ich kann mich erinnern, wie ich nach einer bestimmten Szene sofort einen Organspendenausweis downgeloadet und ausgefüllt habe, und diesen seither in meiner Handtasche mit mir trage.

7. Schindlers Liste als Stellvertreter für alle Filme, die das Nazi-Grauen erlebbar machen.

Ich glaube, an dieser Stelle können wir alle ein Moment Stille und Gedenken einlegen.

8. Rain Man und Switched at Birth haben mir geholfen, hinter die sogenannten „Behinderungen“ anderer Menschen zu schauen.

Natürlich auch hier bleibt es nicht bei den zwei Beispielen. Sie sind nur diejenigen, die mich komplett ergriffen haben. Weil die US-amerikanische Serie „Switched at Birth“ weniger bekannt ist: Es handelt sich um zwei Mädchen, die bei der Geburt vertauscht wurden und später ihre biologischen Eltern wiederfinden. Eine davon ist aufgrund einer Meningitis in der frühen Kindheit stark hörgeschädigt – und geht auf eine spezielle Schule, die hauptsächlich mit Gebärdensprache unterrichtet. Faszinierend, welchen Sog nicht nur die Geschichte, sondern auch die Gebärdensprache für mich entwickelt hat. Ich habe vor, eines Tages diese Sprache zu lernen.

9. Bin bei Mounia: Sex Education ist relevant!

https://www.tollabea.de/kennt-ihr-schon-die-neue-netflix-serie-sex-education/

Mir fällt noch sehr viel ein in dieser Sache und würde euch gern das Wort überlassen:

Welche Filme und Serien haben einen Lern- bzw. Bildungseffekt für euch gehabt – und was war dabei besonders? Welche Unterhaltung hat euch gebildet?

Liebe Grüße,

Béa

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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4 Kommentare

Annette
Antworten 28. Februar 2021

Hey, mir fällt spontan "seven heaven" ein, ein Familienleben, dass ich so nie hätte und faszinierend fand. Außerdem hab ich schwanger mit K2 call the midwife geschaut. Die "Normalität" von Geburt hat mich geflasht. Im west wing hab ich unglaublich viel über USA gelernt.

Barbara
Antworten 28. Februar 2021

Ich finde die Sitcoms „Immer wieder Jim“ oder „Modern Family“ toll, weil sie ein Familienbild bzw. Beziehungsbild zeigen, in dem die Partner sich gegenseitig annehmen, wie sie sind - trotz aller Schwächen und Verfehlungen. Am Schluss rauft man sich zusammen, verzeiht sich und liebt sich immer noch.

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