Handy zocken am Spielplatz und das mit 4? Kommt die „Jugend von heute“ nicht mehr an der Digitalisierung vorbei?


Durch meine Arbeit mit Kindern lerne ich immer wieder neues dazu! Besonders meine Arbeit beim Babysitten kann ich in das Leben von Kindern hautnah miterleben. Allerdings ist nicht alles nur knuffig und süß, sondern manchmal auch etwas verstörend. Zum Beispiel, wenn Kleinkinder Handy zocken – und das auf dem Spielplatz!

Aber nochmal auf Anfang:

Neulich beim Babysitten ist mir folgendes passiert:

Es war ein wunderschöner Tag in Berlin. Die Sonne knallte auf die Stadt herab und versprach einen heißen Tag. Ich holte mein Babysittingkind von der Kita ab und ging mit ihm auf den Spielplatz, weil es mich förmlich darum anflehte. Dort traf es dann zufällig auf einen Freund aus seiner Kita Gruppe und wollte unbedingt mit ihm Zeit verbringen.

Ich setzte mich also auf eine Bank und ließ sie spielen. Das dachte ich zumindest…

Rumsitzen und am Handy zocken!

Sein Freund (4) hatte sich das Handy seiner Mutter geschnappt und saß am Rand des Sandkastens. Mein Babysittingkind und ein anderer Junge saßen links und rechts neben ihm und schauten ihm gespannt über die Schulter. Und das eine volle halbe Stunde lang!

Ich hatte mein eigenes Handy extra nicht rausgepackt, um ihn nicht aus den Augen zu lassen oder gar ein schlechtes Vorbild abzugeben – und dann sah ich zu, wie er am Spielplatz saß und nur auf ein Bildschirm starrte!

Nach einer Weile ging ich vorsichtig zu ihm und fragte, ob wir demnächst heim wollten, doch er wollte gaaaaanz lange bleiben und „spielen“….

Was spielen? Handy zocken am Spielplatz?!

Die Szene war ziemlich absurd. Da geht man mal zum Spielplatz, um zu spielen, und dann wird statt am realen 3D Ort lieber in einer virtuellen Welt gespielt. Kein Schaukeln, kein Rutschen, kein Buddeln. Das hatte er ja alles schon in der Kita gemacht, aber was es dort nicht gab, waren Handys!

Was hätte ich tun sollen? Einen auf Moralapostel machen, obwohl ich sonst selbst viel zu viel Zeit am Handy verbringe? Es ihm verbieten? Ich war ja nicht seine Mutter! Und petzen wollte ich auch nicht… Also sah ich zu, wie die drei am Handy spielten, kein Wort miteinander sprachen und sich bloß von den Farben und Tönen, die von diesem kleinen Bildschirm ausgingen, berieseln ließen.

Sind Handys bei Kindern nur deshalb beliebt, weil sie selbst keins haben dürfen?

Seine Eltern sind sehr konsequent, was Elektronik angeht. Er ist vier, deshalb sehen sie keinen Grund darin ihm ständig ein Handy in die Hand zu drücken. Aber dadurch wirkt es immer noch attraktiver, wenn vor seinen Augen mal mit einem Handy hantiert wird. Er hält es gern in der Hand, tut dann so, als würde er telefonieren und findet es unglaublich, wenn Fotos damit gemacht werden. Und ich verstehe es! Bei den ersten Nokia Teilen habe ich mindestens genauso enthusiastisch reagiert!

Aber würde er denselben Hype empfinden, wenn er selbst ein eigenes besitzen dürfte? Oder liegt der Reiz eher daran, dass das Smartphone nicht für Kinder gedacht ist und daher noch reizvoller wirkt?

„Die Jugend von heutzutage“?

Obwohl ich selbst Teil der „Generation Y“ bin und mit Fernsehern, Game Boys und Tamagotchis aufwuchs, erwischte ich mich dabei, wie ich den Kopf schüttelte und an meine Zeit zurückdachte, in der ich damals nur am Spielplatz tobte. Doch dann erinnerte ich mich an meinen Vater, der seinerzeit dasselbe über uns gesagt hatte: Dass wir Kinder viel zu oft zu Hause rumhockten, fern sahen und er in meinem Alter noch auf Bäume geklettert war und den ganzen Tag draußen verbrachte.

Wie man es richtig macht, weiß ich nicht. Vermutlich können wieder ich noch die Eltern seine Interessen beeinflussen. So ist nun mal die Welt von heute – digital! Inzwischen auch bei Kindern! Wir können wohl gar nicht mehr ohne…

Was ich davon halten soll, weiß ich trotzdem nicht. Es hinterlässt einen unangenehmes Gefühl in mir. Wie wird die Welt wohl sein, wenn ich in 10 Jahren eventuell auch Kinder haben sollte?

Was ist eure Meinung dazu? Ist euch dieses Phänomen auch mal aufgefallen? Greift ihr ein bei euren Kindern?

Liebe Grüße, Mounia

Mounia
About me

Ich - 24 Jahre alt, Studentin, Kinderanimateurin, begeisterte Hobbyköchin und abenteuerlustig! Meine absolute Leidenschaft ist das Schreiben und Festhalten von Momenten. Und durch ein Praktikum bin ich nun bei Tollabea gelandet und werde hoffentlich weiterhin viel lernen und den Blog damit erweitern. :)

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