Kinderrechte sind Menschenrechte und das fängt zu Hause an


Ich habe in letzter Zeit zum Thema „Respekt und Kinderrechte“ reflektiert und versuche in diesem Artikel meine Gedanken aufzuschreiben. Es ist meine Reflexion, kein Ratgeber und ich bin auch ein wenig unsicher, ob ich transportieren kann, was mir wichtig ist. Als Fazit am Ende zu lesen…

Beginnen möchte ich mit einem Zitat aus dem Büchlein „Kinder einfühlend ins Leben begleiten“ von Marshall B. Rosenberg:


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„Zunächst möchte ich Ihre Aufmerksamkeit auf die Gefahr lenken,
die sich hinter dem Wort „Kind“ verbirgt,
denn diese Bezeichnung kann dazu verleiten,
einem so bezeichneten menschlichen Wesen einen anderen Respekt entgegenzubringen,
als Menschen, die nicht dieses Etikett tragen.“

Es geht nicht darum, Kinder nicht mehr als Kinder zu bezeichnen.

Sondern darum, was die Bezeichnung „Kind“ im Umgang miteinander, besonders was Respekt betrifft, auslöst: Hinter das Etikett zu schauen.

Die Übung, die er dann in seinen Eltern Seminaren durchführte: Die Gruppe teilen und jede Gruppe sollte einen Dialog zu einem bestimmten Konflikt niederschreiben. Eine Gruppe wurde gebeten, sich den Dialog mit einem Kind vorzustellen. Die andere Gruppe schrieb den Dialog, den sie mit einem Nachbarn oder einer Nachbarin haben würden.

Fazit nach gemeinsamer Auswertung der Dialoge durch beide Gruppen:

„Jedes Mal, wenn ich diese Übung angeleitet habe,
wurde festgestellt, dass die Gruppe, die das Gespräch mit dem Kind bearbeitet hatte,
weniger respektvoll und mitfühlend in ihrer Kommunikation war…“

Ich möchte das Buch Menschen ans Herz legen, denen es wichtig ist, Beziehungen zu pflegen in denen die Bedürfnisse aller wichtig sind. Am Ende des Buches findet sich eine Liste mit Bedürfnissen, die alle Menschen teilen.

Und dazu gehört im Kontakt mit anderen Menschen eben auch Respekt.
Diesen Respekt bringe ich auch meinen Söhnen entgegen!

Das bedeutet eben auch: Regeln gemeinsam besprechen und zuhören, was sie zu sagen haben.

Warum ich das so betone? Mir gehen manchmal – wenn ich hilflos oder überfordert bin – noch solche Sätze durch den Kopf:

„Weil ich das sage! Weil ich deine Mutter bin!“

Ja, manchmal spreche ich das auch noch aus. Ich bin so geprägt und diese Prägung sitzt tief.
Anmerkung: Es geht nicht um Situationen, wo wir mit unseren kleinen Kindern an der Straße stehen und sie einfach loslaufen. Hier haben wir die Verantwortung, sie zu beschützen.

Wenn ich jetzt von Kinderrechten schreibe, die von der UN im Jahre 1989 in einer Kinderrechtskonvention beschlossen wurden:

Denkt ihr dann daran, dass das auch innerhalb der Familie, im Kindergarten, in der Schule etc. gültig ist? Wenn ich „gültig“ schreibe, möchte ich damit auch ausdrücken: Wie oft werden eigentlich diese Rechte übergangen, die jungen Menschen nicht als Individuen wahrgenommen? Auf der UNICEF-Webseite findet sich auch dieser Artikel mit folgendem Zitat:

„Children are neither the property of their parents nor are they helpless objects of charity.
They are human beings and are the subject of their own rights.“

Kinder sind weder das Eigentum ihrer Eltern, noch sind sie hilflose Objekte von Wohltätigkeit.
Sie sind Menschen und haben Rechte.

Das bedeutet für mich vor allem: Ich „forme“ meine Kinder nicht nach meinen Vorstellungen. Ich begleite sie und es liegt bei mir, dass ich die Rechte meiner Söhne respektiere. Da ich hier nicht endlos schreiben möchte, gehe ich heute auf zwei Artikel der Kinderrechte ein:


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Artikel 12: Berücksichtigung des Kindeswillens

(1) Die Vertragsstaaten sichern dem Kind, das fähig ist, sich eine eigene Meinung zu bilden, das Recht zu, diese Meinung in allen das Kind berührenden Angelegenheiten frei zu äußern, und berücksichtigen die Meinung des Kindes angemessen und entsprechend seinem Alter und seiner Reife.

Artikel 13: Meinungs- und Informationsfreiheit

(1) Das Kind hat das Recht auf freie Meinungsäußerung; dieses Recht schließt die Freiheit ein, ungeachtet der Staatsgrenzen Informationen und Gedankengut jeder Art in Wort, Schrift oder Druck, durch Kunstwerke oder andere vom Kind gewählte Mittel sich zu beschaffen, zu empfangen und weiterzugeben.

Wenn ich das jetzt also auf Familie runter breche, bedeutet das für mich (Beispiele):

Ich höre meinen Söhnen zu und achte ihre Meinung.
Ihre Bedürfnisse sind ebenso wichtig wie meine.
Wir haben gemeinsam Regeln aufgestellt, die unser Zusammenleben betreffen. Ich achte die Privatsphäre meiner Jungs, das beginnt schon damit, dass ich anklopfe, bevor ich ihre Zimmer betrete und auf ein „Herein“ warte.
Dass ich mich mit ihnen zu Gesprächen verabrede und nicht alleine bestimme: Jetzt will ich reden, also reden wir jetzt!“
Ich versuche zu reflektieren, wann ich projiziere: „Was hätte ich mir als Kind gewünscht?“ und das dann auf meine Söhne übertrage.
Dass ich sie in Entscheidungsprozesse einbeziehe.

Und hier komme ich auch wieder auf das Buch von Rosenberg zurück, der das in der Beziehung zu seinen Söhnen in einem Kapitäns-Spiel ausprobiert hat:

„Bei diesem Spiel ernannte ich jeden Tag ein anderes Kind zum Kapitän.
Wenn ein Kind an der Reihe war als Kapitän zu amtieren, habe ich ihm viele Entscheidungen übertragen, die ich für gewöhnlich selber getroffen habe…“

Was die Kommunikation mit der Schule betrifft (nur einer meiner Söhne ist noch in der Schule) spreche ich nicht über ihn, sondern stets mit ihm.

Alle Gespräche mit der Schule finden gemeinsam statt.
Jegliche schriftliche Kommunikation stimme ich auch mit ihm ab.
Für mich stehen hier die Bedürfnisse: Respekt, Wertschätzung und Vertrauen im Vordergrund. Und das hat das Verhältnis zwischen uns und auch mit der Schule enorm gestärkt.

Wer jetzt denkt: Aber Kinder haben noch nicht die Kompetenz, das Wissen und können nicht beurteilen, was gut für sie ist! Kinder leben jeden Tag für den Rest ihres Lebens mit den Konsequenzen der Entscheidungen, die Erwachsene für sie treffen. Wie sollen sie es lernen? Wir können sie altersgerecht einbeziehen. Das bedeutet auch für mich, mit ihnen zu lernen und zu wachsen.

Fast zeitgleich, als ich das Büchlein gelesen habe und begann zum Thema Kinderrechte zu recherchieren, bin über diesen Tweet gestolpert:

Ja, es ist auch wichtig zu lernen, wie ich mit jemandem wertschätzend und respektvoll kommuniziere. Das geht allerdings in zwei Richtungen: gegenseitiger Respekt und die Wahrung der Rechte aller.

Was ich mit diesem Artikel nicht sagen möchte: Gebt ab jetzt jedem zweijährigen Menschen Geld in die Hand und lasst ihn alle seine Entscheidungen selbst treffen!

Sondern ich möchte aufmerksam darauf machen, Menschen in jedem Alter Respekt gegenüber zu bringen und sie als Individuen mit Rechten zu behandeln.

Ich möchte euch gern einladen, zu reflektieren.  Und ich würde mich freuen, wenn ihr eure Erfahrungen mit mir teilt:

Habt ihr euch schon mal Gedanken darüber gemacht, dass die Kinderrechte auch schon im „Mikrokosmos zu Hause“ eine Rolle spielen?

eure mindfulsun

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