Mit Licht schreiben – Eine Dokuserie, die Herzen öffnet. Gastbeitrag über Simon Lister von Carmela Dentice


Carmela Dentice, von der ihr hier schon einiges gelesen habt, hat hier einen ganz besonderen Gastbeitrag verfasst über die Arbeit eines ganz besonderen Menschen: Simon Lister. Sie beschreibt euch selbst, was sie daran besonders berührt:

Es ist erst ein paar Wochen her, doch ich spüre noch immer, wie schnell sich die Welt auf einmal unwirklich angefühlt hat. Mir gingen allerlei Gedanken im Kopf herum und obwohl ich immer jemand gewesen bin, der sich engagiert hat, fühlte ich mich so, als wäre ich vor langer Zeit eingeschlafen und hätte es verpasst, rechtzeitig aufzuwachen.

Die Pandemie hat mir wieder viel stärker ins Bewusstsein gerufen, dass Solidarität großartige Dinge bewirkt und die Hoffnung viel ansteckender sein kann als Sars-Cov-2.

Da die Beschränkungen teilweise mehr Zeit in meinen eigenen vier Wänden bedeuteten, fing ich an, mehr zu lesen, mehr zu schreiben, mir mehr Dokumentationen anzusehen.

Ich schreibe diesen Beitrag, weil es Dinge gibt, die ich gerne an ein breiteres Publikum herantragen möchte. Weil ich glaube, dass sie sehenswert, lehrreich und wichtig sind. Ich glaube außerdem, dass sie in der Lage sind, einen Punkt in uns zu berühren, der uns vielleicht aktiver werden lässt in unserem Bestreben nach einer besseren, gerechteren Welt.

Vor ein paar Wochen schaute ich mir eine Dokumentation auf Netflix an, die einen Wendepunkt darstellen sollte. Sie heißt „Tales by Light“, zu Deutsch „Bildschöne Welt“.

Das ist eine australische Doku-Serie, die das erste Mal 2015 ausgestrahlt wurde. Die erfolgreiche Kooperation zwischen United Film Works und Canon besitzt 3 Staffeln.
(Anmerkung Béa: Wir erwähnen die Marken weil sie nun mal die Plattform für diese wunderbaren Inhalten bieten, der Beitrag ist keineswegs gesponsert!)

Copyright Simon Lister

Es werden begnadete Fotografen bei ihren Fotoprojekten begleitet und so ergibt sich ein einmaliger Blick auf die Kunst der Fotografie.

Dieser wird durch das Können vieler mitwirkender, kreativer Köpfe intensiviert, da Bild, Ton und Reflexionen der beteiligten Künstler ineinanderfließen. Genau dort liegt die Stärke dieses Zeugnisses: sie zeigt die Verbundenheit allen Lebens und aller Lebewesen miteinander auf eine poetische Weise, die sich wie ein wärmender Mantel auf das betrachtende Gemüt des Zuschauers legt.

In der 3. Staffel zeigen die ersten beiden Folgen Simon Lister und den Sonderbotschafter von Unicef Orlando Bloom, vorwiegend während ihrer Reise in Dhaka, Bangladesch und Simons Reise durch Bolivien.

Sie erzählen die Geschichten über Kinderarbeit in schwierigen Umgebungen.

Eine aufrüttelnde Dokumentation über Kinderarbeit, die dem Zuschauer nahebringt, in welch schwierigen Umständen sich viele Kinder dieser Welt befinden und wie selbstverständlich diese Wirklichkeit gelebt wird.

Vor meinem Auge eröffneten sich fast 50 Minuten einer parallelen Realität, die so wahr ist, wie die unsere.
Und die genau in diesem Moment, an einem anderen Punkt der Erde stattfindet.
Wir können uns diese so oft, nicht einmal annähernd, vorstellen.

Ohne spoilern zu wollen, haben mich die Folgen mit Simon Lister so sehr berührt, dass ich nicht nur umgehend allen meinen Kontakten von denselben erzählt habe, sondern auch meine ganze Motivation zusammennahm, um mich selbst zu engagieren.

Ich hörte nicht auf, daran zu denken, wie sehr mich dies alles beeindruckt hat.
Ich wünsche mir sehr, dass noch mehr diese Episoden sehen, sich mehr Menschen engagieren, mehr Kindern geholfen wird.

Hoffnung ist ansteckend und so dachte ich, ich kann Simon Lister anschreiben und mich mit ihm unterhalten, um einen Artikel über ihn zu schreiben.

Ich habe erfreulicherweise die große Ehre von ihm erhalten, über seine Arbeit berichten zu dürfen und er hat sich sofort bereit erklärt, mir wundervolle Fotos und seine Zeit zur Verfügung zu stellen.

Nun muss ich sagen, dass ich keine bekannte Journalistin oder Influencerin bin.
Dennoch möchte ich diese Worte einer hoffentlich großen Bandbreite schenken, um kleine Wunder zu vollbringen.

Ich möchte bekräftigen, dass ich diesen Text so echt und nah wie möglich schreibe,
weil mir Kinder am Herzen liegen. Weil ich selbst Mutter bin.

Weil ich Kinder gesehen habe, die im Alter meiner Tochter sind und in Umständen leben, in denen kein Kind leben sollte. Ich wollte an Mütter schreiben, an Väter, an Tanten und Onkel, an alle, die ein Herz für Kinder haben. Ich möchte nichts unversucht lassen, wenigstens einer weiteren Person diese Dokumentation nahe zu legen und im Best Case zu motivieren, sich in irgendeiner Form zu engagieren.

Copyright Simon Lister

Simon Lister begann seinen Weg als Toningenieur vor 33 Jahren und nachdem ihn seine kreative Reise 9 Jahre später nach Australien zog, gründete er die bekannten Nylon Studios, die nun mit SQUEAK E. CLEAN zu SQUEAK E. CLEAN STUDIOS fusioniert sind.
Seine Leidenschaft für die Fotografie und das Motorradfahren brachten ihn an verschiedene Orte dieser Welt und eröffneten ihm Wege abseits der sauberen Hauptstraßen, jenseits des Tourismus.


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Er sah eine parallele Realität, in der Kinder eine andere Kindheit haben als die, die er erleben durfte.
In der sie sich, entgegen aller Widrigkeiten, diesen Funken Unschuld in ihren Augen bewahren, der Simon zutiefst berührte.

Diesen wollte er der Welt zeigen, um sie wachzurütteln.
Aber vor allen Dingen, um ihre Geschichte zu teilen und vielleicht ein Leben zu retten.
Alle Bilder sind beeindruckend, doch eines hat mich besonders berührt.
Das Portrait eines Mädchens in Dhaka, Bangladesch. Eine Hälfte des Gesichts wird von Schatten gezeichnet während die andere, durch Simon und seiner Kamera beleuchtet werden.

Wenn man genau hinsieht, findet man ihn, heruntergebeugt, im bestrahlten Auge des Mädchens.

Copyright Simon Lister

Es wundert nicht, dass Unicef auf ihn aufmerksam wurde und ihn zu ihrem Fotografen und Filmschaffenden machte.

„Wir können vielleicht nicht alle immer die gleiche Sprache sprechen“, sagt Simon, „aber durch Bilder können wir dies erreichen und uns mitteilen.“
Tales by Light Produzent Abraham Joffe wollte genau den Menschen hinter der Linse eine Stimme geben, um die Liebe für die Beweggründe der Fotografie zu vermitteln. Um zu zeigen, was jede einzelne Person antreibt und nicht aufgeben lässt, um das perfekte Bild zu erhaschen.

Beim Betrachten der Doku-Serie, hatte ich das Gefühl in Simon Lister eine Person zu sehen, die eine unglaubliche Schaffenskraft hat und die Fähigkeit, seinen Sinnen auf verschiedene Art und Weise Ausdruck zu verleihen.

Verbringt man nur 5 Minuten auf der Seite www.simonlisterphotography.com, eröffnet sich die Einsicht, dass man eine bemerkenswerte Sammlung an Verschmelzungen von Bild, Ton und Fotografien vor sich hat, die stumm Geschichten erzählen. Aus 5 Minuten werden Stunden.

Seine bereichernden Werke findet man außerdem auch auf Instagram (Scilista), Vimeo und Facebook. 

Simon kann durch seine Werke genau das vermitteln, was er erspürt. Er steht unermüdlich in der Authentizität seiner Botschaft durch die Kunst, die er erschafft.

„For the love of adventure, travel, humanity and cultural exploration“ (Für die Liebe zum Abenteuer, Reisen, zur Menschheit und kultureller Entdeckungen) steht auf seiner Homepage. Dies fällt vom Auge direkt ins Herz, bettet sich dort ein, während man das Zeugnis Simons mutiger Reisen betrachtet.

„Die Menschen können sich nur um etwas kümmern, wenn sie auch davon wissen“, bekräftigt der Fotograf, der selbst Vater ist und den man in Bangladesch nachdenklich in sich zusammenfallen sieht, als er an seine eigenen Kinder denkt.

Copyright Simon Lister

„Of all the paths you take in life make sure some of them are dirt“, schreibt Simon. „Bei allen Wegen, die Du im Leben nimmst, vergewissere Dich, dass einige von ihnen verschmutzt sind.“
In jedem einzelnen seiner Fotos findet sich in den Augen der Kinder eine Geschichte, die erzählt werden wollte und der Mut der Person, die das lebt, was sie denkt, fühlt und sagt.
Fotografie kommt aus dem altgriechischen und bedeutet so viel wie: „schreiben mit Licht“, weswegen „Tales by Light“ seinem Namen in jedem Moment absolut gerecht wird.

Copyright Simon Lister

Die Menschen, die sich entscheiden, denjenigen eine Stimme zu geben, die in der Dunkelheit unseres ausgeschalteten Fernsehers verschwinden, sind diejenigen, die besonders leuchten und für etwas brennen.

Etwas, was uns hoffentlich alle auflodern lässt, um unser eigenes Licht mit der Welt zu teilen.

Eure Carmela,
oder auch das_liebeslesen auf Instagram

P.S von Béa: Habt ihr auch solche wundervollen Tipps, die euch mit so klaren und guten Gefühlen bereichern? Lasst sie sammeln… gern Bücher, Dokus – alles was eure Herzen berührt. Erzählt bitte davon!


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Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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