Wie viel Kind darf ich noch sein, wenn ich erwachsen bin?


Ab wann gilt es als komisch, noch mit Puppen zu spielen? Bin ich zu alt, um Babybrei zu essen? Fragen und Fragen, die mich beschäftigen, und letztendlich nur zu einer einzigen bringen: Wie viel Kind darf ich noch sein, wenn ich erwachsen bin?

Vielleicht denkt ihr jetzt, dass sich diese Frage leicht beantworten lässt. Wir sind schließlich so alt, wie wir uns fühlen, oder? Und wenn ich an meine lieben Freundinnen Yvonne und Béa denke, die sehr viel Kind ich sich tragen, gibt es auch nichts, das diese Theorie widerlegt.

Aber wenn ich tief in mich hineinhorche, weiß ich, dass das eigentlich nicht stimmt. Ich bin kein Kind mehr. Nicht nur wegen meines ALTERS, sondern wegen meines VERHALTENS.

Wann haben wir aufgehört, Kinder zu sein?

Neulich führten eine gute Freundin und ich ein Gespräch über unsere Zukunftsängste und darüber, wie anstrengend es ist, erwachsen zu sein. Ehe wir uns versahen, schwelgten wir in alten Erinnerungen. Wir tauschten uns über unsere damaligen liebsten Freizeitaktivitäten aus, und wie sehr wir KIND  waren. Ich gestand ihr, dass ich noch bis zu einem recht späten Alter (10+) mit Barbies spielte, und sie mir, dass sie nach wie vor gern Babybrei isst. Wir lachten darüber und fragten uns, wann der Moment kam, in dem es seltsam wurde, Brei zu essen oder mit Puppen zu spielen. Gab es etwa eine unausgesprochene Regel, nach der man sich richten muss?

Meine Freundin sagte daraufhin etwas, das mich stutzen ließ:


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„Ich freue mich schon darauf, wieder kindische Sachen zu machen, wenn ich selbst ein Kind habe.“

Gemeint war damit all das, womit Kinder sich eher beschäftigen als Erwachsene, zum Beispiel im Dreck wälzen. Und auch von einem guten Freund hörte ich neulich, dass er, wenn er eines Tages ein Kind haben würde, sich einen Raum mit Lokomotiven zulegen würde. „Warum nicht schon jetzt?“, fragte ich ihn. „Na, weil ich dann der seltsame Typ mit einem Raum voller Lokomotiven wäre.“

Aber deshalb warten, bis man Kinder kriegt? Ich ließ mich schließlich trotzdem nicht von meinem Kind sein abhalten. Gut, ich spiele zwar nicht mehr mit Barbies, aber mein ältestes Kuscheltier liegt nach wie vor auf meinem Bett. Auch meine alten Comics reihen sich in meinem Bücherregal. Von meiner persönlichen Disney Videothek ganz zu schweigen…

Vielleicht wollen ja viele noch Kind sein, wenn sie erwachsen sind.

Diese Theorie stütze ich auf meinen letzten Kinobesuch, als meine Schwester und ich den
den zweiten Frozen Film anschauten, und ALLE restliche Besucher ERWACHSEN waren. Kein einziges Kind war unter ihnen! Möglicherweise sind viele von uns einfach nur fremdgesteuert und richten sich nach dem, was sie tun SOLLEN und nicht nach dem, was sie WOLLEN. Zum Beispiel Kinderfilme gucken.

Wie viel Kind darf ich sein, wenn ich erwachsen bin?

Meine Antwort: So viel, wie wir WOLLEN. Dieses ganze Erwachsensein mit der Verantwortung und den rationalen Entscheidungen ist zwar schön und gut, aber ich glaube, dass es von Zeit zu Zeit auch schön ist, das Kind in sich frei zu lassen und einfach machen zu lassen. Vor allem sollten wir uns nicht schuldig fühlen, wenn wir Interesse an Dingen finden, die als kindisch gelten. Who cares? Es ist doch unser Leben und wenn wir eine Dampflock haben wollen, so what?

Wie seht ihr das Ganze? Wir viel KIND tragt ihr in euch?

Liebe Grüße
Mounia


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Mounia
About me

Ich - 25 Jahre alt, Studentin, Kinderanimateurin, begeisterte Hobbyköchin und abenteuerlustig! Meine absolute Leidenschaft ist das Schreiben und Festhalten von Momenten.

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2 Kommentare

Hana Mond
Antworten 12. Januar 2020

Diese Fragen habe ich mir als Teenager gestellt, wo es wichtig war, auf andere erwachsen zu wirken.
Inzwischen nicht mehr - ich kann Plüschtiere knuddeln und Kinderserien schauen, soviel ich möchte. Mir ist es egal, ob ich "die komische Trulla mit dem Eisenbahnzimmer (oder der Plüschtiersammlung oder sonstwas)" bin - die meisten Menschen geben viel zu viel auf die Meinung anderer. Unsere Freunde - also diejenigen, die im Zweifelsfall das Eisenbahn- oder Barbiezimmer zu Gesicht bekommen) mögen uns doch schließlich, WEIL wir eben wir sind und nicht eine völlig klischeehafte Durchschnittsperson.

Vielleicht trifft der Eisenbahnfreund mal eine Frau, die auch Eisenbahnen liebt und die sein Eisenbahnzimmer überzeugen würde, dass er genau der richtige ist - oder ihn einfach dafür mag, dass er seine Leidenschaften auslebt? Vielleicht wird er auch der King im Freundeskreis, weil alle Kumpels und Kumpelinen auch gern damit spielen wollen?

Ehrlich, es gibt keinen Grund, NICHT seine kindlichen Freuden auszuleben, solange man erwachsen genug ist, seine Rechnungen zu bezahlen.

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